in Bereitschaft gehalten, wenn die Beschützung der englischen Interessen die Absendung derselben nöthig machen sollte. Die englische Flotte in der Befika⸗ Bai hat von England große Vorräthe von Winter- Kleidern für die Schiffs-Mannschaften erhalten; nachdem der dortige Aufenthalt bei der strengen Witterung höchst unzuträglich geworden ist, soll die Flotte in zwei Abtheilungen vertheilt und die eine derselben in Salonichi, die andere in Smyrna stationirt werden. 5
— 9. Dee. Die„Amts⸗Gazette“ bringt eine königliche, von heute datirte Proklamation, die das Parlament zum 8. Februar einberuft.
Italien. Rom, 7. Dec. Der Cardinal Linconti hatte gestern Abend eine lange Audienz beim Papste und wurde heute officiell von dem selben empfangen, worauf er den Eid leistete.
Florenz, 7. Dec. Prinz Louis Napoleon, welcher seit einigen Tagen hier weilt, besuchte heute den König Victor Emmanuel, dieser machte sodann mit dem Prinzen der Kaiserin Eugenie einen Besuch.
Türkei. Constantinopel. Die„Pol. Corr.“ meldet aus Scutari: Derwisch Pascha
bedrohte die Miriditen mit Gewalt, um sie zu zwingen, wit der Türkei gemeinsame Sache zu machen. Diese Maßregel brachte eine contraire Wirkung dervor, die Miriditen beschlossen, definitiv mit Montenegro zu gehen.
— 7. Dec. Die Demarcations-Commissäre meldeten ihren Regierungen den Abschluß ihrer Ausarbeitungen. Montenegro genehmigte die Ver⸗ proviantirung von Niesie auf zwei Monate für 3000 Personen. In der Herzegowina und Bosnien finden starke türkische Truppen Bewegungen statt.
— 8. Dec. Sieben Mitglieder der Conferenz hatten einzeln uater sich mehrere Besprechungen, besonders hatte der Marquis Salisburh eine lange Unterredung mit Ignatieff. Die eigentlichen Prä- liminar-Conferenzen beginnen erst später. Außer Salisbury werden noch andere Bevollmächtigte vom Sultan in Privat-Audienz empfangen werden. Die türkischen Minister und die Botschafter be— suchten gestern Salisbury, der heute Audienz beim Sultan hat. Gestern fand auf der österreichischen Botschaft ein diplomatisches Diner statt. Die Vorbesprechungen werden einige Tage dauern. Die Nachricht von der bevorstehenden Ersetzung des türkischen Geschäftsträgers in Berlin, Turkhan Bey, durch den Staatsrath Kian Bey ist unbegründet.
— 9. Dec. Nach den ersten Besprechungen der Mitglieder der Conferenz erscheint das Zu- standekommen einer Uebereinstimmung der Mächte nicht unmöglich. Wie man versichert, wären die neuen organischen Gesetze definitiv festgestellt.
— 9. Dec. Die„N. fr. Pr.“ berichtet über- einstimmend mit einer Meldung der„Pol. Corr.“ über die Auflage einer neuen Kriegssteuer in Constantinopel, wonach auf jedes männliche Mit- glied der Bevölkerung vom 5, bis 60. Lebens- jahre die Zahlung von 15 Piastern entfällt. Der Erlaß der Pforte, die Aus hebung aller Männer von 21— 40 Jahren betreffend, rief großen Un- willen unter der Bevölkeruug hervor. Die Par- teien Murad's und Jussuf's, des Sohnes Abdul Aziz', rühren sich auf's Neue.
— 9. December. Safvet Pascha beantwortete die Note des Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff vom 13. November mit einem Circular vom 1. December an die Vertreter der Pforte, in welchem erklärt wird: Die Pforte sei für die trost— losen Zustände in einigen türkischen Provinzen nicht verantwortlich; sie habe erst nach der Er— schöpfung aller Versöhnungsmittel zur Wahrung des europäischen Friedens energische Maßregeln ergriffen. Jetzt, da die Insurrection unterdrückt, stehe die Pforte im Begriffe, Reformen einzuführen, welche alle Unterthanen ohne Unterschied der Reli— gion und Race befriedigen würden. Die maßvolle Haltung der Regierung des Sultans wäre die sicherste Garantie für die Einführung der heilsamen Refor- men. Die durch das Circular Gortschakoff's au-
gemeldete Occupation und die russischen Rüstungen seien darum durchaus ungerechtfertigt.
schluß des gesammten Europa's unbedingt weichen, aber ofsteiell anerkennen werde ste auch diesen nicht.
