————
einem bereits älteren Beamten, mit 45,000 M. jährlich, jedoch vergeblich, gemacht, da dieser vor⸗ zog, in seiner bisherigen Sphäre zu verbleiben.
Breslau. Aus Schlesien berichtet die „Prot. Kirchenztg.“:„Im Synodalkreis Breslau blieben vom 1. Oktober 1874 bis ebendahin 1875 von den 6572 in dem Bereich der 6 evan- gelischen Parochien geborenen Kinder 2122, also 32 pCt. ungetauft; hiervon wurden in evangelischen Ehen 3390 geboren, von diesen blieben ungetauft 15 pCt., von den 2375 in Mischehen geborenen Kindern blieben 56 pCt. ungetauft. Von den 2033 in sechs städtischen Parochien geschlossenen Ehen wurden 1230, also nahe an 60 pCt. nicht eingesegnet.“
Aus Stadt und Land.
S. Friedberg. Der am 23. und 24. Oktober dahier abgehaltene Fohlen- und Pferdemarkt ist über alles Erwarten gut ausgefallen. Von der Geschäftsflauheit, an der, wie wir hören, fast alle derarugen Mäckie in diesem Jahre zu leiden hatten, war hier nur sehr wenig zu ver⸗ spüren. Gewiß ist dies der deutlichste Beweis dafür, daß unsere Stadt, inmitten der gesegneten Wetterau gelegen, als der geeignetste Platz erscheinen muß, an welchem ein solches Unternehmen feste Wurzel fassen kann und dadurch von Jahr zu Jahr immer größere Ausdehnung gewinnt. Leider waren die Händler nicht dazu zu bringen, ihre Verkäufe protokolliren zu lassen, trotzdem die Protokolle ohne irgend einen Pfennig Kosten von dem hiesigen Orts—
gericht besorgt wurden. Es ist daher nicht möglich, eine genaue Zähl der abgeschlossenen Verkäufe anzugeben, wohl aber läßt sich mit Bestimmtheit annebmen, daß die Zahl die vorjährige mindestens erreicht, wenn nicht übersteigt. Die Zahl der abgeschlossenen Verkäufe in Arbeits- und Wagenpferden war trotz der zum Ankauf ungünstigen Jahreszeit nich! unbedeutend und ist dies jedenfalls ein Beweis, daß der für das Frühjahr(Mitte Februar) 1878 in Aussicht genommene Pferdemarkt zu den schönsten Hoff nungen berechtigt. Das Comité wird selbstverständlich nach wie vor bemüht sein, Käufer wie Verkäufer durch freundliches Entgegenkommen immer mehr heranzuziehen, und wenn unsere gesegnete Umgegend fortfährt, unser Unternehmen thalkräftig zu unterstützen, dann ist unser Markt für alle Zeiten gesichert und wird auf diese Weise nicht allein unserer Stadt, sondern auch der ganzen Pferde bedürftigen Umgegend von fortdauerndem Nutzen sein.
Darmstadt. Auch ein Bild unserer gegenwärtigen Verhältnisse gibt folgende wahre hier vorgekommene Be- gebenheit. Ein nahezu 60 jähriger Arbeiter verkaufte seinem Logierwirih seine Taschenuhr um 20 Mark, um— seine 23jährige Geliebte ehelichen zu können, welche er jedoch nach 5 Tagen bereits wieder verließ.
Griesheim. Die Molive, welche neulich einen hiesigen Einwohner zum Selbstmord durch Erhängen getrieben, find nunmehr bekannt. Der Betreffende, seit Frühjahr Wittwer, fühlie sich so allein stehend, daß ibn jenes Gefühl des Verlassenseins überkam, das schon Manchen in den Tod getrieben. Mit sester Hand schrieb der Unglückliche mit Kreide auf den Tisch, daß er in der Scheuer als Leiche zu finden sei. 5
Worms. Letzten Montag verkauften in Bürstadt zwei Schwindler einem Landmann einen Ballen Tuch um den Preis von bundert und einigen Mark. Erst nachdem sich dieselben unter dem Vorgeben großer Eile enisernt hatten, besab sich unser Landmann das Tuch und machte dabei die Enideckung daß der Inhalt des Ballens stalt aus Tuch
fast nur aus Lumpen bestand. Die von dem Vorgange benachrichtigte Gendarmerie telegrapbirte sofort nach allen Richtungen hin und in Folge dessen wurde das Schwindler⸗ paar auf dem hiesigen Bahnhofe kurz vor Abgang der Züge verhaftet.
