Ausgabe 
7.12.1876
 
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Donnerslag den 7. Dezember.

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Oberhessischer Anzeiger.

Die Petitzeil wird mit 11 Pfennig berechnet.

Kreisblatt für den Artis Friedberg.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

Amtlicher Theil.

Aus dem Großherzoglichen Regierungsblatte ist zu publiciren: Nr. 48. Nichts. Nr. 49. Instruction zur Ausführung des Gesetzes vom 18. August 1871, die Zusammenlegung der Grundstücke, Theilbarkeit der Parcellen

und Feldwege⸗Anlagen betreffend. Friedberg am 3. December 1876.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg. Ter a p p.

Nachverzeichnete Gesetze ꝛc. sind im Bundesgesetzblatt des Deutschen Reiches publicirt worden:

Nr. 24.

Auslieferungs⸗Vertrag mit Luxemburg.

Seite 223. Nr. 25. Verordnung, betreffend die Wahlen zum Reichstag.

Seite 231.

Betreffend: Die Taubstummen⸗Statistik im Großherzogthum.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Ortsschulvorstände des Kreises.

Wir machen Sie auf die am Ende dieses Jahres zu erstattenden Berichte, ob sich bildungs und aufnahmefähige taubstumme Kinder in

Ihrer Gemeinde befinden, aufmerksam.

Friedberg den 2. December 1876.

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Deutsches Reich.

Darmstadt. Am 21. November wurde der Reallehramts-Arcesist Heddäus aus Gumbsheim zum Real-Lehrer in Alzey ernannt.

4. Dec. Vor dem Cassationshof wurde heute die Nichtigkeits⸗Beschwerde des staatlich ab; gesetzten altlutherischen Pfarrers Kraus von Rothen burg, der wegen unbefugter Ausübung eines geist⸗ lichen Amtes zu 200 M. Geldbuße verurtheilt worden, verhandelt. Der Vertheidiger des Be schuldigten vertrat gleich wie Kraus die Anstcht, daß durch dieses Erkenntniß jede Gewissensfreiheit vernichtet werde, während die Staats-Behörde hauptsächlich mit Rücksicht darauf, daß Kraus nicht aus der Landeskirche ausgetreten, Verwerfung der Nichtigkeits⸗Beschwerde beantragte. Die Ver- kündigung des Urtheils findet am 11. d. M. statt.

Der hiesige Handelsverein beschloß eine Eingabe an das Reichskanzleramt, worin dasselbe

ersucht wird, neue Emissionen derjenigen öster- langt von uns nur die Mitwirkung an der

reichischen Bahnen, welche anstatt in versprochener Reichswährung in österreichischem Silber zahlen, durch ein zu erlassendes Gesetz an den deutschen Börsen auszuschließen,

Lauterbach, 4. Dec. In einer gestern hier veranstalteten zahlreich besuchten Versammlung liberaler Männer des Wahlbezirks Alsfeld-Lauter- bach⸗Schotten wurde einstimmig beschlossen, den Wählern dieses Wahlbezirks den Landtags-Abge⸗ ordneten Wadsack zu Alsfeld zum Reichstags- Abgeordneten vorzuschlagen und mit allen gesetz · lichen Mitteln für dessen Wahl zu wirken. An einem günstigen Erfolg ist wohl nicht zu zweifeln.

Offenbach, 1. December. Abend veranstalteten, zahlreich besuchten Versamm lung der Gemeinde- Vertreter der evangelischen unirten Kirchen Gemeinde wurde der durch den Synodal⸗ und Landtags-Abgeordneten Dr. Weber eingebrachte und ausführlich motivirte Antrag auf Verstärkung des Latien⸗Elementes in den Decanats- Synoden und in der Landes Synode mit allen gegen eine Stimme angenommen und beschlossen, denselben dem Ober ⸗Consistorium, sowie der in den nächsten Tagen zusammentretenden Landes- Synode vorzulegen und als das einzige Mittel zur Wiederherstellung des Friedens in der evange⸗ lischen Kirche unseres Landes zur Annahme zu empfehlen. Diesem Antrag tritt die Vertretung der französisch-reformirten Gemeinde in Folge ein- stimmigen Beschlusses vom 24. Nov. bei.

Berlin, 5. Dec. Sitzung des Reichstages. Auf die Interpellation des Abgeordneten Richter über die Erhebung der russischen Eingangs Zölle in Gold antwortete Fürst Bismarck:Da der Vorredner das politische Gebiet berührt habe, so

übernehme er die Beantwortung der Interpellation. Er hätte fast Lust, den Interpellanten zu fragen, was hier auf wirthschaftlichem Gebiete zu thun wäre; er zweifle aber, daß der Vorredner im Stande wäre, einen Vorschlag zu machen. Er sei mit dem Interpellanten der Ansicht, daß Ruß land mit seiner Zoll-Politik auf einem Irrwege sei; er sei aber außer Stande, darauf einzuwirken, daß andere Wege eingeschlagen werden. Die Moti virung der Interpellation sei nicht geeignet, die handelspolitische Action der Regierung zu er⸗ leichtern. Mir ist diese Interpellation im höchsten Grade unbequem; sie schädigt meine bisherigen Bemühungen zur Erhaltung des Friedens. Man irrt, wenn man glaubt, Rußland verlange von uns augenblicklich große Gefälligkeiten. Das ist durchaus nicht der Fall. Rußland geht nicht auf große Eroberungen aus. Kaiser Alexander war uns stets ein treuer Bundesgenosse. Rußland ver⸗

