Ausgabe 
30.9.1876
 
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Berlin. DerProv. Corr. zufolge finden die Wahlen der Wahlmänner in den ersten Tagen nach dem 20. October, die Wahlen der Abge⸗ ordneten in den letzten Tagen des Octobers statt.

Gerüchten über eine angebliche anderweitige Mission des General- Feldmarschalls v. Manteuffel gegenüber ist zu constatiren, daß derselbe am 25. September zu mehrwöchentlichem Kurgebrauch in Gastein eingetroffen ist.

Hannover. Der Provinzial-Landtag hat den von den Vertretern der drei Curien gestellten Urantrag, die Regierung um geeignete Schritte zur Aufhebung der Beschlagnahme des Vermögens des Königs Georg zu ersuchen, nach Motivirung durch Bennigsen, ohne Discusston einstimmig angenommen.

Bremen, 26. Sept. Der vom volkswirth- schaftlichen Congreß in Bezug auf die Frage der Erneuerung der bestehenden Handelsverträge ange nommene(zum Theil schon mitgetheilte) Antrag von Lammers und Weigert fordert auch den Ab- schluß von neuen, den Verkehr erleichternden Zoll verträgen, namentlich mit Rußland und den Ver einigten Staaten von Nordamerika. Der Antrag Barre(Bochum) auf Verlängerung der durch Reichsgesetz aufgehobenen Eisenzölle wurde vom Congreß mit 137 gegen 105 Stimmen verworfen, und der gegenüberstehende Antrag von Dannenberg und Genossen angenommen.

München. Eine Versammlung von Künstlern und Kunstindustriellen hierselbst hat sich einstimmig für Beschickung der Pariser Ausstellung erklärt, wenn der Kunstindustrie die erforderliche Unter- stützung Seitens der Regierungen zu Theil werde.

Stuttgart, 28. Sept. Der Kaiser, der Kronprinz und die übrigen fürstlichen Personen fuhren heute Vormittag von Weißenburg nach Wörth und besichtigten das Schlachtfeld, das Armeedenkmal, die neu erbaute evangelische Frie denskirche vor Fröschweiler, sowie die dortige katholische Kirche. Nach dem Dejeuner beim Grafen Dürkheim fand die Rückkehr nach Weißenburg und um 2 Uhr die Abfahrt nach Karlsruhe statt. Der Kaiser hat zahlreiche Orden verliehen. Nachmittags 3 Uhr trafen die Herrschaften in Karlsruhe ein und wurden von dem Großherzoge, der Großher zogin und dem Ministerium empfangen. Bald darauf fuhren sämmtliche hohe Herrschaften nach Stuttgart, wo sie Nachmittags 5 Uhr ankamen. Dieselben wurden am Bahnhöfe von dem König, der Königin, den Prinzen, den Spitzen der Militär- und Civilbehörden und dem Comite des württem- bergischen Sanitäts vereins empfangen. Die Be grüßung der höchsten Herrschaften war eine sehr herzliche. Der Vorstand des württembergischen Sanitätsvereins, Director Hahn, hielt eine An rede an die Kaiserin, welche diese dankend erwie derte, wobei sie der aufopfernden Unterstützung der Königin gedachte und Letztere umarmte und kußte. Auf der Fahrt ins Residenzschloß grüßte das zahlreich anwesende Publikum entbustastisch.

Ein königliches Decret setzt den Wieder Zusammentritt der vertagten Stände-Versammlung auf den 9. September fest.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Als ein sehr ernstes Zeichen muß man es ansehen, daß die Arbeiten zur Fertigstellung der neuen Uchatius⸗ Geschütze mit Anspannung aller Kräfte beschleunigt werden. Im Arsenal sind damit gegenwärtig 2300 Arbeiter beschäftigt, die höchste Arbeiterzahl, die fich überhaupt nur dort unterbringen läßt. Die gewöhnliche zehnstündige Arbeits-Zeit ist auf 12 Stunden erweitert, selbst die Sonntage(sechs Stunden) werden dabei zu Hülfe genommen, und alle nur irgend disponiblen Räume sind in Werk- stätten umgewandelt. So haben denn die im Ganzen im Kriege für die 13 Feld- Artillerie- Regimenter erforderlichen 1170 Stück Hinterlader⸗ Kanonen bereits bis auf 200 fertig gestellt werden können.

Schweiz. Basel. Bischof Reinkens hat die Consecration des Bischofs Herzog in Rhein- felden genau nach dem römischen Pontisicale vor⸗ genommen mit Modificirung der für unchristlich erachteten Stellen. Statt der Formel:qui ei

maledixerit, sit maledictus(Wer dem neuen

Bischof flucht, sei verflucht!), sagte er:qui ei maledixerit, pro eo oret(wer ihm flucht, für den bete er).

