erwartet, daß der Reichstag an der Forderung der Ueberweisung aller durch die Presse begangenen, von Amtswegen verfolgten Verbrechen und Ver- gehen an Schwurgerichte unbedingt festhalte.“ Auch der Antrag Stern's, welcher verlangt, den Ausschuß des Vereins zu beauftragen, geeignete Schritte zur Beseitigung des jetzt herrschenden Systems der Rückfall⸗Bestrafungen bei Preß⸗Ver⸗ gehen zu thun, wurde angenommen Stuttgart. Für den Empfang des deutschen Kaisers sind Vorbereitungen für den 21. Sept. getroffen. Derselbe wird hier, von Frankfurt kommend, Nachmittags erwartet; für den 22. Sept. ist Parade des königlich württembergischen Armee— corps bei Ludwigsburg und für den 23. Sept. Corpemanöver anberaumt. Von bier aus wird sich der Kaiser über Karlsruhe nach Weißenburg begeben, dort den elsässischen Cavalerie⸗Divisions- Uebungen unter General von Witzendorf beiwohnen, die Schlachtfelder von Weißenburg und Wörth besichtigen und, so weit bis jetzt bekannt, am 27. September hierher zurückkehren, wo für den 28. Sepk. ein Volksfest in Aussicht genommen ist.
Ausland.
Holland. Haag, 21. Aug. Den heutigen Abend⸗Blättern zufolge lehnte Kappeyne den Auf,
Serbien. Belgrad, 20. August. Die Türken unternahmen gestern einen allgemeinen Angriff auf die serbische Südgrenze und auf die Straße Nisch⸗Alexinatz. 20,000 Türken griffen die serbischen Vorposten bei Supovatsch und Go⸗ lesnicu und sodann mit Hestigkeit die serbische Armee bei Teschitza an. Der Angriff wurde glänzend zurückgewiesen; ebenso wurden die An- griffe, die sich von Morgens 4 Uhr bis Abends 4 Uhr wiederholten, immer energisch zurückgewiesen und die Türken bis über die Grenzen hinaus ver- folgt. Die serbischen Truppen entwickelten eine außerordentliche Tapferkeit.
— 21. Aug.„Reuter's Büreau“ meldet daß hier heute abermals Gerüchte von dem bevorstehenden Abschlusse eines Waffenstillstandes umliefen. General Alimpitsch soll den Fürsten Milan um die Er- mächtigung ersucht haben, die Offensive wieder zu ergreifen; der Fürst habe aber diese Ermächtigung nicht ertheilt.
— 21. Aug. 40,000 Türken unter Abdul Kerim Pascha erneuerten gestern den Angriff auf die bei Teschitza concentrirten Serben. Wieder- holte Angriffe der Türken wurden abgeschlagen, ein Flügel der serbischen Truppen hatte sogar einen partiellen Erfolg und ging zur Offensive über. Das Gesecht dauerte bis 6 Uhr Nachmit—
trag zur Bildung eines neuen Cabinets ab.
Dänemark. Kopenbagen, 20. August. Der Kaiser von Brasilien hat heute Vormittag feine Reise von hier über Malmö nach Stockholm fortgesetzt.
Türkei. Constantinopel. Die„Agence Havas⸗Reuter“ erfährt, daß der griechische Ge— sandte der Pforte eine Note überreicht habe, worin das Ersuchen gestellt ist, die Pforte möge den Beschwerden der Cretenser, deren Unzufriedenheit auch auf die Bevölkerung Griechenlands zurückwirke, abhelfen.— Die ungünstigen Nachrichten betreffs des Gesundheits-Zustandes des Sultans erhalten sich; man bezweifelt die Möglichkeit der Wiederher— stellung und hält neuerdings einen Thronwechsel für wahrscheinlich.
—(Amtliche Meldung.) Nach Berichten aus Nisch vom 19. August war Achmed Eyub Pascha von Derwent aufgebrochen und gleichzeitig mit Ali Saib Pascha, welcher die Morava über— schritten hatte, auf Alexinatz marschirt; gegenwärtig stehen die von diesen Heerführern befehligten beiden Divisionen sehr nahe bei Alexinatz. Ali Saib Pascha hat bereits die Befestigungen, welche als Schlüssel von Alexinatz zu betrachten sind, mit Sturm genommen. Einer Meldung aus Saitschar vom 17. August zufolge kam es zwischen einer türkischen Recognoseirungs- Abtheilung und zwei serbischen Bataillonen in Koporitza bei Negotin zum Gefechte, wobei die Serben mit großen Ver— lusten zurückgeschlagen wurden.
— 20. August.(Amtliche Meldung.) Die Türken haben den im Gebirge bei Alexinatz con- centrirten serbischen Truppen eine gänzliche Nilder⸗ lage beigebracht und die Stellungen und Befestig— ungen derselben genommen; die Verluste der Serben sind beträchtlich.
