Ausgabe 
28.10.1876
 
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Sele. daslez. Zet Cenitt.

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Samstag den 28. October.

M. 128.

berhessischer Anzeiger.

a Die Petitzeil wird mit 11 Pfennig berechnet.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Für die Monate November und Dezember kann auf denOberhessischen Anzeiger bei der Verlags-Expedition mit 67 Pf., bei den Poststellen mit 1 Mark abonnirt werden.

Amtlicher Theil.

Betreffend: Die Bezirks⸗Conserenzen der Lehrer des Kreises Friedberg. Zur letzten Bezirksconferenz dieses Jahres werden hiermit die Herren Lehrer: 1) Des Bezirks Vilbel auf Montag den 30. October dieses Jahres, 2) Des Bezirks Butzbach auf Donnerstag den 2. November dieses Jahres,

a f 3) Des Bezirks Friedberg auf Freitag den 3. November dieses Jahree, und zwar jedesmal auf Vormittags Uhr in den früheren Lokalen(in Friedberg bei Herrn Burk) hiermit eingeladen.

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Tagesordnung: Vorbesprechung der auf der Generalconferenz zur Verhandlung kommenden Thesen über die Dieciplinarmittel in der Volksschule.

Auf dem Selzer Brunnen noch Verabredung über eine festliche Veranlassung. In Friedberg noch Fortsetzung einer Abhandlung über die Fröbel'schen Kindergärten.

Geopraphie. Friedberg den 26. October 1876.

In Butzbach noch Besuch von 2 Unterrichtsstunden in Naturlehre und

Schmidt, Kreis ⸗Schulinspector.

Dienstnachrichten aus dem Kreise Friedberg.

Konrad Westpfal und Karl P. Otto von Büdesheim wurden als Feldgeschworne ernannt und verpflichtet.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 27. Oct. Der Pferdemarkt am 23. und 24. d. Mts. verlief nach allen uns zugekommenen Berichten in befriedigendster Weise. Die Händler sind alle zufrieden von hier weggegangen und versprachen nächstes Jahr den Markt wieder zu besuchen. Im Ganzen wurden 91 Ver⸗ käufe protokollirt. Ueber die sonst stattigehabten Verkäufe konnten wir genauere Nachrichten nicht erhalten. Zu dem gestern abgehaltenen Faselmarkt waren ca. 20 Fasel zuge⸗ trieben, von welchen 9 Stück verkauft wurden.

B. Friedberg. Unsere Fortbildungsschule für den Winter 1876/77 wird Donnerstag den 2. November d. J. ihren Ansang nehmen. Die laut Art. 23 des Schulgesetzes, sowie der Verordnung vom 13. Juli 1875 zum Besuche derselben verpflichteten Knaben, von denen jedem einzelnen übrigens noch eine besondere Aufforderung zugehen wird, sollen sich an genanntem Tage, Abends s½8 Uhr, im städtischen Schulhause einfinden. Die im vorigen Winter staltgehabte Vereinigung der hiesigen Hand⸗ werker⸗- und der Fortbildungsschule wird auch in diesem Winter bestehen, und wird also beispielsweise bei Hand⸗ habung der Disciplin und der Ueberwachung des Schul⸗ besuchs kein Unterschied obwalten zwischen Fortbildungs und Handwerker⸗Schülern, insoweit letztere das Alter der Schulpflichtigkeit für die Fortbildungsschule nicht über⸗ schriiten haben. Bei dem gesunden Sinn der Mehr- zahl der hiesigen Bürger ist es sicherlich überflüssig, auf Art. 25 des Schulgesctzes hinzuweisen, der von der Ver⸗ pflichtung der Dienstherrschaften, Lehrherrn und Arbeit⸗ geber gegenüber der Fortbildungsschule unter Androhung von Strafen von 220 Mark handelt; unterlassen wollen wir aber nicht, an die Eltern, Lehrherrn und Dienstherr⸗ schaften unserer Schüler die angelegentliche Bitte zu richten, die Fortbildungsschule und ihre Zwecke mit dem ganzen Einfluß unierstützen zu wollen, der ihnen bei den betr. Knaben zu Gebote steht. Von ihrer Einsicht und ihrem Pflichtgefühl glauben wir zuversichtlich hoffen zu dürfen, daß sie dieselben zu anfländigem Verhalten, zu Aufmerk⸗ samkeit und Fleiß beim Unterricht nachdrücklichst ermahnen und für rechtzeitiges Erscheinen derselben in den Unter srichtsstunden besorgt sein, wie in Gemeinschaft mit der Schule auch darauf achten werden, daß die Schüler nach Beendigung des Unterrichts ungesäumt und ehne sich in zunziemlicher Weise auf der Straße umherzutreiben, nach Hause sich begeben. Der Unterricht wird Montags, Dieus

