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— Nachdem Mukhtar Pascha sich von Trebinje und Dieladdin Pascha von Stolae aus in Be- wegung gesetzt hatten, schlossen dieselben plötzlich am 24. Aug. mit 7 Bataillonen und 600 Baschi Bozuks den Ort Popovo ein und machten einen Angriff auf eine Abtheilung von 700 Insurgenten, welche sich nach kurzem Gefechte zurückzogen. Am 25. erhielten die Insurgenten Verstärkung, ebenso die Türken. Da Mukhtar Pascha noch 3 Bataillone und 4 Geschütze herangezogen, hat, so wurde gestern eine Erneuerung des Kampfes erwartet.
— 28. Aug. Sir Henry Elliot und General Ignatieff werden ihre Posten definitiv aufgeben. Ersterer tritt gänzlich zurück, Letzterer erhält eine andere diplomatische Bestimmung. Die Pforte beharrt dabei, daß Milan direct um Frieden bitte; die Forderung des Besatzungs-Rechts in Belgrad und Semendria hat die Pforte aufgegeben, ver ⸗ langt aber eine große Kriegssteuer und die Schleif⸗ ung der Festungswerke im Morawa. Thal.
— 29. August. Die„Pol. Corr.“ meldet, daß auf Betreiben Midhat Pascha's der Minister- Rath unter Zuziehung der Großwürdenträger im Prineipe den Thronwechsel und die Proclamirung des Erbprinzen Abdul Hamid zum Sultan be— schlossen habe. Diese unmittelbar bevorstehende Aenderung werde sich jedenfalls vor Beginn des nächsten Ramazan vollziehen.
Serbien. Belgrad, 27. August. Dem „Reuter'schen Bureau“ wird gemeldet, daß die Seitens der Regierung eingeleitete Friedens-Aetion von der Bevölkerung ungünstig aufgenommen und die Unzufriedenheit mit den Friedens Tendenzen der Regierung im Wachsen begriffen sei. Die Zeitung„Istok“ brachte einen kriegerischen Artikel, welcher allgemein als Ausdruck der öffentlichen Meinung angesehen wird. Die Regierung habe, vielleicht unter dem Eindrucke dieser Stimmung, die Seitens der Consuln geforderte Einstellung der Feindseligkeiten verweigert,
— 27. August.(Amtliche Meldung.) Die Armee des Generals Tschernajeff hat gestern die Offensive ergriffen, im Vorrücken Stanzi besetzt und die türkische Stellung zwischen Dobrajevatz und Katun angegriffen. Mittags erhielt die Armee Fühlung mit dem über Arandjel herangerückten Corps des Oberst Horvatovies. Obwohl der Kampf von früh bis Abends dauerte, sind die Verluste der Serben, Dank dem unebenen Terrain, doch nur unbedeutend.
— 28. August. Der„Pol. Corr,“ wird ge— meldet: Da die Pforte den Abschluß eines Waffen- stillstandes von der vorherigen Kenntniß der even- tuellen Friedensgrundlagen abhängig zu machen beabsichtigt, so schweben gegenwärtig zwischen den Großmächten Verhandlungen zur Erzielung einer Vereinbarung über die wesentlichsten Punkte der Friedens- Präliminarien. Das Resultat dieser Verhandlungen soll den kriegführenden Parteien gleichzeitig mitgetheilt und auf Gtund dessen die Vereinbarung einer Waffenruhe betrieben werden.
Amerika. Philadelphia. Nach einer „Times“-Depesche vom 27. Aug. wird gemeldet, daß die Sioux jeden Kampf mit den Truppen vermeiden wollen. Ein Theil will nordwärts in britisches Gebiet sich zurückziehen, aber General Miles bewacht mit einem Regiment Infanterie den Gallonstone River, um sie an der Ueberfahrt zu bindern.
Aus Stadt und Land.
Darmstadt, 28. Aug. Heute Nacht starb in Folge eines Brust-Leidens Ministerial- Rath Göhring im Alter von 50 Jahren. Der Verstorbene war seiner Zeit Be— vollmächligter Hessens im Bundesrathe, und seit neuerer Zeit dazu berusen, als Rah im Ministerium der Finanzen die Steuer⸗Reform anbahnen und ausführen zu helsen.
