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dorf, der jüngst auch den Sullan Murad behandelt hat, gebracht worden. Votnpaff war seit mehreren Jahren der Chef der berühmten dritten Abibeilung des Geheimen Cabinets des Kaisers d. h. der Cbef der geheimen Polizei. Er war als solcher der oberste Wächter über die Sicher
heit des Kaisers wie des Staates und stand als solcher
über den Gesetzen. Die russische Gesetzgebung umfaßt zahlreiche Bände, eine ganze Bibliothek, aber die hohe Polizei bläst, und die ganze Sammlung fliegt Blatt um Blatt in die Luft. Für den Chef der Geheimen Polizei gibt es weder Recht noch Gericht, sondern nur eine Staats- raison. Ein Wort von ibm bringt unbequeme Unter- thanen auf den Weg nach Sibirien und öffnet nützlichen Verbrechern die Thür ihres Kerkers, ein Wort von ihm sftürzt Mächtige und zieht Verborgene ans Tageslicht. Er ist die Vorsehung des russischen Hosess er muß alles wissen, muß überall zugegen sein; die Post, die Familie, die Empfangs- und Schlafzimmer, die Coulissen der Theater fragt er um ihre Geheimnisse; er fabndet heute auf einen staatsgefährlichen Verbrecher und bittet morgen die Fürstin X, ihren Umgang mit dem Maler Y besser zu verschleiern. Er straft, rügt, ermahnt, verhütet, ver⸗ mittelt. Wenn eine Fanny Lear einen Großsürsten um⸗ garnt, so ruft man nach ihm; wenn die Reize einer Tänzerin gemeingefährlich zu werden drohen, so soll er helsen; wenn eine Hofdame zu den Füßen der Kaiserin von ihrem ehe⸗ lichen Unglück weint, so soll er ibre Tbränen trocknen.
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Jeden Tag um 10 Uhe des Morgens bat er sich beim Kaiser zum Vortrag zu melden und rollt die ganze Ge⸗ beimgeschichte des Reiches in dieser Audienzstunde auf. Gilt es abet der Sicherheit der kaiserl. Person oder sonst einer wich⸗ tigen Angelegenheit, so kann er zu jeder Zeit des Tages und der Nacht eine zweite Audienz verlangen; die paar hundert Kosacken, die vor dem Schlafzimmer Alexander II. auf Wache liegen, und Gott dem Herrn den Weg ver⸗ sperren würden, öffnen die Reihen auf einen Wink des mächtigen Beamten und gerade diese Leichtigkeit des per⸗ sönlichen Verkehrs mit dem Kaiser gibt demselben seine Haupistärke und seine übermächtige Stellung am Hose. Für den Chef der dritten Abtheilung ist der Czaar kein Gott wie für die anderen Russen, sondern ein sterblicher Mensch, der liebt und leidet, Furcht empfindet und Schutz braucht: für ihn ist der ganze ränkevolle Hof ein offenes Buch, darin er nach Gefallen blättert, und wenn nun in einem Kopfe, wo so viele Geheimnisse und dunkle Ge— schichten neben einander schlummern, plötzlich die Gedanken sich verschieben, so ist die Aufregung Derer begreiflich, die wünschen müssen, daß die dunkeln Geschichten nicht an die Sonne kommen und das Geheimniß bleibt. Po sapoff hat seines Amtes, wie sogar seine Feinde gestehen, mit großem Geschick und sogar mit gewisser Unparteilichkeit gewallet, so daß man Achtung vor ihm hatte. Sein Uebel kam auf der Reise nach Warschau und Livadia zum Ausbruch und zwar in der Gegenwart des Kaisers. Er ist ein
Opfer seiner verantwortlichen Stellung und der politischen Aufregung, die in Rußland bis in die höchsten Kreise ge⸗ drungen ist.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 11. Oct. Der heutige Heu- und Stroh⸗ markt war gut befahren. Heu kostete per Centner je nach Qualität M. 4.50—6., Strob per Centner M. 5—5.20. Butter 1. Qual. im Großhandel das Pfund M. 1.30., 2. Qual. M. 1.20., im Kleinhandel 1. Qual. M. 1.40., 2. Qual. M. 1.30. Eier das Hundert M. 5.50. Kartoffeln per 200 Zoll-Pfund M. 5.—. Aepfel das Malter M. 11.—.
Mainz, 11. Oct. Produclen-Markt. Waizen per Nov. 20.50, per März 21.45. Korn per Nov. 15.45, per März 16.40. Haser per Nov. 16.75, per März 16.90. Rüböl per Oct. 38.40, per Mai 37.80.
Internationaler Personen⸗Verkehr. Am 1. November tritt eine directe Billet- und Gepäck-Abfertigung zwischen London einer- und München und Nürnberg anderseits via Vlissingen-Venlo in's Leben. Die Taxen für einfache Billete stellen sich per München M. 110.60 I. und M. 78.10 II. Classe, und per Nürnberg M. 92.40 I. und M. 64.50 II. Classe. Gepäckfracht pro 10 Kilo Uebergewicht beträgt M. 5.19 resp. M. 4.21.
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