— 31. Oct. Von der vereinigten Timok⸗ und Morawa ⸗Armee wird unterm 29. d. gemeldet: Gestern unternahm der Feind auf die Höhen von Diunis und Siljegowatz einen Sturm, der in- dessen von der serbischen Artillerie zurückgeschlagen wurde. Heute warf sich der Feind mit ganzer Kraft auf Horvatowitsch, der sich dadurch gezwungen sah, die Vertheidigungs⸗ Linie aufzugeben. Der selbe bat bei Gaglowa(bei Kruschewatz) eine neue Stellung eingenommen. Der Fürst ist dar⸗ aufhin am 30. Oct. zur Armee abgereist und der russische General-Consul Kartzoff hat vergangene Nacht 1 Uhr eine Depesche nach Livadia abge- sendet, worin er im Namen des Fürsten Milan bittet, daß entweder Ignatieff sofort den sechs ⸗ wöchentlichen Waffen- Stillstand erwirke, oder russiche Intervention eintrete.
Griechenland. Athen, 30. Oct. Der König von Griechenland ist auf der Nacht„Am- phitrite“ gestern früh 5 Uhr von Brindisi nach Korfu abgereist, während die Königin Olga gestern Abend von Kopenhagen aus die Rückreise nach Athen ange treten hat. Die Mitglieder der königlichen Familie gaben derselben bis Korsör das Geleite.
Rußland. Livadia. Ueber die militärischen Vorkehrungen Rußlands in der Krim wird der „Pol. Corr.“ berichtet: Die Stille, welche seit dem Krim⸗Kriege auf der traurischen Halbinsel herrschte, hat einer lange nicht dagewesenen Regsamkeit Platz gemacht. Die militärischen Vorkehrungen, die am Schwarzen und Azow'schen Meere getroffen werden, bringen Leben in die Gegend, Arbeit für die Massen und Geld unter alle Schichten der Be; völkerung. Vor Allem ziehen die militärischen Vorgänge in Sebastopol und Kertsch Jenikale die Aufmerksamkeit auf sich. Auf eine Wiedererstehung des alten Sebastopol scheint es keineswegs abge— sehen zu sein. Dagegen handelt es sich allem Anscheine nach, aus dieser See-Festung bald einen Stützpunkt für eventuelle Operationen im Süden zu machen. General Totleben weilt seit einigen Tagen in dieser Stadt, um die Befestigungs⸗ Arbeiten persönlich zu leiten. Gegenwärtig sind 3000 Arbeiter beschäftigt, und neue Zuzüge aus Orel werden erwartet. Man glaubt, daß bis zum 1. Januar 1877 die Redouten, Forts und Batterien vollkommen fertig sein dürften. Die Armirung der bereits vollendeten Werke hat be. gonnen. Am 15. Oct. trafen über Simferopol nicht weniger als 80 Geschütze schwersten Kalibers in Sebastopol ein. Munition wird aus Nikolajeff dahin geführt. Gleichzeitig wird die Position Kertsch⸗Jenikale besestigt. Schon im Jahre 1860 hat das Kriegs-Ministerium die Festung in Kertsch zu erweitern und jene in der Schwesterstadt Jenikale umzubauen begonnen. Jetzt bilden diese zwei sich eng aneinander schließenden Städte am Azow'schen Meere eine Reihe von Fortificationen, die man gleich hinter jene von Kronstandt classificirt.
Aus Stadt und Land.
2 Friedberg. Unsere Ackerbauschule soll in wenigen Tagen eröffnet werden und das Curatorium setzt seine ganze Energie ein, um möglichst rasch einen Ersatz für den verdienstvollen leider zu früh hingeschiedenen seitherigen Director Dr. Heuser zu finden. In landwirthschaftlichen Kreisen taucht die Ansicht auf, ob man nicht den Dirigenten der Ackerbauschule zu Alsfeld veranlassen könnte, mitsammt seinen Schülern, deren es in diesem Semester blos 7 sein sollen, hierher überzustedeln, um so zugleich eine Verschmelz ung der beiden Anstalten herbeizuführen. Gutem Ver⸗ nehmen nach soll es auch gelungen sein, Profsessor Thaer von Gießen für wöchentlich 2 Stunden zu gewinnen.
