Ausgabe 
27.7.1876
 
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bat sich nach der Besika- Bai begeben, um die englische Flotte daselbst zu besichtigen.

Serbien. Belgrad. Vom Kriegsschau⸗ platze wird offieiell gemeldet: Die Türken griffen am 21. Juli mit 2000 Mann Nizams und Artillerie die serbischen Verschanzungen bei Kltin⸗ Zwornik an, indem sie die Hauptgewalt des Angriffs gegen die Redoute richteten, die das türkische Ufer der Drina beherrscht und die Ver⸗ bindung zwischen Groß Zwornik und Belina erschwert. Obwohl diese Redoute nur von zwei Compagnien vertheidigt wurde, so wurde doch der türkische Angriff sowohl hier, als auf allen anderen Punkten abgeschlagen und zogen sich die Türken mit einem Verluste von 100 Todten zu⸗ rück. Bei dem am 20. Juli von den Türken auf die serbischen Verschanzungen, unternommenen Angriffe betrug ihr Verlust 1000 Mann, während die Serben nur 200 Mann an Todten und Ver- wundeten verloren. Gestern fand bei Rakitnitza am Timok(auf türkischem Gebiet) ein Gefecht statt, bei welchem die Türken vollständig in die Flucht geschlagen wurden,

25. Juli.(Amtliche Meldung.) Die Armee des General Zach hatte am 20. Juli auf der ganzen Linie Zusammenstöße mit den Türken. Bei Navor wurde sieben Stunden er- folgreich gekämpft; mebrere türkische Kanonen wur den demontirt. Bei Wassiljevich verschanzten sich die Serben in den den Türken abgenommenen Positionen. In der Richtung von Sienitza haben sich die Serben mehrerer türkischen Schanzen und türkischen Dörfer bemächtigt.(Wie groß diese Erfolge gewesen sein müssen, geht daraus hervor, daß der serbische Generalstab am 24. beschlossen hal, daß General Tschernajeff: Akpalanka und Babina Glava, sowie überhaupt alle diejenigen Positionen räumen solle, welche Abdul Kerim Pascha leicht einnehmen könnte; man wartet also einen Angriff gar nicht ab, sondern räumt gut willig das Schlachtfeld, um nicht hinterher zu⸗ gestehen zu müssen, daß man Schläge gekriegt hat.)

Rumänien. Bukarest. Die Seitens der rumänischen Regierung an die Pforte ge richteten Forderungen betreffen, wie dieAgence Havas⸗Reuter erfährt, folgende Punkte: Offickelle Anerkennung des NamensRumänien, diplo- matischen Rang für den Agenten der rumänischen Regierung in Constantinopel, Prägung von Münzen mit dem Bilde des Fürsten, Recht der Ordens- Verleihung und des Abschlusses von Handels- Verträgen, Lösung gewisser Differenzen betreffs der rumänischen Schiffer in Kilia, Abtretung eines Theiles der Donaumündungen an Rumänien.

22. Juli. In der Sitzung der Deputirten⸗ Kammer brachte der Abgeordnete Fleva eine von 60 Mitgliedern unterzeichnete Vorlage ein, wonach elf ehemalige Minister in Anklagestand gesetzt werden sollen.

25. Juli. Die Kammer hat die Aus- gleichs⸗Convention mit dem Eisenbahn-Unternehmer Crawley verworfen. Die Vorlage, betreffend Abänderung des Communal-Gesetzes, wurde an- genommen. Heute gelangte der Handelsvertrag mit Rußland zur Debatte. Der Senat hat wegen Beschluß Unfähigkeit gestern keine Sitzung gehalten. Die Post- Verbindung mit der nörd lichen Moldau ist wegen Einsturzes der Eisenbahn⸗ Brücke bei Roman unterbrochen.

Griechenland. Athen. Die Regierung bereitet einen Protest vor für den Fall, daß die Türkei trotz der diesseitigen Reclamationen die an- gekündigte Colonisirung der benachbarten türkischen Provinzen mit 7000 Tscherkessen ins Werk setzt. Admiral Butukoff hat sich von Athen nach Smyrna begeben.