Bornheim bei Alzey, 7. Nov. Heute Nacht wurde in dem hiesigen Babngeb aude eingebrochen und die Kasse des ganzen Inhaltes beraubt. Diesesmal war aber der Dieb der angeführte Theil, denn der ganze Baarvorrath, welcher sich in der kurz vor Tagesschluß enileerten Kasse vorfand, bestand in— 25 Pfennigen, an welchen der Dieb nicht schwer zu tragen batte.
Allerlei.
Plauen. Eine entsetzenerregende That ereignete sich hier. In einem Hause am sogenannten alten Teiche schoß ein seit Kurzem vom Militär entlessener junger Kaufmann mit einem sechsläufigen Revolver auf seine frühere Ge— liebte, welche sich während seiner Abwesenheit von hier mit einem Andern verlobt hatte, und verwundete dieselbe ober— halb des linken Auges lebensgefährlich. Mit einem zweiten Schusse durchbohrte er der auf den Knall gerbeiellenden Hauswirthin die Seite, ein dritter streifte die Multer des Mädchens an der Schulter, mit der vierten Kugel streckte sich der Mörder selbst zu Boden, so daß der Tod augen— blicklich erfolgte. Die beiden Schwergetroffenen schweben in Todesgefahr.
München. Der Schwurgerichtshof der Oberpfalz ver⸗ urtheilte am letzten Samstage den Bauern Joseph Hummel von Buxlohe, Bezirksamt Hemau, wegen Mordes seiner Ehefrau zum Tode. Derselbe halte sein Weib im heurigen Sommer am hellen Mitlage in der Scheune seines An—
wesens erschlagen.
Nürnberg. Im germanischen Museum schreiten die Arbeiten im Neubaue lüchtig fort, so daß in den dadurch gewonnenen Localisäten schon ein Theil der Sammlungen untergebracht worden ist. In dem herrlichen großen Saale, dessen reiche Ausschmückung von dem Verein der deulschen Slandesherrn übernommen wurde, hat die Waffensamm— lung— mit Ausnahme der artilleristischen Stücke, die ibr eigenes Local erhalten— Platz gefunden. Zu weiteren Erwerbungen für die Waffensammlung haben Fürst zu Hohenlohe-Waldenburg 200 M., Fürst zu Wied 500 M., Graf Rechberg-Rothenlöwen 100 M., Graf Kufste in 500 M. gespendet.
Kaschau. Wie von hier dem„Pest. L.“ berichtet wird, ist dort am 3. d., Nachmittags, die Pulvermühle Gum vierten Male seit zwanzig Jahren) in die Luft ge— flogen. Die Felder in der Nähe der Pulvermühle sind mit Trümmern bedeckt, fünf Arbeiter sind mit in die Luft geflogen. Das energische Eingreifen der Feuerwehr verhütete die Explosion der auch im Betrieb stehenden weiteren zwei Stampfen und Magazine.
Petersburg. Vom Ladoga-See wird anhaltende Kälte gemeldet, ebenso der Eintritt großer Eismassen in die Newa. Der Hafen von Kronstadt ist mit Eis bedeckt; wenn die Witterung anhält, steht der Schluß der Schiff— fahct sehr bald in Aussicht.
Aus alter Zeit.
Die Kriege wurden noch bis in die Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts mit barbarischer Grau— samkeit geführt. Statt Gefangene zu machen, hieb man alle Erwachsene ohne Gnade nieder, und das Eigenthum in Feindesland wurde ohne Unterschied vernichtet. Es gab besondere Brandcommissarien, welche das Anzünden der Oste besorgen mußten. — Albrecht von Brandenburg-Culmbach ließ nach
wüstet. daß der schwedische General Holk in seiner
*
1
ungefährer Berechnung über dreitausend niederbrennen, und man rechnet, daß bei falle der Schweden in Böhmen während des dreißig
