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1876.
Dienstag den 22. August.
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Oberhessischer Anzeiger.“
Die Petitzeile wird mit 11 Pfennig berechnet.
Kreisblatt für den Kreis Kriedberg.
Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.
Amtlicher Theil.
Betreffend: Das Gemeinde ⸗Rechnungswesen, hier Einsendung der Tage- und Handbuchsauszüge für 1876. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.
Da nur Wenige von Ibnen unserer Verfügung vom 27. Juni dieses Jahres entsprochen haben, so erinnern wir hieran innerhalb 8 Tagen
bei Meidung unangenehmer Verfügung.
Friedberg den 19. August 1876.
3. B. d Klietsch, Kreis- Assessor.
Deutsches Reich.
Darmstadt. Am 17. August wurde der Director der Haus- und Staats- Archiv- Direction, Geheimerath Dr. Baur, auf Nachsuchen in den Ruhestand versetzt.
— Bei den von der Großberzoglichen Regier- ung angeordneten Probcabschätzungen stellte sich, wie man dem„Frankfurter Journal“ von hier meldete, bezüglich der beabsichtigten Kapitalsteuer ein Einkommen von zinstragenden Kapitalien jeder Art, Geld- und Naturalgefällen auf Grund von Berechtigungen von 11,384,925 fl.— 10 pCt. des Gesammteinkommens, entsprechend einem Capital⸗ werth von 227,699,100 fl., heraus, das sich wie folgt vertbeilt: Starkenburg 4,794, 277 fl., Ober- bessen 2,220,138 fl., Rhein-Hessen 4,370 540 fl. Von den Gesammteinkommen ergeben sich für Starkenburg 10,6 pCt, für Oberhessen 8,9 pCt., für Rheinhessen 10,0 pet. Im Verhältniß zu dem Gesammt- Einkommen der Bezirke zeigen den geringsten Staud: Fürth mit 3,5 pCt., Schotten, 4,0, Langen 4,6, Michelstadt 4,6, Osthofen 4,7, Heppenheim 4,7 pCt. Den höchsten Stand dagegen weisen auf: Darmstadt mit 2,906,076 fl. oder 20,9 pCt., Offenbach 540,834 fl. oder 16,1 pCt., Gießen 605,752 oder 14,7, Mainz 2.150,549 fl. oder 11,2, Worms 821,079 fl. oder 13,2 pCt.
— Man schreibt dem Fr. Journal: Die Frage der richtigen Steuer ⸗Belastung der Gebäude nach ihrem Einkommen, welche schon auf früheren Land- tagen vielfach erörtert worden ist, wird auch in dem Bericht des Finanz⸗Ausschusses der zweiten Kammer als eine dringliche bezeichnet. Einestheils haben bei keinen anderen Einkommen so wesentliche Aenderungen stattgefunden, als wie gerade bei diesem, weßhalb denn hier wohl am wenigsten eine Revision umgangen werden kann, anderntheils erscheint es aber auch zweckmäßig, die Gebäude Steuer ganz von dem landwirthschaftlich benutzten Boden zu trennen, wobei dann freilich auch eine Untersuchung der Gewerbe ⸗Steuer-Capitalien mit Rücksicht auf das darin angelegte Gebäude und Betriebs ⸗Capital aus dem daraus entspringenden Einkommmen nicht zu umgehen wäre.
Berlin. Die„Provinzial Correspondenz“ kritisirt Proftssor Reuleaux' Urtheil über die Leist⸗ ungen der deutschen Jndustrie in Philadelphia und führt aus, daß die dortige Ausstellung kein Bild deutscher Leistungsfähigkeit darbiete. Sie erklärt den Mangel eines Fortschrittes mancher Fabrikationszweige aus den Kriegsstürmen und aus den wirthschaftlichen Erschütterungen, bezeichnet die Billigkeit deutscher Erzeugnisse nicht als einen Irrweg, sondern als eine Leistung für hohe Cultur: zwecke und sagt hinsichtlich des Vorwurses, daß in dem Kunstgewerbe patriotische Motive vor— bherrschten, dieser Vorwurf treffe das deutsche Volk, das sich dieses Vergehens gern schuldig bekennen dürfte. Der Artikel schließt: Man darf nicht bezweifeln, daß Prosessor Reuleaux lediglich von dem Gedanken geleitet war durch einen ernsten Mahnruf auf Selbsterkenntniß und Hebung des
deulschen Gewerbefleißes hinzuwirken— das Mahn⸗ wort wird gewiß nicht ohne Wirkung bleiben.
— Die Zurückberufung der Panzterschiffe „Deutschland“ und„Kaiser“ nach Wilhelmshaven ist nunmehr verfügt worden.
Kassel. Das zwischen dem früheren Ober- Präsidenten von Bodelschwingh und dem Bischof Limburg seinerseits getroffene Abkommen, wonach die königlichen Patronatsstellen im Regierungs- Bezirk Wiesbaden nur noch durch vom Bischof oder dessen Stellvertreter als personae gratae bezeich ⸗ nete Candidaten besetzt werden sollen, ist von dem gegenwärtigen Oberpräsidenten von Ende, dem Cultusministerium unterbreitet worden, welches
der neue französische Kriegs-Minister, ein Zögling Niels, Republikaner vom linken Centrum und sehr antibonapartistisch. f
Großbritannien. London. Die eng⸗ lische Regierung hat in Belgrad und Konstantinopel auf ihr Vermittelungs-Anerbieten eine dankende, aber ablehnende Antwort erhalten.
