Ausgabe 
14.9.1876
 
Einzelbild herunterladen

Deutsches Reich.

Darmstadt. Am 2. September wuerde dem Maschinenfabrikant Blumenthal und dem Hofhut- fabrikant Schuchard in Darmstadt, sowie dem Inhaber einer Klenganstalt in Bessungen, Keller, und dem Tabaksfabrikant Gräff in Bingen, der Charakter alsCommerzienrath verliehen. Am 10. Sept. wurde dem Pfarrer Dr. Steinmetz die 2. evang. Pfarrstelle und dem Yfarrverweser Büttel die 3. evang. Pfarrstelle zu Mainz übertragen.

Der Finanzausschuß der zweiten Kammer hat die Regierung ersucht, eine Revision der Ge- bäude⸗Steuer-Capitalien, namentlich in den Städten, vorzunehmen. Dieser Tage wurde auch in der Gemarkung Wolfskehlen der Gelände-Erwerb für die Mannheim Frankfurter Bahn vollendet, und damit das letzte Hemmniß, welches sich der ener- gischen Inangriffnahme fraglichen Bahn Baues seither entgegengestellt, beseitigt.

Die Hess. Ludwigsbahn hat in einer be sonderen an die Stände gerichteten Eingabe die Behauptung verfochten, daß ihre Heranziehung zur Einkommensteuer dem Wortlaut ihrer Concessions- urkunde widerstreite. Der Finanz ⸗Ausschuß ist indeß nicht dieser Ansicht, steht vielmehr auf dem Standpunkt, daß man nur eine besondere Be- steuerung der Eisenbahnen auszuschließen beabsichtigt habe, daß dieselben aber, wie jeder Andere der allgemeinen Steuergesetzgebung unterworfen seien.

Mainz, 11. Sept. Nachdem schon vor längerer Zeit in Folge der Weigerung des Bischofs zur Mitwirkung bei der Errichtung einer theolog⸗ ischen Facultät an der Landes⸗Universität oder einer unter staatlicher Controle stehenden böberen Lehr⸗Anstalt, das hiesige Priester-Seminar gesperrt und in soweit unter staatliche Aufsicht gestellt worden ist, daß die Aufnahme Studirender nicht mehr thunlich erschien, ist nunmehr gutem Vernehmen nach die Regierung dem Gedanken einer förmlichen Schließung der Anstalt näher getreten.

Berlin. Die vom Staats Gerichtshof be- schlossene Vernehmung des früheren Präsidenten der französischen Republik, Thiers, in dem Landes- Verraths⸗Processe gegen den Grafen Arnim sollte bekanntlich in der Weise erfolgen, daß Thiers durch Requisition französischer Gerichte unter Zu ziehung des Angeklagten bezw. eines seiner Ver theidiger sein Zeugniß abgebe. In letzter Stunde hat nun die Ober⸗Staats⸗Anwaltschaft gegen diese commissarische Vernehmung protestirt: dieselbe sei unerheblich, weil der Zeuge nicht über Thatsachen, sondern nur über Urtheile vernommen werden solle. Der Stkaats⸗Gerichtshof hat bis jetzt über diesen neuesten Protest einen Beschluß nicht gefaßt, der- selbe wird aber in den nächsten Tagen nicht allein wegen dieses Punktes, sondern auch zur Berathung über die neuesten Anträge der Vertheidigung zu einer geheimen Sitzung zusammentreten.

In mehreren Blättern war ein Besuch des Kaisers in Straßburg angekündigt worden. Die N. A. Ztg. erklärt heute diese Meldung für unbegründet. Ein solcher Besuch liege nicht in der Absicht des Kaisers und sei daher auch nicht in das diesjährige Reise-Programm aufgenommen.

DerReichs⸗Anzeiger veröffentlicht dem Wortlaute nach ein Schreiben des ehemaligen Erzbischofs von Posen, Graf Ledochowski, welches dieser am 8. Juli d. J. von Rom aus an den Pfarrer Brenck in Piaski gerichtet hat. Brenck wird darin bei Strafe der Amtssuspenston aufge fordert, binnen neunzig Tagen die von ihm ge schehene Anerkennung der kirchenpolitischen Gesetze vor Zeugen schriftlich zu widerrufen. Letzterer antwortete hierauf in einem ebenfalls dem Wort laute nach veröffentlichten Schreiben mit der Anzeige, daß er den Brief Ledochowski's der Regierung übergeben habe. Im Eingange der Publication des amtlichen Blattes heißt es: Nachdem der durch rechtskräftiges Urtheil des Amtes entsetzte Graf Ledochowski in einer während des Monats März von Rom aus erlassenen Ansprache den Geistlichen der Diöcese Posen und Gnesen mitgetheilt hatte, daß er die thätige Ausübung der Bischofsgewalt wieder in die Hand genommen, hat derselbe unter

feierliche Verpflichtungen auferlegt, er sei hierher

Verletzung bestehender Staats⸗Gesetze den Worten auch die That folgen lassen.

