Ausgabe 
5.10.1876
 
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0 dem Beschlusse, die administrative Autonomie der

aufständischen Provinzen abzulehnen. Von unter- richteter Seite verlautet ferner über die Beschlüsse, daß es sich keineswegs um eine reine Ablehnung der von den Mächten vorgeschlagenen Friedens- Bedingungen handle; die hauptsächliche Differenz bestehe darin, daß die Pforte besonderes Gewicht darauf lege, die geplanten Reformen nicht blos in den aufständischen Provinzen, sondern im ganzen Reiche einzuführen. DerAgence Havas zufolge enthält die den Mächten ertheilte Antwort eine Darlegung der für das ganze Reich einzuführen⸗ den Reformen, durch welche die vollsländige Emancipation der christlichen Unterthanen herge⸗ stellt werde; ferner wird darin die Nutzlosigkeit der Verleihung der lokalen Autonomie an Bosnien, die Herzegowina und Bulgarien geltend gemacht, jedoch ohne daß eine formelle Weigerung ausgesprochen wird, und schließlich das Anerbieten einer Waffen- ruhe(nicht eines Waffenstillstandes) gemacht.

Montenegro. Cettinje, 2. October. Der britische Consul in Ragusa hat sich im Auf- trage seiner Regierung nach Cettinje begeben, um Montenegro zur Annahme der von den Mächten vorgeschlagenen Friedens-Bedingungen zu bestimmen; man nimmt in Ragusa an, daß Montenegro zum Friedensschluß geneigt sei.

Serbien. Belgrad, 30. Sept. Gestern Vormittag griffen die Türken von Gorny, Adropatz und Gredelin aus den General Horvatovie zwischen Schibowatz und Kaon an. Das Resultat ist noch unbekannt. Gleichzeitig griffen drei serbische Brigaden unter Dochtoroff die Türken bei Teschitza an. Ein Versuch der Türken, Munition nach Nisch zu bringen, ist von den Serben vereitelt worden.

1. Oct. DieInt. Telegr. Ag. meldet: Gestern wurden die Serben durch eine von Nisch aus erfolgte Verstärkung der Türken genöthigt, die am Morgen von Horvatovic eroberten Positionen wieder aufzugeben. Beide Theile haben ihre früheren Positionen wieder eingenommen. Gestern ist der Kampf von Neuem entbrannt. Bisher sind 22 Offiziere russischer Nationalität gefallen.

1. Oct.(Amtliche Meldung.) Gestern machten die Türken, aus ihren befestigten Stellungen ausfallend, mit 20,000 Mann und 40 Geschützen auf die serbische Armee bei Gredelin einen An- griff um deren Rückzugslinie abzuschneiden. Nach zwölfstündigem hartnäckigem Kampfe waren die Türken mit großen Verlusten vollständig zurückge⸗

schlagen. Die serbische Armee behauptete ihre Positionen auf den Höhen. Griechenland. Athen, 1. Oct. In

einer heute hier abgehaltenen Volksversammlung, bei welcher an 8000 Personen zugegen waren, legten die Redner, die unerträgliche Lage der griechischen Provinzen in der Türkei dar, und gaben ihtem Bedauern Ausdruck, daß die Mächte in ihrem Pacifications-Programm die berechtigten Interessen und Forderungen dieser Provinzen un beachtet gelassen und dadurch eine Ungleichheit zwischen den griechischen und slavischen Provinzen geschaffen hätten. Griechenland sei für seine, dem Wunsche der Mächte gemäß dem Frieden geleisteten Dienste durch Vergessen belohnt worden. Es müsse seine Vorbereitungen vervollständigen und sich für alle Ereignisse bereit halten. Diese Reden wurden mit allseitigem Beifalle aufgenommen. Ueber diese Versammlung, welche von vielen angesehenen Per sönlichkeiten besucht war, wird noch gemeldet, daß dieselbe den Mächten für die den türkischen Christen bewiesenen Sympathien Dank votirte und an die Regierung das Ersuchen richtete, Landmacht und Marine in den Stand zu setzen, um allen Even tualitäten begegnen zu können.

2. Oct. Die Deputirtenkammer ist heute durch den Minister-Präsidenten eröffnet worden. In der Eröffnungs- Rede ist der Orient Frage keiner Erwähnung geschehen. Der Proceß gegen Bulgaris ist wieder aufgenommen worden.