nags und Donnerstags, jedesmal präess ½8 Uhr Abends

beginnen und ebenso pünktlich um ½10 Uhr geschlossen werden. * Grünberg. Ein schon seit vier Wochen vermißter 27 Jahre alter Mann Namens Jobaunes Friedrich von Nieder⸗Ohmen(beschäftigt in Ruppertenrod) wurde am 22. October zwischen Merlau und Wetltsaasen im soge⸗ nannten Bäuncwald, wo er sich erhängt halte, aufgesun den. Die Verwesung des Körpers war schon so weit vor geschritten, daß der Kopf sörmlich vom Rumpfe abgetrennt war. Rumpf und Kopf lagen nebeneinander auf der Erde, während der Strick, woran er sich erhängt hatte, noch auf dem Baume hing.

Darmstad i. Der Droschkenkutscher-Strike ist als beendigt zu betrachten, da sich die Renitenten den For der⸗ ungen der Polizei⸗Behörde unterworfen haben.

Darm stad tt. Vor 300 Jahren, im Jahre 1576, wurben in Darmstabt nach Ausweis des alten Kirchenbuchs

75 Taufen, 12 Trauungen und 28 Beerdigungen vor⸗ genommen. Im Jahre 1551 betrug die Einnahme der Stadt Darmstadt 328 fl., 1 Albus, 2 Heller, die Ausgabe 282 fl. 6 Albus, im Jahre 1569 war die Einnahme auf 623 fl., 2 Heller, die Ausgabe auf 509 fl. 22½ Albus gestiegen.

Alzey. In Odernheim bei Alzey sand zwischen zwei Männern auf der Straße ein kleiner Wortwechsel statt. Plötzlich sprang der eine der Streitenden an dem andern in die Höhe und biß ihm ein Stück seines rechten Qhres weg. Außerdem biß derselbe seinen Gegner nochmals durch die Kleider so in die Brust, daß nicht allein alle Zähne in blutigen Malen sichtbar waren, sondern daß das Blut herabsickerte. Ueber den bissigen Menschen, einen Schneider, der den letzten Feldzug mitgemacht, wird das Gericht zu befinden haben, ob ihm ein Maulkorb angelegt werden soll.

Allerlei.

Frankfurt, 23. Oct. Ein dem Anschein nach sehr gemeingefährliches Indtviduum wurde wie verlautet, in sicheren Gewahrsam gebracht. Ein aus Köln kommender Fremder miethete in einer der feinsten Straßen eine Wohnung, in welche er einen Kassenschrank stellte. Nach einigen Tagen schon ließ der Ankömmling einen Schlosser holen, damit dieser den Schrank, dessen Schlüssel innerhalb liege, öffnen solle. Der Meister wollte nicht, wie ihm an⸗ gedeutet wurde, den Schrank mit einem großen Loche an bohren, sondern verlangte Angabe der Stelle, wo der Schlüssel liegen könne, denn mit einer kleinen Oeffnung würde man den Zweck ebenfalls erreichen. Der Schrank⸗ eigenthümer bestand jedoch auf der großen Oeffnung, welche denn auch gemacht wurde. Der Schlüssel wurde heraus⸗ genommen und der Schrank dem Schlosser zur Reparatur übergeben. Das ganze Verfahren sowie gewisse Anzeichen fielen dem Schlesser jedoch dermaßen auf, daß er davon Anzeige machte. Das Resultat war, daß der angebliche Priwatlehrer bei einer Haussuchung in dem Besitz von Diamanten, Bohrern, Sperrhaken, Revolvern, Dolch, Blend laternen, kurz des gesammten Handwerkszeugs der abge seimtesten amerikanischen und englischen Gauner gesunden wurde. Die Untersuchung wird hoffentlich über diesen ziemlich mysterizsen Vorfall etwas mehr Licht verbreiten.

Meiningen. Von einem enlsetzlichen Unsall aus Meiningen erzählt das Tageblatt. In der neuen Sedan⸗ straße war das Hinterhaus eines Metzgers abzuputzen, der Tüncher mit der Kalkgelte fleht schon oben auf der Leiter, da zutscht diese und er stürzt aber er kommt nicht zur Erde ein aus der Wand hervorragender Fleischerbaken erfaßt den Fallenden im Rücken, bohrt sich lief in den Körper des Unglücklichen und bält ihn schwebend zwischen Himmel und Erde. Ein enssetzlicher Schrei erschütterte die Luft, dann überfällt ihn wohlibätige Ohnmacht. Mit Mühe wird er abgenommen, der Haken war ihm durch den Rücken bis in die Lunge gedrungen, nach wenigen Stunden war er eine Leiche.

