Ausgabe 
29.8.1874
 
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Wände, es kommt zum Erdbeben. Das Erdbeben nuß eine der grausigsten Naturerscheinungen sein: was man als das Solideste und einzig Vertrauens- würdige im Leben angesehen hat, das, worauf nan am festesten zu bauen gewohnt war, plötzlich unter den Füßen wanken zu fühlen, muß eine unbeschreibliche, gräßliche Empfindung sein. Und

B. 7 en der That schafft auch ein Erdbeben die aller ing 1 ingstlichsten Gemütber, und die Furcht vor seiner 0 dba in Wiederkehr ist bei den Betheiligten unbezwinglich. d sclen debe 1 Nichtsdestoweniger wird auch diese Furcht abge Ar ker Catia tumpft! das Volk von Neapel bat sich immer Ariclic* wieder mit Ansiedelungen in die Nähe des Vesuvs tic B. 0 zewagt, das blühende Terro del Greco, das Para eee nag vies Italiens, ist immer wieder neu erstanden und en vird auch jetzt wieder entstehen und in Lima 4 Hauptstadt Peru's) sind die Einwohner durch eee ie vieljährige Gewohnbeit so sehr gegen Erdbeben 5* aebgestumpft, daß nach Alexander v. Humboldt's een Zeugniß in Limaschwache Oscillationen(Schwank ungen) des Bodens kaum mehr Aufmerksamkeit Land. Tegen, als ein Hagelwetter in der gemäßigten W Zone! ** g Auch die Bewohner von Groß-Gerau(im e Broßberzogtdum Hessen) und Umgegend werden bre Angst allmälig abgestumpft haben, als sie 1 0 or Jahren so urplötzlich Mittelpunkt einer großen f geibe von Erdstößen wurden, die sonst nie in te& ern Deutschland vorgekommen waren. Der Sommer S889 brachte eine extravagante Ausdetnung und 1 Däufigkeit von Erdbeben: die Stöße drangen ja el Igar bis Berlin vor, und im Kaukasus war am en. August jenes Jahres in und um Schemacha ee in Erdbeben, das zu den hestigsten und zer- 0 bbrendsten Erschütterungen gezählt werden muß, iii je den Kaukasus heimgesucht haben. Die Erdbeben waren auch Tages gespräch geworden und es sehlte nicht an neuen Erklärungsversuchen. n Erst die ntuere Zeit hat exactere Beobachtungen 1.4 1 iber die Erdbeben angestellt und sorgsältigere l lußfzeichnungen veranstaltet; dadurch ist es gelungen, nanches Vorurtheil zu beseitigen und manche

jositive Aufklärung zu liefern. In den 50 Jahren on 1751 bis 1800 hat man 3654 Erdbeben lcobachtet und dabei nachgewiesen, daß der Mond, an man auch für diese Naturereignisse hat ver antwortlich machen wollen, ganz unschuldig dabei l, daß aber die Vertheilung der Wärme auf der Frde selbst nicht ohne Einfluß zu sein scheint. erey zeigte nämlich, daß auf je vier Erdbeben m Herbst und Winter nur drei im Frühjahr und Sommer kommen. Alexander v. Humboldt, dem 1

rir so unendlich viel Kenntnisse über diese Er heinungen verdanken, hält sie für constante, immer eschebende Vorkommnisse. Er erklärt den allge⸗ einen Volksglauben, wonachWindstille, drückende hitze, ein dunstiger Horizont immer Vorboten der erscheinung seien, für irrthümlich, vielmehr sei en Einfluß auf die Zustände der Atmosphäre nur

3 10 1 4, bre

N lei besonders heftigen Erschütterungen wahrnehmbar. pinie 1Durch den starken Erdstoß von Cumana(4. Nov. Ss 1799) fand ich zwar Abweichung und Intensität 4 0 n ter magnetischen Kraft unverändert, aber die 3 f 110 ung der Nadel war zu meinem Erstaunen um 48 * 1¹¹ Minuten gemindert... Während des langen Erd- nin zzterus des Bodens in den piemontesischen Thälern

ton Pelis und Cluffon wurden bei gewitterlosem Fimmel die größten Veränderungen in der elec tüschen Spannung des Luftkreises bemerkt... In

Quito und Peru sind bisweilen plötzliche Ver- änderungen der Witterungen, plötzliches Eintreten der Regenzeit zu einer unter den Tropen unge wöhnlichen Epoche auf große Erdbeben gefolgt... In den Gegenden des tropischen Amerika, wo bisweilen in zehn Monaten kein Tropfen Regen fällt, halten die Eingeborenen sich oft wieder holende Erdstöße(die den niedrigen Nohrhütten keine Gefahr bringen) für glückliche Vorboten der Fruchtbarkeit und der Regenmenge. Der innere Zusammenhang aller bier geschilderten Erschein- ungen ist noch in Dunkel gehüllt. So weit Altvater Humboldt.