— 21. August. Der Secretär der britischen Bolschaft Baring ist aus Bulgarien, wohin er sich behufs Untersuchung der von den Türken ver— übten Grausamkeiten begeben hatte, wieder hier eingetroffen. Der britische Militär- Attaché, Ge— neral Kembell, ist nach dem türkischen Hauptquartier zu Nisch abgereist. Der btitische Admiral Drum⸗ mond ist nach der Flotten⸗Station in der Besika⸗ Bai zurückgekehrt.
Montenegro. Cettinje. Die„Intern. Tel. Ag.“ meldet aus Danielowgrad vom 17. Aug.: Starke türkische Truppen-Abtheilungen wurden auf dem Marsche von Podgoritza nach Medun von zwei Bataillonen der Montenegriner angegriffen. Nach
äußerst erbittertem Gefechte, in welchem die 1100
Mann starken Montenegriner 307 Leute verloren, wurden die Türken einem Abgruude zugedrängt, worin der größte Theil derselben— angeblich 3500 — zu Grunde gingen.
— 21. Aug. Vorgestern haben die Montene⸗ griner unter Marco Miljanoff die Türken in Selistic angeriffen, dieses Dorf erobert und
45 Albanesen zu Gefangenen gemacht.
tags an, Heute früh fand ein neuer Kampf gegen die Hauptstellung Tschernajeff's bei Alexinatz statt, Eine größere Schlacht wird erwartet. Auch an der Drina und am Ibar ergriffen die Türken die Offensive, aber bisher erfolglos.
— 22. Aug.(Amtliche Meldung.) Die serbische Armee, unter dem Commando von Horvatovic's, hat gestern Knjazewatz wieder einge— nommen und Tressibaba besetzt.
Rumänien. Bukarest. Die rumänische Regierung hat, wie das„Journal de St. Peters- bourg“ aus authentischer Quelle erfährt, der Schweiz die Mittheilung gemacht, daß die Pforte der Absendung einer Sanitäts- Ambulanz aus Rumänien auf den Kriegsschauplatz entgegentrete und keine Garantie für die Sicherheit der Am- bulanzen übernehme. Die Pforte habe erklärt, daß sie die türkischen Truppen nie über die Ver— pflichtungen betreffs des rothen Kreuzes instruirt habe.
Rußland. Petersburg, 20. Aug. An- läßlich der Geburtstags-Feier des österreichischen Kaisers fand zwischen dem Petersburger und Wiener Hofe ein die herzlichsten Beziehungen beider Monarchen constatirender Depeschen-Wechsel statt. Am 18. August war der österreichische Botschafter v. Langenau zur kaiserlichen Tafel geladen, wobei
sämmtliche Theilnehmer mit österreichischen Orden
erschienen. Der Kaiser brachte auf die Gesundheit seines Freundes und Verbündeten, des Kaisers von Oesterreich, einen Toast aus.
Amerika. Washington. Einen Ab- grund von Corruption ohnegleichen enthüllt der Bericht des ametikanischen Repräsentanten-Haus— Comités zur Untersuchung des Marinedepartements. Auf 160 enggedruckten Octapseiten drängt Admiral Whitthorne die Ergebnisse einer achtmonatlichen Untersuchung zusammen. Als Robeson im Jahre 1869 das Marine-Departement übernahm, hatte die Union 203 Kriegsschiffe. Neugebaut sind während seiner Verwaltungszeit zehn, neu ange— kauft drei. Und doch existiren gegenwärtig nicht 216, sondern nur 145, so daß im Ganzen 71, ohne eine Spur zu hinterlassen, verschwunden sind. Sind diese 71 Schiffe verkauft oder sind sie abgebrochen und ist das Material, aus dem sie bestanden in andere Hände gekommen? Keine Zeile in den Büchern des Marine-Departements sagt es. Auch hat das Vereinigte ⸗Staaten-⸗Schatzamt keinen Cent des aus dem Verkauf gelösten Geldes empfangen. Dabei hat Grant's jetziger Marineminister während seiner Amtszeit 170,000,500 Pf. St. verausgabt fund noch mehrere Millionen Dollars Schulden dazu gemacht.
Aus Stadt und Land.
Friedberg. Die„N. Hess. Volksblätter“ erzählen: In einem Darmstädier Blatte wurde unläugst berechtigte Klage über eine Hotel-Nota in der Schweiz geführt, auf der das„Cottelette“ mit 2 Francs angesetzt war. Wir brauchen deßhalb nicht so weit zu gehen. Nach einer den
„N. H. V.“ vorliegenden Rechnung des neben dem Hotel „Frankfurter Hof“ in der Kaiserstraße zu Frankfurt a. M. neu errichteten Pariser Kaffeehaus kostet die genannte Speise nicht zwei Francs, sondern 2 Mark und außerdem werden noch 20 Pfennig für Brod berechnet!
