Dörfern des Großherzogthums 20 M. Gewerbe- Steuer entrichten. Gelangen ausschließlich ge— brauchte Gegenstände(Trödel-Waaren) zum Ver- kauf, so soll die Abgabe die Hälfte betragen. Soll das Gewerbe mit Gehülfen betrieben werden, so wird für jeden Gehülfen die Hälfte der ge— nannten Beträge zugesetzt.
— Vor einiger Zeit brachten eine Reihe von Abgeordneten bei der zweiten Kammer einen Ge⸗ setzentwurf ein, wonach für die althessischen Landes Theile, soweit dort für die bürgerliche Giltigkeit eines Verlöbnisses die sog. weinkäufliche Copu- lation erfordert wird, die betreffende Vorschrift aufgehoben werden sollte. Dem gegenüber brachte die Regierung eine Gesetz-Vorlage über die Ehe⸗ Verlöbnisse in den Provinzen Starkenburg und Oberhessen, welche im Wesentlichen vorschlägt, daß die Rechts- Giltigkeit eines Verlöbnisses von der Beobachtung einer Form- Vorschrift nicht abhängig sein soll; ferner, daß das Verlöbniß zu seiner Giltigkeit erfordern soll, daß diejenigen Personen einwilligen, deren Einwilligung es zur Eheschließ⸗ ung bedarf; weiter, daß nur Diejenigen sich gültig mit einander sollen verloben können, deren Ehe— schließung nach§. 33 Pos. 1—4 und 8. 34 des Reichs-Gesetzes vom 6. Febr. 1875 nicht verboten ist; endlich daß aus einem Verlöbniß auf Ein- gehung der Ehe nicht soll geklagt werden können, daß aber die bestehenden Vorschriften über die vermögensrechtlichen Folgen des Bruchs eines Verlöbnisses unberührt bleiben sollen. Namens des Gesetzgebungs-Ausschusses hat jetzt der Abg. Weber über diese Gesetz Entwürfe Bericht erstattet, und danach ist der Ausschuß im Wesentlichen für die Regierungs- Vorlage eingetreten.
Berlin, 31. October. Der Reichstag war heute, da der Namens-Aufruf nur 196 anwesende Mitglieder ergab, abermals nicht beschlußfähig.
— Gegenüber laut gewordenen Zweifeln hält die„Nordd. Allg. Ztg.“ ihre Mittheilung, daß das preußische Ministerium sich im Sinne der Nichtverlängerung der Eisenzölle entschieden habe, aufrecht und fügt noch hinzu, die Entscheidung sei eine definitive; für die Verlängerung der Eisen⸗ zölle sei gewiß auch im gegenwärtigen Reichstage keine Majorität zu finden.
Dresden. Das„Dresdner Journal“ meldet amtlich den Rücktritt des Ministers von Friesen unter dankbarer königlicher Anerkennung seiner großen und bleibenden Verdienste um das Land und das königliche Haus. Zum Finanzminister ist der bisherige Kreisbauptmann von Könneritz in Leipzig ernannt. Den Vorsitz im Gesammt⸗ ministerium hat der Kriegsminister von Fabrice, das Ministerium des Auswärtigen der Minister des Innern von Nostitz Wallwitz, das Ressort für Kunstsammlungen der Cultusminister von Gerber mit übernommen.
München. Ueber die Frage der Besetzung des Würzburger Bischofsstuhles theilt das ultra- montane„Straubinger Tagblatt“ mit, daß die „Ernennung“ des Karmeliter-Paters Ambrosius zum Bischof von Würzburg vom Ordens-General, ohne dessen Genehmigung der Karmeliter eine höhere geistliche Würde nicht annehmen dürfe, abgelehnt worden sei.„Man hätte aber vorher anfragen sollen“, bemerkt schließlich das genannte Blatt in hämischer Weise.