verbrannt worden sind.— Der Nürnberger Wili⸗ bald Pirkheimer, welcher als Hauptmann unter Maximilian I. in Italien diente, erzählt folgenden Zug damaliger Barbarei:„Am Ende eines ab— gebrannten Fleckens traf ich zwei alte Frauen, welche einen Haufen von etwa 40 kleinen Knaben und Mädchen wie eine Heerde Schweine vor sich hertrieben. Alle waren von Hunger so abgezehrt, daß ihr Anblick Schrecken erregte. Ich fragte, wohin man diese Unglücklichen treibe,— das sollt ihr gleich sehen, war die Antwort. In demselben Augenblicke fielen die unglücklichen Kin— der auf einer nahen Wiese nieder, um ihren Hunger durch ausgerupftes Gras zu stillen, das ste be— gierig verschlangen. Ich erfuhr dabei, daß ihre Väter und Mütter getödtet und von allen Er— wachsenen nur diese beiden Frauen am Leben ge⸗ blieben, auch daß der Kinder noch einmal so viele gewesen seten, daß aber der Hunger seit 2 Tagen die Hälfte dahin gerafft habe, was ihnen allen in Kurzem bevorstehe.“— Nach dem Prager Frieden 1635 war Obersachsen so furchtbar ver—
Todesstunde im protestantischen Sachsen keinen Geistlichen dieses Glaubens finden konnte, obgleich er für Besorgung eines solchen sechshundert Reichs⸗ thaler versprochen hatte. In dem Städtchen Schindeberg bei Wittenberg hatten Pest, Hunger und das Schwert der Feinde während dieses Krieges dergestalt gewüthet, daß von den vier— hundert Familien, welche vor dem Kriege dort wohnten, in dem ebengenannten Jahre nur ein Mann und eine Frau übrig waren.— Zu der⸗ selben Zeit lag das Land so wüste, daß die herrenlosen Hunde sich in Schaaren sammelten, und, wie in Polen die Wölfe in harten Wintern zu thun pflegen, die einsamen Wanderer anfielen und auffraßen. Gleichwohl kostete fünfzehn Jahre
5 0 tschasten 5 Ein,
*
8 1
jährigen Krieges jede Nacht hundert Ortschaften
1
vor Ausbruch dieses schrecklichen Kriegs das Malter Korn nur zwei bis drei Thaler, ein Häring, damals weit seltener wie jetzt, nur drei bis vier Pfennige, und ein paar Schuhe sechs Groschen.
Herr Johann Maria Farina
gegenüber dem Jülichsplatz in Cöln hat uns den Debit des
allein ächten Cölnischen Wassers
übertragen und empfehlen wir dasselbe
per Glas zu M. 1,50, „ ½ Dutzend 0 „ Dutzend 9
Die Exped. d. Anz.
1 7 1* e Wohnungsveräuderung. 3385 Allen meinen geehrten Kunden zeige ich an, daß ich jetzt in meinem eigenen, früher Gerth'schen Haus (Eck der Metzger- und Usagasse) wohne. Zugleich empfehle mein reiches und auf's vollständigste mit den neuesten und feinsten
2 Hüten, Mützen und Filzwaaren aller Art ausstaffirte Lager in reeller Waare zu den möglichst billigsten Preisen. Achtungs voll Carl Schmidt II., Hutmacher.
Brave Mädchen,
3459 welche das Kleidermachen erlernen wollen, können sogleich in die Lehre treten bei Frau Elise Müller.
Das Flechten der Rohrstühle
3525 besorgt rasch und billig Friedberg.
J. Veith.
0 7 7
Wohnungs⸗Vermiethung. 3531 Der obere Stock meines Vorderhauses ist zu! vermiethen und kann bis den 1. Februar 1877 bezogen
werden. M. Sehrt.
Bei Carl Bindernagel in Friedberg ist vorräthig: Die im Großherzogthum Hessen dermalen gültige Jagd- strafgesetzgebung.
Nach amtlichen Quellen zusammengestellt 0 von A. Haller, Staatsanwaltsubstitut in Michelstadt. Preis: Mark 1. 25 Pf.
Ein Kochofen,
3616 von außen zu feuern, billig au verkaufen bei Jos. Hoffmann.
** e 7 Ein große Parthie Fässer, 3609 sowohl zu Bier-, als auch zu Branntweinfaß ge⸗ eignet, werden billig verkauft. Näheres zu erfragen bei der Exped. d. Anz.
Ein Logis, 3598 bestehend aus 4 Zimmern und allen Bequemlich— keiten, im unteren oder oberen Stock meines Hauses, habe ich zu vermiethen. Ph. Ritzel.
Eine Grube Mist g hat zu verkaufen W. Wind, Eisenbahnstraße.
3532
Einen Lehrling
sucht. Karl Reuß, Eisengießerei und mechanische Werkstätte.
bei Carl Bindernagel.
Winterhandschuhe
3429 und Stauchen in schöner Auswahl billigst bei K. Friedrich.
Vorzügliche
Alizarintinte,
(Schreib-& Copirtinte), aus einer der renommirtesten Fabriken in Fläschchen zu 60, 30 und 20 Pfennig,
Kaisertinte, (Schreib-& Copirtinte),
seit langer Zeit eingebürgert und beliebt in Fläschchen zu 52 und 26 Pfennig
werd


