der zur Umwechslung gebrachten Münzen nach Procenten der Umwechslungssumme zur Richtschnur nimmt, zugleich aber auch die Beschwerlichkeit des Geschäftes, resp. die durch dieselbe wahrscheinlich veranlaßten außerordentlichen Ausgaben mehr nach den einzelnen Beamtenkategorien berücksichtigt. Ein Mitglied des Ausschusses(Abg. Kugler) ist für Ablehnung der ganzen Vorlage, die Majorität dagegen beantragt Bewilligung von 8567 Mk.
— Am 16. Oct. wurde der General-Staats- prokurator Dr. Röder zum Ober Appellations- und Cassations-Gerichtsrathe ernannt.
Mainz. Die Stadt Mainz hatte seinerzeit an die Regierung das Ersuchen um Befreiung
begleitet von den Flügel Adjutanten Contre-⸗Admiral Sakturis und Baron von Gyldencrone, gestern früh bier eingetroffen. Mittags empfing der König die Besuche des Erzherzogs Wilhelm und des Herzogs von Nassau. Der König conferirte heute mit Graf Andrassy; Letzterer erörterte hierbei ein⸗ gehend die orientalische Politik und empfahl eine friedliche Haltung Griechenlands.
— Die„Montags⸗Revue“ bespricht das An- gebot der Pforte, einen sechsmonatlichen Waffen— stillstand anzunehmen, und sagt: Obgleich der Waffenstillstandstermin offenbar zu weit bemessen, so schließe doch ein größerer Zeitraum einen klei neren in sich. Der Vorschlag biete den Vortheil,
von der Einregistrirungs-Gebühr bezüglich des ihr zu Stadt⸗ Erweiterungs- Zwecken unentgeltlich überlassenen Festungs- Terrains gerichtet und als Hauptgrund geltend gemacht, daß die Stadt bei dem im Interesse der Commune und des Staates gelegenen Unternehmen enorme Opfer zu bringen habe. Die Regierung war der Ansicht, es sei billig, das Gesuch zu gewähren, und suchte um Genehmigung der Stände nach. Der Finanz-
Ausschuß der zweiten Kammer hat sich der An sicht der Regierung angeschlossen.
Berlin. Nach der soeben erschienenen Rang- und Quartier-Liste der kaiserlichen Marine für das Jahr 1876 zählt dieselbe(einschließlich der im Bau begriffenen) folgende Schiffe: A. Schlacht- Schiffe: 8 Panzer- Fregatten, 3 Panzer-Corvetten. B. Kreuzer: 9 gedeckte, 5 Glattdecks Corvetten- 2 Kanonen Boote„Albatroß“-Classe, 7 Kagonen, Boote I. Classe. C. Küsten⸗Vertheidigungs⸗Fahr⸗ zeuge: 2 Panzer-Fahrzeuge, 5 Panzer-Kanonen- Boote, 11 Torpedo Boote 8 Kanonen- Boote II. Classe. D. 6 Avisos. E. 2 Transport- Fahrzeuge. F. Schul- Schiffe: 1 Linienschiff, 1 Segel- Fregatte, 2 gedeckte, 2 Glattdecks-Cor- vetten, 3 Segel Briggs. G. Fahrzeuge zum Hafen ⸗Dienst: 9 Dampf⸗Fahrzeuge, 3 Kasernen— Schiffe, 5 Lootsen- Fahrzeuge und Feuer⸗Schiffe, 10 Hulks⸗ und Kohlen Fahrzeuge.
— Von Seiten des Kriegs-Ministeriums ist der Plan zum Bau einer Gürtelbahn um Königs— berg, welche, wie in Paris und Metz, sämmtliche äußere Festungs⸗Forts verbindet, ausgearbeitet. Mit der Ausführung soll in Kurzem vorgegangen werden.