Man hat gefunden, daß alle Erdbeben gewisse Erschütterungs Kreise beschreiben, gewisse Richt ungen einhalten, und hat dies auf folgende Normen zurückgeführt. Die Erschütterungen erfolgen ent, weder 1) stoßweise senkrecht von unten nach oben oder 2) wellensörmig borizontal oder 3) die Wellen kreuzen sich in allen Richtungen, endlich 4) es erfolgen Wellenbewegungen und zugleich senkrechte Stöße. Die letzte Kategorie ist die furchtbarste, zerstörendste, sie wirbelt Alles durch- einander, ein einziger Augenblick vernichtet Alles. Der Erdboden bekommt ellenlange Risse, aus denen Flammen oder Gas- und Wasserströme bervor brechen: das Meer tritt mit ungeheuren Wellen über und fegt ganze Städte mit sich fort. Wider standsfähiger zeigt sich felsiger Boden: die Erd- beben gehen selten quer durch ein Gebirg, hingegen folgen sie gern dem Laufe großer Flußthäler. Wo sie einmal gewesen sind, kehren sie häufig wieder, und die Richtung der Stöße bleibt dann oft durch Jahrhunderte genau dieselbe.

Eines der furchtoarsten Erdbeben der Neuzeit war jenes, welches am 1. Nov. 1755 Lissabon zer örte und 40,000 Menschen das Leben kostete! In Cadix erhob sich das Meer plötzlich zu 60 Fuß Höbe, und der enorm gestiegene Tajo fiel dann so stark, daß sein Bett stark trocken wurde. Es erbebte damals gleichzeitig ein Erdraum, welcher an Größe viermal die Oberfläche von Europa übertraf, welcher also fast ½2 der gesammten Erdoberfläche repräsentirte. Ferner, Quellen wurden in ihrem Lauf unterbrochen: die Teplitzer Thermen blieben sieben Minuten lang aus und kamen dann, Alles überschwemmend, roth und trübe, mit vielem Eisenocker gefärbt, zurück. Der Stoß wurde in den Alpen, an den schwedischen Küsten, in den annllischen Inseln, in den großen Seen von Canada und ebenso in Thüringen und im nörd lichen Flachlande von Deutschland empfunden. In den kleinen Antillen stieg die Fluth urplötzlich tintenschwarz 20 Fuß boch, während sie gewöönlich nur 26 bis 28 Zoll hoch anstieg. Nahe bei Lissabon sah man Flammen und eine Rauchsäule aus einer neugebildete Spalte des Felsens von Alvidras aufsteigen. Der Rauch war jedesmal um so dicker, als das unterirdische Getöse an Stärke zunahm. Das Elend spottete aller Be schreibung.

Andere bedeutende Erdbeben fanden statt: 1783, wo Calabrien und die Stadt Messina ver wüstet wurden: 1822, wo im syrischen Aleppo 20,000 Menschen zu Grunde gingen; endlich 1868, wo Mitte August die ganze Westküste von Südamerika(Peru, Chili) furchtbar mitgenommen wurde: man bekagte 30,000 Opfer und berechnete den Schaden auf 300 Millionen Dollar.

vielleicht auch etwas atmosphärische Luft.

