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und geräumigen Mausoleum der Moschee Achmed I. finden wir eine ganze Zahl prächtiger Marmor-

Sarkophage. Hier ruht Osman II., der von den Janitscharen erdrosselt wurde, und Murad IV., der 1640 eines natürlichen Todes starb, ferner die Prinzen Mohammed und Bajazid, von welchen der eine von seinem älteren Bruder Osman II., der andere von seinem jüngeren Bruder Mustafa umgebracht wurde. Hier sehen wir deutlich die blutigen Züge der osmanischen Hausgeschichte. Von Mord zu Mord schritt das unerbittliche Schicksal, welches den Gewalthabern am Bosporus seit jeher viel gespendet, aber launisch wieder zu entziehen wußte. Auch in der Aja Sofia wuchern düstere Erinnerungen aus den vorhandenen Gräber stätten. Dort haben sich mit der Zeit zum ewigen Schlafe die erbittertsten Feinde zusammengefunden. Selim II. ruht neben Nur Banuf, der Frau seines Sohnes Murad. Nebenan schlummern siebzehn Brüder, die Mohammed III., in der steten Furcht, von ibnen verdrängt und seines Thrones verlustig zu werden, grausam hinwürgen ließ. Aber das Drama muß noch heute beklemmend auf uns einwirken, wenn wir bedenken, daß der Mörder eine Ruhestätte neben seinen Opfern ge funden.

Nicht weit von diesem unheimlichen Denkmale orientalischer Despotenwirthschaft liegt das Marmor- Mausoleum Mustafa's I. Unter seinem Kuppel⸗ dache ruhen Vater und Sohn, die beide eines gewaltsamen Todes starben. Der unglückliche Selim III., der nach einem thatlosen Leben nur mehr seinen Schwärmereien lebte, und mit seiner Lieblingssklavin in anakreontischer Verzückung den letzten Rest an Thatkraft und Mannesmuth ein- büßte und schließlich auf Mustafa's IV. Befehl erdolcht wurde, hat einen Sarkophag in der Laleli Moschee stehen, dicht neben dem Mustafa's III. Der ebenfalls gewaltsam durch Erdrosselung aus dem Leben geschiedene Mustafa IV. ruht neben Abdul Hamid in der Straße Wessir- Tscholl. Nicht weit hiervon sehen wir das prächtigste Grab⸗ denkmal der Osmaniden. Es ist die Turbe Mahmud II. Als dem Begründer der Reform- Aera für die Türkei, der ein Jahr früher starb, als der letzte Sultan, Murad V., geboren ward (1839), bringen wir Mahmud mehr als irgend einem osmanischen Herrscher der letzten Jahrzehnte Sympathie entgegen. Sein gräßliches Ende er starb an Delirium tremens deutet darauf hin, daß auch ihm die Energie abging, sich von dem Verhängaiß der traditionellen Ausschweifungen, in denen die Erben des Khalifats seit jeher Großes geleistet, zu emancipiren. Nachdem er das Corps der Janitscharen vernichtet, bahnte er das Reform- werk an, das seine beiden Söhne Abdul Medschid

und Abdul Aziz in so bedenkliches Fahrwasser

brachten.

Wie Sultan Abdul Medschid, war auch er in seinen letzten Lebenstagen von steter Furcht, irgendwie aus dem Leben geschafft zu werden, be. haftet. Mahmud's II. Mausoleum besteht aus weißem Marmor und hat eine octogone Form. Sieben große, mit herrlichen vergoldeten Gittern geschlossene Fenster erleuchten das Inntre. Im Innern ist es mit Sofas, Armsesseln, seidenen Draperien, ja sogar Ubren versehen, so daß man weit eher das Gefühl hat, sich in einem Salon zu befinden, als in einem Sultansgrabe.

Von wahrhaft orientalischer Pracht sind die Glas- und Metallkandelaber, die Ballustraden und die übrige Ornamentik des Innenraumes. Auf dem gewaltigen Sarkophage ruht das mit einer Feder geschmückte Fez des Sultans. Im Moschee⸗ hofe zu Ejub, eine geweihte Stätte, die noch beute kein Andersgläubiger betreten darf, und in welcher der Tradition gemäß der neue Sultan zum neuen Beherrscher des Osmanenreiches installirt wird, befindet sich eine weitere Grabstätte, die noch der Erwähnung bedarf. Der Marmor Sarkophag ist mit reichgestickter Seide umhüllt und trägt am Kopfende die große Filzkappe, wie sie die Mit glieder der Derwisch-Orden zu tragen pflegen. Ein grünes Banner beschattet mehrere Lesepulte, auf welchen Exemplare des Koran, meist von berühmten Kalligraphen geschrieben, aufgeschlagen liegen.