Darmstadt. Die Industrie-Ausstellung dahier er— freut sich sortwährend eines zahlreichen Besuchs. Sehr viele größere Zeitungen bringen die günstigsten und aus— führliche Berichte, welche wohl das auswärtige Publikum für die noch kurze Dauer ber Ausstellung bis zum 11. September zur Besichtigung derselben anregen dürften, umsomehr, da die Preisermäßigung der Eisenbahnen hier— zu besonders einladet. Für die folgenden Sonntage ist das Eintrittsgeld auf 50 Pf. für Erwachsene und 25 Pf. für Kinder festgesetzt. Für die näher gelegenen Schulen empfehlen wir den Besuch der Kinder unter Führ⸗ ung der Lehrer ganz besonders, wie dieses auch bereits von vielen Seiten geschah.
Allerlei.
voriger Nummer des Anzeigers mitgetheilten noch folgende Feuersbrünsie in den Zeitungen verzeichnet: In Daun in der Eifel sind 64 Häuser niedergebrannt, in Mühlhausen im Elsaß 1 große Fabrik und 6 Häuser, in Beutel(Bayern) 6 Bauernhöse, in Krombach(Bayern) die Kirche, in Psorz⸗ heim der Gasthof zum Hirsch, in Ludwigshasen 1 Essig⸗ fabrik, in Beidl bei Amberg die Kirche und 16 Häuser, in Barup(Lippe Detmold) 26 Häuser, in Creseld eine chemische Fabrik, in Rees(Westphahlen) 5 Häuser, in Salza bei Langensalza 20 Häuser; im Circus Salamonsky in Kassel wurde ein Feuer im Entistehen erstickt, im Forst Tanne auf dem Harze brannten 160 Morgen Wald, in Weißenbach bei Brückenau brannten 600 Morgen nieder.
Frankfurt. Ein Louis, Namens Lutz, welcher vor mehreren Wochen einen Mann meuchlings in der Pro⸗ menade angefallen und ihn in den Rücken gestochen hatte, dem ihn verhaftenden Schutzmann aber in Folge der Haltung des für ihn Partei nehmenden Publikums durch— ging, ist in Darmstadt verhaftet worden und wird zu seiner Bestrafung hier eingeliefert.
Heidelberg, 28. Ang. Der in weiteren Kreisen rühmlichst bekannte Professor der Chirurgie au unserer Universttät, Dr. Gustav Simon, ist in der letzten Nacht plötzlich gestorben.
Berlin. Von einem Augen- und Ohrenzeugen wird der Bürg.-Zig. Folgendes gemeldef. Kaiser Wilhelm ließ
sich neulich bei der Abfahrt nach Bomst auf dem Pots⸗
damer Bahnhof zur Erfrischung ein Glas Wasser reichen. Nachdem der hohe Herr dasselbe ausgetrunken, ließ er sich auf einen Sessel nieder. Als er sich aber an die Rück, lehne stützte, brach die an dem oberen Theil derselben an— gebrachte Krone ab. Der anwesende Bahnhofsinspector spraug sofort eilig hinzu und hob die heruntergesallene Krone wieder auf. Dies bemerkend sagte der greise Monarch in seiner bekannten leulseligen Weise:„Diese Krone war sehr wacklich, Kronen müssen fest sitzen.“
Der Untergang des Dampfschiffes„General⸗ Lieutenant Kroesen“.