% Bad⸗Nauheim. Es bat sich hier, unter ber Aegide des tüchtigen Badearztes Dr. Schott ein Verein zur Unterstützung armer, jüdischer Patienten gebilbe, welche die hiesigen wirksamen Bäder gebrauchen. Wir sind sonst Feinde aller Separation, dieselbe ist aber hier durch den Umstand erklärt, daß die armen Juden in der Regel strenge an den Speisegesetzen halten(Armuth macht ängst⸗ lich und serupulös) und demgemäß der Curgebrauch ihnen weil kostspieliger gemacht ist.— Wir dürfen daher gewiß dieses menschenfreundliche Unternehmen, namentlich reichen jübischen Badegästen, zur Förderung bestens empfehlen.
Langen, 21. Aug. Der Mörder des Bürgermeisters von Walldorf wurde gestern Morgen im Wald bei Langen durch einen Schuß, den er sich selbst beigebracht, schwer verletzt gefunden und starb nach zwei Stunden. Er bat wohl die Unmöglichkeit, sich durch die Flucht zu retten, eingesehen, und erklärte kurz vorher bekannten Leuten, welche ihn in der Nähe der Babn trafen, aber nicht fest⸗ zunehmen wagten, auf deren Befragen, daß er die Absicht gehabt, auch den Pfarrer zu erschießen und legte keine Sput von Reue an den Tag.
Allerlei.
Höchst a. M. Hier bat ein Mann, welcher mit einem betrunkenen Spengler Mißhelligkeiten bekam, diesem mit einem Beil den Schädel eingeschlagen, in Folge dessen der Tod eintrat. Verhaftung und Abführung nach Wies⸗ baden ist erfolgt.
Neuwied, 19. Aug. Das Dampfboot„Hohenzollern“ ist mit dem Dampfboot der Niederländischen Dampsschiff⸗ Rhederei„Rheinländer“ bei Unkel zusammengestoßen. Der „Hohenzollern“ verlor einen Radkasten und das Rauch⸗ Cabinet; so weit bis jetzt festgestellt, sind Menschen nicht verunglückt.
Blaubeuren, 19. Aug. Gestern Nachmittag wur⸗ den durch eine Feuersbrunst in kürzester Zeit in Erstetten 21 Gebäude, worunter das Schul- und Rathhaus, ein⸗ geäschert. Der Schaden ist sehr bedeutend, die Abgebrann⸗ len sind alle versichert, aber gering.
Deggendorf, 14. Aug. Der hiesige„D. D.“ meldet: „Gestern kam die Nachricht bierher, daß bei Schweinhülte (zwischen Regen und Zwiesel) eine junge Weibsperson— ermordet aufgefunden worden ist. Man möchte auf die Vermuthung kommen, daß die Ermordungen von vier weib⸗ lichen Personen, die binnen eines Jahres im bayerischen Walde vorgekommen sind, von ein und demselben Menschen herrühren, der nicht mehr zurückschreckt, dem Opfer seiner Lust auch das Leben zu nehmen.
Paris, 18. Aug. Heute war die Hitze hier größer, als seit Menschengedenken. Alle Welt klagt über Kopf⸗ schmerzen und Maltigkeit. Gegen Mittag hatten sich Ge⸗ witterwolken zusemmengezogen, aber der Wind vertrieb dieselben gegen Abend wieder. In vielen Theilen Frank⸗ reichs fanden indeß heute Nacht Gewitter statt.
Das Ende des biologischen Prozesses auf Erden. (Nach dem„N. Berl. Tagbl.“) (Schluß.)
Mag die Wärme der Sonne, die sich jetzt noch durch Verdichtung ersetzt, noch so lange vor halten, so muß doch die gänzliche Bedeckung der Sonne mit Schlacken unfehlbar eintreten. Dann wird aber die Erde der Temperatur des Raumes ausgesetzt sein, welche nach Fourier 60, nach Pouillet 142, nach Desormes und Andern 273 Grad Celsis beträgt. Wenn Back im Jahre 1834 im Fort Reliance unter 62,5 Grad nörd— licher Breite das Weingeist- Thermometer auf 56,7 Grad Celsius sinken sah, so muß, da die tiefsten Temperaturen nur durch Wärme- Aus- strahlung an den noch kälteren Himmelsraum ent- stehen können, die allgemeine Temperatur des Raumes noch bedeutend tiefer als 57 Grad sein. Dies ließ sich auch empirisch bestätigen bei Ge legenheit des Meteoritenfalls bei Dhurmsalla in Indien am 14. Juli 1860. Die noch rauchen den Steine wurden von den Einwohnern zer- schlagen, und obwohl schon einige Durchwärmung derselben eingetreten sein mußte, besaßen doch die inneren Bruchflächen eine so geringe Temperatur, daß sie nicht ohne lebhaftes Schmerzgefühl berührt werden konnten. Bei einer solchen Temperatur muß sich die ganze Erde mit einer ungeheueren Schnee- und Eiskruste bedecken, unter welcher das ganze Pflanzen- und Thierreich begraben liegen wird.
Alle Kraftäußerungen, jede Art von Bewegung auf der Erde läßt sich, mit Ausnahme der vom Monde erzeugten fluthenden Bewegung der Atmo sphäre und der Meere, so lange die letzteren noch nicht erstarrt sein werden, auf die Sonnenwärme
als ihre letzte Ursache zurückführen.
2— S e Peer