Sowohl die Moschee, wie das Mausoleum sind von üppigen Gärten umgeben, und aus nächster Nähe genießt man den vollen Einblick in das stille, friedliche Thal dersüßen Wasser. Mit den nächsten Schritten haben wir die Gräber welt hinter uns. Alle Ruhmesgröße und aller Wahnwitz ehrgeiziger Despoten ist, gleich einem schweren Traumbilde, aus unserer Erinnerung ge wischt, und im Strahlenlächeln des Tagesgestirns wandeln wir unter den uralten Platanen des Parkes, der sich im Thale von Churt-Chaneh nordwärts hinzieht.

Landwirthschaftliches und Gewerbliches.

Neuseeländisches Nutzholz. Das Bauholz Neu Seelands, über welches ein jüngst erschienener Bericht von T. Kirk(Nature, durch das Ausland 1875 S. 304) sich verbreitet, ist von auszeichneter Dauerhaftigkeit, besonders wenn die fehlerhafte Behandlung desselben seitens der Colonisten, welche die Bäume während ihrer Wachsthums periode sällen, das gefällte Holz alsbald verwenden, grünes Holz mit einem Anstriche versehen u, dergl. vermieden wird. Das von Kirk aufgestellte Verzeichniß der neusee ländischen Nutzhölzer umfaßt 38 verschiedene Arten von Bäumen, unter welchen hinsichtlich der technischen Ver⸗ wendbarkeit der Kaurt(Dammara australis), der Totari (Podocarpus totari) und die Rothtanne oder Rimu Dacry- dium cupressinum) den ersten Rang behaupten. Der Kauri ist der schönste Baum Neu-Seelands und erreicht eine Höhe von 120 bis 160 Fuß. Auch ist sein Holz das vorzüglichste unter allen und wird mit besonderer Vorliebe zu Masten, Spieren und anderen Gegenständen des Schiffs baus verwendet. Es ist nicht selten schön gemasert und wäre zu Kunsttischlerarbeiten gut geeignet, wenn es einen regelmäßigen Exportartikel bildete. In Neu-Seeland wird das Kauriholz sehr viel zu Eisenbahnschwellen gebraucht. Als eine Probe seiner Dauerhaftigkeit führt Kirk an, daß in der Nähe von Papakura ein alter, in früherer Zeit verschütteter Kauxriwald sich befinde, dessen Stämme hie und da auf der Oberfläche des Bodens sich zeigen. Von dem Holze wurden große Quantitäten in völlig gesundem Zustande ausgegraben und zu Schienenschwellen auf der Eisenbahn zwischen Auckland und Waikato verwendet. Auch nach Australien, Tasmanien und Mauritius wird einiges Kauribolz ausgeführt und zwar hat sich der Export im Verlaufe der letzten drei Jahre mehr als verdoppelt. Das Vorkommen dieses werthvollen Baumes ist nämlich ziemlich eng begrenzt und hofft man deßhald, daß geeignete Maßnahmen getroffen werden, seine Ausrottung zu verhüten.

Zur Runkelrübenkultur. Durch die zur Zeit des Fortpflanzens der Runkelrübensetzlinge öfters eintretende trockne Witterung, wird das Fortwachsen derselben nach dem Verpflanzen oft sehr in Frage gestellt. Um in dieser Beziehung sicher zu gehen, wird das Körnerstecken im zeitigen Frühjahre sofort auf das betreffende Feld sehr empfohlen und mit vollem Rechte. Freilich gehöct hierzu ein unkrautfreier, nicht zu nasser und schon im Herbste gut vorbereiteter Acker, ebenso ein genügender Düngervorrath, wenn mit Stallmist gedüngt werden soll, und ein ein⸗ bezw. zweimaliges öfteres Behacken als beim Pflanzen läßt sich auch nicht vermeiden. Dieser Mehrauswand wird

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aber unter entsprechenden Verhältnissen bei der Ernte reichlich belohnt, wie folgende Versuche darlhun; Auf schwerem Thonboden wurden erzielt beim Körnerlegen 208 Ctr., durch Bepflanzen hingegen 243 Cir. pro Morgen. Auf lehmigem Sandboden wurden erzielt beim Körner⸗ legen 263 Cir. beim Bepflanzen hingegen nur 172 Etr.

