— Im Oberhause antwortete Lord Derby auf eine Anfrage von Emly: Die Regierung hat vom Khedive eine Mitheilung erhalten, worin Letzterer sie ersucht, ihre Ansicht auszusprechen über die Berechtigung des Khedive, gewissen Urtheilen der neuen Gerichtshöfe in Aegypten die Ausführung zu versagen. Die Regierung hat diese Frage englischen Juristen vorgelegt.
— Dem Parlament ist die Correspondenz, betreffend die von den Türken in Bulgarien ver- übten Grausamkeiten, mitgetheilt; das erste dazu gehörige Schriftstück datirt vom 14. Juli; das letzte, vom 9. Aug. datirt, ist eine Depesche Lord Derbp's an den englischen Botschaster in Kon⸗ stantinopel, Elliot. Darin beißt es: daß die Pforke derartige Grausamkeiten, wie die in Bulgarien vorgekommenen, in Serbien nicht geschehen lassen dürfe. Der Botschafter müsse darauf hinweisen, daß jede Erneuerung solcher schimpflichen Acte für die Pforte unheilvoller sei, als eine verlorne Schlacht. Der Unwille Europa's werde sich un⸗ widerstehlich geltend machen und unvermeidlich eine Intervention in einem für die Türkei feind— lichen Sinne herbeiführen.
— Das Gerücht, Disraeli werde mit dem Titel eines Grafen von Beaconfield zum Mitgliede des Oberhauses ernannt werden, findet Bestätigung. Eine Cabinets- Aenderung ist dem„Daily Tele- graph“ zufolge dadurch nicht hervorgerufen. Der Groß⸗Siegelbewahrer Lord Malmesburh hat wegen Kränklichkeit seine Demission gegeben.
Italien. Rom, 12. August. Wie die „Pol. Corr.“ von hier meldet, ist der Maroniten⸗ Chef Issuff Karam aus dem Libanon in officieller Mission daselbst eingetroffen, um, wie versichert wird, mit der päpstlichen Curie Verhandlungen über die Angelegenheiten der Katholiken des türki⸗ schen Reiches anzuknüpfen.
Türkei. Constantinopel, 10. August. Die Serben haben die Stadt Ivor geräumt.— Der hiesige englische General-Consul P. Francis ist gestorben.
— 12. Aug. Der„Courrier d'Orient“ wurde unterdrückt; die Regierung hat ein provisorisches Verbot gegen die Herausgabe neuer Zeitungen erlassen. Der Gesundheits-Zustand des Sultans hat sich gebessert. Mustafa Pascha wurde zum Gouverneur von Skutari in Albanien ernannt. Der Sultan hat vollständige Amnestie für die an- läßlich des Aufstandes zur Untersuchung gezogenen Bulgaren bewilligt, mit Ausnahme der Führer und thätig an der Empörung Betheiligten; die bezüg- lichen Befehle zur Einstellung der Untersuchungen und Freilassung der Verhafteten sind bereits erlassen.
Montenegro. Cettinje, 12. August. Auf die Nachrichten hin Djeladdin Pascha sei zur Verstärkung Mukhtar Pascha's im Anrücken, zieht Fürst Nikita mit einem Theile der Armee Dje⸗
laddin Pascha entgegen, um dessen Vereinigung mit
Mukhtar Pascha zu verhindern. Serbien. Belgrad, 10. August. Hor⸗ vatowitsch kämpft in dem Passe von Banja und
erwartet, indem er sich dort vorläufig bält, Ver⸗
stärkungen von Tschernajeff. Doctor Sandwirth ging im Auftrage der serbischen Regierung nach Widdin, um mit den Türken wegen beiderseitigen Schutzes des rothen Kreuzes zu unterhandeln und Abmachungen zu erzielen hinsichtlich der Krieg⸗ führung, damit nicht, wie bisher, Alles verwüstet und den Flammen übergeben werde. Kladowa und Negotin sind von den Türken besetzt.
