Ausgabe 
13.1.1876
 
Einzelbild herunterladen

ů

2 8

Die Nachrichten eines auswärtigen Blattes über Jndienststellung einiger deutschen Kriegsschiffe können sich gutem Bernebmen nach nur auf Vor⸗ bereitungen deziehen, welche in Kiel und Wilhelms baven für die am 1. April 1876 in Aussicht genommene Indiensistellung eines Uebungs⸗Ge⸗ schwaders der Schul- Schiffe getroffen werden und alljährlich um dieselbe Zeit wiederkebren. Die Vorbereitungen müssen frühzeitig begonnen werden, weil während der Aus bildungs Zeit der am 1. Februar einzuziebenden Rekruten nur geringe Kräfte zur Disposition steben.

Schwerin. Der mecklenburgische Landtag ist auf den 16. Februar nach Sternberg aus- geschrieben. Die Berfassungs-Reform befindet sich nicht unter den Regierungs Propositionen.

Kaiserslautern. Bei der im Wahlkreise Kaiserslautern- Kirchheimbolanden stattgehabten Abgeordneten Nachwahl für den bayerischen Land- tag ist der Candidat der Liberalen, Kaufmann und Adjunkt Philipp Schmidt zu Kaiserslautern, gewählt worden. 5

Karlsruhe. Prinz Wilhelm, ältester Bruder des Großherzogs ist an seiner bei Nuits 1870 erhaltenen Kopf-Wunde bedenklich erkrankt.

Ausland.

Frankreich. Paris. DasJournal des Debats sagt, daß eine Minister-Krisis bevorstehe, da die Minister sich nicht darüber verständigen könnten, welche Candidaten von der Regierung bei den Wahlen zu unterstützen und welche Alliancen zu bewerkstelligen seien.

DerKöln. Zeitung wird von hier ge meldet, daß dahier eine türkische Protest Note an gekommen und von dem türkischen Botschafter dereits dem Herzog v. Decazes übergeben sei. Der Protest stützt fich nicht auf einen schon in Kon- stantinopel geschehenen offiziellen Schritt, sondern auf das Gerücht von bevorstehenden Interventionen. Anknüpfend an diesen Umstand hat Decazes er wiedert, daß der Protest wobl nicht hinreichend motivirt sei, so lange die Türkei nicht die offi⸗ zielle genaue Kenntniß von den Vorschlägen habe, gegen welche sie Verwahrung einlegt.

10. Januar. Die Abendblaͤtter bringen genauere Angaben über die Mißhelligkeiten, welche im Ministerium bei der Feststellung der bei den Wahlen zu befolgenden Politik ausgebrochen wären und angeblich die Demission eon Say's und Dufaure's zur Folge gebabt hätten. Es wird indeß bereits versichert, daß die Schwierigkeiten in einem heute Nachmittag abgehaltenen Minister rath ihre Ausgleichung gefunden hätten; das Cabinet habe sich über das Programm für die Wahlen verständigt und werde demnach keinerlei

Aenderung erfahren. Herzog Decazes ist im achten Pariser Arrondissement zum Senats-Can didaten aufgestellt. DieAgence Havas er-

fährt, daß der Herzog von Decazes viel zur Ausgleichung der Differenzen im Ministerium bei⸗ getragen hat.

Belgien. Brüssel, 10. Jan. In den letzten Tagen fand ein Minister Rath unter dem Vorsitz des Königs statt, worin die eventuellen Maßreg besprochen wurden, im Falle der Strike der Gruben- Arbeiter im Hennegau sich auch auf die übrigen Kohlen-Distrikte auedehnen und einen die öffentliche Ruhe bedrohenden Charakter annehmen würde. Was dieses Mal der Arbeits ⸗Einstellung eine beunruhigende Seite gab, war der Umstand, auf den wir bereits früher hingewiesen, daß kaum ein Gruben- Arbeiter im Hennegau oder im Kohlen-Becken von Charleroi zu treffen ist, der nicht sein Gewehr hätte. Der Ministe r⸗Rath soll denn auch einstimmig beschlossen haben, bei dem geringsten Tumult den Belagerungs⸗ Zustand über alle Kohlen- Bergwerke-Distrikte zu verhängen, um so gesetzlich die Entwaffnung herbei zuführen. Glücklicherweise wurde der Regierung diese extreme Maßregel, welche seit 1830 nie mehr in Belgien ergriffen wurde, erspart. Es fiel bis zum 6. Januar auch nicht die geringste Gewaltthätigkeit vor. In der Nacht vom 8. zum 9. sind jedoch zwei Bataillone Carabiniers nach Charleroi abgegangen, woselbst der Strike fortdauert. Die Brüsseler