Handel und Verkehr

Frankfurt, 9. Oct.(Viehmarkt.) Der heutige Markt war gut befahren. Angetrieben waren: 400 Ochsen, 215 Kühe und Rinder, 315 Kälber und 320 Hämmel. Die Preise stellten sich per Centner: Ochsen 1. Qual. M. 6468., 2. Qual M. 5662. Küte und Rinder 1. Qual. M. 58 60, 2. Qual. M. 4852. Kälber 1. Qual. M. 6062., 2. Qual. M. 5558. Hämmel 1. Qual. M 5156., 2. Qual. M. 40 45. Schweine das Pfund 64-68 Pf.

Frankfurt, 9. Oct. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 40., Nr. 2 M. 36., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 22. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26., do. II.(Berliner Marke) M. 21., Weizen, hiesiger, M. 24.50. fremder je nach Qualität M. 1822., Korn M. 17.75 bis 18.25., Gerste M. 17.5019., Hafer M. 17.25 18.50. Kohlsamen M. 36., Erbsen M. 2124., Wicken M. 21 bis 23., Linsen M. 2130., Rüböl M. 77. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht 100 Kilo.

Mainz, 9. Oct. Producten-Mirkt. Waizen per Nov. 20.55, per März 21.40. Korn per Nov. 15.50, per März 16.40. Hafer per Nov. 16.50, per März 16.70. Rüböl per Oct. 38.50, per Mai 37.65.

Bern. Die japanesische Regierung hat ihren Beitritt zum Allgemeinen Posi-Verein angemeldet.

D. Frankfurt a. M., 10. October. Die Börse trat heute etwas aus ibrer lethargischen Haltung heraus und fand hierzu in der Nachricht Veranlassung, daß Fürst Milan dem General Tschernajeff die Einstellung der Feindselig⸗ keiten befohlen habe und der Abschluß eines Waffenstill⸗ standes, welcher bis zum Friedensschlusse dauern solle, be⸗ vorstehe. Als jedoch Berlin und Wien der hiesigen sehr sesten Tendenz nicht entsprechende Nolirungen sandten, kam die steigende Bewegung der Speculationspapiere wieder zum Stillstand und die Course bröckelten gegen Schluß etwas ab, ohne indeß unter ihr Niveau von gestern Abend herabzugehen. Trotz des heutigen israelitischen Feiertags war das Geschäft relauuv belebt. In Prolongation bedangen heute Creditactien 40 Pf. Deport. Creditactien bewegten sich zwischen 125126/126 und 126½¼, Staatsbahn⸗ actien zwischen 231½232½ und 232, Lombarden nahe 65¾. Die Nebengebiete zeigen keine erheblichen Ver⸗ minderungen. Von Staatsfonds waren ausländische fest, durchweg behauptet und um Bruchtheile höher, während deutsche Anlagewerthe etwas mehr am Markt. Prioritäten ebenfalls meist zu gestrigen Coursen im Umsatze. Von Banken Darmstädter, Deutsche Effectenbank und Amster⸗ damer höher. Von Losen ungarische und 1860er sest, 1864er schwächer. Oesterr. Bahnen größtentheils unverändert. Alföld, Elisabeth, Ung.⸗Galizische und Galizier besser, Böhmen und Rudolf niedriger. Von deuischen Bahnen Hess. Ludwigsbahn/% matter. Von Wechseln London dilliger.

Geld Cours. Frankfurt am 10. Oetober 1876.

20⸗Frankenstücke.. Mk. 16 2125 Englische Sovereigns 8 20 3338 Russische Imperiales 9 16 7277 Holländische fl. 10 Stücke 16 65 G. Bain 9 9 6974 Ducaten al mare 9 5964 Dollars in Gold 8 416-19

Herr Johann Maria Farina gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln hat uns den Debit des

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