12. Sept. General-Feldmarschall v. Man⸗ teuffel ist, wie derReichs⸗Anzeiger meldet, gestern Nachmittag von Varzin hierher zurückgekehrt. Die Kreuz⸗3tg. will wissen, er sei heute früh nach Merseburg weitergereist.

Würzburg. DerPfälz. Zig. wird von hier geschrieben: Sicherem Vernehmen nach ist Pater Ambrosius, Prior der hiesigen Carmeliter, vom Ministerium zum Bischof von Würzburg ernannt. Pater Ambrosius ist ein sehr würdiger Priester. Seiner politischen Richtung nach gehört er zu den Gemäßigten und steht allem Parteileben ferne.

Karlsruhe. Zu den am 11. d. M. im Ministerium des Innern beginnenden Conferenzen des Ober-Schul-Raths und der Schul- Räthe des Landes behufs praktischer Durchführung des neuen Gesetzes über das Schulwesen, besonders der Be- stimmungen über die Aufhebung der früheren Orts- Schul-Räthe und der Ertheilung des Re ligions- Unterrichts, sind vom Ministerium auch die beiden altkatholischen Pfarrer von hier und Konstanz berufen worden. Es scheint demnach, daß die Regierung den altkatholischen Religions- Unterricht wie den römischkatholischen als gesetz lich obligatorischen Unterrichts-Gegenstand betrachtet wissen will.

Ausland.

Schweiz. Solothurn, 11. September. Die hiesige Kirchengemeinde beschloß gestern mit 399 gegen 322 Stimmen, die Wahl eines alt katholischen Geistlichen zum Pfarrer nicht vor- zunehmen.

Frankreich. Lyon, 11. September. Der Marschall Präsident wohnte heute den großen Manövern des siebenten Armee-Corps im Jura bii.

Belgien. Brüssel. Bei einer Conferenz im Katholiken Verein zu Gent constatirte Migr. Nardi, daß die protestantische Propaganda ziemlich Fortschritte in Italien mache, wo unter zunehmen

der Gleichgiltigkeit gegen die religiöse Lehre der christliche Sinn im Sinken sei.

12. Sept. Der geographische Congreß ist heute Vormittags im kgl. Schlosse zusammengetreten.

Großbritannien. London, 10. Sept. Auf einen Meeting zu Blackheath, an welchem 12,000 Personen theilnahmen, äußerte sich Glad stone folgendermaßen: Der Krimkrieg habe England

gekommen, an deren Erfüllung zu mahnen. Noch nie habe er eine Bewegung gesehen, welche so schnell so bedeutende Dimenstonen angenommen. Die Frage, um welche es fich handele, stehe über jeder Parthei, über jeder Nationalität, selbst über dem Christenthum, weil es eine Frage dec allgemeinen Menschlichkeit sei. Die Türkei, weit entfernt, die er⸗ hobenen Anklagen zurückzuweisen, verschlimmere die⸗ selben durch Ableugnungen, welche eher eine Glorifi⸗ kation der Uebelthäter wären. Man wolle Serbien wie ein zweites Bulgarien behandeln. Diejenigen, welche, obgleich im Besitze der erforderlichen Macht, diesen Gräuelthaten kein Ziel setzten, seien dafür ver antwortlich. Schließlich befürwortete Gladstone die Cooperation Englands mit Rußland; obgleich Rußland wie jede andere Nation von Ehrgeiz nicht frei, werde es doch von Impulsen der Humanität geleitet. Er habe niemals eine große Frage gekannt, worin die Mächte und Völker Europa's solche Uebereinstimmung gezeigt. Times, diese Rede besprechend, sagt: England liege nicht allein ob, eine Verständigung mit Rußland zu erzielen, sondern nöthigenfalls die ersten Schritte dazu zu thun. Der gegenwärtige Augenblick sei äußerst günstig für die Berichtigung der Irrthümer, welche die Ablehnung des Berliner Memorandums begleiteten,

Türkei. Constantinopel. Die Türken machten am 8. c. von dem befestigten Lager bei Podgoritza aus einen Ausfall nach Dukla hin und unternahmen von Trebinje einen Zug nach Ban⸗ jani; hierbei wurden zwei Klöster von ihnen zer⸗ stört. Am selben Tage rückten zehn ägyptische Bataillone in Trebinje ein.

11. Sept. Heute wurde in der Hohen Pforte ein kaiserlicherHat verlesen, worin der Sultan alle Minister und Beamten in ihren Stellungen bestätigt.