Dessau. Vor einigen Tagen ist demAnh. Staals⸗ anz. zufolge in hiesiger Stadt ein Mann in Folge einer Vergiftung durch Petroleum gestorben. Derselbe hatte eine srische Schnittwunde am Finger und goß sich aus Versehen Petroleum darauf; den beißenden Schmerz, den ihm diese Uebergießung verursachte, achtete er nicht, und erst als ihm Arm und Brust roth zu werden und zu schwellen anfingen, consullirte er den Arzt. Dieser konnte

nicht mehr helfen. Der Vergiftete starb nach schweren Leiden. Wir theilen dieses Faktum unsern Lesern und Leserinnen zur Warnung mit.

Neuwied, 25. Oct. Gestern Abend 6 Uhr entstand in der schönen Kirche der jüngeren evangelischen Gemeinde plötzlich Feuer, welches mit so großer Schnelligkeit um sich griff, daß an ein Reiten und Löschen nicht zu denken war. Binnen 3 Stunden war das Gotteshaus vollständig aus gebrannt. Da die Kirche ziemlich isolirt stand, so forderte das Feuer keine weiteren Opfer. Wie man hört, soll das Feuer auf dem Speicher der Kirche entstanden und letztere nur gering versichert sein.

Freiburg. Hier hat sich ein Student B., der erst zwei Semester an den Universiläten Marburg und Würz⸗ durg seine Studien betrieben, erschossen. Motiv dazu noch unbekannt. Doch soll er immer eine gewisse Melancholie gezeigt und niemals seine Freude über Etwas ausge⸗ sprochen haben. f

Bayreuth. Das hiesige Bezirksgericht verurtheilte den Bismarck-Altentäter Kullmann wegen Widerstandes gegen seine Aufseher zu zweijährigem Gesängniß.

Bromberg. In dem Forstrevier Jägerhof bei Brom⸗ berg kam Dor sieben Jahren ein weißes Reh zur Welt, welches bald seiner Seltenheit wegen der Liebling der Um⸗ gegend der Forstei wurde. An ein ungestörtes Weiden auf den der Forstei naheliegenden Grundstücken gewöhnt, näherte es sich der Wohnung eines Käthners. Das zierliche Ge⸗ schöpf aber wurde von diesem rohen Gesellen durch einen feigen Schroischuß von der Hausthür aus niedergestreckt und darauf von dem Wildschützen in einem Sack bei Seite geschafft. Der Förster ermittelte den Frevler, der zu einer Geldbuße von 600 Mark, eventuell einem halben Jahre Gesängriß und in die Kosten verurtheilt wurde. Die zweite Instanz bestäligte dieses gerechte Urtheil.

Wien. Der Zwicker in Reih und Glied ist verboten. Laut Armeebefehl ist das Tragen der Augenzwicker den österreichischen Oberofficieren und Officiers- Stellvertretern bei Ausrückungen und Paraden vor hohen Persönlichkeiten in Reih und Glied mii dem Beifügen untersagt worden, daß diejenigen Offiziere, welche kurzsichtig sind, sich der

Brillen zu bedienen baben.

Moskau, 24. Oct.(Proceß Strousberg). Das Zeugenverhör wird sortgesetzt. Die Aussagen bestätigen, daß Strousberg nicht bestochen hat, sondern selber aus gebeulet worden ist. 25. Och. Heute wurde die Taxe der Zbirower Werke verlesen, die Strousberg schon dei seiner Verhaftung eingereicht batte.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 25. Oct. Der beutige Heu- und Strob⸗ markt war sehr gut besabren. Heu kostete per Centner je nach Qualität M. 4.506.50., Stroh per Ceniner M. 5.5080. Butter 1. Oual. im Großhandel das Pfund M. 1.50. 2. Qual. M. 1.40. im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.80. 2. Qual. M. 1.70. Eier das Hundert M. 6.. Kartoffeln per 200 Zoll-Pfund M. 4.505..

Frankfurt, 20. Oct. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr. 2 M. 37., Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29., Nr. 5 M. 23. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26. do. II.(Berliner Marke) M. 21., Weizen eff. bies. M. 25.., fremder je nach Qualität M. 1922., Korn M. 17.75 bis 18.75., Gerste M. 17.5019., Hafer M. 16.50- 19.50. Kohlsamen M. 36., Erbsen M. 2124., Wicken M. 20