DieIndspendanee belge erwahnt nun unter ausdrücklichem Vorbehalte eines Gerüchts, wonach am 9. ernste Ruhestörungen in Charleroi das Ein- schreiten des Militärs nothwendig machten, so daß es mehrere Tode und Verwundete gegeben habe. Eine Schwadron Guiden ist am 10. von Brüssel nach Charleroi abgegangen. Großbritannien. London. DieTimes commentirt eine Bekanntmachung der Regierung in derLondon Gazette, welche die britischen Schiffe auffordert, die von carlistischen Batterien besetzten Theile der Nordküste Spanjens zu ver⸗ meiden. DieTimes bemerkt:Die Regierung hat eine Angelegenheit leicht genommen, die doch ernst ist. Das Blatt weist zum Beweise dessen auf die Affaire mit dem deutschen SchiffeGustav bin und verlangt, die britische Regierung solle Spanien verhindern, sich über die Verpflichtungen hinwegzusetzen, wonach sie des Leben und Eigen. thum britischer Unterthanen sicherzustellen hat. England müsse Spanien für alle, britischen Unter- thanen durch die Carlisten zugefügten Schäden verantwortlich machen.

Die Eröffnung des Parlamentes wird diesmal durch die Königin in Person, welche von der Prinzessin von Wales begleitet sein wird, vollzogen.

Italien. Rom. DieItalienischen Nach- richten versichern, daß ein deutscher Prälat dem- nächst in Rom erwartet werde, welcher vom Vatican beauftragt sei, mit den anderen Bischöfen die Mittel zur Herbeiführung einer Transaction zu erwägen, um die gegenwärtige Lage des preußischen Clerus zu beendigen.

Serbien. Belgrad, 11. Jan. In der Skupschtina wurde von 20 Abgeordneten der An: trag eingebracht, den früheren Kriegsminister wegen Verletzung der Verfassung durch Aus schreibung ciner außerordentlichen Abgabe zur Er- haltung der Volksmiliz und für Lager- Uebungen in Anklagestand zu versetzen. Der Antrag wurde dem Ausschusse zugewiesen. Die Skupschtina be⸗ schloß ferner, trotz der Einsprache der Regierung, die Besoldung der Staatsräthe auf 1500 Thaler herabzumindern.

Türkei. Konstantinopel. Man meldet von hier, daß das neuliche Telegramm derTimes, wonach der Großvezier die ihm halbofficiell mit-

getheilten Reform-Vorschläge Andrasso's zurück

gewiesen haben soll, jeder Begründung entbehre

und auf Börsen Gerüchte, wie sie die dortigen

Baisse Speculanten zu verbreiten pflegen, zurück- zuführen sei.

Amerika. New ⸗Hork. Die Journale wollen wissen, daß in Port Royal(Sür-Carolina), welches von der Regierung zur Haupt Station des im nördlichen Theile des atlantischen Oceans stationirten amerikanischen Geschwaders ausersehen ist, Kriegsschiffe concentrirt werden, um, wie die Journale meinen, allen aus der Cuba Angelegen- heit bervorgehenden Eventnalitäten zu begegnen. Einer Depesche aus Philadelphia zufolge wird jedoch in amerikanischen Regierungs⸗Kreisen in Abrede gestellt, daß die Concentrirung der Flotte in Port Reyal eine Aenderung der Politik in Bezug auf Cuba bedeute; es gelte vielmehr die Ausführung des alten Projects, statt des un gesunden Hafens von Kaywest, Port⸗Ropal zur Marinestation zu machen.