Belgien. Brüssel, 27. Sepiember. Der internationale Congreß für Gesundheits Pflege und Rettungswesen ist heute Nachmittag eröffnet worden. Der stönig, die anwesenden Mitglieder des diplomatischen Corps und die Minister wohnten dem Acte bei. Zum Präsidenten wurde Vervort gewählt.

Holland. Haag, 26. Sept. Die zweite Kammer nahm eine Adresse an den Thron an. Bei Berathung des Paragraphen über die Colonien rieth van den Putte der Regierung, die Operationen in Atchin auf Errichtung eines Einfachen Küsten⸗ forts zu beschränken. Der neue Colonien-Minister bezweifelte sehr die Möglichkeit, diesem Rathe zu folgen. Der Minister des Aeußeren theilte der Kammer mit, daß sich in der Venezuela Frage eine gegenseitige Annäherung vollziehe; es handle sich nur noch um die formelle Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.

Generalmajor Beyen wurde zum Kriegs- minister ernannt.

Türkei. Constantinopel, 26. September. Die Botschafter der Garantie-Mächte begaben sich heute in die Hohe Pforte, um die von dem britischen Botschafter der Pforte mitgetheilten versöhnlichen Rathschläge zu unterstützen. Sodann trat ein außerordentlicher Ministerrath zur Prüfung dieser Vorschläge zusammen. Die Pforte hat darauf abermals den Waffenstillstand abgelehnt und will blos eine Waffenruhe bis zum 30. September gewähren. Die Mächte unterhandeln. Rußlands Zustimmung ist zweifelhaft.

27. Sept. Die Antwort der Pforte auf die Vorschläge der Mächte hinsichtlich der Friedens- Bedingungen wird wahrscheinlich günstig ausfallen. Es ist die Einsetzung eines aus 30 mohamedanischen und 30 christlichen Mitgliedern bestebenden Re- formrathes beschlossen worden, welcher aus Wahlen hervorgehen und sich mit den Seitens der Mächte geforderten Reformen beschäftigen soll. Die Re gierung wird die Initiative ergreifen, diese Re formen im ganzen Reiche zur Ausführung zu bringen.

Die Militär-Behörden melden vom Kriegs- schauplatze: Am 24. Sept. Nachts überfielen die Serben das türkische Dorf Kerdja gegenüber Dogbolan und vernichteten die dort vorhandenen Vorräthe. Zugleich griff eine serbische Abtheilung Pernitza an. Ueberall ward geplündert. Die christlichen Einwohner der bosnischen Dörfer Schtadeowa, Jocodora und Iscovitza wurden nach Serbien mitgeschleppt. Die Montenegriner zündeten bei Kolaschin Häuser an und griffen, ohne Erfolg, Lebensmittel- Transporte für das türkische Heer zwischen Brana und Rogora an.

Serbien. Belgrad, 26. Sept. Nach einer telegraphischen Meldung desReuter'schen Bureaus hat die Ueberreichung der Adresse des Ausschusses der Skupschtina, in welcher Fürst Milan ersucht wird, den Königs Titel anzunehmen, bis her nicht stattgefunden und dürfte vorausstchtlich auch nicht erfolgen, da der Fürst sich bestimmt dagegen erklärt hat. Er erklärte ferner gegenüber verschiedenen amtlichen und Privat-Personen, er habe den Degen gezogen, um seine unter dem türkischen Joch seufzenden slavischen Brüder zu befreien; die Erfüllung dieses Wunsches sei ihm werthvoller, als Königs-Titel und Königs-Krone. Reuters Bureau meldet vom 26. d. M.: Der russische General- Consul begab sich gestern zum Fürsten Milan, um ihn darauf hinzuweisen, daß Europa seine Proclamirung zum Könige mit Miß fallen ansehe. Karzoff rieth dem Fürsten, den General Tschernajeff auf 24 Stunden nach Belgrad zu rufen, und ihm zu erklären, er danke der Armee für die loyalen Gesinnungen, welche sie durch seine Proclamirung zum Könige kundgegeben, er könne aber keine neuen Verwickelungen durch Annahme des Königs ⸗Titels hervorrufen. Emissäre durchziehen das Land, welche Kundgebungen ver Munizipal⸗ Behörden für die Königs⸗Proclamirung hervorzu⸗ rufen suchen.

