Besoldungsfonds soll also weggenommen, der Pfarrer aus der Staatscasse bezahlt, und die Bürger sollen zur Steuer- Zahlung angehalten werden! Auch befürchten sie, wenn ein Pfarrer stirbt, dann nicht mehr, wie bisher, die Wahl unter Mehreren, die sich auf eine gute Pfarret melden, zu haben.
Berlin. Der„Staats-Anzeiger“ verkündigt das Gesetz über die Aufsichts-Rechte des Staates bei der Vermögens Verwaltung der katholischen Diöeesen.
Ems. Der Kaiser von Rußland wird nun doch am 18. d. nach Jugenheim abreisen und, so weit bis jetzt bestimmt, bis zum 6. Juli auf Schloß Heiligenberg Aufenthalt nehmen.
Kissingen, 12. Juni. Graf Herbert Bis- marck ist beute hier eingetroffen, der Reichskanzler selbst wird in den nächsten Tagen erwartet. Er wird im oberen Salinen Gebäude wohnen.
Ausland.
Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. Juni. Der Reichs Finanzminisser v. Holzgekhan ist in vergangener Nacht plötzlich verschieden; nach ärzt⸗ licher Aussage ist ein Lungenleiden als Ursache des Tobes anzusehen. Der Verstorbene war auf heute zur Audienz beim Kaiser beschieden.
— 13. Juni. Erzherzog Albrecht reist heute, der„Pol. Corresp.“ zufolge, zu einem Besuche des Königs und der Königin der Belgier nach Brüssel und wird, wie die„P. C.“ vermuthet, auf der Rückreise die Kaiser Alexander und Wilhelm in Ems besuchen.
Ragusa. In Folge der Seitens der türkischen Regierung gewährten Amnestie find bisher von hier aus acht Familien nach ihrer Heimath zu— rückgekehrt; von den Angehörigen derselben sollen am 10. Juni zwei Personen durch Mohamedaner in Ravno ermordet worden sein. Die hier be— findlichen Emigrirten aus der Türkei haben noch auf zwei Tage Subvention von der österreichischen Regierung erhalten; wie jedoch verlautet, werden sie fernerhin nicht mehr unterstützt werden.
Pola, 12. Juni. Das Admiralschiff, Panzer- Fregatte„Custozza“, ist gestern, das Kanonen— boot„Albtaros“ heute nach Smyrna abgegangen. Die Panzer- Fregatte„Salamander“ und die Schrauben Corvette„Zriny“ folgen alsbald nach.
Schweiz Bern, 12. Juni. Der National: rath hat die Tagesarbeit in den Fabeiken mit 89 gegen 17 Stimmen auf 11 Stunden festgesetzt.
Frankreich. Versailles, 12. Juni. In der heutigen Sitzung der Deputirten-Kemmer be— gründete Laisant(Radikaler) seinen Antrag auf Beschtänkung der militärischen Dienstzeit auf drei Jahre und Unterdrückung des Instituts der Ein- jährig Freiwilligen. Der Kriegsminister Cissey bekämpfte den Autrag, ebenso Gambetta, welcher geltend machte, die Zeit zur Durchführung der beantragten Maßtegel sei noch nicht gekommen; die Budget- Verhältnisse und die Recrutirung der Unterofficiere gestatteten nicht den Antrag anzu- nehmen, welcher indeß ein gewissenhaftes Studium verdiene. Demnächst ward derselbe mit 238 gegen 197 Stimmen abgelehnt.
Belgien. Brüssel, 13. Juni. Die Wahl- Nachrichten lauten unglücklich für die Liberalen. Die Klerikalen trugen in Antwerpen und Namur den Sieg davon. Die Liberalen hossen nur noch auf einen Erfolg in Nivelles. Das Ergebniß der Wahlen wird im Ganzen den Katholiken nur eine einzige Stimme entziehen. Hier ist man von diesem Resultat überrascht. Antwerpen ist in großer Aufregung.