Amsterd am, den 4. August. Der nieder— ländische Dampfer General-Lieutenant Kroesen ist am Abend des 21. Juni in der Lampong-Bai an der Südspitze Sumatras, am Eingang in die Sunda Straße, verunglückt. Indischen Blättern, zumeist dem„Algemeen Dagblad van Nedl. Indie“ entnehmen wir folgende Beschreibung: Nach dem Mittagessen hatte sich der größte Theil der Passagiere auf das Verdeck begeben. Vier Herren, worunter Major Boom, hatten sich in die Kajüte zum Kartenspiel niedergesetzt, als sie einen Stoß fühlten. Sie glaubten die Schraube des Schiffes sei ge— brochen, und begaben sich auf das Verdeck. Dort sahen sie, daß das Hinterschiff an Steuerbordseite sank. Capitän Thieme sah sofort die Gefahr und ließ Frau Boom mit ihren Kindern in das erste Boot am Hinterschiff bringen. Das Boot konnte aber nicht mehr herabgelassen werden, und durch einen zweiten stärketen Stoß sank das Hinterschiff ganz auf die Seite und das Wasser drang in die Kajüte. Der Schiffs-Capitän Verloop rief:„Das Schiff sinkt!“ Bald darauf siebt Major Boom an Backbordseite eine Schaluppe mit 6 Mann, worunter ein Europäer. Boom springt über Bord und sucht die Schaluppe zu erreichen. Diese aber will ihn nicht aufnehmen trotz seiner Bitten. Boom, der fortwährend durch seinen indischen Diener unterstützt wird, schwimmt wieder zum Schiff und erklettert es. Dann erfolgt ein dritter, heftiger Stoß, welcher den großen, eisernen Mast umstürzt, der im Fall 50 bis 60 Menschen tödtete oder verwundete. Das ganze Hinterschiff sank nun mit Allen, die sich noch darauf befanden, in die Tiefe. Boom arbeitete sich durch Schwimmen wieder an die Oberfläche, griff mit der einen Hand eine treibende Thür und mit der andern ein Stück Holz.
Vom Schiff war nichts mehr zu sehen, aber Boom sah mehrere Schiffbrüchige auf losgelöstem Holzwerk umhertreiben. Mit diesen blieb er etwa ½ Stunde zusammen, trieb aber mit vier Andern bald weg. Diese vier Anderen sanken vor Mitter— nacht in die Tiefe. Nach einiger Zeit fühlte Boom einen Stoß gegen seine Brust und fand, daß er gegen ein treibendee Brett gestoßen sei. Er be— mächtigte sich desselben zur Stütze seines Körpers. Gegen Morgen entdeckte er eine Klippe, auf der sich sechs Menschen gerettet hatten; da aber die Brandung sehr stark war, suchte Boom nicht die Klippe zu erreichen. Etwas weiter fand er eine zweite Klippe mit geringer Brandung und auf welcher sich eine Person befand; aber er konnt,
diese Klippe nicht erreichen. Den ganzen Tag,
Friedberg. Am 24. August fladen wir außer den in Donnerstag, sah Boom weiter keine Schiffbrüchigen
mehr. Er trieb an einigen Insel vorbei, bielt den Kopf naß, um sich gegen die Sonnenstrahlen zu schützen, und zur Nahrung fand er einige vom Schiffe herrührende Lebensmittel.
Die erste Nacht war ruhig gewesen, die zweite aber wurde stürmisch, so daß Boom das Brett verlor. Der Strom brachte ihn in das Innere der Lampong Bai und gegen Morgen hörte er das Geräusch der Brandung. Er sah sich dem Ufer zugetrieben und suchte alle Kräfte, die ihm noch geblieben waren, zu sammeln, um die Bran- dung zu durchschwimmen, was ihm auch gelang, nachdem er zwei- oder dreimal zurückgeworfen worden war. Er blieb am Ufer erschöpft liegen, bis die Morgensonne ihn etwas erquickte. Darauf suchte er nach menschlichen Wohnungen und fand bald eine Fischerhütte, wo man ihm etwas Reis und Früchte bot. Dort blieb Boom noch einen Tag und ließ sich dann nach Telok-Betong bringen, von wo er mit einem anderen von der Regierung zur Hülfe ausgesandten Dampfer die Reise nach Batavia fortsetzte. Der indische Diener des Major Boom hatte beim Sinken des Schiffes ebenfalls ein Stück Holz erfaßt, und nachdem er eine Stunde umhergetrieben wan, fand er das jüngste Kind der Frau Boom, welches auf dem Wasser trieb, nachdem die inländische Amme das Kind verlassen. Der Diener nahm das Kind zu sich und als beide etwa sechs Stunden umhergetrieben waren, wurden sie durch ein mit Matrosen gefülltes Boot, in dem sich auch die Amme befand, aufgenommen. Das Boot erreichte glücklich das Land. Von den etwa 300 Köpfen der Bemannung und Passagiere des untergegangenen Dampfers sind 106 gerettet und die anderen wahrscheinlich alle verunglückt. Ob der Felsen, auf den der Dampfer aufstieß, unbekannt ist oder nicht, wird untersucht. Ein Dampfer ist ausgesandt, dessen Boote mit unter dem Wasserspiegel ausgespannten Ketten nach dem Felsen suchen sollen. Auch sell eine gerichtliche Untersuchung über den Fall stattfinden,
Handel und Verkehr.
