Ausgabe 
26.2.1874
 
Einzelbild herunterladen

Nach einem Telegramm derElberf. Ztg. hat die preußische Regierung jetzt das Gesetz in Betreff der Internirung und Ausweisung reni⸗ tenter Geistlichen als Antrag in den Bundesrath eingebracht. Wie dasD. Wochenbl. vernimmt, ist die Regierung in der Gesammtheit ihres Vor- gebens auf dem kirchenpolitischen Gebiete darauf geführt worden, eine Aenderung in der Stellung der Geistlichen und Schulräthe eintreten zu lassen, da gerade von dieser Seite einer wirksamen Action vielfach große Hindernisse bereitet werden.

In Sachen der SchülerverbindungWahl- halla ist eine Verfügung des Cultusministeriums ergangen, welche der ferneren Theilnahme an dieser Verbindung ein Ziel setzt. Das Verbot beziebt sich darauf, daß die Theilnabme nur unter Voꝛaussetzung einer Ueberwachung durch die Diree⸗ toren und Lehrer der Schul- Anstalten stattfinde. Eine solche aber sei nur in unzureichender Weise geübt worden und könne jetzt, nachdem die Verbindung sich über ganz Deutschland verbreitet habe, thatsächlich nicht mehr eintreten; es müsse also die frühere Gestattung der Betheiligung zurück⸗ gezogen werden.

24. Febr. Der gestern von dem Abge-

ordneten Guerber und Genossen im Reichstage gestellte Antrag, betreffend Aufhebung der dis- cretionären Besugnisse des Oberpräsidenten von Elsaß-Lothringen, ist von 15 Ultramontanen und einem Polen unterstützt. 24. Febr. Das Abgeordnetenhaus hat beute die Herrenhaus-Beschlüsse über die Civilehe angenommen gegen die Stimmen des Centrums und der Polen.

Kiel. DerKieler Zeitung meldet: Vice Admiral Jachmann ist unter Verleihung des Adlerordens 1. Classe mit der gesetzlichen Pension zur Disposition gestellt.

Köln. DerKöln. Zeitung zufolge wird Professor Mommsen in Berlin bleiben. Derselbe ist nach Dresden gereist, um sich von dem säch sischen Cultusminister seiner Zusage für Leipzig entbinden zu lassen, und hat das Amt als Secre⸗ tär der Akademie der Wissenschaften in Berlin, wozu er gewählt ist, angenommen.

Ostrowo, 22. Febr. Heute ist die Be willigung zur Einrichtung einer besonderen Bet capelle für den Erzbischof Ledochowsky, seinem Zimmer gegenüber, eingegangen.

Kassel. Bis auf die Pfarrer Sand in Herrenbreitungen und Balhorn in Dreihausen, welche noch suspendirt bleiben, sind sämmtliche Renitenten jetzt definitiv abgesetzt. Neben Klöffler (Wolfhagen) hat sich noch Roux(Schnellrode) nachträglich unterworfen.

Kaiserslautern, 23. Febr. In der heu tigen Sitzung des Zuchtpolizeigerichts, in welcher die Sache der Eheleute Martin aus Kusel gegen den Speyerer Bischof(Anklage wegen Verläum- dung) zur Verhandlung stand, wurde von der Staatsanwaltschaft das Schuldig beantragt, das Urtheil von dem Gericht indeß auf den 3. März vertagt. Der Bischof war nicht erschienen.

Straßburg. DasElsässer Journal ent- hält eine Zuschrift des Abgeordneten Guerber aus Berlin, worin dieser im eigenen und im Namen von sechs anderen elsaß lothringischen Abgeord neten die Solidarität mit der Erklärung des Bischofs Räß in der Reichstagssitzung vom 10. d. ablehnt. Eine Anzahl hiesiger katholischer Ein- wohner fordert den Bischof auf, sein Mandat niederzulegen und verheißt eine fernere Agitation zu diesem Zwecke.

4 Ausland.

Schweiz. Bern. Die Regierung von Neuenburg hat der Berner Regierung in einer besonderen Zuschrift zugesichert, daß sie Seitens der auf ihr Gebiet geflüchteten Geistlichen aus dem Berner Jura keinerlei Agitationen dulden werde.

Da die Ruhe und Ordnung im Jura zurückgekehrt zu sein scheinen, beschloß die Regier⸗ ung, das noch dort befindliche Militär zurück- zuziehen.