— Dem„Reuter'schen Büreau“ wird aus Semlin, 10. Aug., im Widerspruch mit anderen Nachrichten über die letzten Kämpfe gemeldet: Die serbische Centrums Armee unter Czolac Antitsch ist von Sienitza zurückgegangen. Tschernajeff rückt gegen die türkische Armee in der Richtung auf Banlo Loma vor. Die Türken rücken in die von den Serben verlassenen Plätze nicht ein, aus Furcht, letztere seien unterminirt.
— 11. August.(Amtliche Meldung.) Die Zeitungs Nachricht, daß sich Czolae Antics nach schweren Verlusten über die Grenze zurückgezogen habe, beruht auf reiner Erfindung; derselbe be— hauptet vielmehr seine Positionen. Ranco Alimpies war in den letzten Tagen in keinerlei Gefecht verwickelt.
— 11., August.„Reuters Bureau“ meldet: Nach einer ofstciellen Depesche begann Derwisch Pascha den Angriff gegen die Javor⸗Armee unter Tscholak Antitsch am 8. August mit 16 Bataillonen. Seit drei Tagen finden unausgesetzte Gefechte ohne Enischeidung statt. Die serbische Artillerie zeich⸗ nete sich besonders aus. Die Kämpfe sind sehr bartnäckige. Die serbische Artillerie unter Capitän Hirsch kämpfte am 8. August von 3 Uhr Morgens bis 4 Uhr Nachmittags. Der Verlust der Türken wird auf 2000 Mann angegeben. Die Serben batten an Verwundeten 250; die Zahl der Todten unbekannt.
— 11. Aug. Die„Pol. Corr.“ meldet: In dem Kriegsministerium neige man sich der Ueber⸗ zeugung zu, die türkische Armee werde concentrisch gegen Belgrad vorrücken, das deßhalb im Umkreise von anderthalb Meilen befestigt werde. Alle in dem Arsenale von Kragujewatsch liegenden großen Geschütze würden nach Belgrad geschafft. Der Minister des Innern habe Verträge wegen Liefer- ung großer Proviant-⸗Vorräthe für Belgrad abge⸗ schlossen, das man, wie es scheine, so lange wie möglich vertheidigen wolle. Der Fürst befinde sich in Deligrad. Zwischen Banja und Alexinatz werde eine große Schlacht erwartet.
— 12. Aug. Der„Pol. Corr.“ wird ge⸗ meldet: General Tschernajeff hat beschlossen, das Morawa Thal ohne Entscheidungsschlacht aufzu⸗ geben. Osman Pascha operirt in der Richküng auf Paratschin, doch ist augenscheinlich das Morawa— Thal das Hauptziel seiner Operation. Ejub Pascha steht am Eingange der Defileen von Banja,
in Negotin eine Donau Ufer Polizei organisirt. Saitschar ist fast zur Hälfte abgebrannt. In Negotin sind angeblich alle Häuser von Nizams geplündert worden.
— 12. Aug. hier eingetroffen.
— 12. Aug. Die„Intern. Tel.-Ag.“ meldet: Die Johanniter unter Führung Keller's aus London sind heute in Belgrad eingetroffen; gleichzeitig ist der zweite Theil des russischen Sanitäts-Zuges von der Fürstin Schachowskaja nach Belgrad ge— leitet. Aerzte und Offiziere sind jetzt aus allen Ländern zugeströmt. Die Freiwilligen sind in Legionen eingetheilt worden. Die Nathalia-Legion ist heute auf den Kriegs Schauplatz abgerückt. Der Archimandrit Dueit ist schwer verwundet, ebenso General Zach, der amputirt werden müsse.
Rumänien. Bukarest, 10. Aug. Die Deputirtenkammer hat einen Credit von 20,000 Lei zur Unterstützung der aus Serbien nach Rumänien geflohenen Familien bewilligt, welche bereits eine Anzahl von 20,000 Personen ausmachen.
— 12. August. Der jetzt beschlußfähig ge⸗— wordene Senat hat Bosianu zum Vicepräsidenten gewählt, die Regierung zu allen notbwendigen Reducirungen in der Verwaltung ermächtigt und die Vorlage wegen Abänderung des Communal- Gesetzes angenommen.