Türkei. Constantinopel. Die„France“ veröffentlicht unter allem Vorbehalt folgende Nach- richt von hier unterm 10. Juni: Obgleich man es geheim hält, ist es doch vollkommen wahr, daß der Prinz Jussuf Itzeddin, der Sohn des Abdul⸗ Aziz, gestorben ist. Er wurde zuerst 4getödtet. Die Sultanin Valide, die Mutter des Abdul— Aziz, starb als Zweite und erst dann kam der Sohn Mahmud's an die Reihe. Im Palast
versichert man, daß Murad gesagt hätte:„Ich räche meinen Vater!“
— Die Wiener neue Presse veröffentlicht nach- stehenden Plan zur Theilung der Türkei, der an-
geblich den General Ignatieff zum Verfasser hat.
Wenn auch Rußlands geheime Hoffnung auf etwas Derartiges hinauslauft, so ist es doch sehr un- wahrscheinlich, daß es seine Gedanken so ohne Weiteres ausplaudern würde:„..... Auf den Trümmern der türkischen Herrschaft in Europa werden sich alsdann die folgenden Königreiche erheben: 1) das Königreich Bulgarien, welches die eigentliche Bulgarei und das gegenwärtige Donau-Vilajet, Thrazien— mit Ausschluß des Litorale's vom Bosporus bis einschließlich der Dardanellen—, Macedonien und einen Theil von Thessalien umfaßt; 2) das Königreich Albanien, welches Albanien und den Epirus, mit Ausschluß des Paschaliks von Prizrend, umfaßt; 3) das Königreich Serbien, welches aus dem eigentlichen Serbien, Bosnien, dem Paschalik von Prizrend, der Herzego⸗ wina und Montenegro mit den Bocche di Cattaro (Theil von österreichisch Dalmatien) besteht; 4) das Königreich Rumänien, welches das heutige Ru— mänien umfaßt, und 5) das Königreich Griechen land, bestehend aus dem gegenwärtigen Griechenland, dem südlichen Theile von Thessalien und den Inseln des türkischen Archipels in Europa sowohl als in Asien, Kandia mit inbegriffen. Das Königreich Bulgarien hat einen Prinzen aus der kaiserlich russischen Familie zum Souverän zu erhalten und bildet einen Staat von mehr als 6½ Millionen Einwohnern. Das Königreich Albanien wird einem österreichischen Erzherzog übergeben und hat beiläufig 1½ Mill. Einwohner. Das Königreich Serbien gebührt von Rechtswegen dem Fürsten Nikolaus von Montenegro, welcher solcher Gestalt über mehr als 3 Millionen Unterthanen verfügt. In den Königreichen Rumänien und Griechenland werden die gegenwärtigen Souveräne auf dem Throne belassen. Der Theil von Thrazien, welcher von dem Königreiche Bulgarien ausgeschlossen ist, nämlich Constantinopel mit dem Bosporus und den Dardanellen, die asiatischen Ufer mit inbe— griffen, tritt in russischen Besitz. Constantinopel wird das Centrum und der Vorort der neuen südslavischen Föderation, an welcher auch dle Königreiche Rumänien und Griechenland unter der ganz besonderen Bedingung Theil nehmen können, daß sie sich der einheitlichen diplomatischen und militärischen Führung unterwerfen.“
— 10. Juni. Vorgestern schlug die Schaar Musstc's die Türken bei Turakovtca und erbeutete 114 Stück Rindvieh, 850 Schafe und 50 Pferde. Der dalmatinische Pfarrer Petesie übernahm das Commando einer Insurgenten- Abtheilung. Nach dem Befunde des Bezirksarztes Neuwahyer, des Militärarztes Ranein und des Gemeindearztes Trentz starben Flüchtige auf dem Gebiete von Ragusa am Hungertyphus. Das Hilfscomits ist mittellos. Die Insurgentenchefs beschlossen, die Amnestie und den Waffenstillstand zurückzuweisen, die Verproviantirung von Niksie zu verhindern und den Freiheitskampf fortzusetzen. Plamenac und Wesselitzki haben bei der Reise des Letzteren Feldkanonen gekauft. Wesselitzki ist nach Ragusa zurückgekehrt; er nimmt nächstens seinen dauern den Aufenthalt in Cettinje.