Aegypten. Cairo. Das Gerücht, daß Scialoja, das italienische Mitglied der inter- nationalen Finanz Commission hierselbst, seine Entlassung gegeben habe, ist unbegründet.

Amerika. New⸗Nork, 23. Juli. Aus Mexlco wird gemeldet, daß Lerdo de Tejada mit großer Majorität zum Präsidentrn von Mexito wiedergewählt ist.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Zwei Preise für vorzügliche Bearbeitung maldemalischer Pressaufgaben am Darmflädter Poly tech⸗ nikum sind den Studirenden Ludwig Baur von hier und Heinrich Rothamel von Homburg v. d. H. verliehen wor den.

Gießen. Der Schwurgerichtsbof der Provinz Ober⸗ hessen vom 3. Quartal l. J. hat in folgenden Anklage⸗ sachen weiter erkannt: Am 12. Juli gegen Johannes Ulrich von Ober⸗Mockstabt, wegen Diebstahls, Gefängnißstrafe von 3 Monaten und 3 Tagen. Am 13. Juli gegen Emil Meinhardt von Minden, im Königreich Preußen, wegen schweren Diepstahls und Sachbeschädigung, Zuchl⸗ hausstrase von 4 Jahren 2 Monaten und 1 Woche, Ab; erkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren, sowie Stellung unter polizeiliche Aufficht. Am 14. Juli gegen Heinrich Decher von Romrod, wegen Ver⸗ brechen wider das Leben Gefängnißsirafe von 2, Jahren.

Darmstadt, 25. Juli. In der Stadt war heute das Gerücht verbreitet, daß auf dem Frankenstein gestern Nachmittag mehrere Personen vom Blitz erschlagen worden seien. Nach eingezogenen Erkundigungen beslätigt es sich zwar, daß vier Personen(drei Knaben und eine Frau) welche von bier aus eine Parthie auf den Frankenstein machen wollten, daselbst vom Blitz getroffen wurden, in⸗ dessen ist glücklicherweise Niemand getödiet worden. Die Knaben sollen ca. 4 Ssunden bewußtlos gelegen haben, während die Frau sich rascher erholle und Hülfe berbei⸗ holen konnte. Die Knaben, von welchen zwei Söhne des Probator's P. dabier sind, sollen surchibare Brand- wunden durch den Blitz erhalten haben.

Allerlei.

Frankfurt, 24. Juli. Vergangene Nacht zwischen 1 und 2 Uhr, während ein schweres Gewiller über die Stadt zog und in Eckenbeim, jedoch kalt, einschlug, wurde die Berufs-⸗Feuerwebr plötzlich durch das Signal:Feuer auf der Allerheiligen-Gasse geweckt. Man fand Mittel- Feuer im ersten Stock des Hauses Nr. 8. Die Gefahr war rasch beseiligt. Es zeigte sich aber, daß ein böchst nichtswürdiges Verbrechen vorlag. Es fanden sich nämlich wohl im ganzen Stockwerk verkheilt Haufen von Spänen und Papier reichlich mit Peiroleum getränkt nebst einer Zündschnur dor. Die Bewohner des beregten Stockwerks waren in der keitischen Nacht nicht im Hause. Der Zu gang zu demselben wurde amtlich versiegelt. Eine der Brandstiftung verdächtige Persönlichkeit wurde heute im Laufe des Tages verhaftet. Die Gefahr, salls der Zweck erreicht worden wäre, war für die umliegenden sehr dicht bewohnten Häuser, da sie von der Branostätte nicht durch Brand-Mauern geschieden sind, sehr groß. Der in Haft genommene muthmaßliche Brandstifter sst ein Strohhut⸗ Bügler. Die aufgefundene Zünoschnur führte über mit Petroleum getränktes Papier in ein mit dem gleichen Zrennstoff tüchtig begossenes Bett. Wäre statt bloßen Rauchs Flamme entstanden, so war Alles derartig ange⸗ legt, daß auch nicht eine Spur vom Verbrechen zu ent⸗ decken gewesen wäre. Der Eigenthümer der Wohnung batte in der kritischen Nacht nach seiner Angabe bei einem Bäckerburschen geschlafen.