DerHat legt besonderes Gewicht auf eine gute

Justizpfleg⸗, die Finanz-Controle, die Ausdehnung des öffentlichen Unterrichts und Reformen in der Verwaltung überhaupt; er bezeichnet dieselben als die Grundlagen des Fortschritts und der Cipili⸗

sation der Völker. Die Minister werden ange⸗ wiesen, alle durch die jetzige Zeit gebotenen Maß⸗ regeln zu ergreifen, und insbesondere einen Generalrath einzusetzen, welcher die Ausarbeitung neuer Gesetze, sowie das Einnahme- und Ausgabe Budget überwachen soll. DerHat bestimmt, daß alle Beamten verantwortlich sein und in ihren Stellungen befestigt werden sollen. Die Minister sollen Mittel und Wege finden, den Krieg zu be enden. Endlich wird die strengste Beobachtung der Verträge mit den befreundeten Mächten an empfohlen.

11. Sept. Eine Eröffnung von Seiten der türkischen Reg'erung betreffend den Waffen, Stillstand und die Friedens⸗Vermittlung ist bisher nicht erfolgt; gutem Vernehmen nach beschäftigt sich der Minister- Rath noch mit den bezüglichen Angelegenheiten.

11. Sept. Nach einem Petersburger Brief derIndependance billigen England und Oesterreich das Verlangen der Türkei, daß die Friedens⸗Präliminarien vor dem Waffen ⸗Stillstand festzusetzen seien; Rußland und Deutschland hin⸗ gegen verlangen einen unmittelbaren Waffenstillstand.

Montenegro. Cettinje, 11. Sept. In Folge des Eindringens der Türken in Montenegro fliehen die in der Nähe von Grahovo sich auf haltenden herzegowinger Flüchtlinge und viele Montenegriner auf österreichisches Gebiet.

12. Sept. Danilovgrad, welches nach einem Telegramm aus türkischer Quelle von den Türken erobert sein sollte, ist noch heute, ohne irgend einen Angriff ausgesetzt zu sein, das Haupt quartier des Fürsten von Montenegro. Seit drei Tagen finden Scharmützel bei Klobuk statt.

Serbien. Belgrad, 12. Sept.(Amt⸗ liche Meldung.) Gestern machten die Türken den Versuch, den Uebergang über die Morawa zwischen Deligrad und Alexinatz nach dem rechten Ufer hin zu sorciren, wurden aber, nachdem von 6 bis halb 8 Uhr Abends auf der ganzen Linie gekämpft war, auf allen Punkten zurückgedrängt.

Rumänien. Bukarest, 11. Sept. In Folge der Anwesenheit des Kaisers von Oesterreich in Siebenbürgen begab sich der Minister⸗Prästdent Bratiano, von einem Flügel-Adjutanten des Fürsten begleitet, nach Hermannstadt zur Begrüßung des Kaisers von Oesterreich.

Griechenland. Athen, 10. September. Meldungen von der Insel Kandia zufolge hat der türkische Gouverneur einen angesehenen Deptirten der Kandiotischen Nationalversammlung Namens Mizotakis verhaften und an Bord eines Schiffes führen lassen; in Folge dessen rotteten sich aufge· regte Vollsmassen zusammen und verlangten die Freilassung des Verhafteten; es werden noch weitere Verhaftungen befürchtet.

Amerika. New⸗Nork. Bei den Wahlen

im Staate Maine siegten die Republikaner mit

15,000 Stimmen Mehrheit.

Nach Telegrammen des Generals Crook an Sheridan vom Dienstag fand derselbe die Sioux in kleine Banden aufgelöst. Wegen Proviantmangels gab er die Verfolgung auf und schlug ein Lager auf. 12 Sioux sind nach Cheyenne gekommen, um Bedingungen zu erfragen, Sheridan glaubt, daß zahlreiche Ergebungen stattfinden werden.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Der Actus am Schlusse der Prüfungen der hiesigen Realschule wird sicherem Vernehmen nach nicht im großen Saale des Hötel Trapp, sondern im Saale der ehemaligenDrei Schwerter statifinden und wollen wir nicht verfehlen, hierauf unsere Leser besonders aufmetksam zu machen.

Friedberg. Unsere Realschule hatte im abgelaufenen Schuljahre im Ganzen 294 Schüler, von denen 120 auf Friedberg selbst, 160 auf sonslige hessische Orte und 14 auf andere deutsche Länder und das Ausland kommen. Der Confession nach theilen sich die Schüler in 225 Evange⸗ lische, 30 Katholiken und 39 Israeli ien.

Se. Friedberg. Am letzten Sonntag hielt der Wetterauer Zweigverein des Gustav⸗ Adolf Vereins in Beienheim sein Jahresfest ab. Trotz der Ungunst des Wetters und mancher sonstigen hindernden Umstände halte

U

ssen Nann arm