in Ihrer letzten Session berathene Gesetz ihrem Abschlusse nahe gebracht ist, soll durch drei Ihnen zugehende Gesetzentwürfe weiter vervollständigt werden. Zwei dieser Ent⸗ würfe, nämlich eines Gesetzes über den Landsturm und eines Gesetzes über die militärische Controle der Beurlaubten, sind bereits in dem Reichs ⸗ Militär ⸗Gesetz verheißen. Der dritte soll die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden gleichmäßig und in einer den veränderten Verhältnissen entsprechenden Weise regeln. Die Steigerung der Lebensmittelpreise stellt in Be⸗ ziehung auf die Verpflegung des Heeres, und die Fortschritte der militärischen Technik stellen in Be⸗ ziehung auf die Ausrüstung und die Uebung des Heeres Anforderungen an die Militärverwaltungen, welchen mit der bisher für die Armee bewilligten Mitteln nicht entsprochen werden kann. Ueber die Höhe des hierdurch begründeten Mehrbedarfs und der durch Befriedigung desselben erforderlichen Steigerung der Matrikular- Beiträge sind Ihnen bereits in Ihrer letzten Session vorläufige Mit- theilungen gemacht worden. Sie werden aus dem Ihnen vorzulegenden Reichshaushaltsetat pro 1875 rsehen, daß eine Steigerung der Matrikular-Bei⸗ träge, wie sie damals in Aussicht genommen war, genügen wird, um den Mehrbedarf für das Heer, sowie die bei den anderen Verwaltungszweigen nothwendig gewordenen Ausgabe- Vermehrungen zu bestreiten. Nachdem der Umlauf des Papiergeldes durch ein in Ibrer letzten Sesston zu Stande ge⸗ kommenes Gesetz geregelt ist, bedarf es zum Ab- schluß der Gesesgebung über den Geldumlauf in Deutschland noch der gesetzlichen Regelung des Umlaufs von Banknoten. Die verbündeten Re- gierungen sind bei dem Ihnen vorzulegenden Ge— setzentwurse über diese wichtige Frage von dem Gesichtspunkte ausgegangen, daß bestehende Rechte nur soweit zu beschränken seien, als es das mit der Aufrechthaltung der Metall- Circulation ver- bundene öffentliche Interesse erheischt, und daß gleichzeitig Vorsorge zu treffen sei, um einer späteren, auf die Erfahrung über die Gestaltung des Gold- umlaufs fußenden Gesetzgebung den Weg anzu— bahnen. Die zur endgültigen Regelung der ver- fassungsmäßigen Rechnungslegung über die Ein⸗ nahmen des Reichs erforderlichen Gesetzentwürfe über die Verwaltung der Einnahmen und Aus- gaben des Reichs und über die Einrichtung und die Befugnisse des Rechnungshofes, welche in Ihrer letzten Session nicht erledigt werden konnten, werden Ihnen wiederum vorgelegt werden. Die Rech⸗ nungen über den Haushalt der Jahre 1867 bis 1871 werden Ihnen zur Entlastung und die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben des Reichs im Jahre 1873 wird Ihnen zur Bescklußfassung zugehen. Zum ersten Male wird Ihre Mitwirkung über die Feststellung des Haushaltsetats von Elsaß⸗ Lothringen in Anfpruch genommen werden. Der von Ihnen in Ihrer letzten Session gefaßte Be⸗ schluß übes den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung, hat dem Bundesrathe Veranlassung gegeben, die Aufstellung eines Gesetz⸗ entwurfs über die Einführung der obligatorischen Civilehe und die Beurkundung des Personenstandes anzuordnen. Die Reichs Postverwaltung ist von mir ermächtigt worden, eine Neugestaltung des internationalen Postverkehrs durch Verhandlungen mit allen