Friedberg. Es gereicht uns zu besonderer Freude, mitiheilen zu können, daß außer den bereits genannten Hessischen Firmen auch die Firma Trapp& Münch dahier auf der Weltausstellung in Philadelphia prämiirt wurde.
Darmstadt. Premier-Lieutenant Leidheker, welcher in diesem Sommer bei einem Officiers-Wettrennen den Arm brach, seit einigen Wochen aber wieder seinen Dienst versah, batte dieser Tage neuerdings das Unglück, bei einem Ritt in der Tanne zu stürzen. Das Pferd schleifte den Reiter noch eine Strecke und eilte dann in die Kaserne. Leidbeker wurde schwer verletzt in seine Wohnung verbracht.
Darmstadt. Der Wiederaufbau des abgebrannten Darmstäbler Hoftheaters ist nunmehr so weit gediehen, daß noch vor Eintritt des Winters das Gebäude unter Dach kommen wird. Bekanntlich wird der Neubau unter
Benützung des vom Brande verschont gebliebenen griechischen Portikus ausgeführt, so daß die äußeren Dimensionen im großen Ganzen dieselben bleiben.
Nieder-Ramstadt, 30. Qet. In der verflossenen Woche hörte ein biesiger Wirth Morgens früh lauie Hülfe⸗ rufe. Als er nach der Ursache derselben forschte, bemerke er einen alten geisteskranken Mann, welcher auf ein Dach geklettert war und nun um Hülfe rief. Ehe dieselbe ihm gebracht werden konnte, stürzie er indessen herunter, wo⸗ durch er sich tödtliche Verletzungen zuzog.
Mainz, 30. Oct. Als der Kölner Schnellzug gestern Nachmittag um 1 Uhr im hiesigen Bahnhof einlaufen wollte und derselbe bereits in die Nähe die„Stadt Cob⸗ lenz“ gekommen war, ertönte das Nolhsignal. Der Zug— führer gab sosort Contredampf und das Personal bremste, so daß der Zug schon am Uebergauge des Fischthores zum Steben gebracht werden konnte. Ein Rangirzug batte das Geleise, in welches der Schnellzug gelangen mußte, erst zur Hälfte passirt, und nur der Geistesgegenwart und dem enschlossenen Eingreifen des Personales des Schnell— zugs war es zu verdanken, daß einem namenlosen Unglück vorgebeugt wurde.
Mainz. Ueber den gräßlichen Mord im„Stein“ berichtet das hiesige„Tagblat!“ noch Folgendes: Als man den Mörder(Schreiner Koche) nach dem Tode des Mäd— chens frug, was er beginnen wolle, erklärte er mil fester Stimme:„Sie ist todt, laßt mich nun auch sterben.“ Gestern Vormittag fand die Obduction der Leiche der so gräßlich Hingemordeten(Lisette Freisinger aus Rotiweil) statt. Die Aerzte constautren nicht weniger als 35 Stich⸗ und Schnitt⸗-Wunden an dem Körper des Mädchens; das Herz, der Herzbeutel und die Leber waren durchschnitten.
Allerlei.
Frankfurl. In der Nacht vom letzten Samstag auf Sonntag brachte ein Nachtwächter einen badischen Tuchscheerer wegen Straßen-Unsugs zur Wache, damit dessen Personalien fesigestellt würden. Als Schutzmann Weber sich eben mit Fesistellung der Identität beschäftigte, zog plötz ich der Bursche ein Messer und stieß es ihm mit solcher Gewalt in den Kopf, daß die Klinge avbrach und ein Theil derselben stecken blieb. Darauf griff er nach einem im Wachtzimmer hängenden Säbel, doch noch ehe er Gebrauch davon machen konnte, war er überwältigt. Schutzmann Weber befindet sich in ärztlicher Behandlung.