In einer gestern

Con · ferenz zur Verbesserung der Stellung der Christen in der Türkei, wozu unser Kaiser und unsere Nation gern die Hand bieten. Unsere Unter- stützung dafür ist außer aller Frage; sie wird durch die Sympathie für unsere Glaubensgenossen und die Zwecke der Civilisation gerechtfertigt. Verläuft die Conferenz resultatlos, so ist ein kriegerisches Vorgehen Rußlands wahrscheinlich. Auch dazu verlangt Rußland unsere Hülfe nicht. Niemand wird aber verlangen, daß wir ein Veto dagegen einlegen, da es sich um Zwecke 1 die wir selber anstreben. Eine Vermischung der wirthschaftlichen und politischen Zwecke in diesem Punkte würde zu Ungeheuerlichkeiten führen. Es ist unmöglich, für die Zollsache politische Freund- schaft einzuhandeln, oder Feindschaft zu bereiten. Wollte die Interpellation; uns mit Rußland ent- zweien, wie man das schon früher wollte, so ist Das bedauerlich. So lange wir auf diesem Flecke stehen, wird es Ihnen nie gelingen, in unsere hundertjährige historisch begründete Freundschaft mit Rußland einen Riß zu bringen. Seien Sie überzeugt, daß das Drei⸗Kaiser-Bündniß noch vollkommen seinen Namen verdient und fortbesteht. Wir haben wie mit Rußland so mit England hundertjährige Freundschafts Beziehungen. Wir haben uns in der orientalischen Frage die Auf gabe gestellt, zwischen den Mächten zu vermitteln und soviel an uns ist, den Frieden zu erhalten. Wenn die jetzige Situation auch für uns keine Kriegsfrage enthält, so enthält sie doch die Auf forderung zu einer außerordentlich vorsichtigen Haltung. Wir müssen unsere guten Beziehungen

zu den Mächten erhalten können und nur aktiv eingreifen, wenn einer unserer Freunde durch eine

andere Macht gefährdet wäre. Unsere wohl- wollende Stellung zu allen Mächten ist von Allen anerkannt worden und wird, wie wir hoffen, dazu beitragen, den Krieg zu localisiren. Darauf sind alle unsere Bemühungen gerichtet. Wir glauben, daß es zu einer Verständigung über etwaige Differenzen zwischen Rußland und England kommen wird. Unsere Aufgabe ist also in erster Linie

Erhaltung des Friedens, in zweiter Linie Ver⸗

mittlung unter den Mächten zur Zerstreuung von Differenzen und zur Lokalisirung eines etwa un; vermeidlichen Krieges. Gelingt dies nicht, dann freilich entsteht eine neue Lage, über welche man combiniren, ich aber heute noch keine Auskunft geben kann. Der Bundeskommissär von Philipps- born glaubt Aussicht eröffnen zu können, daß den beregten Uebelständen durch ein Einverständniß mit der russischen Regierung abgeholfen werde; sollten die Unterhandlungen aber scheitern, so sei es gerathen, die Sache bis zur Beseitigung der jetzigen Krisis zu vertagen. Abg. Hänel verwahrt den Interpellanten gegen den Verdacht, der Regierung Verlegenheiten haben bereiten zu wollen, derselbe habe nur Aufschluß über die Stellung der Re- gierung gewünscht. Fürst Bismarck bedauert, diese Absicht nicht in der Interpellation wieder gefunden zu haben. Abg. Graf Bethusy⸗Hue wünscht ein Vertrauens- Votum für den Reichs- kanzler. Nachdem noch Windthorst und Bam berger gesprochen, schließt die Besprechung. Hierauf wird die Vorlage für das Brausteuer-Gesetz und der Niederlassungs Vertrag mit der Schweiz in erster und zweiter Lesung genehmigt und die elsaß-lothringischen Rechnungs-Uebersichten und Etate-Ueberschreitungen an die Commission ver⸗ wiesen.

Bremen, 2. Dec. Heute lief das dritte der von der kaiserlichen Admiralität hier in Auftrag

gegebenen Panzer-Kanonenboote vom Stapel und

erhielt den NamenBiene. DieWespe ist schon nach Wilhelmshaven abgeliefert, dieViper noch in der Panzerung begriffen; Nr. 4 ist schon ziemlich weit vorgeschritten, von Nr. 5 stehen erst die Spanten.

München. Die von einer Anzahl Blätter gebrachte Nachricht über eine Berathung im Kriegs- Ministerium wegen Mobilisirung der Armee ist vollständig unwahr.

Ausland. Oesterreich⸗UUngarn. Wien, 3. Dee. Die heutige Versammlung der Verfassungs-Partei hat mit Einstimmigkeit einen Antrag angenommen, wonach dieselbe unter vollständiger Offenhaltung ihres Votums über die anderen den Ausgleich mit