— 12. Juni. Dem„Telegraphen⸗Correspon⸗ denz Bureau“ wird von hier gemeldet: Der Sultan hat den Großvezir aufgefordert, ihm im Laufe dieser Woche ein Regierungsprogramm zu übergeben, zu dessen Annahme sich der Sultan geneigt erklärte. Der Präsident des Staatsrathes, Midhat Pascha, wurde mit der Ausarbeitung eines Projectes wegen Einberufung eines Nationalrathes betraut, welcher sich ausschließlich mit Finanzen beschäftigen und insbesondece das Budget berathen soll. Wie der„Temps“ vernimmt, hätte Mldhat Pascha seine Ansichten hinsichtlich des neuen Re- gierungsprogramms im Ministerrathe nicht ganz durchgesetzt; vielmehr hätte in demselben ein ge⸗ mischtes System die Oberhand behauptet, welches indeß, wie man wenigstens in Konstantinopel er- achtet, die Bevölkerung und die Mächte zufrie⸗ den stellen werde.
Rußland. Petersburg. Ein Brief der „Pol. Corr.“ aus Constantinopel vom 13. Juni erwähnt das Gerücht, daß General Ignatieff seine Abberufung verlangt habe und Nowikoff zu seinem Nachfolger bestimmt sei.
Moskau. Proceß Strousberg. Trotz der Proteste der Vertheidiger hat das Gericht das Nichterscheinen mehrerer Zeugen als einen legalen Grund zur Aufschiebung der Verhandlungen an-
erkannt. Dem Vernehmen nach dauert der Auf ⸗ schub bis December. Amerika Wasbington, 10. Juni.
Das Haus der Repräsentanten hat die Bill wegen Ausgabe von 20 Mill. Dollars Silbergeld und eine wettere Bill angenommen, durch welche der Schatz Secretär zu einer zusätzlichen Emission von 10 Mill. Dollars in Silber ermächtigt wird.
Aus Stadt und Land.
Grünberg. Am Donnerstag den 8. Juni Nach⸗ mittags wurde an dem vom Markte in Bobenhausen heimkehrenden Handelsmann Süßkind Hanauer von Langs, dorf im Walde unweit der Staalssiraße zwischen Röthges und Nonnenroth ein Raubmord verübt. Außer einer Summe Geldes wurde ihm auch die goldene Uhr mit Kette geraubt. Die Uhrkette war mit Gewalt abgerissen, ein Theil davon ist an dem Ermordeten hängen geblieben. Die Verwundungen find durch Stsche und Schläge auf den Kopf geschehen. Am 11. Juni ist der muthmaßliche Thäter verhaftet worden.
Etbach, 11. Juni. Gestern Morgen setzle die Nach⸗ richt, Bürgermeister Bock von Würzberg sei auf der Straße zwischen Amorbach und Würzberg in der Näbe des Parkes auf seinem Wagen erschossen worden und das Gefährt gegen Mitternacht mit dem Entseelten in dessen Hofraithe angelangt, die hiesige Bevölkerung in höchste Aufregung. Die sraurige Nachricht erwies sich leider als wahr. Wie man uns mittheil!, ist der tödtliche Schuß offenbar aus nächster Nähe abgefeuert worden, da er einen Theil des Kopfes vollständig wegriß. Auf dem Wagensitze fand man die Pistole des Verunglückten, deren einer Lauf abgeschossen, während der Hahn des anderen noch gespannt war.
Allerlei.
Ravensburg, 12. Juni. Das Schussenthal nebst dessen Seitenthälern find in bedeutendem Maße über⸗ schwemmt. Der Bahn-Verkehr auf der Süd⸗ und Allgäu⸗ Bahn ist unterbrochen; auch die Postwagen sind ausge⸗ blieben. Das Wasser ist noch immer im Steigen begriffen.