Frankfurt. Die hohen Lebensmittel-Preise haben viele Familien bestimmt, ihr weibliches Dienstpersonal theils zu reduciren, theils gänzlich abzuschaffen, in Folge dessen das Angebot u die Nachfrage ziemlich übersteigt. Zu
einer gestern ausgeschriebenen Stelle meldeten sich im
Laufe des Vormittags 20 Mägde; die Löhne sind erheblich zurückgegangen. Die Dienst-Herrschaften sehen sich auch nicht mehr veranlaßt, den mittelalterlichen Mieth-Pfennig, den die dienstbaren Geister auf Anrathen der Verdinger auf 3 Mark hinaufgeschraubt, zu verabreichen, und man ist zum großen Theile da, wo man überhaupt diesen Pfennig reicht, zu einer Mark zurückgekehrt. Frankfurt. Der Franksurter„General-Anzeiger“ bringt folgenden Aufruf: Hausfrauen! Dem Markl-Wucher zu steuern, hilft weder raisoniren noch lamentiren, aber einträchtiges Handeln hilft, der Erfolg ist alsdann absolul! Nach billigem und rechtlichem Ermessen ist gegenwärtig der Butterpreis auf 1 Mark bis 1 Mark 20 Pf. sestzusetzen. Haltet fest daran, auf die Gefahr hin, einige Tage sich zu behelfen— es dauert keine acht Tage und der Wucher legt sich. Die Loosung rechtlicher Frauen sei:„Eine für
Alle!“ Frankfurter Frauen. Paris. Unsere Polizei fahndet eifrig auf gefälschten Wein. Dreihunderlfünfzig Fässer solchen mit Fuchsin ge⸗
färbien Weines sind bereits bei ihrer Ankunst aus der Provinz mit Beschlag belegt worden, und an zweitausend andere, die in den nächsten Tagen eintreffen sollen, sind der Behörde als verdächtig signalisirt. Der Wein wird von einer Commission der Ministerial-Abiheilung für Kunst⸗ Gewerbe untersucht und, wenn er sich als gesundheitsschäd— lich herausstellt, obne Weiteres in die Seine gegossen.
Moskau. Die luütherische St. Michaelskirche in Moskau hat am 22. d. M. ihr dreihundertjähriges Grün⸗ dungsfeft gefeiert. Von allen Enden Rußlands, wo nur evangelische Gemeinden bestehen, waren Abgeordnete ge— sandt worden, um an der Feier dieser ältesten aller luther⸗ ischen Kirchen in Rußland Theil zu nehmen.
Moskau, 31. Oct.(Proceß Strousberg.) Der Procurator begann sein Plaidoyer zur Begründung der Anklage und suchte nachzuweisen, daß Strdusberg wohl gewußt habe, daß er sich die von der Bank erhaltenen Gelder unrechtmäßig beschaffte.
Das Anwachsen Londons.
Der Jahresbericht der Londoner Polizei sür das Jahr 1875 enthält interessante Angaben über das Anwachsen Londons. Die Riesenstadt dehnt und streckt sich nach allen Richtungen hin. 10,023 neue Häuser wurden im Laufe des Jahres ge— baut, 169 neue Straßen und 4 öffentliche Plätze angelegt und der Bau von 3775 Häusern ange⸗ fangen. Ueber die Thätigkeit der Polizei berichtet der Commandant: 10,609 Personen wurden als abgängig angezeigt; davon wurden 5225 Kinder und 688 Erwachsene von der Polizei aufgefunden und den Ihrigen zurückgegeben, der Rest kam größten⸗ theils selbst wieder nach Hause, doch sind außer 700 Selbstmördern immer noch 102 Erwachsene und 7 Kinder verschollen geblieben. 72,606 Ver⸗ haftungen wurden vorgenommen, von denen
49,712 zu Verurtheilungen vor den Polizeigerichten und 2343 zu gerichtlichen Untersuchungen führten. Eine große Rolle spielen dabei die Fälle von Trunkenheit, die in ihren verschiedenen Kategorien nahezu 31,000 ausmachen und eine bedeutende
Zunahme zeigen. Nächst den Menschen wachen die Hunde der Polizei am meisten zu schaffen. 13,989 herrenlose Hunde wurden polizeilich auf gegriffen. Für 1736 stellten sich alsbald Herren ein, die übrigen 17,198 wurden in das große Londoner„Hunde-Heim“ verbracht in welchem herrenlosen Kötern, für die sich kein Käufer meldet, nach Ablauf einer gewissen Zeit ein trauriges Ende bevorsteht.