So gewaltigen Wirkungen gegenüber ist es doppelt peinlich, halb unbekannten Ursachen gegen- überzustehen.Der Herd des Uebels, sagt Hum⸗ boldt,der Sitz der bewegenden Kraft liegt tief unter der Erdrinde; wie tief, wissen wir eben so wenig, als: welches die chemische Natur so hochgespannter Dämpfe sei... Warum hier und da, warum zu der und jener Zeit ein Erdbeben, ein vulkanischer Ausbruch erfolgt, ist noch nicht aufgeklärt. Die letzte Ursache ist ja, wie wir ausführlich gezeigt haben, ziemlich offenbar. Es wäre auch möglich, daß, wie neuerdings ein Dr. Schmidt will, sich in der Tiefe Knallgas bildet und entzündet; Metalle, Salze, Kohle, Schwefel, Wasser find ja unzweifelhaft vorhanden, Das Erdbeben wäre danach eine ausstrahlende Wirkung einer in der Tiese stattgebabten Knallgas-Explosion. Aber die Reihenfolge, das Auftreten, mit einem Worte: das Gesetz der Erscheinung ist damit noch lange nicht gefunden. Der Astronom Falb nahm eine Ebbe und Fluth des flüssigen Erdinnern an und berechnete aus den Schwankungen die Erd beben, aber seine Verhersagungen sind durchaus nicht eingetroffen.

Handel und Verkehr.

Das Post⸗DampfschiffLessing, Capt. Toosbuyf von der Adler⸗Lin ie, am 11. Augen von New⸗Mor abgegangen, ist nach einer Reise von 9 Tagen 22 Stunden am 21 d. Mts., 9 Uhr Abends, in Plymouth angekommen, und hat nach Landung der Vereinigten Staaten-Post und der für England bestimmten Passagtere, 1 Stunde spã ter die Reise via Cherbeurg nach Hamburg fortgesetzt. Dassel be überbringt: 99 Passagiere, 27 Briessäcke, volle Ladung und 50,000 Contanten.

Gießen. Unsere Viebmärkte erfreuen sich Dank der erweiterten Eisenbahnverbindungen einer steigenden Bedeut ung. Im vorigen Jahre wurden bier 16,288 Schweine und 16,184 Stück Rindvieh aufgetrieben.

Gießen, 26. August. Der heutige Viehmarkt war hinsichtlich seiner Frequenz zu den stärksten zu rechnen, welche je bier statifanden. Es war circa 1500 Stück Rindvieh und etwa 2000 Stück Schweine aufgetrieben, so daß man in Wahrheit sagen kann, die Gießer Vieh⸗ mäckle sind zu den sreguentesten im ganzen Lande zu zählen.

Frankfurt, 26. Auaust. Der heutige Heu- und Strobmarki war selbst in Qualität gut befahren. Leider läßt der Ausfall der Grummet-Ernte kein Sinken der Heupreise mebr erwarten, dagegen ist jetzt schon große Neigung zu böberen Preisen vorhanden. Heu kostele per Cir. 1 fl. 45 kr. bis 2 fl. 30 kr., Stroh per Centner 1 fl. 12 kr. bis 1 fl. 20 kr. Butter 1. Qual. 4546 kr., 2. Qual. 44 kr., Eier das Hundert 3 fl. 18 kr.

Frankfuct. 27. Aug. Fruchibericht. Mehl Nr. 1 25 fl., Nr. 2 23½ fl., Nr. 3 20 ½ fl., Nr. 4 17 fl., Nr. 5 15½½ fl., Roggenmebl%(Berliner Marke) 17 fl., do. II.(Berliner Marke) 12½ fl. Waizen effectzv biesiger 1312¾ fl. Korn 11½ fl., Gersie 11½12½½ fl., Hafer(73er) 12½ fl., Kohlsamen 16 fl., Erbsen 1317 fl., Wicken 11½ fl., Linsen 1721 fl., Rüböl 37 fl. Alle Preise verstehen sich auf 100 Kilo.

Mainz, 27. August. Productenmarkt. Waizen per August fl. kr., per Nov. 11 fl. 40 kr. Korn per August fl. kr., per Nov. 9 fl. Hafer per

August fl. kr., per Nov. 10 fl. kr. Rüdöl per Oel. 17 fl. 30 kr., per Mai 18 fl. 30 kr. Raps per Sept. 16 fl. 10 kr. Geld Cours. Frankfurt am 27. August 1874.

Pistolen: fl. 9 4042 Holländische fl. 10-Stücke. 9 4850 Ducaten c(8 1 5 384327 Ducaten al mareo. 5 3739 20-Frankenstücke.. 9 30½31½ Englische Sovereigns 1 11 5658 Russische Imperiales.. 9 5052 Dollars in Gold.. 0 8 228

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