Orsowa, 30. Mai. Hier internirt gewesene serbische Freiwillige, 120 an der Zahl, find durch Honved⸗ Soldaten an das jenseitige serbische Ufer befördert worden.
Frankreich. Paris. Der„Moniteur“ erklärt das Gerücht für unbegründet, daß Mar- schall Mac Mahon, im Falle neue Schwierigkeiten entstehen würden, sein Amt als Präsident der Republik niederlegen wolle; der Marschall habe niemals einen solchen Gedanken gehegt und sei fest entschlossen, seine Gewalt bis zum Ablauf seiner Amts-Periode in Händen zu behalten, seine Pflichten zu erfüllen und die ihm zustehenden Rechte auszuüben. 5 5
— Beßüglich der Mittheilung der Pforte über Verhängung des Belagerungs-Zustandes in Con⸗ stantinopel und die eventuelle Ausführung der damit zusammenhängenden Maßregeln gegen Fremde ist Seitens der Mächte eine Erklärung nicht er⸗ folgt. Dieselben werden abwarten, wie die Pforte den Belagerungs-Zustand praktisch handhaben wird, und dem entsprechend ihre Entschließungen treffen.
Belgien. Seraing, 30. Mai. Die Arbeits ⸗Einstellung der Arbeiter in den Kohlen- gruben kann als beendigt betrachtet werden; die · selben haben fast sämmtlich die Arbeit wieder aufgenommen. Eine weitere Ruhestörung hat nicht stattgefunden. 5
Holland. Haag, 29. Mai. Die Königin ist seit gestern erkrankt. Ihr Befinden war heute Nachmittag besorgnißerregend.
Großbritannien. London. Der „Morning Post“ zufolge hätte die Pforte be · schlossen, Ausländer in ihren Dienst zu nehmen; eine Anzahl englischer Offiziere stände im Begriff, in die türkische Armee einzutreten.
Spanien. Madrid. Die Regierung bat beschlossen, jede öffentliche religiöse Kundgebung zu untersagen, welche zum Vorwande karlistischer Umtriebe dienen könnte.
— Die Verhandlungen zwischen Deutschland und Spanien bezüglich der Heranziehung der auf Cuba domicilirenden Deutschen zur Kriegssteuer sind zu einem beiderseits befriedigenden Abschluß gebracht. b
Türkei. Constantinopel, 29. Mai. Seitens der Regierung wird beute zugegeben, daß die Wiedereinnahme von Ardahan nicht officiell bestätigt ist. Einer Meldung aus Suchum⸗ Kale zufolge hätten die Türken den befestigten Platz Zill eingenommen, nachdem die russische Besatzung sich zurückgezogen babe.
— der amerikanische Staats secretär Evarts theilte dem hiesigen Vertreter der Vereinigten Staaten neuerdings bei ihm eingegangene Be⸗ schwerden über die Behandlung der Juden in der Türkei und Rumänien mit und forderte denselben auf, Schritte bei der Pforte Behufs Besserung der Lage der Juden zu thun.
— Um die in den letzten Tagen vorgenommenen zahlreichen Verhaftungen zu rechtfertigen, gibt die Pforte dem diplomatischen Corps bekannt, daß eine auf Absetzung des Sultans und der heerschen⸗ den Dynastie überhaupt gerichtete Conspiration entdeckt wurde. In Wirklichkeit ist von einer Conspiration keine Rede. Es handelt sich einfach um Beseitigung der Anhänger Midhat's, die sich bei den letzten Demonstrationen durch offene Agitation für die Zurückberufung Midhat's miß · liebig gemacht hatten.
— 30. Mai. Telegramm des Ministers des Aeußern an die Vertreter der Pforte im Auslande: Ardahan, dessen Einnahme durch die Russen ich Ignen anzeigte, ist von den Türken wieder ge⸗ nommen(s. oben unterm 29. Mai).
— Die Bewegung wächst; die Kammer er- klärte sich in Permanenz. Mukhtar Pascha soll abgesetzt und vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Es gebt das Gerücht, die Oppositions- Partei wolle Mid hat Pascha, der bereits unterwegs sei, zum Dictator ausrufen und der Sultan wolle nach Adrianopel übersiedeln.