Griechenland. Athen, 12. Aug. Die Regierung hat die Organisation einer National- garde beschlossen und den Obersten Kornaios mit den Vorbereitungen dazu beauftragt.
Rußland. Petersburg. Den„Basler Nachr.“ wird aus Bern über das Attentat auf den Gesandten Gortschakoff berichtet: Die verhaftete Frau verweigert jede Auskunft; sie soll die Verfasserin des vor Kurzem in Genf erschienenen Werkes: „Un des crimes du gouvernement russe, episode de la vie d'une femme“ sein.
Amerika. Washington, 10. August. Die Repräsentanten⸗ Kammer hat den von demo⸗ kratischer Seite gestellten Antrag, welcher eine Mißbilligung der im Süden vorgekommenen Ge— waltthaten ausspricht und rasche Bestrafung der Schuldigen verlangt, angenommen.
Fürst Milan ist heute Abend
Aus Stadt und Land.
ö Friedberg. Nachdem wir schon mehrsach von den schlechten Resultaten der Milchvisttation berichtet haben, konstatiren wir heute gerne, daß in der letzten Zeit die Milch merklich besser geworden ist und zu keiner Klage Anlaß gegeben hat. Wenn's nur auch hält!
Leschjanin unweit Brestowatz. Die Türken haben
Darmstadt, 10. Aug.
Gestern Mittag wurde in der Nähe des Lagerhauses im Bahnhose ein Kind, welches dort Coaks suchte, von einer Locomotive überfahren und geiödtet. Darmstadt. 9. August: Von einer größeren Gesellschaft, welche sich gestern Abends auf den Zwisel, einen seiner? r. wegen
Man schreibt von Reichenball vom
viel besuchten Berg bei Reichenhall, begeben und heute vor Sonnen⸗Aufgang die Bergspitze erstiegen hatte, stürzie ein junger Mann, Opern⸗Sänger Maier aus Darm- stadt, auf der nördlichen schroffen Wand in die viele hundert Fuß betragende Tiese. Er hatte Almenrausch pflücken wollen und sich babei zu weit vorgewagt. Erst nach zwölf Stunden gelang es, die bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche aus dem schwer zugänglichen Gestein herauszuholen
Darmstadt, 12. August. Heute Vorminlag um 12 Uhr erfolgte im Saalbau die feierliche Eröffnung der Industrieausssellung, welchem Akte Se. K. H. der Groß⸗ derzog, die Prinzen Ludwig und Alexander, Prinzessin Alice, die Spitzen der Militär- und Civilbehörden, Siadt⸗ verordnete, sowie eine große Anzahl geladener Ehrengäst beiwohnten. Der Präsident des Justizministeriums, Kempff, welcher den abwesenden Ministerpräsidenten von Starck vertrat, konnte in seiner Eröffnungsrede mit Fug und Recht betonen, daß das Gesammtbild der von mehr als 300 Ausstellern beschickten Ausstellung ein solches sei, daß es geeignet erscheine, das harte Urtheil, welches, in Philadelphia über die deutsche Industrie gesällt worden, mindestens erheblich zu mildern. General⸗Setretät Busch dankte speciell dem Großherzog als Protector des Landes⸗ gewerbedeteins für die bohe Ehre des Besuchs und brachte ein Hoch auf den Landesherrn aus, in welches die zahl: reich besuchte Versammlung begeistert einfüümmte. Hierauf unterzog der Großherzog die Ausstellung, welche in der That des Ausgezeichneten viel bietet, einer eingehenden Besichtigung, ebenso die Maschinenhalle auf dem Maxien⸗ platz wobei mancher Aussteller mit einem ehrenden Wor e der Anerkennung bedacht wurde.
Allerlei.
Frankfurt, 10. Aug. Gestern wurde ein Kind in der Wingert⸗Straße von einer tollen Katze gebissen. Es ist dies bereits der zweite Fall dieser Art!.
Frankfurt, 10. Aug. Gestern Mittag schmolzen plötzlich mehrere Dräbte auf dem Central⸗ Telegraphen⸗ Bureau. Es stellte sich später heraus, daß sich in der Gegend von Kassel ein schweres Gewitter entladen und der Blitz in die Telegraphen⸗Leitung eingeschlagen hatte.