Rumänien Bukarest. Unter der Be⸗ völkerung, insbesondere der der Donau-Städte, ist eine Pansque vor der sofort zu erwartenden Invasion der Türken eingerissen; viele Familien flüchten. Das„Romanul“ brachte beruhigende Artikel, in welchen die Furcht vor einer türkischen Invasion als unbegründet bezeichnet wird, da die Beziehungen Rumäniens und der Türkei die allerbesten seien.
— 8. Dec. Die Kammer hat den Seitens der Regierung begehrten Credit von 1,045,000 Lei zur Bestreitung der Ausgaben für die concentrirte Armee bis zum Schluß dieses Jahres bewilligt.
Griechenland. Athen, 8. Dec. Das neue Cabinet ist nunmehr in folgender Zusammen⸗ setzung constituirt: Deligeorgis Prästdent und aus⸗ wärtige Angelegenheiten, Deliannis Inneres, Levidis Finanzen Petmoza Krieg, Voultipioti(?) Justiz, Canacari Cultus, Zochios Marine.
— 9. Dee. Man meldet den Sturz des neuen Ministeriums, da infolge der Abstimmung über ein Vertrauens Votum 85 Stimmen gegen und nur 57 Stimmen für das Ministerium fielen.
Rußland. Petersburg. Um von hier aus Schwierigkeiten und Verzögerungen in den Conferenz- Verhandlungen so weit als thunlich zu vermeiden, hat man diesseits Ignatieff große Actionsfreiheit gelassen.
— Die russische Kriegskasse wurde auf 17 Waggons von Petersburg nach Kischeneff geschafft, währenddem war der Gesammtverkehr sistirt.
Riga. Die Riga'sche Tel. Ag. meldet aus Dünaburg, daß der Eisenbahn-Güterverkehr nach Wilna und Warschau von morgen ab bis auf Weiteres eingestellt werden wird, und nu noch Personenzüge verkehren.
Aegypten. Kairo, 8. Dec. Der Kaiser und die Kaiserin von Brasillen sind hier eingetroffen.
Amerika. New⸗Nork, 6. Dec. Die Prüfungs-Commission für die Wahlen in Florida erklärte die republikanischen Wahlmänner ⸗Candida⸗ ten für die Präsidentenwahl als mit 903 Stimmen Majorität gewählt, demnach sind die Stimmen jenes Staates für die Wahl von Hayes gesichert. Der oberste Gerichtshof von Süd Carolina hat die von den Demokraten constituirte Repräsentanten- Kammer für die legale erklärt.„Reuter's Bureau“ meldet aus Washington: Die Wahl“ Collegien stimmten in den respeetiven Staaten für die Prä— sidentenwahl den bisherigen Resultaten gemäß, ausgenommen Oregon, woselbst der Gouverneur die Wahleertificate zweien Republikanern und einem Demokraten gab und zwar wegen angeblicher Wahlunfähigkeit des dritten republikanischen Wahl mannes. Dieser Act würde, falls er für legal erklärt wird, Tilden 185 Stimmen geben. Die drei republikanischen Wahlmänner behandelten diesen Act jedoch als illegal, traten ohne Certificate zu⸗ sammen und stimmten für Hayes.
— 7. Dec. Der Republikaner Chamberlain wurde feierlich als Gouverneur von Südcarolina eingesetzt.
— 9. Dec. Das Wablcontrol-Comité in Florida erachtete die republikanischen Candidaten als für die Staatsämter gewählt.
Washington, 7. Dee. Die Regierung dementirt die Nachricht von dem Abschlusse eines neuen Auslieferungsvertrags mit England, ebenso die Behauptung, daß die der Ausführung des seitherigen Auslieferungsvertrages entgegengestan— denen Hindernisse beseitigt seien.