Rustschuk, 30. Mai. Auf Befehl Osman Pascha's ist die Donau bei Adakaleh neuerdings gesperrt. Die Türken legen bei Bregova an der serbischen Grenze Versch anzungen an. i
berührten Fragen einzugehen.
Serbien. Belgrad, 30. Mai. Der Metro · polit celebrirte gestern ein Hochamt, um den göttlichen Schutz für die russischen Waffen anzurufen; der Fürst, die Fürstin, die Minister und der Seeretär des russischen Consulats wohnten demselben bei. Ehemalige serbische Freiwilligen Offiziere sind zurück- gekehrt, weil sie weder in die russische Armee noch in die bulgarische Legion Aufnahme gefunden haben.
— Die Türken überfielen die serbische Drina- Insel Adabujaklitsch, tödteten mehrere Feldarbeiter und führten andere mit sich fort. Zwei öster⸗ reichische Monitors liegen vor Belgrad.
— 31. Mai. Die„Agence Russe“ erfährt über die augenblickliche Lage Serbiens, daß das- selbe beschlossen habe, Angesichts der Verwicklungen, die ein Krieg Serbiens gegen die Türkei herbei⸗ führen könnte, striete Neutralität zu bewahren.
Rumänien. Bukarest. Wegen der wieder ⸗ holten Unfälle auf den rumänischen Bahnen ist General⸗Director Gillouse vom Großfürsten Niko— laus nach Plojesti berufen worden. Der ganze Betrieb auf den rumänischen Eisenbahnen soll binnen Kurzem ausschließlich in russische Hände übergehen. Das abnorme Austreten sämmtlicher Flüsse verursacht sehr bedeutenden Schaden.
— 30. Mai. Nachrichten aus Plojesli zu- folge ist der Bahnkörper zwischen Barboschi und Braila durch kolossales Austreten der Donau derart unterwaschen, daß der Verkehr zeitweise sistirt ist.
Griechenland. Athen, 31. Mai. In Folge der Demission des Cabinets Deligeorgis hat der König Komunduros zu sich berufen und dieser hat unter Mitwirkung von Trikupis und Deliannis folgende Ministerliste aufgestellt: Komunduros Inneres, Kontostorkos Auswärtiges, Papmicholo⸗ polos Inneres, Stiropulos Finanzen, Sotiros Petmezas Krieg, Kanaris Marine.
Rußland. Petereburg, 30. Mai. Eine biesige Correspondenz im Brüsseler„Nord“ saat, Rußland habe weder den Wunsch noch ein Interesse, auf die von dem englischen Staats-Secretär Croß Das einizige Ziel des Krieges bleibe die ernstliche Besserung des Looses der Christen in der Türkei bei ausge— dehnteren und wirksameren Garantien, als die früheren diplomatischen Programme festgestellt. Hätten auch die Mittel gewechselt, so bleibe doch der Zweck derselbe. Um denselben zu erreichen, brauche Rußland nicht nur nicht die Interessen Englands anzugreifen; es sei vielmehr interessirt, den Wünschen der englischen Regierung Genüge zu leisten, um rascher das gewünschte Ziel zu er— reichen. Die Antwort Rußlands werde geeignet sein, das englische Cabinet völlig zu beruhigen.
— 30. Mai. Großfürst Wladimir ist gestern zur Donau- Armee abgereist. Demnächst begibt sich auch Prinz Sergei Maximilianowitsch in's Haupt- quartier. Die Constantinopeler Nachrichten über die Wiederbesetzung Ardahan's durch die Türken sind unwahr.
Amerika. Washington. Das Cabinet hat beschlossen, die mexicanische Regierung in einer Note aufzufordern, daß sie den räuberischen Ein- fällen in Texas sofort steuere, widrigenfalls Bundes- truppen die Räuber versolgen und züchtigen würden.
Aus Stadt und Land.