Köln, 22. Juli. Nach längerer Unterbrechung wurde beute wieder einmal ein Probe-Läusen mit der Kaiser⸗ Glocke versucht. Wie Ohrenzeugen mittheilen, soll eine merkliche Besserung sich kundgegeben haben. Das officielle Probe-Länten findet am nächsten Dienstag statt. Der Klöppel hängt jetzt in ledernen Riemen.

Würzburg. Gegen einen Würzburger Bürger, welcher bei der Anwesenheit des Kaisers einen an einem Flaggen-Siocke befestigten Strick zum Fenster hinausgehängt hatte, soll Untersuchung wegen Majestäts-Beleibigung ein⸗ geleitet worden sein. Derselbe hatte sich dann erst zur Entfernung dieser sonderbaren Decoration verstanden, als ein in seiner Nähe wohnender Artillerie-Oberst zweimal mit bewaffneter Intervention gedroht halte.

Rosenheim, 20. Juli. Der außerhalb Zorneding seine Strecke begehende Bahnwärter fand auf einer Schiene ein Packel liegen; als er es wegwacf, explodirie es sofort, und es wurde dem Bahnwätter ein Theil, der rechten Hand abgerissen. Es ergab sich, daß das Packet eine Dynamit⸗Patrone war, die jedenfalls von ruchloser Hand auf die Schienen gelegt worden, um den kurz darauf von Zorneding nach München abgehenden Bahnzug zu beschädigen.

Hamburg, 24. Juli. Das Centralhallen⸗Theater ist in der vergangenen Nacht total in Asche gelegt; das Feuer war schon während der Voestellung ausgebrochen. Von den Theaterbesuchern ist Niemayd beschädigt, dagegen baben einzelne Mitglieder des Theaterpersonals und der Feuerwehr Brandwunden erlitten.

Die Kinderarbeit.

Unter diesem Titel veröffentlicht Professor Dr. Gustav Jäger in Stuttgart in demGewerbe⸗ blatt aus Würtemberg eine äußerst interessante und belehrende Abhandlung über die Vortheile der Uebung und Anstrengung des Körpers während des Wachsthums, indem er damit zugleich die ihm von der Redaktion des oben genannten Blattes vor gelegten Fragen beantwortet. Dieselben lauten:

1. Frage: Wie erklärt die Wissenschaft die Thatsache, daß die häufigere Uebung und An strengung eines Körpertheiles besonders in den Jahren des Wachsthumes die Kräftigung

desselben befördert, während doch übermäßige

Anstrengung allgemeine Körperabmagerung zur

Folge hat?

Der erste Punkt, auf dem diese durch die Erfahrung längst erhärtete Erscheinung beruht, ist, daß während der Arbeit die Blutfülle ves Organs nach den Untersuchungen von J. Ranke um etwa 80 Procent gegenüber dem Ruhezustande steigt. Diese reichlichere Durchblutung ist gleichbedeutend mit erhöhter Zufuhr von Nährmaterial zu dem arbeitenden Organ. Der zweite Punkt ist folgen- der: Im rubenden, gesättigten Zustand verbält sich die lebendige Substanz des Körpers(Muskel, Nerv ꝛc.) dem im Blut ihm gebotenen Nahrungs- material gegenüber indifferent, d. b. nimmt fast keine Nährstoffe auf, weil ein noch nicht näher bekannter, eine Ark von Kontraktion bedingender Mechanismus seine Quellung hindert. Dies ändert