Augsburg. Wegen theilweisen Abdrucks der Arnim'schen Anklageschrift ist gegen die„Allg. Zig.“ Untersuchung eingeleitet worden, welche sich auf Art, 17 des Preß⸗Gesetzes und Art. 92 ͤ des Straf⸗Gesetzbuches gründet.
Karlsruhe, 31. Oct. Die General- Synode wurde heute geschlossen; der Großherzog empfing die Mitglieder derselben und zog ste nebst mehreren höheren Staatsbeamten zur Tafel.
Landwirthschaftliches und Gewerbliches.
Enisuselungs⸗ und Klärungspulver für alle Arten von Liqueuren. Dem Branntwein⸗ brenner Franz Platiner in Dittersdorf wurde auf nach⸗ siebendes Verfahren ein Patent in Bayern(1. Juni 1873) verliehen. Nachdem die Digestion mit den zum jederartigen Liqueur, als Früchte⸗Liqueur, Magen⸗, Persiko, Aqua vitae gehörigen Ingredienzen und gewöhnlichem Kartoffel- branniwein fertig und mit einem hinlänglichen Quantum von sog. Farinezucker versüßt ist, wird die abgesechte Flüssigkeit je auf 8 Liier mit 2 Loth chemisch reiner Stärke, 1 Lotb präparirtem Eiweiß in feinster Pulverform und 1 Loth Milchzucker vermengt, die ganze Masse der Flüssigkeit mehrere Male stark geschüttelt und hierauf 24 Stunden in einem Glase oder anderen Gesäße rubig siehen gelassen. Nach dieser Zeit klärt sich der so bereitete Liqueur hell, rein und auf das Schönste, bedarf keines Filtrums mehr, erhält einen eigenthümlichen Glanz und enfernt aus jedem des zur Digestion verwendeten ordi⸗ nären suselhalligen Branntweins aus Kartoffeln jede Spur von Fuselöl, so daß der auf diese Art bereitete Liqueur an Feinheit und Wohlgeschmack, die aus Frankreich und Holland eingeführten durch Destillation bereiteten Liqueure weit übertrifft.
Annähernde Bestimmung des Gewichtes schwerer eiserner Träger, nach Radwik. Um schwere eiserne Träger von gleichem Querschnitte, für welche eine genügende Waage nicht vorhanden ist, annähernd aber praklisch genau zu wiegen, mißt man an dem einen Ende des Trägers eine Länge von 1 Meter ab und bringt genau in der Mitte des übrigen Theiles eine geeignete Unterfützung an. Da dieser Theil im Gleichgewicht ist, so läßt sich durch directes Wiegen das Gewicht des 1 Meter langen Stückes und also auch das des ganzen Trägers leicht ermitteln. Versuche ergaben Differenzen bis höchstens 1 Procent.
Drahtziehen. In der Drahtzieherei glüht man dickere Drähte, bevor sie weiter ausgezogen werden, aus, 5 ihnen die nöthige Dehnbarkeit zu geben und reinigt sie sodann mit verdünnter Schweselsäure. Dabei kommt es häufig vor, daß die Drähte ganz brüchig werden; sie enthülten alsdann, wie D. Sevoz beobachlet, eine gewisse Menge eines brennbaren Gases(Kohlenoxid oder Wasser— foff 2) eingeschlossen, welches sich entwickelt, sobald man den Draht durchbricht und das Ende in Wasser taucht. Läßt man solche Drähte während 8 Tagen an der Luft liegen, so verlieren sie das eingeschlossene Gas und sind alsdann wieder dehnbar geworden.
