Großbritannien. London, 26. April. In der Sitzung des Unterhauses erklärte Bourke anläßlich von an die Regierung gerichteten An- fragen: Keiner der kriegführenden Theile habe die Absicht angekündigt, eine Blokade zu verfügen. Der britische Botschafter Lord Loftus habe Peters⸗ burg nicht verlassen. Graf Schuwaloff werde nur einen kurzen Urlaub nehmen. Der Seeretär der Admiralität Egerton beantwortete eine Anfrage Cartwright's dahin: die Admiralität habe den in türkischen Diensten stehenden Admiral Hobart Pascha darauf aufmerksam gemacht, daß er, wenn er an den Feindseligkeiten sich betheilige nicht eng- lischer Offizier bleiben könne.
— 27. April. Im Oberhause stellte Lord Stratheden die Anfrage an die Regierung, inwie— weit sie der Erklärung des russischen Rundschreibens beipflichte, daß Rußland die Ansicht und die Interessen Europa's vertrete. Lord Derby er—
wiederte, die Anfrage sei eine ungewöhnliche, weil ste nicht auf etwas gerichtet sei, was die Regierung gethan habe oder gegenwärtig thue oder zu thun beabsichtige, sondern darauf, ob die Regierung gewissen Ansichten zustimme, welchen eine fremde Regierung in einem an England und ganz Europa gerichteten Schriftstücke Ausdruck gebe. Er glaube die Frage am besten zu beantworten, wenn er sich auf die Erklärung beschränke, daß England in keiner Weise durch die von Rußland ausge- drückte Meinung gebunden sei, und daß England weder die Schlußfolgerungen noch die Argumente, welche jenes Schriststück enthalte, thatsächlich acceptire oder sich aneigne.
—„Die Morning-Post“ bezeichnet ihre Mel⸗ dung, daß die beurlaubten Offiziere zu ihren Regimentern einberufen seien, als unrichtig, wohl aber seien die Arsenal-Behörden von Portsmouth und die Schiffbauer in Glasgow angewiesen wor den, den Bau und die Reparatur von Kriegs- Schiffen zu beschleunigen.
Spanien. Madrid. Der Finanzminister bat dem Congreß das Budget vorgelegt; dasselbe balancirt in Einnahmen und Ausgaben mit 735 Millionen.
Türkei. Constantinopel, 26. April. Zwischen den Russen und Türken haben bereits zwei Gefeckte an der Grenze in Asien stattgefunden, das letzte bei Gumu in der Richtung auf Kars; zu einem bedeutenden Kampf ist es jedoch noch nicht gekommen. In seiner Proclamation, welche der Sultan an die Führer der Flotte gerichtet hat, wird denselben vornehmlich das Schicksal der Mohamedaner in der Krim und im Kaukasus an's Herz gelegt, welche unter dem russischen Joche seufzen.
— 26. April. Christich wurde definitiv zum serbischen Agenten ernannt. Ein Telegramm Hassan Pascha's, des Commandanten der Batumer Divisson meldet: Zwei Stunden von der Glenze wurden die vorgerückten Russen am 25. d. von den Türken aufgehalten. Im gestrigen Kampfe verloren die Russen 800 Mann; heute wird der Kampf fortgesetzt. Ein Theil der türkischen Flotte bombardirt Chefketil.
— 27. April. Die Russen haben Giurgewo besetzt. An der Donau hat noch kein Zusammen⸗ stoß stattgefunden. Ein Telegramm Hassan Pascha's aus Batum vom 26. meldet: Wir haben mit den Russen ein günstiges Gefecht gehabt; letztere, welche ihrerseits keine Deckung hatten, griffen die wohlgedeckt aufgestellten türkischen Truppen an und erlitten nicht unerhebliche Verluste. Die türkische Flotte bombardirt Poti. Gegen Mon⸗ tenegro haben dem Vernehmen nach der Com- mandirende in Scutari und der Oberbefehlshaber in der Herzegowina gleichzeitig Offensivbewegungen begonnen.— In Rustschuk sind Abdul Kerim, Achmed Ejub und Hobart Pascha zu einem Kriegs- raths eingetroffen. Eine russische Flottille wird auf ber Donau erwar'et. Die Russen haben an der, Sereth⸗ Mündung Torpedos gelegt. Die türköschen Monitors haben zwei russische mit Weizen beladene Schiffe gekapert. Die Türken besetzen die berhalb, Silistria's gelegenen Donau-Inseln.
Serbien. Belgrad, 27. April. Das
„N. W. T.“ meldet: Die Türkei verlangt von Serbien dit Zusage vollständiger Neutralität und
hat das Ersuchen gestellt, einer türkischen Truppen⸗ Abtheilung den Durchzug durch das serbische Ge⸗ biet nach Kladowa zu gestatten. Der Generalissimus Abdul Kerim Pascha benachrichtigte unmfktelbar darauf den serbischen Commandanten Horvatovie in Negotin, daß eine türkische Truppen Abtheilung Befehl habe, gewisse strategische Positionen an der Donau, besonders Kladowa, zu besetzen. Der serbische Ministerrath beschloß, einen Protest hie— gegen nach Constantinopel zu richten mit der Er⸗ klärung, Serbien werde sich dem Durchmarsche der türkischen Armee mit Waffengewalt widersotzen.