— 8. Dec. Im Senat ist eine Untersuchung der Vorgänge bei der Wahl in Oregon beantragt,
Mexiko. Nach einer Meldung des Reuter schen Bureaus von hier vom 1. December wäre der an der Spitze der Aufständischen stehende General Porfirio Diaz, nachdem er am 16. No- vember eine Schlacht gewonnen, am 30. in die Stadt Mexiko eingerückt und hätte sich zum pro- visorischen Präsidenten erklärt. Präsident Lerdo de Tejada und die Mitglieder seiner Regierung wären nach Morelia geflüchtet. Gegen den Prä— sidenten des obersten Gerichtshofes, Jose Maria Iglesias, der in Guanuajuato eine Regierung ge—
— Sapfet Pascha erklärte mehreren Botschaf— tern, die Pforte würde einem Occupations Be⸗
bildet und sich zum Präsidenten aufgeworfen hatte, seien von Porsirio Diaz Truppen abgesendet worden.
Aus Stadt und Land. Friedberg. Es ist an dieser Stelle noch des
Vortrags zu erwähnen, den Real Lehrer Würth am 17. vorigen Monats im hiesigen Volksbildungs-Verein über die„Rose“ gehalten hat. Der Rebner betrachlete dabei die„Rose“ zunächst in ihrer kulturhistorischen Bedentung. Die Verehrung„der Königin der Blumen“ dalürt nicht erst von gestern. Die Schönheit ihrer Formen, ihre Farbenpracht und ihr Wohlgeruch haben zu allen Zeiten auf das sinnige Gemüth des Menschen einen tiefen Eindruck gemacht. Daher die hervorragende Rolle, welche die Rose in dem Kulturleben der Völker spielt. Gar an⸗
sprechend wußte der Redner dies auszuführen: Schon in
die myshologischen Erzählungen ist das lieblische Bild der Rose vielfach verwoben; die deutsche Sage erwähnt des Rosengartens in Worms und Tyrol, oder läßt die Rose als Helferin in Bedrängniß zur Bewahrung des Geheim- nisses edler Mildthätigkeit erscheinen(die heil. Elisabeth und die Rosen in ihrem Körbchen an der Stelle der für die Armen bestimmten Speisen); die Rose dient als Symbol der Jugend, Schönheit und Unschuld(Rosenfeste zu Ehren reiner Jungfräulichkeit); fromme Sitte schmückt den Sarg geliebter Todtien mit Rosen; ihre Formen finden Verwendung in der Heraldik und in den erhabensten Gebilden der Baukunst(Gothik);— die Gewinnung des Rosenwassers und Rosenöls wird im Morgenland früh⸗ zeitig ein wichtiger Erwerbszweig. Der zweite Theil des Vortrags behandelte die Rose vom Standpunkte des Botanikers und Rosenzüchters. Demgemäß verbreitete sich hier der Redner nach einer kurzen botanischen Charakleristik der Rose über die wichtigsten und merkwürdigsten Arten derselben, wobei er in inleressanter Weise der Bildung und des Wiederschwindens der Raritäten bei einzelnen vielge⸗ züchieten Gattungen und der eingerissenen Willkür bei der Namengebung für dieselben gedachte, und schloß mii einem Blick auf die Pflege der Rose, bezw. die Vertilgung ihrer Feinde. Der Umstand, daß der Rebner vielfach selbsigemachte Erfahrungen mitreden lassen konnte, machte seinen Vortrag um so anziehender.
Lich. Vor einigen Tagen wurde im Walde zwischen Holzheim und Langgöns die Leiche eines eiwa 45 Jahre alten Mannes aufgefunden und ist es bis jetzt noch nicht gelungen, dessen Identität festzustellen.