— Die amtliche Zeitung veröffentlicht die Et⸗ nennung Disraeli's und seiner männlichen Erben in directer Linie zum Viscount Hughenden Earl of Beaconsfield.
— Derby's Droh Note an die Türkei vom 9. Aug. bezüglich der von den Türken begangenen Grausamkeiten unterstüzen in Constantinopel,
wohl eine Aenderung dieses unhaltbaren Zustandes Oesterreich, Deutschland, Frankreich und Italien. Sir Kembell hat jede Verletzung des Völker-Rechtes
veranlassen wird. Würzburg. Der Nrbg. Corr. schreibt: sofort an England zu berichten.
Das hiesige Militär-Bezirks⸗ Gericht hat den General Italien. Rom, 17. August. v. Treuberg wegen Mißbrauchs der Dienst- Gewalt Rede, welche der Handels Minister Maiorana zu in Untersuchung genemmen. Den Gegenstand der- Catania hielt, äußerte sich derselbe folgendermaßen: selben bildet die Thatsache, daß der General bei Die Handelsverträge beruhten auf freibeitlichen den Schieß⸗Uebungen, die kürzlich mit dem aptirten Principien; das Ministerium berathe über die Werder Gewehr dahier vorgenommen wurden, Mittel, um das Aufhören des Zwangs-Courses einem Soldaten eine Ohrfeige angedeihen ließ. zu beschleunigen; die Frage der Spirituosensteuer Das Gewehr des Soldaten hatte versagt. Es werde einer schleunigen Lösung zugeführt.— Der ergab sich, daß ein sehr bedeutender Procentsatz der französische Botschafter beim König von Italien, aptirten Werder⸗Gewehre versagte, und daß sonach Marquis de Noailles, tritt demnächst seinen ge⸗ den Soldaten keinerlei Schuld traf. General v. wöhnlichen Urlaub nach Paris au.
Treuburg sah ein, daß er zu out weit gegangen war, Türkei. Constantin opel. Die„Pol.
und hatte dem Soldaten einen Thaler eingehändigt. 4 Kianalisirt ei. 2 Friedrichshafen. Eine picante Episode Gerz stenalisitt eine neuerliche große Gäbrung
In einer
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spielte sich gelegentlich der Begegnung des deutschen Kaisers mit dem württembergischen Königs⸗Paar in der Sommer ⸗Residenz des Letzteren, in Friedrichs hafen, ab. Als der Kaiser dort ankam, wurde er nämlich von der Königin auf Franzöfisch be— grüßt, worauf er in deulscher Sprache erwiederte, Die deutsche Landes-Mutter ließ sich jedoch dadurch
nicht beirren, sondern fuhr fort, die Unterhaltung ihrerseits französisch zu führen, während natürlich der Kaiser, ihr greiser Onkel, ebenso consequent bei unserem guten Deutsch blieb, und auch der König bediente sich seiner Mutter-Sprache. Daß es an Glossen über dieses bezeichnende Intermezzo nicht fehlt, kann man sich denken.
Ausland.
Oesterreich⸗Ugarn. Wien. Ueber die vielfach verbreitete sensationelle Nachricht, daß ein österreichischer Kriegsdampfer auf offener See von einem britischen Kriegsschiff einer Durchsuchung unterworfen worden sei, ist in hiesigen unterrichteten Kreisen nicht das Geringste bekannt.
— Die Regierung beabsichtigt, wie verlautet, die Handels-Verträge mit Deutschland, England, Frankreich und Italien noch im Laufe des Herbstes von den Legislativen der beiden Reichshälften er— ledigen zu lassen. Die Handels- und Finanz- Miniflerien studiren zu diesem Bebufe schon seit einiger Zeit die betreffenden Vertrags- Entwürfe.
Frankreich. Paris Nach einer Mit⸗ theilung der„Indep. belge“ ist General Berthaud,
Fürst an der
auf Candia.
Montenegro. Cettinje, 17. August. Der„Pol. Corr.“ wird gemeldet: Mit Aus⸗ nahme der von den Resten der türkischen Armee besetzten Punkte ist die ganze Herzegowina von Türken gesäubert; der Fürst von Montenegro hält mit seinem ersten Corps in Lipnik bei Gacko eine centrale Stellung besetzt, von wo er jede Bewegung der Türken beobachten und derselben erforderlichen Falls entgegentreten kann.
— 18. August.(Amtliche Meldung.) Der Spitze von 10 Bataillonen hat gestern sein Hauptquartier nach Bielopavplici(zurück) verlegt, um die montenegrinischen Truppen gegen- über Albanien, wo sich größere Massen von türkischen Truppen ansammeln, zu verstärken. Den Ober— befehl über den montenegrinischen Truppen in der Herzegowina hat Peter Vukotic übernommen.
— 19. August. Man meldet von hier, daß der Fürst von Montenegro auf seinem Ma e nach der Grenze von Albanien von dem en Siege der montenegrinischen Armee Abtheilung bei Podgoritza benachrichtigt würden sei und darauf hin seinen Marsch fortgesetzt und sich mit Petrovich vereinigt habe. Der Fürst beabsichtige in Albanien einzurücken, wo ihm Seitens der kathbolischen Ein- wohner Hülfe zugesagt sei.
Serbien. Belgrad. Eine Abtheilung von 5000 Türken stieß am 15. d. jenseits des Passes Jankowa Klissura auf die Serben unter Tscholak Antisch. Rach einem beftigen, von 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags dauernden
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