Friedberg, 29. Aug. Neue Waare. Waizen M. 23.—. Koen M. 17.50. Gerste M. 17.—. Hafer M. 16.50. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund. ̃rankfurt, 28. Aug.(Viehmarkt.) Der heutige Markt war schlecht befahren. Angetrieben waren: 310 Ochsen, 20 Kühe und Rinder, 260 Kälber und 450 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 67-68, 2. Qual M. 63-65. Kühe und Rinder 1. Qual. M. 60-62, 2. Qual. M. 51—57. Kälber 1. Qual. M. 60-62, 2. Qual. M. 52—57. Hämmel 1. Qual. M. 57—60, 2. Qual. M. 50-54.
Frankfurt, 28. Aug. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 40., Nr. 2 M. 36., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 22. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 28., do. II.(Berliner Marke) M. 21., Weizen, hiesiger, M. 23.79, fremder je nach Qualität M. 18—22., Korn M. 17.50 bis 18.—., Gerste M. 17—19., Hafer M. 17.50—19., Kohlsamen M. 35. Br., Erbsen M. 21—24., Wicken M. 21—23., Linsen M. 21—30., Rüböl M. 75. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht + 100 Kilo.
D. Frankfurt a. M. 29. August. Die Meldungen über Verhandlungen der Mächte, um eine Basis für den zwischen den Kriegsührenden abzuschließenden Frieden zu finden, hat die wie immer nur mit dem Momente rechnende Börse wieder in günstige Stimmung versetzt. Man er⸗ öffnete heute in sehr sester Haltung und hoben sich die Course nicht unwesentlich über das gestrige Niveau. Die Coniremine schritt in Berücksichtigung der veränderten An⸗ schauung der politischen Suualton zu Deckungskäufen, die namentlich in Staatsbahnactien nicht unerheblich waren. Im späteren Verlauf der Börse konnten sich indeß die höheren Course auf matteres Wien nicht behaupten und büßten Bruchtheile ein. Man wollie die nachgebenden Wiener Nonrungen mit Gerüchten von russischen Truppen⸗ transporten in Verbindung bringen. Im Liquidations— geschäft haben die Deports angezogen, ohne daß eine eigent— liche Stückeknappheit vorhanden wäre. Es wird dies durch den Umstand begründet, daß sich Berlin und Hamdurg hier fortwährend für den Ultimo mit Stücken zu ver⸗ sorgen suchen, welche Nachfrage natürlich die Deportsätze steigern muß. Creditastien bewegten sich zwischen 119—½ und 118%, Staatsbahnactien zwischen 238—239½ und 238¾ Lombarden nahe 62 ¼. Von ausländischen Staatsfonds Oesterr. Rensen und Uugarische fest. Russen matter. Spanier und 30% Amerik. Consols nachgebend. Loose fest. 1834er, 1860er und Ungarische besser. Oester'n Bahnen blieben gut gehalten. Franz Josef 3 fl., Elisabeth 1½ fl., Nordwest und Rudolf je 1 fl. höher. Banken still. Frankfurter Bank und Dresdener eiwas höher, Bau— bank matter. Von Wechseln Wien 30 Pf. theurer.
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