Washington, 11. Jan. Das Repräsen; tantenhaus bat über die Vorlage, betreffend die Amnestirung der an dem Aufstande der Con⸗ föderirten Betheiligten, abgestimmt. Da die er- forderliche Zwei- Drittel-Majorität nicht zu Stande kam, ist die Vorlage verworfen.

Allerlei.

Freising, 6. Jan. Gestern wurde hier ein Fräulein auf dem Wege zur Kirche am hellen Tage das Opfer eines Mordanfalls in räuberischer Absicht. Die Ermordete, Karoline Perlitzky, erhielt, wie die Section des Leichnams ergab, 6 Stiche in die linke Seite der Brust; drei davon zerfleischten ihr im wahren Sinne des Worles das Herz. Das Morbinsirument muß ein im Giiffe fesistehendes Messer gewesen sein. Der Ermordeten waren die Kleider⸗ laschen ausgeleert und umgewendet. Sie soll nur wenige Kreuzer bei sich geführt haben eine sehr geringe Beute, zu deren Erlangung eine so grausige That unternommen

Garnison erhielt den Befehl, sich bereit zu halten.

it. Der Mörder ist bis jetzt nicht entdeckt.

Witenbausen. Nach zuverlässiger Quelle berichte! Reservist zur Fahne einberufenen und in der 7. Compagnie des hessischen Füsilier Regiments Ne. 80 eingeslellten Martin Wolf aus Asbach, welcher nach der Schlacht bei Wörih alsvermißt bezeichnet und iuzwischen durch Erkenntniß des k. Am!6⸗Gerichts in Allendorf vom 4. Juli 1874 für todt erkärt wurde, haben aus Hork in Pennsylvansen von demselden einen Brief, d. d. 14. December 1875, empfangen, in welchem er erzäylte, daß er, in der Schlacht bei Wörth verwundet, in französische Gesangenschaft ge⸗ rathen und alsdann nach Afrika gebracht worden, daß es ihm vor Kurzem gelungen sei, auf einem amerikanischen Kriegs⸗Schiffe nach Amerika zu entfliehen, daß er sich jetzt in Pork befinde, von wo er gern nach Hause zurückkehren wolle; es sei ihm jedoch wegen Mangels an Geld⸗Mitteln nicht möglich. Landrasih Bernstein hat den Brief nebst einem Berichte an die k. Regierung zu Kassel gesandt, welch' letzere hoffentlich das Weitere veranlassen wird, daß ꝛc. Wolff in seine Heimath zurückkehren kann. Die Rückkehr des Vermißten ist umsomehr von Erheblichkeit, als er der einzige Ernäbrer seiner Ellern war, welche in Folge dessen seit dem 1. Seplember 1870 eine monalliche Unterstützung von je 10½ Mark beziehen.(Bekanntlich ist l. Z. im Reichstage von amilicher Seite(Graf Roon) die Wabrscheinlichkent solcher Vorkommnisse in Abrede ge⸗ stellt worden. Es ist zu hoffen, daß dieser Fall zu erneuten energischen Reclamationen dei der franzöͤsischen Regierung Anlaß geben wird.)