— Bis jetzt ist hier von einer beabsichtigten Action des Wiodiner Truppencorps gegen Serbien nichts bekannt. Im Negotiner Kreise stehen Truppen unter General Horvatovic bereit. Das Kriegs- ministerium sorgt für alle Eventualitäten vor; indeß bis jetzt ist noch keine auf eine Action deutende Ordre ausgegeben worden.
Montenegro. Cettinje, 27. April. Das russische Kriegs Manifest ist hier mit dem größten Jubel aufgenommen worden. Dem Fürsten ist vom Kaiser von Rußland der militärische St. Georgs-Orden verliehen worden. Der Woi— wode Peter Vakotits ist nach Grahovo beordert, wo eine starke Vorhut der Montenegriner Stellung genommen hat. Peco Pejovits ist mit 1600 Mann nach Drobniak abmarschirt, um die Offensive gegen Berane hin zu ergreifen. Die Bataillone von Czmitz unter Mascha Djurovits besetzten gestern Sestane(Albanien). Der montenegrinische Dele— girte Radonits ist vorgestern vom Grafen Andrassy empfangen worden und wird nächster Tage hier erwartet.
Rumänien. Bukarest, 26. April. Das elfte russische Armee-Cocps unter Füxst Schahorsky
Rußland. Petersburg, 26, April. Der seitherige türkische Geschäftstraͤger ist mit dem Botschafts-Personal heute früh abgereist.
— Die Stärke der russischen Süd⸗ Armee wird neuerdings auf etwa 300,000 Mann ange⸗ geben. Hierron sollten bis zum 30. April an- geblich 255,000 Mann, 34,000 Pferde und 688 Geschütze, mit Ausschluß des Belagerungsparkes, die rumänische Grenze passtren.
—(Amtliche Meldung.) Bei Meikasder fand am 25. April ein Gefecht statt. Abends wurde ein Baracken-Lager der Türken genommen. Die Russen sind bis Kisilttach vorgedrungen.
— Ein bei dem Kriegsministerium über die Operationen an der Kaukasus Grenze eingegangenes Telegramm lautet: Am 26. April überschritten die in Alexandropol versammelten Truppen die Grenze. An diesem und dem nächsten Tage fanden kleinere Gefechte statt, wobei die Russen 31 Mann verloren, dagetzen 7 fürkische Offiziere und 100 Soldaten gefangen nahmen.— Ein kaiserlicher Erlaß verleiht dem Großfürsten⸗Oberbefehlshaber der Kaukasus-Armee das Recht, nöthigenfalls den Kriegszustand zu proclemiren.— Aus Kischeneff wird gemeldet, daß Großfürst Wladimir daselbst eingetroffen ist und General Tschernajeff sich dem Oberbefehlshaber vorgestellt hat.
— 28. April. Fürst Chabowski, Befehls- haber des 11. Armeecorps, besetzte gestern Galatz und Braila; die 36. Division besetzte Ismail und Kilia; die Truppen werden überall mit Be⸗ geisterung aufgenommen.
Kischeneff, 26. April. Truppen ⸗Abtheil⸗ ungen, aus Infanterie, Cavalerie und Artillerie bestehend, unter dem Befehle des Obersten Biskupskgp, besetzten am 25. April Galatz, Braila und die
marschirt seit gestern gegen Husch vor. Bis heute Abend 5 Uhr hat noch keinerlei Zusammenstoß stattgehabt. Die Zahl der bisher in Rumänien eingerückten russischen Truppen wird auf 80,000 geschätzt. Dieselben haben den Sereth und die Donau noch nicht überschritten und scheinen gegen die Dobrudscha hin vorgehen zu wollen, wo sie geringe Streitkräfte vermuthen.
— 26. April. Es wird versichert, der Fürst Carol habe beim Empfang des von Kischeneff zu- rückgekehrten russischen Agenten gegen den Einmarsch; der Russen, ohne vorherige Avisirung der ru— mänischen Regierung und ohne den Zusammentritt der Kammern abzuwarten, protestirt.— Die Türken unternahmen noch keine feindliche Bewegung gegen die rumänische Grenze. Die rumänischen Truppen räumten die Festung Kalafat und ließen nur die für den Platzdienst nothwendige Mann- schaft zurück.— Zwei in Galatz stationirte eng— lische Kanonenboote scheinen nur den Zweck zu haben, die britischen Unterthanen für den Fall eines Bombardements der Donauhäfen zu schützen.