auswärtigen Mächten anzustreben, und konnte nach kurzer Verhandlung in Bern ein Post⸗ vereinsvertrag unterzeichnet werden, welcher dem geistigen und dem geschäftlichen Verkehr der Völker untereinander eine bisher ungekannte Leichtigkeit und Ausdehnung verspricht. Unsere Beziehungen zu allen fremden Regierungen sind friedlich und wohlwollend, und in der bewährten Freundschaft, welche mich mit den Herrschern mächtiger Reiche verbindet, liegt eine Bürgschaft der Dauer des Friedens, für welche ich Ihr volles Vertrauen in Anspruch nehmen darf. Mir liegt jede Versuchung fern, die geeinte Macht des Reiches anders als zu dessen Verteidigung zu verwenden, vielmehr ist es gerade diese Macht, welche meine Regierung in den Stand setzt, ungerechten Verdächtigungen ihrer Politik gegenüber zu schweigen und gegen das
durch das Reichs⸗Militär⸗
erer
Uebelwollen oder die Partei-Leidenschaft, denen sie entspringen, erst dann Stellung zu nehmen, wenn dieselben zu Thaten übergehen sollten. Dann weiß ich, daß für die Rechte und die Ehre des Reiches jeder Zeit die gesammte Nation und ihre Fürsten mit mir einzutreten, bereit sein werden.
Berlin, 28. Oct. Graf Arnim ist heute
Mittag auf ärztliches Ansuchen aus der Haft mit der Beschränkung entlassen, daß er das deutsche Reich nicht verlassen dürfe. 28. Oct. Die Voruntersuchung gegen Arnim wurde gestern geschlossen. Eine Verdunkelung der Wahrheit ist für den Gang der Untersuchung demnach nicht mehr zu besorgen, weßhalb die Haftentlassung erfolgte. Dem Vernehmen nach beabsichligt Arnim zur Stärkung seiner Gesundheit nach Nizza zu gehen. Wie die Zeitungen melden, soll die von Arnim zu leistende Sicherheits- Caution 100,000 Thlr. betragen.
— 29. Oct. Das Obertribunal hat heute das Erkenntniß der unteren Instanz, welches die Freilassung des Bischofs von Trier aus der Haft anordnete, cassirt und die Sache zur anderweiten Entscheidung an die Unter-Instanz zurück verwiesen. Der„Berliner Actionär“ meldet: Die Klagen des Handelsstandes haben das Reichs- Eisenbahn⸗Amt veranlaßt, von den Einzel⸗Regier⸗ ungen Bericht zu fordern, inwieweit die Bahnen von der Tarif-Erhöhung Gebrauch gemacht haben.
Würzburg, 29. Octbr. Heute wurde der Prozeß Kullmann eröffnet(der Raum unseres Blattes gestattet uns leider nicht, die Verhand- lungen zu bringen. Wir werden das Endresultat jedoch mittheilen. Die Red)
— Die unbefugte Mittheilung der Anklage“ schrift ist trotz der strengsten Geheimhaltung Seitens der betheiligten Behörden durch einen Subaltern⸗ Beamten erfolgt. Derselbe wurde sofort entlassen und ist gegen ihn die Untersuchung eingeleitet.
Posen, 27. Oct. Der„Ognisko“ meldet: Graf Joseph Mielzynski auf Igno wurde wegen der Weigerung, die Kirchenbücher herauszugeben, durch den Bomster Landrath verhaftet und in das Schrodaer Gerichts-Gefängniß abgeführt.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Pest. Der Finanz minister Ghyezy wird demnächst eine Gesetzvorlage einbringen, welche einen Zuschlag von 5 Procent
zu sämmtlichen Steuern beantragt.
Frankreich. Paris, 26. Oct. Thiers ist gestern in Nizza eingetroffen und auf dem dortigen Bahnbof von einer nach Tausenden zählenden Menschen Menge mit den Rufen:„Es lebe Thiers! Es lebe die Republik! Es lebe Frankreich!“ begrüßt worden.