Imprägniren der Sandsteine. Lewin impräg⸗ nirt' die Sandsteine aus seinen großen Steinbrüchen Saxonia in Neundorf bei Pirna mit einer Lösung von schwefelsaurer Thonerde und dann mit Wasserglaslösung; den imprägnirten Stein kann man poliren und ihm ein marmorähnliches Aussehen ertheilen. Er widersteht dem Feuer und der Luft und eignet sich vorzüglich für Wasser⸗ bauten. Für Treppenstufen wird er den unansehnlichen rohen Sandstein, wie auch durch seine Dauerhaftigkeit den Marmor ersetzen. Durch Behandeln des imprägnirlen Sand ⸗ sleines bei hohen Temperaturen erhält wer eine Art Ver⸗ glasung, welcher man jede beliebige Färbung ertheilen kann.
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b. Frankfurt a. M., 2. November. Nachdem sich im gestrigen Abendverkehr auf Deckungekäufe eine kleine Reprise geltend gemacht hatte, verkehrte die heulige Börse anfangs auf dem Niveau der Abendcourse in sehr reser⸗ virter Haliung in Erwartung von Nachrichten aus Con⸗ stantinopel. Als in der zweiten Börsenhälfte ein Telegramm der„Agence Havas“ bekannt wurde, nach welchem, Privat⸗ nachrichten zufolge, gestern Abend, nachdem die Pforte und Serbien zugestimmt, der Waffenstillstand abgeschlossen wor⸗ den sei, trat eine von höheren Pariser Notirungen ge— förderte Bewegung nach oben ein, und auch die Umsätze nahmen einen lebbafteren Charakter an. Gegen Schluß gaben indeß die Course der Speculationswerthe auf die Meldung des Hirsch'schen Büreau's, Deligrad wäre von den Türken eingenommen worden, wieder etwas nach. Credilactien bewegten sich zwischen 115—114½—117½ und 116. Staatsbabnactien zwischen 210—211½— 210½—214½ und 214½. Lombarden nahe 60. Oesterr. Bahnen wirren wenig verändert. Deutsche Bahnen be⸗— hauptet. Von ausländischen Fonds Oesterr. Renten und Ungarische Schatzbons etwas matter. Prioritäten und Loose ssill, 1860er und 186 Jer Loose niedriger. Banken
zeigten sich unbelebt, Reichsbank auf Divibendegerüchte
ca. 4% nachgehend, auch Darmstädter matter. Von Wechsein London und Paris etwas billiger anders kaum verändert.
Verloosungen.
Meininger 7fl.⸗Loose. Serien-Ziehung am 1. November: 728 1385 1491 1908 1982 2074 2166 2698 2799 3092 3828 4224 4472 4502 4789 5371 5497 5695 5823 5978 6114 6549 6762 7412 8065 8090 8094 8167 9739 9891.
Braunschweigische Thlr. 20⸗Loose von 1868. Bei der am 1. d. M. stattgefundenen Verloosung wurden folgende Serien gezogen: 65 95 637 759 874 919 1088 1207 1408 1687 1795 1838 1874 1958 2126 2397 2818 2842 3129 3203 3274 3766 3881 4139 4140 4240 4511 4606 5027 5210 5217 5330 5417 5429 5765 5820 5879 5882 6001 6247 6591 6804 6840 7038 7148 7281 7315 7390 7423 7512 7566 7612 7695 8040 8504 8537 8597 8784 8799 8999 9039 9369 9401 9601 9628 9870 9886 und 9966. Die Prämien-⸗Ziehung erfolgt am 1. December.
Wien, 2. Nov. Bel der heutigen Prämien⸗Zlehung der J86(ser Loose fiel der Haupt-Treffer auf Nr. 10 S. 13956, 50,000 fl. auf Nr. 11 S. 14362, 25,000 fl. auf Nr. 18 S. 16072, 10,000 fl. auf Nr. 18 S. 11531 und Nr. 4 S. 15062, je 5000 fl. auf Nr. 2 S. 400, Nr. 3 S. 4001, Nr. 8 S. 5332, Nr. 14 S. 5332, Nr. 15 S. 6163, Nr. 17 S. 6163, Nr. 2 S. 6261, Nr. 17 S. 6657, Nr. 17 S. 7226, Nr. 11 S. 7674, Nr. 14 S. 10233, Nr, 10 S. 11696, Nr. 13 S. 15851 und Nr. 15 S. 19792.