Friedrichshafen, 13. Juni. Der Rhein, die Thur und deren Nebenfluß, die Murg, haben Häuser, Brücken und Eisenbahn⸗Anlagen zerßött; in Frauenseld sind einige Personen ertrunken. Der Wasserstand des Rheins bei Basel ist 15½ Fuß. Der Bodensee steht 10 Fuß über Null. Die Landungsbrücken in den See-Häfen sind über fluthet, auch die sonstigen Hafen⸗Anlagen bedroht. Das hiesige Gaswerk ist stark beschädigt. In Ravensburg, Weingarten und mehreren Dörfern stehen tiefliegende Fabrik⸗ Anlagen und Häuser unter Wasser. In vergangener Nacht riß der Rhein die Schiffbrücke bei Hüningen fort. Das Wasser des Rheins ist noch in fortwährendem Steigen be⸗ griffen. Auch der Neckar sieigt und überfluthet seine User. Ebenso sind die Donau und die Iller über ihre Ufer ge⸗ treten und noch im Steigen. f
Berlin, 13. Juni. Der Eisenbahn⸗Rendant Piltz wurde heute vom Stadtgerichte wegen Unterschlagungen und Urkundenfälschung zu einer Zuchthausstrafe von acht Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf gleiche Dauer verrutheilt.
Calais. Die Versuchsarbeiten an dem unterseeischen Tunnel zwischen Frankreich und England haben an der ranzösischen Küste zu Sangatte begonnen; der Schacht ist schon vierzig Meter tief gegraben. Die Arbeiten werden kräftig gefördert, Tag und Nacht wird gearbeitet. Eine Pumpe ist aufgestellt, um die Wasser, die man in großer Menge trifft, herauszupumpen. Bekanntlich soll der Tunnel eine Tiefe von 100 Meier unter dem Niveau des Meeres⸗ grundes erhalten; dann will man unter dem Meere durch⸗ graben und in dem kalkigen Terrain eine Galerie von 1 Kilometer Länge anlegen. Das wird die Versuchs⸗ galerie. Zeigen sich dabei keine Schwierigkeiten, welche die Arbeit unmöglich machen, so wird der Tunnel definitiv begonnen.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 14. Juni. Waizen M. W. 50. Kon M. 20.30. Gerste M. 18.25. Hafer M. 20.—. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.
Krankfurt, 12. Juni.(Viehmarkt.) Der beutige Markt war ziemlich befahren. Angetrieben waren 340 Ochsen, 210 Kühe und Rinder, 200 Kälber und 280 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 6466, 2. Qual M. 5660. Kühe und Rinder 1. Qual. M. 58 bis 60, 2. Qual. M. 51—56. Kälber 1. Qual. M. 60 bis 62, 2. Qual. M. 5055, Hämmel 1. Qual. M. 56 bis 58, 2. Qual. M. 50— 52.
Frankfurt, 12. Juni. Fruchtbericht. Mehl Rt. 1 M. 43., Nr. 2 M. 39,, Ni. 3 M. 35., Nr. 4 M. 31. Nr. 5 M. 25. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26. do. II.(Berliner Marke) M. 22. Waizenschalen M.—. Weizen M. 26— 26.50. Roggen M. 19.— 19.50. Gerste M. 17—21. Hafer M. 20. Kohlsamen M.—. Erdsen M. 21—24. Wicken M. 23— 24. Linsen M. 21—30. Rüböl M. 72. Die Preise verstehen sich fämmtlich per 200 Pfd. Zoll⸗Gewicht= 100 Kilo.
Mainz, 12. Juni. Producten⸗Markt. Waizen per Juli 21.75, per Nov. 22.10. Roggen per Juli 16.65, per Nov. 17.15. Hafer per Juli 19.60. Rüböl per October 34.70,
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