Gießen. Mittwoch den 6. Juni wird die Aufführ⸗ ung des Oratorium„Elias“ von Mendelsohn in hiesiger Stadikirche stautfinden. Die Soloparihien ruhen in den Händen der Frau Weiffenbach von hier(Alt), Frl. Breiden⸗ stein von Erfurt(Sopran), Ruff von Mainz(Tenor) und Guta von Hamburg(Baß), Der Orgelpart endlich liegt in den känstlerischen Händen des Capellmeisters Lux aus Mainz. Für die Concertbesucher aus der Umgegend sei noch bemerkt, daß das Oratorium„Elias“ zur Auf⸗ führung nicht so lange Zeit wie im vorigen Jahr der „Messias“ beansprucht. Der„Erias“ bat nur 2 Theile und dauert längstens 2 Stunden, somit können die Abend⸗ züge lechizeitig zur Heimkehr benutzt werden.
Allerlei.
Nürnberg. Die 22. allgemeine deutsche Lehrerver⸗ sammlung tagle in Fürih vom 21. bis 24. Mai unter dem Vorsitze des Schulraihs Hoffmann aus Hamburg. Bezüglich der Reform der deulschen Rechischreibung ge⸗ langte folgende Resotution zur Annahme: 1) Die 22. all⸗ gemeine deul che Lehrerversammlung begrüßt die Bestreb⸗ ungen zur Reform der deulschen Rechtschreibung auch im Jateress: der Volksschulen mit dankbarer Anerkennung. 2) Die Versemmlung wünscht, daß über die Beschlüsse
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der Berliner Conferenz hinaus das phonetische Prinhiß in der Rechtschreibung durchgreifend zur Geltung gelange. Die Bersammlung erklärte sernet eine nach gleichen Grund ⸗ sätzen und Rubriken entworfene deutsche Unterrichtsstatistik für wünschenswer th. N
Posen. Die„Pos. Zig.“ meldet unter dem 28. Maf: „Ein entsetzlicher Unglücksfall haß sich aessern in der katho⸗ lischen Kirche zu Weeschen ereignel. Ein kalter Blitzschlag fuhr während des Gottesdienstes in den Tburm, zer⸗ trümmerte das Dach, an einigen Stellen die Mauer, die Gesimse und die Scheiben in den obersten Fenstern, tödtete 4 und verletzte 40 Personen. Ein furchtbares Geschrei entstand in der Kirche, und Alles suchte voll Anast die Ausgangsthür zu gewinnen. Der Geiftliche vollendete zunächst das Hoch Amt, aber in aller Stille, da die Orgel verstummte, und spendete sodann den Verunglückten Trost. Ein Kürschner⸗Geselle war sosort todt; einem Lehrer aus Oblaczkowo waren die Schultern zerrissen und der Kopf verwundet, seiner Frau wurde der Ellenbogen verletzt, und es erstarrten ihr beide Füße.“
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 30. Mai. Der beutige Heu- und Stroh⸗ Markt war aut befahren. Heu kostete je nach Qualität ver Centner M. 4—6.20., Stroh per Centner M. 3.50—4 20. Rutter im Großhandel das Pfund 1. Qual. M. 1.30. 2. Qual. M. 1.20., im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.50 bis 1.60., 2. Qual. M. 1.40., Eier, gewöbnliche, das Hundert M. 4.20—40., italienische M. 5 50. Spargel das Pfund 5060 Pf. Kartoffeln ver 100 Kiloar. M. 8— bis 8.50. Erbsen, ageschälte, per 100 Kiloar. M. 30—32., ganze Erbsen M. 24—28., Bobnen M. 22— 26, Linsen M. 36 40. Ochsenfleisch per Piund 70 Pf., Rinofle isch 55-60 Pf., Schweinefleisch 75 80 Pf., Kalbfleisch 60 70 Pf., Hammelfleisch 47-63 Pf.
Minz, 30 Mai. Preducten-Markt. Walen ver Mai 25.—. Korn per Mai 18.—. Haber per Mai 16.75. Nübßf per Mai 35 50 ver Oct, 34 15
Anleitung zur Vertilgung der Kleeseide.