sich erst durch die. Arbeit. Durch die. hierbei statt⸗

findenden chemischen Vorgänge, die wesentlich Oxydationen sind, treten im Innern der lebendigen Substanz die sogenaunten Etmüdungsstoffe(Kohlen⸗ säure, Milchsäure und saure Salze) auf, deren Bedeutung nicht blos darin besteht, daß sie die Ermüdung verursachen, sondern auch wesentlich darin, daß sie jenen die Quellung bindernden Mechanismus der lebendigen Substanz lähmen. Unter ihrem Einfluß öffnen sich deren Poren, und es beginnt ein Stoffaustausch zwischen Blut und lebendiger Substanz, der einerseits die Aus wasch⸗ ung der Ermüdungsstoffe durch das Blut, anderer. seits das Eindringen von Gewebsbildungs material (besonders Eiweiß) aus dem Blut in die lebendige Substanz zur Folge hat. Daraus geht hervor, daß Ermüdung und Hunger der lebendigen Sub- stanz anf's Innigste verknüpft sind: was ermüdet, macht auch hungrig. Der Hungerzustand ist aber unbedingt nöthig, wenn ein Stoffwechsel stattfinden soll, denn ohne ihn weist die lebendige Substanz bie Nahrung zurück. Bei dem durch die Wirkung der Ermüdungsstoffe herbeigeführten Stoffwechsel handelt es sich um die qualitative und um die quantitative Seite. Was die erste betrifft, so ist die Thatsache von der entscheidendsten Bedeutung, daß durch die Arbeit nicht die Gewebsbildner, d. b. die Eiweißkörper vorzugsweise oxydirt, d. h. zerstört werden, sondern die Fette und Kohlen hydrate, während die im Hungerzustand erfolgende Vermehrung der Stoffaufnahme aus dem Blut vorzugsweise den Eiweißkörpern zu gut kommt. Daraus geht bervor, daß die Arbeit eine Aender⸗ ung des Mischungszustandes der lebendigen Sub⸗ stanz hervorruft: sie vermindert deren Gehalt an Fett und Wasser, und vermehrt ihren Gehalt an Eiweißkörpern. Da nun die letzteren die Stoffe sind, von denen der mechanische Theil der Arbeit ausgeht, so muß das Resultat der Arbeit eine Kräftigung des arbeitenden Theils sein, allerdings unter drei Voraussetzungen, die unten besprochen werden sollen. Die quantitative Seite des Stoff wechsels, welcher durch die Ermüdung hervorgerufen wird, betrifft das Wachsthum. Es ist Thatsache, daß die Uebung ein Organ nicht blos deß halb kräftiger macht, weil es eiweißreicher wird, sondern auch deßhalb, weil seine Masse zunimmt. Dieser Theil der Erscheinung ist in seinen letzten Ursachen noch nicht wissenschaftlich verfolgt, man weiß nut so viel, daß es sich hierbei nicht um eine Ver- größerung der Elementartheile des Organs(der Zellen), sondern um eine Vermehrung ihrer Zahl handelt. Diese Thatsache ist von größter Wichtig keit für die Kinderarbeit, und zwar deßhalb, weil die Fähigkeit zur Vermehrung der Gewerbselemente im jugendlichen Alter eine größere ist als im er⸗ wachsenen. Will man also ein Organ oder den Gesammtkörper nicht blos qualitativ, sondern auch quantitativ kräftigen, so muß die Uebung im Kindesalter beginnen. Die Erfahrung, daß ein gewisses Maß von Arbeit eine qualitative und quantitative Kräftigung des Organs, eine Ueber- ansirengung dagegen Abmagerung und Schwächung hervorruft, findet ihre Erklärung in Folgendem: Während der Arbeit findet in Folge der mit dere selben verbundenen Zusammenziehung der lebendigen Substanz fast keine Aufnahme von fixen Nährstoffen statt, diese erfolgt erst in der durch die Exmüdung herbeigeführten Ruhepause, dagegen dauert während

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hieraus Kräfte, todlen langsar welche währer hindern in wel lange und a scheinu licher

2477 etwa? an die!

Fr.