Berlin. Aus dem Zoologischen Garten erzählt das a
Fremdenblaft: Am Sonnsag früh 6¼ Uor sand zwischen zwei Königetigern im Zoologischen Garten beim Ein⸗ lassen in den Tageskäfg ein kurzer aber harter Kampf statt. Beide Tiger stürzten sich in dem Augenblick, als dieselben das Tageslicht erblickten, auf einander und zwar derartig, daß der eine eine Halswunde davontrug und seinen schönen Schweif einbüßte, der ihm von seinem Gegner an der Wurzel abgebissen wurde. Der Verwundete legte sich darauf vor Schmerzen krümmend am Gitter des Käfigs erschöpft nieder, wohingegen der andere Tiger sich in sein Nachtlokal zurückzog. Durch den Verlust des Schweifes ist wohl nicht das Leben des Tigers in Gefahr, mindestens aber ist die Schönheit des Thieres bedeutend beeinträchtigt. 8
München, 6. Aug. Die aus etwa 18 Häusern und vielen Nebengebäuden destehende Ortschaft Loham, unweit Pesing, ist gestern Nachmittag zum größten Theile von einem Brande zerstöt! worden. Da die Leute fast alle auf dem Felde waren, so konnte nur wenig gerettet werden und sind leider auch einige Kinder beschädigt. Ein dreizebn⸗ jähriger Bauernjunge, der von einem Bauern nicht mebr im Dienste behalten worden war, hatte aus Rache dessen Haus angezündet. Der Verbrecher soll bereits verhaftet sein.
Bromberg. Diek. Regierung macht fogendes grauen hafte Verbrechen bekannt: Am 22. Juli ist im Lonske⸗ See unweit Radlowo, etwa 120 Schrütt vom Wege von Lonsk nach Pakosch, die Leiche der vierzehnjährigen Tochter eines Einliegers aus Radlowo gefunden worden. Das Kind war am frühen Morgen fortgegangen, um Erdbeeren zu suchen. Das Kind ist, wie die Obduction ergeben bat, gewaltsam mißbraucht worden und wäre nothwendig schon an den Verletzungen der Bauchhöhle, welche mit Gewalt geöffnet worden ist, gestorben, ist aber noch lebend in den See geworfen und ertränkt worden. Die Person des Ver⸗ brechers ist bisher unermittelt geblieben. Man will am Morgen der That einen Vagabonden, eiwa 30 Jahre alt, in grauem Anzuge, mit Mütze, eiwa 5 Fuß 10 Zoll groß, in der Nähe des fraglichen Ortes gesehen und bemerkt haben, daß dieser Unbekannte den Fußweg nach Pakosch einschlug. Auf die Ermittelung des Thäters setzen wir eine Belohnung von 300 Mark aus.
Ischl. Von hier wird der„Linzer Tagespost“ ge⸗ schrieben:„Am 29. v. M. Nachmittags passirte der Kaiser von Oesterreich, von seinem Adjutanten begleitet, die soge⸗ nannte Retienbach Wildniß in dem Momente, als ein eiwa vierjähriger Knabe, welcher auf eine ganz unaufge⸗ klärte Weise an einem steilen Abhang hinangeklettert war, in die schwindelnde Tiese stürzte. Auf das Geschrei des Kindes setzte der Kaiser als gewandier Gebirgsjäger über einen etwa fünf Meter breiten Felsenriff, erfaßte mit sicherer Hand das an einer Wurzel üder dem Adgrunde hangende Kind und ließ es durch den mittlerweile her⸗ beigeeilten Adjutanten in die Rettenbachmühle führen, wo sich die Mutter des Kindes, ein Salinen-Arbeiterweib, be⸗ fand. Der Kaiser ertheilte der vor ihm auf die Knie
stürzenden Mutter einen strengen Verweis über die mangel hafie Beaussichtigung ihres Kindes.“
Vorbei tauft ber P Dienfl geltele Bersecz alles b Gemei großen Uchen dun Gemel Gemel gelreltt deslan