Gießen. Die Sitzungen des Schwurgerichts vom 1. Quartal 1877 werden Montag den 8. Januar k. J., Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des Hofgerichtsraihs Dr. Stammler, bezw. dessen Stellvertreters Hofgerichts⸗ raths Dr. v. Grolman ihren Anfang nehmen und wurden solgende Haupt⸗Geschworene ausgeloost: 1) Johannes Bräuning, Müller in Groß Eichen. 2) Friedrich Stein I., Landwirth in Stumpertenrod. 3) Kaspar Schmiermund, Landwirth in Ober-Seibertenrod. 4) Theodor Köhler, Müller in Eichelsdorf. 5) Ludwig Plank, Ellenwaaren⸗ bändler in Gießen. 6) Dr. Etienne Laspeyres, Professor daselbst. 7) Heinrich Möser I., Müller daselbst. 8) Fried⸗ rich Vollmüller III., Fabrikant in Lauterbach. 9) Eduard Silbereisen, Essigfabrikant in Gießen. 10) Kaspar Gustav Bücking, Rentner in Alsfeld. 11) Heinrich Keutzer, Brannt⸗ weinhändler in Frischborn. 12) Georg Philipp Schillinger, Bäcker in Laubach. 13) Heinrich Goppel II., Landwirth und Müller in Pfordt. 14) Georg Heinrich Schirmer, Tabaksfabrikant in Gießen. 15) Georg Bailly, Mineral⸗ wasserhändler in Schwalheim. 16) Freiherr Bernhard v. Siein in Staden. 17) Georg Seipp IV., Küfer in Ruppertsburg. 18) Wilhelm Philippi I., Bierbrauer in Melbach. 19) Ludwig August Müller, Materialist in Gießen. 20) Karl Kircher, Gastwirih in Laubach, 21) August Weidig, Cigarrenfabrikant in Gießen. 22) Adolph Carl Theodor Noll, Großhändler daselbst. 23) Carl Jäger, Kaufmann in Schlitz. 24) Heinrich Ruppel, Oeconom in Kloppenheim. Bernshausen. 26) Jacob Alles, Landwirth in Unter⸗ Wegfurth. 27) Wilhelm Jakobi II., Landwirth in Rod⸗ heim. 28) Cbristian Lang, Fabrikant in Angersbvach. 29) Ferdinand Theophil Jung, Specereihändler in Freien⸗ seen. 30) Joh. Lißberger II., Landw. in Hopfmannsfeld.
Mainz. Hier herrscht unler den Familien ein panischer Schrecken. Die Kindersterblichkeit hat in einer Weise zugenommen, die besorgnißerregend ist. Nach ärzi⸗ licher Zusammenstellung sind gegenwärlig über 2000 Kinder an dem Scharlach und der Diphteritis erkrankt und fordert der unerbittliche Tod massenhafte Opfer. In manchen Familien sind oft drei bis vier Kinder in wenigen Tagen ihren Leiden erlegen.
Mainz, 7. Dec. Der„Mainz. Anz.“ schreibt: Dem Landgrafen von Hessen ist am Dienstag Abend auf der Rückkehr nach Wiesbaden ein Unfall zugestoßen, der leicht hätte schlimme Folgen haben können. Der Landgraf hatte sich nebst seinem Adjutanten durch einen eigenen Wagen am Bahnhofe zu Mainz abholen lassen. Als der Wagen Castel passirt halte und auf die Biebricher Chaussee gelangt war, fuhr ihm geradeswegs ein Landfuhrwerk entgegen, welches nicht, wie es gesetzliche Vorschrift ist, mit einer Laterne versehen war und von dem Kulscher des land— gräflichen Wagens erst bemerkt wurde, als es zum Aus: weichen bereits zu spät war. In Folge des Zusammen⸗ stoßes zerbrach an dem landgräflichen Wagen die Deichsel, die Pferde bäumten sich und der Wagen rollte senwärts den Abhang der Chaussee hinunter, so daß die beiden In⸗ sassen sich genöthigt sahen, aus demselben zu springen. Hierbei zog sich der Landgraf einige Verletzungen zu, welche zum Glück nicht erheblich waren, obgleich ihm ein Wagenrad über die Beine hinwegging.
Allerlei. Stuttgart, 9. Dec. Das heute publieirte Urtbeil der Strafkammer des Kreisgerichtshofes gegen die Gründer
25) Andreas Schäfer II., Müller in
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