Die Kleeseide gebört zu den Phanerogamen-Schmarotzern der Gatiung Cuscuta, von deren in Europa vorkommenden vier Arten vornehmlich die Klee- oder Quendelseide(Cuscuta Epithimum) gefährlich ist, wie sie auf Klee und allen klee⸗ artigen Pflanzen, also auch auf Luzerne ꝛc., sowie auf Quendel, Ginster und Heidekraut schmarotzt. Die Kleeseide pflanzt sich durch Samen fort, welcher im Boden keimt und mehrere Jabre keimfähig zu bleiben scheint, sich auch wohl durch den Stallmist zu übertragen vermag. Der Samen ist etwas abg flacht und eckig, rauh an der Ober— fläche und matt gelblich bis graubraun von Farbe; er ist im Durchschnitt etwas kleiner als der Samen des Weiß⸗ klee, ist jedoch in seiner Größe so bäufig abweichend, daß sein Durchmesser von 0,75 bis 1,75 Millimeter wechselt und da überdies die Samentäschchen mit ihrem Inbalt öfters in dem Kleesamen verbleiben, so ist die vollständige Reinigung des letzteren von dem Samen der Kleeseide äußerst schwierig oder ganz unmöglich. Außerdem kann der Samen nuch durch die Luft auf die Felder übertragen werden. In der ersten Periode nach der Keimung wächst die Pflanze selbsiständig für sich und zwar sebr rasch, so daß sich schon elwa vier Wochen nach der Keimung die weiße bis röth⸗ liche Blüthe einstellt und sechs Wochen nach Beginn der Keimung eine neue Besamung erfolgt. Während der Blüthe sticbt die Pflanze von der Wurzel aus allmählig ab, lehnt sich aver zugleich an die ihr benachbarte Nährpflanze (Klee ꝛc.) an, umschlingt dieselbe und lebt nunm hr auf letzterer fort, indem sie an ihren Spitzen unausgesetzt neue jadensöemige gelb oder röthlich gesärbte Siengelgebilde treibt, welche immer neue Blüthen hervorbringen. Aus diesen Gründen ist die Vernichtung der Kleeseide auf dem Felde ebenso schwierig wie ihre Ausscheidung aus dem Kleesamen. Die Gefahr für die Nährpflanze beginnt schon k rze Zei nach der Aussaat und dauert für alle Zeit fort; — das einzige ganz zuverlässige Mittel ist das Ausgraben oder Umpflügen der mit Seide behafteten Stellen. Zeigt sich die Kleeseide nur an einer oder an seht vereinzelien kleinen, nicht über ein Meter im Duichmesser betragenden Stellen und in einer durchschnittlichen Entfernung der⸗ selben von etwa 15 bis 20 Metern, so werden die be⸗ treffenden Stellen in einem eiwas größeren Umkreise auf elwa 20 bis 25 Centimeter tief sorgsältig umgegraben, so daß nirgends eine Spur von Kiee auf der Oberfläche sichtbar bleibt. Finden sich im weiteren Verlaufe nach Ausführung dieser Maßregel wieder neue Stellen mit Kloe⸗ seide oder zeigt sich letztere überhaupt bald in größere Ausdehnung und Menge als oben angesührt, so daß eine Einschränkung derselben durch vloses Umgraben der ein⸗ zeinen Stellen von sehr zweifelhaftem Erfolge zu bleiben verpricht, so ist das ganze Feld in einer Tiefe von min⸗ destens 12 bis 15 Centimeles umzupflügen dezw. umzu⸗ graben. Bei sehr unbedeutendem und deschränktem Auf⸗ treten der Kleeseide in noch ganz jungem Klee kann das Verbrennen der Kleeseidestellen, nach vorherigem Absicheln, mit Stroh, welches in Peiroleum getränkt ist oder das dichte Bedecken derselben mit Gerstenspreu versucht werden. Zur Sicherstellung vor der Verwüstung der Felomark duich die Kleeseide wird es nothwendig sein, daß in den jenigen Gemeinden, auf deren Fluren sich die Kleeselde gezeigt har, von Seiten des Ortsvorstandes zur Ueber- wachung der Felder eine, bezw. zwei oder drei Commissionen (je nach dem Umfang der Gemarkung) von je drei Mii⸗ gliedern ernannt werden uud wird diese Bildung von Commissionen unier Nennung der Miiglieder derselben in der Gemeinde zu publiciren sein. Zur Erfüllung ihrer Aufgabe werden die Commissionen von Anfang Mai an die alten und nach allgemeiner Beendigung der Getreide—
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