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Mitbürger!
Es werden in der letzten Zeit überall und namentlich auf dem Lande sogenannte conservative Flugblätter ausgetheilt, welche die Absicht haben, die Wähler von der Wahl freisinniger Abgeordneten abzuschrecken und sie zu bewegen, fur die Folge und zunächst bei der am 10. Januar stattfindenden Reichstagswahl Conservativen ihre Stimme zu geben. In diesen Flugblättern steht zu lesen, daß Niemand mehr zufrieden sei, daß unsere ganzen öffentlichen Zustände verdorben und an allem diesem Unglück allein die liberalen Wahlen schuld seien.
Unsere Landsleute, die bei den seitherigen Wahlen meistens freisinnig gewählt haben, werden erstaunt sein, auf einmal zu hören, daß sie an dem großen Krach, an den fechtenden Handwerksburschen, an den ungetauften Kindern, an dem Aktienschwindel, den Gründern u. s. w. mitschuldig seien, und werden wohl zum größten Theil denken, das kann doch wohl nicht sein; die freisinnigen Abgeordneten, die wir gewählt haben, sind uns doch als eruste, besonnene und redliche Männer bekannt; wir haben seither nur gewußt, daß sie dem schweren Beruf, den sie übernommen haben, ihre Zeit, ihre Gesundheit und ihr Geld geopfert, nicht aber, daß sie etwas für sich gesucht oder erlangt haben. Wie
kommen denn auf einmal die Conservativen dazu, diese Männer zu verdächtigen und von uns zu fordern, daß wir nicht mehr freisinni, su 0 8 1 0 9
wählen, sondern Leuten unsere Stimmen geben sollen, die sich seither um das Wohl und Wehe des Volkes sehr wenig gekümmert haben?
Wir wollen die Antwort darauf geben und uns einmal ein solches Flugblatt ansehen.
Da wird vor allem unser deutsches Vaterland als ein wahres Jammerthal und unser Volk auf dem Weg des Elends und der Verkommen— heit befindlich geschildert. Liebe Landsleute ist das wahr? Seht Euch in Eurer Familie, in Eurem Wohnort, in unserm ganzen Lande um, ist es wirklich viel schlechter geworden als früher, hat die Armuth, die Unsittlichkeit und die Unzufriedenheit so sehr zugenommen 2 Wir glauben, Niemand, der die Wahrheit liebt, wird das sagen können. Wir behaupten vielmehr, daß es in den meisten Orten besser geworden ist, daß sich der Wohlstand gehoben hat und daß die Leute besser leben, als fruher“ Fragt einmal, wie es vor fünfzig, sechszig Jahren in Deutschland aussah und Ihr werdet hören, daß ein größerer Unterschied als zwischen damals und jetzt kaum gedacht werden kann. Richtig ist es aller— dings, daß Handel und Wandel im Augenblick darnieder liegen, daß auch das Handwerk und die Landwirthschaft mit mancherlei Uebel— fkänden zu kämpfen haben. Das trifft aber nicht Deutschland allein, sondern auch die meisten andern Länder, so z. B. viel härter als uns das vielgepriesene Nordamerika. So lange die Welt steht, haben gute und weniger gute Zeiten gewechselt und keine menschliche Kraft, keine politische Partei kann an solchen allgemeinen Zeitübeln etwas ändern. Erzählt uns nicht schon die Bibel von den 7 fetten und 7 mageren Jahren. Nach einem so großen Krieg, wie wir ihn erlebt haben, dauert es eine geraume Zeit, bis Alles wieder in die ruhigen Geleise kommt und wenn die Gründer und Schwindler eine Zeit lang ihr Unwesen treiben konnten, so war der große Krach eine Wohlthat, er hat die Luft wieder gesäubert und Jedermann klar gemacht, daß Fleiß und Sparsamkeit doch die einzigen und sichern Grundlagen des Wohl⸗ standes und der Zufriedenheit sind. Unter den Gründern waren aber gar viele Hochconservative und sogar ganz fromme Herren und das conservative Flugblatt hat vergessen, Euch mitzutheilen, daß es gerade liberale Abgeordnete waren, welche gegen dieses schamlose Treiben der Gründer öffentlich auftraten und ihm den Garaus machten.
Wenn die Steuern nicht niedriger geworden sind als früher, so sind sie, obwohl der Staat gegen früher Alles theurer bezahlen muß, doch nicht gestiegen. Ohne Steuern kann keine Gemeinde und kein Staat bestehen und kein liberaler Abgeordneter konnte versprechen
und hat jemals versprochen,
daß Steuern und Abgaben aufhören sollten, dagegen ist es gerade die freisinnige Partei, welche sich seit Jahren ernstlich bemüht, überall da, man die Steuern richtiger vertheilt,
wo es thunlich ist, Ersparungen eintreten zu lassen, und sich damit beschäftigt, die Art und Weise zu finden, wie um jeden nach seiner Kraft und seinem Vermögen an den allgemeinen Kosten zu betheiligen. Es ist das eine schwere Arbeit und wenn es noch nicht weiter darin vorwärts kam, so lag das nicht an den Liberalen, sondern an den Regierungen, die Abänderungen für bedenklich hielten, z. B. durchaus an der Salzsteuer festhielten. Am meisten lag es aber an den Conservativen, unter denen gar viele große und reiche Herren sind, die es von jeher verstanden haben, sich selbst auf Kosten des Volkes von Lasten und Abgaben möglichst frei zu halten. 905 105 5 1 1 Es werden in dem conservativen Flugblatt dann unsere neueren Gesetze und Einrichtungen heruntergerissen. Freizuͤgigkeit, d. h. das Recht jeden deutschen Bürgers sich da niederzulassen, wo er sein Fortkommen zu finden denkt,— Unterstützungswohnsitz, d. h. die gegenseitige Verpflichtung aller Gemeinden und Kreise Deutschlands Arme und Kranke zu unterstützen,— Gewerbefreiheit, D. he das Recht eines Jeden das Geschäft zwanglos und so zu treiben, wie es seinen Fähigkeiten am besten entspricht, und eine Reihe anderer Gesetze des Reiches werden als heillose Neuerungen dargestellt und für Alles das die Aberalen verantwortlich gemacht.. N Wie verhält es sich aber in Wirklichkeit? Alle diese Gesetze und Einrichtungen bestanden in den meisten andern Ländern schon längst, sie waren auch für uns zur dringendsten Nothwendigkeit geworden und würden schon lange geschaffen worden sein, wenn die füͤhere Zer⸗ splitterung Deutschlands nicht die Herstellung gemeinsamer Gesetze unmöglich gemacht hatte. Als das deutsche Reich gegründet war, mußte es daher die erste Aufgabe unserer Staatsmänner sein, unser in vieler Hinsicht zurückgebliebenes Vaterland in den Besitz der Einrichtungen zu bringen, welche für den Bestand eines großen, starken und aufgeklärten Staates unumgänglich nöthig sind.
Alle diese Gesetze und Maßnahmen aber, die das couservative Flugblatt verdammt, sind von den Regierungen und von den Vertretern derselben im Bu ndesrath gemacht und dann dem Reichstag vorgelegt worden. Dieser hat einzelne Verbesserungen
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