Großbritannien. London, 28. Oct. Die Kohlengruben- Arbeiter im westlichen Theil der Grasschaft Norkshire haben sich bereit erklärt, bis zur Entscheidung der Lohn Frage durch ein Schiedsgericht die Arbeit wieder aufzunehmen. 28. Oct. Nena Sahib ist noch nicht indentificirt.— Der Strike der Tapisserie⸗Arbriter in Kidderminster ist als beendigt anzusehen.
— 28. Oct. Gestern fand in der Paulskirche eine von mehreren hohen Geistlichen besuchte sym⸗ pathische Kirchen Feier sür die Altkatholiken statt. Meyrik von der Lincolnskirche empfahl die Wieder- Vereinigung der Anglikaner mit den von Döllinger vertretenen Altkatholiken, erklärte das Unfehlbar⸗ keits-Dogma für die größte moderne Irrlehre und forderte die Anwesenden auf, für den glücklichen Erfolg der altkatholischen Bewegung zu beten.
Spanien. Madriv, 28. October. Die „Agence Havas“ meldet: Don Alphons ist über den Ebro zurückgegangen und in Seo d'Urgel
angekommen. Die Militärbehörden von Barcelona
verhaften zahlreiche Intransigenten, welche mit ge⸗
fangenen Carlisten und Mitgliedern der Inter- nationale nach den Philippinen eingeschifft werden sollen.
Santander, 29. Oct. General, Laserna hat seine Demission gegeben und kehrt nach Madrid zurück. Der Nachfolger ist wahrschein⸗ lich General Moriones. Bei der Armee sind in der nächsten Zeit keine erheblichen Vorgänge zu erwarten.
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Türkei. Constantinopel. Der Brüsselet
„Nord“ bespricht die Vorgänge in Podgorleza
und bemerkt dazu: Zur Bemeisterung der an der montenegrinischen Grenze herrschenden Aufregung
und zur Vermeidung neuer Conflicte erscheine dringend geboten, daß die Türkei baldmöglichst dit Schuldigen bestrafe. Wie der„Nord“ erfahren haben will, wären die Vertreter mehrerer Groß⸗ mächte instruirt, bei der Pforte bezügliche Anträge
zu stellen. Skutari, 28. Oct. Die türkische Com⸗
mission zur Untersuchung der Vorfälle in Pod⸗ goricza hat daselbst mehrere Verhaftungen vor⸗ genommen. Die Pforte hat eine Verstärkung der dort stehenden Truppen behufs Aufrechterhaltung der Ruhe angeordnet.
Amerika. New⸗Nork, 29. Oct. Die Western⸗Brazil⸗Telegram⸗Company hat eine De⸗ pesche aus Montevideo erhalten, wonach die In⸗ surgenten das Kabel nach den Laplata⸗ Staaten zerslört haben. Bei dem Brande einer Baumwoll spinnerei in Over bei Winsford sind 9 Menschen umgekommen. 5
Aus Stadt und Land.
Ostheim. In dem Hofe des Schreinermeister Wetimer hier fleht ein Birnbaum trotz des schon kalten Wetters in vollständiger zweiter Blüthe.
Allerlei.
Marburg, 28. Oklober. Bis zum heutigen sind bei der hiesigen Univerfität im Ganzen 59 Studitende inscribirt. Davon studiren Theologie 7, Jurisprudenz 14, Medicin 15, Philologie 14, Pharmacie und Chemie 4 Zahnheilkunde und zur Ausbildung 5.
Mühlhausen, 28. Oet. Am tetzten Sonntag Abend hal der Zimmermann Edelmann auf dem von Belfort um 8 Uhr 15 Minuten hier eintreffenden Schnellzuge einen verwegenen Ritt gemacht. Derselbe konnte in Alikirch nicht mehr in den schon in Bewegung gesetzten Bahnzug aufgenommen werden, da besinnt er sich nicht lauge, springt auf einen der Puffer und macht so die Reise mit bis Mühlhausen. Uebrigens hat der kühne Mann von der Bahn verwaltung Strafe zu erwarten, daß er erstlich kein Billet gelöst hat, zweitens von einem unerlaubten Gegen⸗ stand Besitz ergriffen hat, der in keiner Weise zu Reiter⸗ diensten bestimmt ist.