— Zum Beweise, daß Fürst Bismarck seine Reichs Eisenbahn-Politik keineswegs aufgegeben habe, weiß die„Köln. Ztg.“ zu melden, daß er eine kräftige Depesche in Eisenbahn- Angelegenheiten erlassen habe, die zunächst an Sachsen und Bayern gerichtet sei, aber auch anderwärts mitgetheilt sein werde.
Marpingen. Der Protest, welchen die Ge— meinde gegen die Auflage von 4000 Mark beim Oberpräsidenten bereits vor drei Wochen einge reicht und vor acht Tagen erneuert hat, ist bis heute noch nicht beantwortet. Inzwischen hat der Bürgermeister die Umlage ausgeführt; da aber sämmtliche Gemeinde Mitglieder die Zahlung ver— weigern, droht er mit Pfändung, und man glaubt, daß bereits in dieser Woche damit vorgegangen werde.
Karlsruhe. Die General-Synode hat in ihrer letzten Sitzung einen Schritt zur Anbahnung einer evangelischen National-Kirche gethan. Sie verhandelte über den bereits in voriger Nummer gemeldeten Antrag von Zittel, Schellenberg u. Gen., wonach der Ober-Kirchen-Rath ersucht werden sollte, die gemeinsame Begehung des Reformations- Festes und des Buß und Bettages nicht allein in Baden sondern in allen deutschen Kirchen an einem und demselben Tag, wo möglich Sonntag, bei den verschiedenen Kirchen-Regimenten anzuregen. Der Antrag von dem Präsidenten des Ober-Kirchen— Raths freudig begrüßt, wurde von der Synode einstimmig angenommen. Bezüglich der übrigen Vorlagen verlautet, daß in Sachen der Agende und der Biblischen Geschichte eine Einigung in Aussicht stehe, die Katechismus-Vorlage aber auf
Zwangsmittel gegenüber der Pforte, wie Occupa-
tion, Intervention, Flotten-Demonstration, Abbruch der diplomatischen Beziehungen, auszuschließen.
Pest. Graf Andrassy wird die seit einiger Zeit beabsichtigte Reise nach Pest demnächst an- treten, um persönlich mit den ungarischen Ministern zu verkehren und sowohl rücksichtlich der Auffassung der auswärtigen Politik, wie betreffs der Aus- gleichungsfrage seinen Einfluß geltend zu machen.
Frankreich. Paris, 16. Oct. Heute wurde in der Sühn⸗ Capelle der 83. Jahrestag der Hinrichtung der Königin Marie Autoinette begangen. Von 7 bis 12 Uhr wurden Messen gelesen, denen ein zahlreiches und elegantes Publi- kum beiwohnte. Auf Wunsch des in diesem Augen- blick in Rom weilenden Erzbischofs Guibert ist die diesjährige Collecte für die katholischen Universi— täten bestimmt.
Belgien. Brüssel. Der„Nord“ bespricht die Stellung Rußlands zu dem Vorschlage eines Waffenstillstandes auf 6 Wochen und sagt, es sei begreiflich, daß Rußlaud auf den Vorschlag Eng—
lands zurückkomme, wodurch die schwebenden Fragen
auf das richtige Terrain zurückgeführt würden. Europa dürfe nicht zugeben, daß das von allen Mächten einstimmig empfohlene Programm äͤufge— geben werde. Die Pforte müsse ausreichende Garantien geben. Augenscheinlich wolle die Türkei die Sache in die Länge ziehen, was die Verwickel— ungen nur größer machen würde. Im allgemeinen Interesse sei eine schnelle Lösung geboten.
Großbritannien. Der„Liberte“ schreibt man von hier: Wir wissen aus guter Quelle, daß England in diesem Augen- blick bemüht ist, Rußland zur Annahme eines Waffenstillstandes zu bewegen, der mit dem 31. December zu Ende ginge, also zwei und einen halben Monat währen würde. Man hofft, daß Rußland auf diesen Vorschlag eingehen wird; was die Pforte betrifft, welche wohl weiß, welche Fallen ihr beständig gelegt werden, so ist sie dennoch entschlossen, den Rath Englands zu be— folgen und den auf die besagte Frist angesetzten Waffenstillstand anzunehmen.