Rußland. Petersburg. In unterrichteten

schreiben des Kaisers Alexander an das diesseitige Ministerium keine Mittheilung erfolgt ist. Die Gerüchte über besondere Aufforderungen zu einem Congresse wie zu militärischem Einschreiten werden für Vermuthungen gehalten, die sich in das Ge⸗ wand des Wissens kleiden. Gewiß ist, daß jede Sendung, die von dem Kaiser Alexander dirett ausgeht, nur einen eminent die Herbeiführung des Friedens begünsligenden Charakter haben kann.

2. Oct. General Sumarokoff hat heute des Kaisers Antwort auf den Brief des Zars erhalten. Rußland hat mit Nord Amerika einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge Rußland 16 Monitors erhält und dafür an Nord⸗Amerika einen Hafen in Kamtschatka mit entsprechendem Land⸗Besitz abtritt.

China. Pecking. Die mit der letzten Ueberlandpost in Paris eingetroffenen chinesischen Blätter bringen die Nachricht von einer Massa⸗ crirung von Katholiken in Ning⸗Kuoh⸗Fu, in der Provinz Ngan-Hoey, woselbst ein fanatischer Man⸗ darin Namens Wu das Regiment führt, welcher dem Christenthum den Tod geschworen haben soll. Die Chinesen drangen in großen Massen in die katholische Kapelle ein, zwangen den Priester zum Niederknieen und verlangten von ihm die Ab- schwörung seiner Religion. Da er der Aufforder- ung nicht nachkam, tödteten sie ihn in grausamer Weise unter großen Qualen. Einen von ihm an- genommenen Knaben sollen sie buchstäblich in Stücke gerissen haben. Die Leiche eines verstor⸗ benen Priesters gruben sie aus, um sie dann unter allerlei Beschimpfungen zu verstümmeln. Eine An- zahl anwesender Laien wurden schwer verwundet. Der französische Gesandte in Pecking hat energische Schritte gethan, um die Bestrasung der Schuldigen zu erlangen, unter welchen sich eine Anzahl Beamte von Rang befindet. Jenen Schandthaten sind noch andere Excesse und Mordthaten gefolgt, auch wurden 40 Gebäude zerstört. Der Schaden an Eigenthum beläuft sich auf 60,000 Dollars.

Allerlei.

Frankfurt, 2. Oet. Am Samstag stieg am eisernen Steg eine alte Frau aus einer Droschke aus und stürzte sich in den Main. Zwei Schiffer zogen sie zwar heraus, aber kurz darauf gab sie doch ihren Geist auf.

Frankfurt, 3. Oct. Die Messer⸗Affairen nehmen hier ständig zu. Ein Schuhmacher⸗Geselle stach gestern Mittag in einem Wirthshause zu Rödelheim einem Mann, der ihn zur Ruhe mahnte, ein Messer in die Brust. Der Tod war die Folge. In der Fischer⸗Gasse mißhandelte ein Mann auf offener Straße seine Frau und beiden Kinder. Als ihm das von einigen Leuten untersagt wurde, zog er ein Messer, drang auf die Umstehenden ein und stach einem Metzger in den Arm. Vor dem Ober-Mainthor geriethen zwei Arbeiter in Streit, der ebenfalls mit einem Messer⸗ slich endete. Auch in Bockenheim stach ein Arbeiter einem anderen in einer Rauferei mit dem Messer in das linke Knie, während ihm von dem Widerpart eine ziemlich große Kopf⸗Wunde beigebracht wurde.

Wiesbaden, 3. Oct. Professor Adolph Stahr ißt heute Morgen gestorben.

Naumburg. Ein hiesiger Ziegeleibesitzer gerieih mit seinem Diensiknecht in heftigen Wortwechsel, in Folge dessen Letzterer sein Taschenmesser zieht und dasselbe dem Brod⸗ herrn dergestalt in den Unterleib stößt, daß es vollständig verschwindet und durch den Arzt herausgeholt werden muß. Der Unglückliche lebt zwar noch, man zweifelt aber an seinem Wiederaufkommen.