Bier und Hopfen
können nicht leicht getrennt von einander gedacht werden, obwohl diese Unzertrennlichkeit gerade von vielen Bierbrauern der Jetztzeit am wenigsten respectirt wird. Das Bier ist bekanntlich eine echt deutsche Erfindung. Die säuerliche Flüssigkeit, von welcher Tacitus erzählt, daß sie ein berauschen⸗ der Gerstentrank gewesen sei, ist wohl aus ge— gohrener Gerste erzeugt worden und läßt den Gedanken an unser Bier noch nicht aufkommen. Der⸗ artige Getränke scheinen erst zur Zeit der Völker ⸗ wanderderung aufgekommen zu sein. Der Gebrauch des Hopfens als vornehmlichster Würze des Bieres gehört jedenfalls einer noch späteren Zeit an. In Karls des Großen Kapitularien wird seiner noch mit keiner Silbe gedacht, obwohl Karl auf seinen Gütern überall Bier brauen ließ. Woher der Hopfen gekommen, ist nicht nachweisbar, eine Sage läßt ihn mit der Völkerwanderung in Europa auftreten. Die erste urkundliche Nachricht datirt vom Jahre 822, in welcher der Abt Adelard die Müller des Stiftes Corvey vom Hopfenbau befreit. Erst vom elften Jahrhundert ab scheint der Hopfen alle früheren Bierwürzen, wie Eichenrinde, Tamarisken, Kerzenbeeren u. dgl. allgemein verdrängt zu haben. Spät erst kam der Gebrauch des Hopfens nach England, das Ale war Jahrhunderte hindurch ungehopftes Bier. Noch im Jabre 1530 erließ König Heinrich der Achte ein strenges Verbot, Hopfen als Bierwürze zu benutzen, er nannte das eine Bierverfälschung und warf einen tiefen Groll auf die Niederländer, welche den Gebrauch einge⸗ führt hatten. Ueberhaupt soll dieser von den Nieperlanden ausgegangen sein, worauf auch die Sage vom Gambrinus hindeutet. Am längsten sträubten sich die Schweden gegen den Hopfenbau, selbst ein 1440 erlassenes Gebot, wonach jeder Landmann bei Strafe vierzig Stangen Hopfen ziehen sollte, fruchtete wenig; denn noch im Jahre 1525 bezahlten die Schweden den eingeführten Hopfen mit 1250 Schiffspfund Eisen, dem neunten Theile ihrer gesammten Ausfuhr. Aber Alles hat seine Zeit, sagt schon König Salomo. Auch der Hopfen hat seine Zeit, gehabt. Wo existiren heut noch Gesetze, welche den„Biersiedern“ vorschreiben, wie lange sie„das neu bier liegen lassen müßten, darmit den leuthen nit allerlei krankheiten zugezogen würden?“ Wenn heut zu Tage ein Chemiker zum Brauer käme, um ihm ein Geheimniß zu verkaufen, wie er Bier ohne Hopfen brauen könnte, so würde er wahrscheinlich ausgelacht werden, denn die Kunst versteht Mancher schon lange.
Handel und Verkehr.
Friedberg, 1. Nov. Waizen M. 24.25. Koen M. 19.—. Gerste M. 18.—. Hafer M. 15— 20. Kar⸗ toffeln M. 3.—. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo 200 Zollpfund. 5
Frankfurt, 30. Oct.(Viehmarkt.) Der beutige Markt war gut befahren. Angelrieben waren: 420 Ochsen, 305 Kübe und Rinder, 280 Kälber und 900 Hämmel. Die Preise stellten sich per Ceutner: Ochsen 1. Qual. M. 63—65., 2. Qual M. 58—60. Kühe und Ninder 1. Qual. M. 56—58., 2. Qual. M. 51—54. Kälber 1. Qual. M. 51—54., 2. Qual. M. 48—50. Hämmel 1. Qual. M. 54., 2. Qual. M. 51.
Frankfurt, 30. Oct. Fruchibericht. Mehl Nr. 1 M. 41., Nr. 2 M. 37., Nr. 3 M. 33., Nr. 4 M. 29., Nr. 5 M. 23. Roggenmehl%(Berliner Marke) M. 26., do. II.(Berliner Marke) M. 21., Weizen eff. bies. M. 24/3. fremder je nach Qualität M. 19—22., Korn M. 17.75 bis 18.25., Gerste M. 17.50 19., Hafer M. 17.5019. Kohlsamen M. 36., Erbsen M. 21—24., Wicken M. 20 bis 21., Linsen M. 21—30., Rüböl M. 78. Die Preise versteben sich sämmilich per 200 Pfd. Zollgewicht 100 Kilo.
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