Spanien. Madrid. Der Bischof von Minorka verbot den Elementar-Schullehrern die Aufnahme protestantischer oder Angehöriger anderer dissident— ischer Religions-Gemeinschaften in ihren Schulen.
Santander, 15. Oct. General Martinez Campos hat sich heute mit seinem Generalstabe nach der Havannah eingeschifft.
Italien. Rom. Das Wiener„Fremden⸗ blatt“ vernimmt, daß Italien gleichfalls den sechs⸗ monatlichen Waffenstillstand als unannehmbar be— zeichnet. Der Brennpunkt der Situation liege augenblicklich in London und Livadia. Was auch geschehen möge, so erscheine die Eventualität ausge— schlossen, daß Oesterreich das Drei-Kaiser-Bündniß verlasse.
Türkei. Constantinopel. Peko Pavloviec hat am 13 d. mit einer 4000 Mann starken Ab⸗ theilung von Insurgenten die Belagerung von Bilek begonnen. An demselben Tage ist Sachir Pascha von Trebinje aus mit 5 Bataillonen als Succurs dorthin abgegangen und hat Peko Pavplovie an— gegriffen. Ueber den Ausgang des Kampfes ist
einen Widerspruch der liberalen Abgeordneten bien noch nichts bekannt stoßen werde. f L 15. Oct. Das von Wiener Zeitungen Ausland. erwähnte Gerücht, wonach in Constantinopel ein
Oesterreich-Ungarn. Wien, 16. Oct.
Aufstand ausgebrochen und Midhat Pascha ermordet
Der König von Griechenland ist mit den Prinzen wäre, ist, wie von competenter Seite versichert Georg und Nicolaus und der Prinzessin Alexandra, wird, unbegründet.
London, 16. Oct
— 16. Oct.
sagtes bestätigen und verstchere, daß die Pforte Miene macht, den Mächten nachzugeben, um Zeit für die Bewaffnung der muselmännischen Bevölker⸗ ungen Indiens, Rußlands und Algeriens zu ge⸗ winnen. Wenn es den Anschein hat, als ob sie dem Drängen Englands nachgäbe, so will das nicht heißen, daß sie mit ihm einverstanden ist, im Gegentheil! Die Aufregung ist im steten Wachsen begriffen. Die russische Colonie hat aus Vorsicht die Stadt verlassen. Die Christen halten sich bereit und sind eines Massenmordes gewärtig. In unserem Viertel wacht allnächtlich in jeder Straße einer der Unsrigen, um das Allarmzeichen zu geben.
— 17. Oct. Dem„Telegr.-Corr.⸗Bureau“ wird von hier gemeldet: In Folge des Wider- spruchs, welchen Rußland gegen den sechsmonat⸗ lichen Waffenstillstand erhoben hat, herrscht in den Regierungskreisen große Unentschlossenheit. Halet Pascha ist zum Handelsminister, Nussuf Pascha zum Unterrichtsminister und Djewded Pascha an- statt Khalil Pascha's zum Justizminister ernannt.
Montenegro. Cettinje, 17. October. Berichte der italienischen Consular Agenten in Scutari und Cettinje schildern die Niederlage Derwisch Pascha's bei Martinie und Spuz als eine vollständige. Die Türken verloren darnach 2500 Mann, darunter 24 Oberste. Pascha wäre von den Insurgenten ganz umzingelt.
Rußland. Petersburg, 16. Oct. Die „Nordd, Allg. Ztg.“ dementirt die Gerüchte von der Abdankung des Kaisers Alexander, fügt aber hinzu: Alles ist möglich; auch das Unwahrschein⸗ lichste kann gegebenen Falles Wahrheit werden, und ein ärztlicher Ausspruch kann unter Umständen schwerer wiegen als Memoranda von Ministern.