St. Johann. Vor wenigen Tagen schreibt die St. J. 3. langte auf dem hiesigen Bahnhofe aus Frankreich eine schwere Kiste an, welche behufs Revision nach dem Haupt⸗Zoll⸗Amt gebracht und dort einer näheren Besichtigung unterworfen wurde. Und was enthielt diese Kiste? Eine Unmasse von kleinen Medaillen, die auf der einen Seite die gekrönte Madonna und auf der anderen die Inschrist zeigten:Gnaden⸗Quelle zu Marpingen. 1876. Da es klar vorlag, daß mit diesen Medaillen, wie in Lourdes, ein unerlaubtes Experiment, bezw. ein Gaukel⸗Spiel be⸗ trieben werden sollie, so wurde der königl. Staats-Procu⸗ rator von der Sachlage benachrichtigt, der auch sogleich die weiteren Maßnahmen getroffen haben soll.

Berlin, 2. Oct. Nach längerem Leiden ist gestern Morgen Abgeordneter Ziegler gestorben.

Berlin. Eine der schönsten Ulmer Doggen, die die Berliner Hunde-Ausstellung aufzuweisen hat, hat der Opern. sänger Niemann für den ansehnlichen Preis von 6000 Mark an sich gebracht.

Reichenbach. In unserem Städtchen(in der Ober⸗ Lausitz) ist der Ausbruch einer Trichinen⸗Epidemie con⸗ statirt, deren räumliche Ausdehnung dadurch eine ungewöhn⸗

Kreisen verlautet, daß über das vom General Adjutanten Sumarokoff(nicht Suwaroff, wie es in der letzten Nummer des Anz. fälschlich hieß)

an den Kaiser Franz Joseph überbrachte Hand- menen Trichinen-Epidemien lassen die obligatorische Ein-

lich große sein dürfte, daß nachweislich der Bahnhof-Restau⸗ rateur, dessen eigene Familie an der Trichinose erkrankt ist,

trichinenhaltige Würsichen an durchreisende Fremde ver kauft hat. Die wiederholt in der Ober-Lausitz vorgekom⸗

J

erscheinen. In Görlitz, wo dieselbe besteht, sind seit 1. Juli bereits vier Fälle von Trichinen⸗Krankheit bei untersuchten Schweinen constatirt.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 2. Oct.(Viehmarkt.) Der heutige Markt war gut befahren. Angetrieben waren: 315 Ochsen, 254 Kühe und Rinder, 320 Kälber und 550 Hämmel. Die Preise stellten sich per Centner: Ochsen 1. Qual. M. 6568., 2. Qual M. 6064. Kühe und Rinder 1. Qual. M. 5658., 2. Qual. M. 4852. Kälber 1. Qual. M. 6062., 2. Qual. M. 5258. Hämmel 1. Qual. M. 5052., 2. Qual. M. 40 45. Schweine das Pfund 6568 Pf.

Frankfurt, 2. Oct. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 M. 40., Nr. 2 M. 36., Nr. 3 M. 32., Nr. 4 M. 28., Nr. 5 M. 22. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26., do. II.(Berliner Marke) M. 21., Weizen, hiesiger, M. 24.50, fremder je nach Qualität M. 1822., Korn M. 17.75 bis 18.25., Gerste M. 17.5019.., Hafer M. 16.50 bis 17.50. Kohlsamen M. 36., Erbsen M. 2124. Wicken M. 2123., Linsen M. 2130., Rüböl M. 77. Die Preise verstehen sich sämmtlich per 200 Pfd. Zollgewicht = 100 Kilo.

Mainz, 3. Oct. Producten-Markt. Waizen per Nov. 20.50, per März 21.35. Korn per Nov. 15.50, per März 16.20. Hafer per Nov. 16.40, per Mäcz 16.60. Rüböl per Oct. 38.50, per Mai 38.25.

Der Winter-Fahrplan der Main-Weser-Bahn ist jetzt im Druck erschienen und zeigt nur geringe Abänderungen. Die in Frage gewesenen Nachlzüge bleiben bestehen, und nur der Früh ⸗Local⸗Zug Franksurt⸗Marburg fällt aus. Die Tages⸗Schnellzüge halten zwischen Frankfurt⸗Marburg und in umgekehrter Richtung überall, außer Dortelweil, und befördern auf dieser Strecke im Loral⸗Verkehr zu Per⸗ sonenzugs-Preisen.