3534 Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung im Inseratentheile dieses Blattes, die vorzüglichen Wurzener Biscuits betreffend, wollen wir nicht unterlassen, auf nach; folgenden Arukel der„Dr. N.“ vom 20. Februar c. hin⸗ zuweisen: Seit einer Reihe von Jahren sind es fast ausschließlich englische Fabrikanten, welche durch ihr gleich⸗ mäßig gutes Fabrikat einen regelmäßigen Absatz für eng⸗ lische Biscuits auch in Deulschland finden, so daß für diesen Artikel heute noch ganz beträchtliche Summen fremd⸗ ländischer Industrie zufließen. Deutsche Industrielle haben es zwar versucht, dem Auslande auch auf diesem Gebiete zu begegnen, und wir freuen uns, daß sich deren Con curtenz auch in verschiedenen Gegenden fühlbar machte, müssen indessen doch lebhaft bedauern, daß uns bis dahin kein dergleichen Fabrikat bekannt geworden ist, welches mit dem englischen einen Vergleich auszuhalten vermochte. Erst in neuester Zeit hat es Herr F. Krietsch, Besitzer bedeutender Kunstmühlen und großer Bäckereien in Wurzen, dessen Fabrikate im In- und Auslande rühwlichst bekannt sind, unternommen, auch in der Biscuit⸗Fabrikation eng⸗ lischer Concurrenz die Spitze zu bieten, und ist es ihm, wie wir mit Genugthuung vernommen, auch gelungen, ein Gebäck herzustellen, welches nach unparteiischem Urtheil Sachverständiger zu unserer besonderen Freude ergeben bat, daß die Wurzener Biscuits sowohl in ihrem äußeren Aus⸗ sehen, als auch insbesondere an Gehalt und feinem reinen Wohlgeschmack die englischen noch übertreffen. Es stehl so außer Zweifel, daß das Unternehmen nicht nur die Auf⸗ merksamkeit aller betheiligten Kreise sehr bald auf sich ziehen, sondern auch vom günstigsten Erfolg bezüglich Ab⸗ satz seiner Fabrikale begleitet sein wird.
Bitte am Erntefest.
Die evang. Gemeinde Geinsheim am Rhein, welche durch die Ueberschwemmungen im Februar und März sowie am 18. Juni einen sehr großen Theil ihrer Winterfrucht sowie ihrer zweiten Aussaat verloren hat und in welcher der ärmere Theil der Einwohnerschaft be⸗ sonders schwer betroffen worden ist, richtet durch ihren Geistlichen und Bürgermeister an die hiesige evang. Ge⸗ meinde die Bitte, ihr am Erntefeste eine Unterstützung zu Theil werden zu lassen, damit Wintervorräthe angekauft und an die Armen vertheilt werden können. Wir, die Mitglieder des Kirchenvorstandes, bitten die Glieder unserer Gemeinde, der nothleidenden. Brüder und Schwestern am Rhein in Liebe zu gedenken, und sind bereit, Gaben der Liebe auch von Solchen, die unserer Gemeinde nicht an⸗ gehören, in Empfang zu nehmen und nach Geinsheim zu befördern.
Friedberg am 1. November 1876.
Baur. Curtman. Dr. Diegel. Gonder. Huber. Jöckel. Dr. Köhler. Meyer. C. Schmidt. J. Schmidt. Wahl.
Eingegangen sind: Von den Herren; A. Söllner 3 M., H. Gonder 2 M. Pfr. Meyer 1 M., Elis. Schmidt 50 Pf., K. B. 1 M. 50 Pf.
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Von
Einen Lehrling
sucht Karl Reuß, Eisengießerei und mechanische Werkstätte.
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G. Gröninger.
Brave Mädchen,
3459 welche das Kleidermachen erlernen wollen, können
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