Wien, 26. October. Gestern, Schlag 10 Uhr Vor⸗ mittags, trat der Lieutenant der Honved⸗Husaren, Feodor v. Zubovits, der sich anheischig machte, binnen 14 Tagen. von Wien nach Paris auf demselben Pferde zu reiten, seinen Riit vom Hofe der Central⸗Cavallerieschule aus an. Der Ritt soll in 14 Tagen vollendet sein, und es wird Herr v. Zubovits die Roule über Enns, Schärding, Ulm, Paß Kulebis(Schwarzwald), Kehl„Straßburg, Nanch, Viny, Fontenay und Vincennes nach Paris nehmen, wo⸗ selbst er an der Barridte du Trone vom österreichischen Botschafter erwartet wird. Das Pferd, welches zu dieser nicht gewöhnlichen Leistung(192 ögferreichische Meilen) ausersehen wurde, ist Eigenthum des Gutsbesitzers Herrn v. Bäuerle;„Cadaroc“ ist ein 16 Faust hoher Braun im Alter von 9—10 Jahren, wahrscheinlich importirtes eng⸗ lisches Halbblut, schon etwas stark gegangen, vielleicht im Training überarbeiset. Es werden Zweifel laut, ob der Reiter mit diesem Pferde seine Aufgabe glücklich werde lösen können; doch war Zuversicht. Das Pferd halte Pritsche, Wischzaum mil. Martingal und war vorne mit dem neuartigen Eisen mi Gummiunlertage beschlagen. graue, mil Tuch beschlagene Reithose, Blouse, Dolman und den Säbel an der Seile; vorne war ein Palelot, hinten ein Mantelsack aufgeschnallt.
umgehänglem
Eisen vahntranspor t Wesen. Wie offieiös mils getheilt wird, ist im ö schweizerischen Regierung belteffs der einheitliche Regelung des Eisenbahntransport⸗Wesens mit Befriedigung entgegengenommen und die eidgenössische Regierung auß⸗ gefordert worden, die sormulirten Vorschläge nach Berlisn gelangen zu lassen. Volkswirihschaftliche Miltheilungen (zusammengestell! von dem Friedberger Handels verein). Packet⸗Porto⸗Tarif. Ueber die wünschenswerthes Erweiterungen deoselven hielt am 4. Sepk. d. J. in der General-Versammlung des Allgem. Mecklenburg, Handels vereins Herr Dr. F. dessen Wirken für die Herbeiführung durchgreifender Re; formen auf dem Gebiete des Post- und Eisenbahntrans“ port⸗Wesens große Anerkennung verdient, dem wir nach der Berliner-Volkszeitung werden kann, ist, daß Packete über 10 Pfund nach ganz anderen Tarifnormen geschätzt werden wie unter 10 Pfund. Es schien uns von großer Wichligkeit, einen Versuch zu machen, ob die Vortbeile des neuen Tarises nicht auch auf die Packete von 10—20 Pfund auszudebnen seiem, Zugleich schien es uns sast nur eine Frage der finanziellen Thunlichkeit zu sein, den in Wegfall zu bringen und für die wie für die Briefe, nur einen einzigen Satz anzuwenden. Wir stellien daher dem Herrn
Packete, eben
Generab,
Herr Lieutenant Zudovils voll!
Sein Reiter trug Mütze,
am Saltell
Auswärtigen Amte die Denkschrift der
Perrot in Nostock
einen Vortrag, Folgendes ent nehmen: Ein Uebelstand, der von keiner Seite verkannt
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