Ausgabe 
30.4.1874
 
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1874.

Donnerstag den 30. April.

51.

berhessischer Anzeiger.

Die Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.

Kreisblatt für den Kreis Friedberg.

Erscheint jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag.

die Monate

Für

Mai

und Juni kann auf den

Obechessischen Anzeiger der Verlags-Expedition mit 20 kr., bei den Poststellen mit 32 kr. abonnirt werden.

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Amtlicher Theil.

Die Aufstellung der Kirchenvoranschläge für das Jabr 1875.

Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Kirchenvorstände des Kreises.

Unter Hinweisung auf den Artikel 15 der Verordnung vom 6. Juni 1832, die Verwaltung des Kirchen- Vermögens betreffend, tragen wir denjenigen von Ihnen, die alljährlich Voranschläge aufzustellen haben, auf diese sofort zu fertigen und an die betreffenden Dekanate abzusenden.

Pünktliche Befolgung der Instruktion für die Ausstellung der Voranschläge, sowie der Entschließungen zu den vorderen Voranschlägen, können wir warten und empfehlen Ihnen noch weiter, die einzelnen Ansätze in dem Berathungsprotokelle gedörig zu begründen und dasselbe vorschriftsmäßig abzuschließen. Mit Bezug auf die Bestimmungen im Artikel 20 der Verordnung, die Verwaltung des Kirchenvermögens betreffend, bemerken wir ebnen, daß in den Fällen, in welchem Zuschüsse aus den Gemeindekassen verlangt werden, diese Aufforderungen durch einen vollständigen speziellen luszug aus dem Berathungsprotokoll zum Voranschlag und durch eine Zusammenstellung sämmtlicher Einnahmen und Ausgaben zu begründen sind.

Trapp.

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1 Der Lehrer an der Ackerbauschule dahier, Herr Dr. Heuser, wird die, von dem landwirthschaftlichen Bezirks Verein Friedberg veranstaltete

Friedberg am 28. April 1874.

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N. D. Leeb. Sonntag den 3. Mai, Nachmittags, nach beendigtem Mittogsgottesdienst in Södel dem Saale des Gastwirths Schneider daselbst beginnen. 11 Vogel Die Mitglieder des landwirthschaftlichen Bezirke Vereins Friedberg wie sonstige Freunde der Landwirthschaft in Södel und den umliegenden be De e Gemeinden werden zu recht zahlreichem Besuche dieser landwirthschaftlichen Besprechung friundlichst eingeladen. r Libet Friedberg am 29. April 1874. Der Director des landwirthschaftl. Bezirks Vereins Friedberg: 3 Trapp. W entbect Agentt tir nate 455 Deutsches Reich. früheren Reichstage an. Das hervorragendste unter Ihrer Bei dem Reichstogsschlusse waren etwa

Darmstadt. Am 17. l. M. wurden der Andgerichtsassessor in Höchst, Wilhelm Hofmann, am Landgerichtsassessor in Gießen, der Land- Frichtsassessor in Vilbel, Victor Kösterus, zum Andgerichtsassessor in Seligenstadt, der Land- 1 5 krichtsassessor in Seligenstadt, Carl Beisler, zum Anndgerichtsassessor in Reinheim, der Ministerial

, Wiesbaden.

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ecrctär dritter Classe bei dem Ministertum der

ustiz, Dr. Carl Zimmermann, zum Landgerichts

l 2 iche sssessor in Höchst und der Gerichts- Accessist

Wirtbs Ir. August Scriba aus Alten-Buseck zum Land- Rädchen* krichtsassessor in Schlitz ernannt.

das Nähere Gießen, 23. April. Daß die bevorstehende

ue Justiz-Organisation auch für unsere Stadt

f nesentliche Folgen haben werde, war zwar be⸗

K Uf ant, indessen schwebte über den Einzelheiten doch 4 1 inmer noch einiges Dunkel. Jetzt erfährt man kolgendes: Mit Sicherheit ist anzunehmen, daß as Hofgericht als Appellhof der Provinz Ober- ssen in Wegfall kommt, daß aber unsere Stadt r Sitz eines größeren Collegialgerichts erster Instanz wahrscheinlich für die ganze Provinz für Civil- und Straf- Sachen werden wird, 117 zelches mehrere Abtheilungen unter besonderen Tirectoren für Civil- und Straf-Sachen haben auß, zugleich die Appell⸗ und Beschwerde-Instanz ir die Amtsgerichte bildet und aus welchem auch de Richter für den Schwurgerichtshof entnommen

t in verden sollen. Bei demselben wird eine Staats-

11 e walischaft bestellt werden, welcher ausgedehntere * besugnisse zugedacht sind; auch ist es die Absicht, ur Führung der Voruntersuchung bei Vergehen nd Verbrechen eine Anzahl von Untersuchungs- ittern aus den Mitgliedern dieses Collegialgerichts u bestellen. Diese Nachrichten basiren auf dem demaligen Stand der über die neuen Justizgesetze

stoflogenen Feststellungen, welche in der Haupt-

2 sihe kaum eine Aenderung erleiden werden.