— 27. April. Gestern sind zwei türkische Monitors zu je fünf Kanonen behufs Sondieung bis zur Mündung des Sereth vorgedrungen. Die Russen setzen ihre Concentrirung bei Barbosch fort. Die Eisenbahnstrecken Jassy Turgulu und Dohalska⸗ Paskany find in Folge von Ueberschwemmung un fahrbar. Nachmittags sind die Russen in Braila eingerückt.— Der Senat hat die ministeriellen Candidaten Jepureanu und Demeter Bratiano in das Präsidium gewählt. Die Deputirtenkammer hat das Requisitions-Gesetz angenommen. ö
— 28. April. Die Regierung beabsichtigt, demnächst bei der Kammer einen Gesetz- Entwurf einzubringen, wonach die Verfassung suspendirt, der Fürst mit discretionärer Gewalt ausgestattet und die Kriegsrüstungen in größtem Maßstabe durchgeführt werden sollen.— Zu Silistria wird eine größere Truppen Bewegung wahrgenommen. Man befürchtet eine türkische Invasion. Die Stimmung ist sehr gedrückt.
Galatz, 28. April. Nach einer Depesche kreuzen türkische Panzerschiffe vor dem Hafen von Galatz. Zahlreiche russische Truppen hätten Galatz passirt. Die Schifffabrt sei eingestellt; neutrale Schiffe dürften nach Verlauf eines zur Beendigung ihrer Ladung geeigneten Zeitraums die Weiter- reise antreten; flußaufwärts dürfe von morgen an kein Schiff mehr fahren.
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Brücke über den Sereth Der General- Gouverneur von Moskau erhielt ein Telegramm des Kaisers, worin der Moskauer Stadt- Duma der Dank ausgesprochen wird für die Bewilligung 1 Million Rubel für sanitäre Zwecke und tausend Betten.
— 27. April. Aus Alexandropol vom 26. d. wird gemeldet: Heute hat das erste Scharmützel unweit der von hier nach Kars führenden Militär- straße stattgefunden. Mehrere türkische Offiziere und gegen 100 türkische Soldaten sind gefangen.
Aegypten. Alexandria, 28. April. Der„Köln. Ztg.“ wird gemeldet: Genauere In- formationen bezeichnen die Nachricht über den Abschluß des Friedens zwischen Oberst Gordon im Namen des Khedive und dem König von Abessinien als verfrüht. Bisher seien 5000 Mann Aegypter zur türkischen Armee abgegangen; der Kriegsminister rüste weitere 20,000 Mann für die Türkei aus. Aegypten habe die Türkei auch mit Geldmitteln unterstützt.
Aus Stadt und Land.
Gießen. Der Schwurgerichishof vom JI. Ouartal hat ferner in folgenden Ankla esachen erkannt: Am 21. April gegen Heinrich Roth von Frischborn wegen Versuchs eines schweren Diebstahls Zuchthausstrase von 1 Jahr 6 Monaten. Denselben gegen Christtan Dörr von Flensungen, wegen Diebstahls und Urkundenfälschung, Gefängnißstrafe von 4 Wochen. Den 23. April gegen Heinrich Damm von Ockstadt und Consorten wegen Diebstabls ꝛc., auf Ver⸗ taßung wegen eingetretenen Hindernisses. Den 24. April gegen Heinrich Kreischmar von Bobenhausen, wegen Dieb⸗ stahls Gefänguißstrase von 3 Monate 14 Tagen. Den⸗ selben, gegen Daniel Bollmann von Schweinsberg, wegen Diebnahls, Gesäugnißfttase von 4 Wochen. Hiermit haben die diesmaligen Quartalssitzungen ihr Ende erreicht.
Darmstadt, 27. Apul. Heule Nachmittag verstarb nach kurzem Krankenlager der Präsident des Ober Con⸗ sistorsums, Geheimerath Dr. Kritzler dahier. N
Darmstad i. Ein hiesiges Blatt bringt die merk⸗ würdige Nachricht, daß seit einigen Tagen auf dem Roß⸗ berg, einer bei Oberramstadt gelegenen Basalikuppe, die der ganzen Umgegend die blauen Pflastersteine liefert, ein Bergrulsch stanifinde.
Bessungen, 28. April. Heute Nacht drangen Diebe mittelst einer Leiter in das Postlocal ein und stahlen die Posikasse, in welcher sich über 1000 M. befunden haben sollen, sammt dem Kassenschrant. Man hal Grund zu der Annahme, daß der Diebflahl nur von 2 Personen ver⸗ übt wurde; es gelingt hoffentlich den Bemühungen der Sicherheitsbehörde die Thäter dingfest zu machen.
Mainz, 28. Ap lil. Der Tempel der Loge der „Freunde zur Eintracht“ ist heute kurz nach Mittag durch ein, wle es scheint, auf dem Bodenraum des Saalgebäudes aus⸗ gebrochenes Feuer gänzlich niedergebrannt, einschl. sast der ganzen Einrichtung. Nebstdem litten die nebenanliegenden Gebäude, namenll. ein größeres, beträchtlich, so daß det Brand durch seine Ausbreitung an den der Fruchthalle erinnerte.
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