Wien. Auf der östlichen Linie der Galizischen Karl⸗

verkehrende Personenzug am Donnerflag, den 6. o. M., früy um halb 8 Uhr mit vierzig Reise den in einem Einschnitte nächst Pluchow von Schneestürmen verweht. Die sosort angestellien Versuche, mitielst Hilfs⸗ maschinen den Zug zu befreien, blieben erfolglos; der erste Hilfszug blieb eine Wächterstrecke vor dem Punkte, an dem der Personenzug stand, stecken; ein zweiter mußte, da der Sturm zunahm, auf demselben Wege umkehren. Bei dieser verzweifelten Lage der Dinge, und gegenüber der Weigerung der ruthenischen Bev kerung, am Feier- tage zu arbeiten, versuchte die Belriebsdirection, von der poluischeu Beböcde Unterstützung zu erlangen. Inzwischen wurden von Lemberg aus Arbeiter und Lebensmittel nach gesender, und nach unsäglichen Anstrengungen gelang es endlich, auf Umwegen mit Hilfe von Schlilten den verwehien Zug zu erreichen und die Reisenden, welche sich nahezu 36 Stunden lang in einer mehr als pein vollen Lage befunden hauen, aus derselben zu befreien und sie mit Nahrungsmitteln zu versehen. Der diesfällige Be⸗ richt lautet:Im Verlaufe des heutigen Tages wurden die Passagiere des im Pluchower Einschniite verwehten Zuges 3 untergebracht, ein Thell im Wirihshause, ein Theil beim Gutsbesitzer in Pluchow. Sieben Passagiere sind auf eigenes Verlangen mit Schlitten nach Zoorow abge⸗ sahrenz vler Damen sind beim Stations Ausseher in Pluchow gevlieven und werden Morgen nach Zborsw jahren; dort ist auch die Post untergebracht und wird Morgen mit Schlitten weiter befördert. Im Wächterhaus 390 besinder sich das Zugbeföderungs⸗ und Zugbegleit⸗ ungspe l sonal; beide Punkie, nämlich Haltestelle Pluchow und Wächterbaus 390, sind mit Lebensmitteln versorgt. Schneesturm dauert fort. Jerasek.

Mac seille. Hier wurde vor einigen Tagen eine aus Balavia angekommenene Ladung Zucker an's Laud gebracht, als plötzlich die dabei beschäfugten Packträger aus einem der Zuckersäcke drei Schlangen hervorkriegen sahen, die in das Innere der Lagerräume entwichen. Die Arbeiten wurden nalürlich sofort unterbrochen und man sann auf Mittel, diese gesährlichen Gäste zu entfernen. Zu diesem Zwecke vergiftete man einige Tauben mit Suychnin und warf sie den Schlangen hin, welche diese verlockende Beule gierig verschlangen. Jedoch sind nur zwei der R'üpilien davon krepirt und konnten bei Seite geschafft werden. Das eine mißt in der Länge nicht weniger als 2 Meter und 10 Centimeter. Diese Tbiere, unter dem NamenDreiecksköpfe(Trigonocephalen) be- kannt, haben einen rückwärts gebogenen, avgeplatteten Kopf; wen ihr Biß trifft, dem bleibt wenig Hoffnung. Bis jetzt ist das dritte dieser schrecklichen Thiere noch nicht aufgesunden.

loczyeka

Handel und Verkehr.

Friedberg, 10. Jan. Walzen M. 20.50. Korn M. 18.. Gerste M. 17.14. Hafer M. 16.. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo= 200 Zollpfund.

Krankfurt, 10. Jan.(Viehmarkt.) Der heutige Markt war schlecht befahren. Angetrieben waren 280 Ochsen, 200 Kühe, 260 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. M. 68.57, 2. Qual. M. 61.71, Kühe 1. Qual. M. 60., 2. Qual. M. 51.43 56.57, Kälber M. 65 14, Hämmel 1. Qual. M. 54.86, 56.57, 2. Qual. M. 50.43.

Fraukfurt, 10. Jan. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 40., Nr. 2 M. 35., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 29., Nr. 5 M. 23., Roggenmehl/(Berliner Marke) M. 26. do. II.(Berliner Marke) M. 22., Waizenschalen M. 9, Waizen effecu'v hiesiger M. 21.50, vayer M.. Roggen M. 16.30 17.14, Gerste M. 1821. Hafer M. 17. Kohl⸗ samen M. 3436. Erbsen M. 2124. Wicken M. 2 Ansen M. 2130. Rüvöl M. 78. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht= 100 Kilo.

Mainz, 10. Januar. Producten⸗Markt. Waizen per März, 20.65, per Mal 20.95. Roggen per März 15.65. per Mai 15.70. Hafer per März 17.55, ver Mai 17. C8 [Rüböl per März.. per Mei 35.25.

das hiesigeKreis⸗Bl.: Die Eltern des im Juli 1870 als

Ludwigsbahn wurde der zwischen Lemberg und Podwo⸗

1

Pistolen.

Heling Dukaten.

taten a bn Englischt 8 Lussscht) Dollars in

1 9 Ubr anf neilters 0 gegenstände

werden, als

Wirtbt Kleider Kleidel bande Fried

122 pie sollen in