Aus Stadt und Land.
Ulphe, 11. Oct. Heute Mittag um 12 Uhr ereignete sich hier ein bedauerlicher Unglücksfall. Bürgermeister Filsinger wollte die noch im Gange befindliche Dresch— maschine oben abkehren, glitt jedoch aus, so daß ihm die Trommel der Dreschmaschine den Unterschenkel— unter dem Knie— total abriß.
Offenbach, 16. Oct. Wie in vielen Städten Süd⸗ deuischlands, so hat sich auch hier ein Comite gebildet, um eine Agitation gegen die seit Einführung der Gewerbe⸗ freiheit überhandnehmenden Wanderlager und Ausverkäuse ins Leben zu rufen. Dasselbe besteht aus mehreren Kauf⸗ leuten der am meisten dabei interessirten Manufacturwaaren⸗ branche, welche alle Gewerbtreibende hiesiger Stadt, die Behörden und Stadtverordneten ꝛc. ꝛc. auf den 18. l. M. in das Gasthaus„Zum Schwan“ dahier eingeladen haben, um die Miusl und Wege zu berathen, wie dem erwähnten Geschäftsbetrieb enigegen zu winken sei.
Darmstadt, 17. Oct. Heute Morgen wurde der Darmstädier Fohlen⸗ und Pferdemarkt auf dem Viehmarkt platz und dem Terrain des Blumenthal'schen Fabrikefablisse⸗ menis eröffnet. Eine große Anzahl von Pferden und Fohlen waren aufgeführt worden; man schätzt die Zahl auf 700. Die Vorführung zur Prämiirung begann um 9 Uher. Um 2 Uhr fand die Führung der zur Verloosung angekauften und prämiirten Thiere durch die S:adt statt, woran sich die Preisvertheilung anschloß.
Darmstadt. Außer den genannten hessischen Firmen ist noch die rühmlichst bekannte Darmstädter Firma, J. Schröder, Fabrik für Unierrichtsmodelle, auf der Weltausslellung zu Philadelphia durch die Medaille ausgezeichnet worden.
Darmstadt. In unserem Lande beträgt die Zahl der Grundsteuerpflichtigen dermalen 306,136. Die der Gewerbsteuerpflichtigen hingegen nur 67,797.
Ober⸗Modau, 15. October. Heute ereignete sich hier ein schwerer Unfall. Ein hiesiger Jäger schoß nach einem Reh und traf einen durch den dichten Schlag daherkommen⸗ den Mann, den er nich! bemerkte, so unglücklich, daß dieser sosort sodt zusammenstürzte. Der Arme, ein thätiger und strebsamer Mann, hinterläßt eine Familie in kümmerlichen Verhältnissen.
Michelstadt, 16. Oct. Am Freitag Abend 8 Uhr brannte das wegen seiner reizenden Lage vielbesuchte Forst⸗ haus zu den„acht Buchen“ nebst den dazu gehörigen Oeconomiegebäuden nieder.
Allerlei.
Frankfurt. Nach einer Mittheilung des Polizei— Präsidiums in Frankfurt ist jetzt eine Gesellschaft von Taschendieben auf Reisen in Süd⸗Deutschland. Die Gauner suchen besonders solche Städte auf, in welchen bedeutende Sängerinnen ꝛc. Concerte geben, um den Zusammenfluß von Menschen zu Diebstählen zu benutzen. Drei Glieder diejer Bande sind am 1. d. M. mil der Main-Neckarbahn abgefahren, und zwar der Engländer nach Heilbronn, der Münchener nach Stuttgart und der Schweizer, man weiß noch nicht wohin. Dieselben nannten sich Johnson aus Liverpool(wahrscheinlich idenlisch mit dem gefährlichen Taschen⸗Diebe Simson aus Liverpool), Huber aus München und Sanardi aus Genf.
Der Pariser„Estafette“ wird von hier telegraphirt: Ich kann nur früher Ge⸗
Mukhtar