D. Frankfurt a. M., den 3. October 1876. Die gestrigen politischen Nachrichten, so ungünstig dieselben lauteien, wurden heute noch durch die unerwartete Meldung überboten, daß die Türkei die Friedensbedingungen abzu⸗ lehnen beschlossen habe und zum Aeußersten enischlossen sei. Es konnte nicht fehlen, daß die bereiis gestern eingetrezene gedrückte Stimmung sich hierdurch noch intensiver gestaltete und die Course einen weiteren Rückgang einschlugen. Die Wiederstandskraft, welche sich trotzdem auf manchen Werih⸗ gebieten verhältnißmäßig noch zeigte, muß wohl dem Um; stand zugeschrieben werden, daß ein großer Theil der Course durch den Reinigungsprozeß der Crisis schon so tief ge⸗ sunken ist, daß er eine erneute Reduction nicht gestattet, außerdem ist es die überwiegend reservirte Haltung der Speculation, welche größere Schwankungen nach unten verhütet. Obgleich heute in Folge des istaeltiischen Feier- tags die Börse weniger besucht war, erfreute sich das Ge⸗ schäft dennoch einer relativen Belebtheit. Gegen Schluß machte sich auf höhere Berliner Notirungen eine be⸗ ruhigtere Tendenz geltend und die Couise der Speculations⸗ papiere vermochten sich etwas zu erholen. Creditaclien bewegten sich zwischen 121½ 121/ 5⁵ und 122. Staalsbahnactien zwischen 229/228/½ 7229¼ ½ und 230 ¼. Lombarden nahe 63. Oesterr. Bahnen setzten ihre abwärtsgehende Bewegung weiter fort, Böhmen verloren fl. 4., Galizier fl. 3., Nordwest fl.. Von deutschen Bahnen Hess. Ludwigsbahn 2 matter. Deutsche Fonds fest. Neue Württemberger niedriger. Von ausländischen Staatsfonds Oesterr. Renten und Ungar. Schatzbons, letztere je 2% matter. Von Amerikanern 50% Consolidirte niedriger. Spanier 3/0% höher. Oesterr. Prioritäten und Anlehensloose schwächer. 1860er Loose 20%, Ungarische/ M. matier. Banken still und nachgebend. Oesterr. Nationalbank 15 fl. und Darmstädter 1/0% niedriger. Wechsel durchweg billiger, Wien M. 4.30.

Verloosungen.

Braunschweiger 20-Thlr.⸗Loose von 1868. Bei der am 30. September staltgehabten Prämien⸗Ziehung fielen auf solgende Nummern höhere Gewinne: 120,000 M. auf Ne. 15 der Serie 93583 15,000 M. auf Nr. 39 der Serie 48933 9000 M. auf Nr. 2 der Serie 7139 und 2400 M. auf Nr. 27 der Serie 561. Die Zahlung er⸗ folgt am 31. December.

Wien, 2. Oct. Bei der heutigen Ziehung der österr. reichischen Loose von 1854 fiel der Hauptgewinn von 40 000 fl. auf Serie 289 Nr. 23; 5000 fl. fielen auf S. 437 Nr. 16; 2000 fl. auf S. 864 Nr. 8, S. 3987 Nr. 50, S. 539 Nr. 39, S. 136 Nr. 6 und S. 287 Nr. 41.

Für die Abgebrannten in Brückenau gingen ferner ein: Von Frau Hilbrecht Ww. M. 2.. Einem düstern Bericht eninehmen wir solgende berzer⸗ greifende Stellen: Wer jetzt die Unglücksstälte betritt, den ergreift ein grauses Bangen. Die ganze Allstadt bietet ein Trümmerfeld, es ertönt keine Glocke, es schlägt keine Uhr, nur von dem auf dem höchsten Punkte der Stadt gelegenen Friedhofe hallt täglich mehrmals zur Angabe der Tageszeit das Tobtenglöcklein herab. Führwahr, ganz Brückenau ist eine Begräbnißstälte; begraben sind die Früchte jahrelangen, mühevollen Strebens, begraben sind die Hoffnungen vieler emsigen Familienväter und Gewerb⸗ treibender; wir stehen vor dem leeren Nichts, ein trauriger Gedanke, der sich auf den sorgenvollen Mienen der ttostlosen Abgebrannten lebhaft abspiegelt. Der Be⸗ richt schließt mit der Appellation an die Mildthäligkeit unsererdeutschen Brüder für das unglückliche Städilein.

Zur Empfangnahme weiterer Gaben ist gerne bereit Die Exped. des Oberh. Anzeigers.

führung der Fleisch⸗Schau als unabweislich nothwendig

geßel Htoß⸗ Reiskire Grüube Mücke Nieder- Burg⸗ 1 Ehtings gel-

Alsfeld

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