. g Berlin, 26. April, Mittags 1 Uhr. Soeben der Reichstag durch den Kaiser mit folgender

41 2 Uronrede geschlossen worden:

OGechrie Herten! Die Sesston, an deren Abschluß Sie en, reiht sich durch die tiefgreifende Wich ügkeit ihrer Mogeberischen Ergebnlsse den bedeulsamsten Sesstonen der

Mitwirkung zu Stande gekommene Gesetz soll, nach den Absichten der verbündeten Regierungen, dem deutschen Hecte diejenige Organisation dauernd sichern, in welcher die Gewähr für den Schutz unseres Vaterlandes und für den Frieden Europas beruht. Um die Stetigkeit der Ent⸗ wickelung unserer Versassung sicher zu stellen und um für die Fortbildung unserer neugewonnenen nationalen Ein richtungen die Grundlage allseitigen Verständnisses zu ge winnen, haben die verbündeten Regierungen eingewilligt, die von ihnen vorgeschlagene und nach ihrer Ueberzeugung nothwendige definitive gesetzliche Regelung der Friedens stätke des Heeres der Zukunft vorzubebalten. Sie baden dieses Zugeständniß in der sesten Zuversicht machen können, es werde die regelmäßige Berathung des Militär-Etats und die forischreitende Entwickelung des Verfassungslebens dem Lande und den künftigen Reichstagen die Ueber zeugung gewähren, daß die Sicherstellung der nachhaltigen und gleichmäßigen Ausbildung der nationalen Wehrkeaft und die Herghellung einer gesetzlichen Unterlage für die jährlichen Budgetberashungen nothwendig sei, um dem deutschen Heere eine seiner Bedeutung für das Reich ent sprechende Festigkeit det Gestaltung zu sichern. Mit patrio licher Bereuwilligkeit haben Sie Ihre Mitwirkung geliehen zur Beselligung der in der Erfahrung hervorgetretenen Mängel der gesetzlichen Bestimmungen über die Versorgung der Invaliden des Reichsheeres und der Marine. Ich sage Ihnen meinen Dank für die Fürsorge, welche Sie von Neuem für die Interessen Derer bethätigten, die im Waffendienste für das Vaterland Kraft und Gesundheit geopfert haben. Die Regelung des Papiergeld-Umlaufs in Deulschland fand große Schwierigkeiten in dem von der Vergangenheit überkommenen Ergebniß einer vielge staltigen Entwickelung. Unter Ihrer Mitwirkung ist es gelungen, durch bundesfreundliche Ausgleichung der Ver schiedenheiten eine Regelung herbeizuführen, welche duich Herstellung eines einheitlichen Papiergeldes innerhalb der durch die Rücksichten strengster Vorsicht gebotenen Grenzen, sowie durch Beseitigung der mit der Natur des Landes papiergeldes verbundenen Hemmungen allen Verkehrs kreisen zur Befriedigung gereichen wird. Auch auf anderen Gebieten haben Sie im Vereine mit dem Bundesratde die Gesetzgebung und die Institutionen des Reiches weiter ausgebildet. Die Förderung und Unterstützung, welche die von mir in Gemeinschaft mit den verbündeten Regierungen besolgte Politik in Ihren letzten Beschlüssen gefunden hat, besestigen in mir die Ueberzeugung, daß das deutsche Vaterland unter dem Schutze der gemeinsamen Institu onen einer gedeihlichen Zukunft entgegengehe und daß Europa in der sorgsamen Pflege, welche die geistigen, sill lichen und materiellen Kräfte Deutschlands finden, ein Pfand des Friedens und der gesicherten Fortbildung seiner Cultur erblicken werde. Ich entlasse Sie, geehrte Herren, mit Dank gegen Gott, dessen Gnade mir gestaftet bat, nach ernster Krankheit Sie heute um mich zu versammeln.

150 Reichstags Mitglieder anwesend. In der Diplomatenloge befanden sich der französische und der österreichische Botschafter sowie mehrere Ge sandte. Die Bundes athsmitglieder unter Führung des Staatsministers Delbrück standen zur linken Seite des Thrones. Der Kaiser, von dem Kron⸗ prinzen und den Prinzen Karl, Friedrich Karl, Alexander, Georg und August von Württemberg gefolgt, wurde mit einem entbusiastischen Hoch be⸗ grüßt, das der Präsident des Reichstages aus- brachte. Bei Verlesung der Thronrede wurde der auf die Erhaltung des Friedens bezügliche Passue sehr beifällig aufgenommen. Ein von dem baprischen Minister Fäustle auf den Kaiser ausgebrachtes Hoch schloß die Feierlichkeit.

e 25. April. Die deutsche Reichspartei gab gestern Abend dem Fürsten Chlodwig Hobenlobe ein Festbanket imEnglischen Hause zur Feier seiner Ernennung zum Botschafter. Anwesend waren sämmtliche Glieder der Reichspartei, außer- dem Forckenbeck, Simson, Hänel, Bennigsen und Vertreter aller reichsfreundlichen Parteien. Hohen- lohe-Langenburg brachte ein Hoch auf den Kaiser aus, Dr. Friedenthal auf Fürst Chlodwig Hohen- lobe: das deutsche Voll werde hinter dem deutschen Bolschaster stehen, wenu es gelte, den Frieden für Europa, sowie die Sicherheit, die Freibeit, die Ehre und Würde Deutschlands zu erhalten. Fürst Chlodwig Hohenlode dankte mit einem Hoch auf den Reichstag. Lucius brachte ein Hoch auf die jetzigen und früheren Reichstags- Präsidenten, Dr. Simson auf die deutsche Reichspartei aus. Es herrschte eine sehr gehobene und patriotische Stimmung.

Das Bedeutsamsie an der Thronrede ist jedenfalls der Umstand, daß der nach langer Krankheit kaum genesene Monarch sie persönlich verlas. Hierin haben wir die wertbvollste und bedeutsamste Bekräftigung der Einigkeit zwischen Regierung und Reichstag zu erblicken, auf deren Spalten man Seitene der inneren und äußeren Feinde Deutschlands so große Hoffnungen ge- setzt hatte.