27. Sept. DiePol. Corr. veröffent⸗ licht den Wortlaut der von dem Minister Ristie

gestern Abend den Vertretern der Großmächte in Belgrad übermittelten Note, worin als Erwiederung

auf die Mittheilung der Pforte bezüglich der Ver⸗ längerung der Waffenruhe das Eingehen auf letztere abgelehnt wird. Diese Ablehnung wird damit motivirt, daß in der Form, die die Psorte der Waffenruhe gegeben, diese im Hinblick darauf, daß weder eine Demarcationslinie, noch eine neutrale Zone festgesetzt worden, nicht durchführbar war. Die serbische Regierung bedauert, daß die Pforte diese Unzukömmlichkeiten nicht in Erwägung gezogen und sich vielmehr darauf beschränkt habe, die Waffenruhe um eine Woche zu verlängern, was wenig geeignet sei, Zusammenstößen der Armeen und unnöthigem Blutvergießen vorzubeugen. Jndem die serbische Regiergung keine Befehle zur Ver längerung dieser Situation ertheilen kann, wünscht sie doch sehnlichst den Abschluß eines regelrechten Waffenstillstandes herbei.

28. Sept. Minister Ristic gab, unab- hängig von der den Vertretern der Großmächte übermittelten Note, den einzelnen General-Consuln mündliche Erläutecungen, indem er erklärte, daß die Ablehnung der Verlängerung der Waffenruhe lediglich die gegenwärtige Form derselben betreffe, Serbien aber bereit sei und den Wunsch hege, in einen formulirten Waffenstillstand einzutreten.

Rußland. Petersburg, 27. Sept. Dem russischen General⸗Consul in Belgrad ist die In⸗ struction ertheilt, sich bezüglich der Ausrusung des Fürsten Milan zum König genau der Haltung anzuschließen, welche Oesterreich in der Frage beobachtet. Die Proclamirung kann in keiner Weise gutgeheißen werden. Bezüglich etwaiger Vergrößerungs⸗Gelüste Serbiens hal Rußland be⸗ reits bei der Zusammenkunft der Kaiser Alexander und Franz Joseph zu Reichstadt bestimmte Position genommen.

Amerika. New Jork. Die Unions Regierung hat mit den Sioux Indianern unter den Häuptlingen Spotted Tail und Red Clowd einen Friedens⸗Vertrag abgeschlossen. Nach einem Telegramm derAssociated-Preß aus Mexiko vom 15. Sept. stünde demnächst die Anerkennung der von der früheren Regierung in England auf genommenen Anleihe durch die gegenwärtige Re- gierung und ein Arrangement mit den Inhabern der bezüglichen Obligationen bevor.

Der Harem des Sultans.

ImEconomiste Frangais versucht ein Herr Eschbach ein Bild der Zustände in den türkischen Harems zu entwerfen und manche unrichtige An⸗ schauung, die hierüber im europäischen Publikum coursirt, zu berichtigen. Vor Allem kennzeichnet er die Harems als Institutionen, die auf dem Begriffe der Selaverei basirt sind. Trotzdem man in Europa die Sclaverei längst für abgeschafft erklärt hat, läßt man sie hier ganz ruhig fort- bestehen und die fremden Botschafter, unter deren Augen dieser Sclavenmackt etablirt ist, lassen ihn ruhig gewähren. Jede größere türkische Familie besitzt eine Anzahl Sclaven, zumeist Circassischer Familien, die von ihren eigenen Eltern verkauft werden. Freilich findet kein öffentlicher Sclaven⸗ markt statt, aber man kennt jene Häuser in Top- Hans und Stambul genau, wo dieser Menschen⸗ handel durch Weiber, die als Unterhändler dienen, betrieben wird. Die Bestimmung dieser armen verkauften Geschöpfe ist eine verschiedene; die häßlichen werden als Dienerinnen in den Harems verwendet, die schönen erhalten einigen Unterricht im Singen und Tanzen, selbst einige Unterweisungen im Lesen und Schreiben. Die Schönsten werden dem Sultan zum Geschenk angeboten, die anderen an reiche Türken verkauft und der Kaufpreis beläuft sich manchmal bis auf 20,000 Franes. Es wäre Täuschung, an eine Poesie des Harems zu glauben; in manchen Häusern werden die Bewohnerinnen des Harems sehr hart behandelt, in anderen erfahren sie eine glimpflichere Behand⸗ lung, man beschenkt sie mit Schmuckgegen- ständen und Geld. Vor allem Anderen aber bleiben sie Sclavinnen. Sie haben keinen Sinn für Moral, kein Gefühl für persönliche Würde, alle ihre bösen Eigenschaften werden überdies durch

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