Holland. Haag. Eine officielle Depesche

aus Aichin vom 16. d. meldet: Am 15, c. wurde

ein Angriff auf die Forts von Ketapandoewa ge⸗ macht und dieselben genommen. Der Erfolg kann als vollkommen bezeichnet werden, obwohl der Widerstand seitens der Eingeborenen ein heftiger war. Die Holländer verloren hierbei 6 Todte und 56 Verwundete, unter letzteren 7 Offiziere; die Verluste des Feindes sind beträchtlicher und werden auf 200 Todte geschätzt.

Frankreich Paris. Officiös wird aus Versailles gemeldet: Die Gerüchte von neuen Be- sprechungen, welche auf eine monarchische Restau ration und auf die Annahme der dreifarbigen Fahne abzielten, entbehren jeder Begründung. Auch die Nachricht desPopolo Romano, wonach der Cardinal Antonelli ein Circular er lassen hätte, in welchem alle Bischöfe aufgefordert würden, sich nach Rom zu begeben, wird dementirt.

Wie man weiß(schreibt dasBien public) ist die Veröffentlichung der Deerete zur Herstellung des großen Generalstabs vertagt worden. Einige Personen behaupten, daß man den Plan im Hinblick auf die lebhafte Opposition der Bureaux des Kriegs-Ministeriums ganz wieder aufgegeben habe. Andere sagen, daß die ursprünglich be zeichneten Personen durch andere ersetzt werden sollen.

Großbritannien. London, 23. Febr. Standard meldet: Der Friedensvertrag mit dem König der Atschantis ist unterzeichnet.

Der deutsche Boͤtschafter Graf Münster überreichte dem Earl Russell ein eigenhändiges Schreiben des deutschen Kaisers, in welchem er Russell und Murray für die warmen Sympathien Englands für Deutschland im Kampfe mit dem Ultramontanismus dankt. Es beißt, eine Depu tation britischer Protestanten werde in allernächster Zeit nach Berlin gehen und dem Kaiser für das an dem jüngst staltgefundenen Protestanten-Mee ting genommene Interesse zu danken und ihre Genugtbuung über das Reciprocitäts-Meeting in Berlin auszudrücken.

Spanien. Madrid, 21. Februar. Die Carlisten besetzten Vinaroz(Provinz Valencia) nach sechsstündigem Kampfe und nahmen die 200 Mann starke Garnison gefangen. Moriones befindet sich in Castro, seine Avantgarde steht in der Nähe von Somorrostro.

23. Febr. Von gut unterrichteter Seite wird gemeldet, die Carlisten hätten Portugalete wieder geräumt.

Griechenland. Athen, 22. Febr. Das neue Cabinet ist wie folgt gebildet: Bulgaris, Präsident und Inneres; Delyannis, Aeußeres; Valusopulo, Finanzen; Triedetta, Krieg; Zalonis Marine; Papamichailopuko, Justiz; Thycolopulos, Cultus.

Rußland. Moskau, 23. Februar. Der Kaiser von Oesterreich ist Abends hier eingetroffen und auf dem festlichst geschmückten Bahnhofe von den Spitzen der Behörden empfangen worden. Ganz Moskau ist beflaggt und auf's Glänzendste illuminirt.

Asien. Calcutta. Große Noth, wird derTimes von hicr telegraphirt, herrscht im ganzen Reisstriche zwischen den Flüssen Ghorga und Kosi, Napaul mit eingeschlossen. Das Volk wandert nach Süden. Sir R. Temple hat sich nach dem am meisten heimgesuchten Mudhubuni begeben. Der Vieekönig berichtet in seinem Wochen⸗ telegramme, daß mit Ausnahme von Nord Behar, fast überall sich die Lage des Volkes gebessect hat. Nahezu 150,000 Tonnen Reis sind nach den nothleidenden Districten geschickt worden und 213,000 Arbeiter sind bei den Nothbauten be schäftigt. Die in der Londoner City veranstal⸗ teten Sammlungen haben bis jetzt 18,000 Lstr. ergeben.

Nangasaki, 21. Febr. Unruhen im District Fipoo erregen Besorgnisse. Gerüchtweise verlautet, eine Insurgentenschaar habe Saga unweit Nanga saki genommen. Die hier lebenden Ausländer und die ausländischen Vertreter machen Anstalt, sich quf die Kriegsschiffe zu begeben. Die Regierungs-

partei ist schwach und machtlos.

Aus Stadt und Land.

Friedberg. Schon früher war an dieser Stelle vag einer Bahnlinie Friedberg Wetzlar die Rede. Ma zweifelte damals daran, daß überhaupt an eine solch Linie gedacht werde und bezeichnete die Hoffnungen au eine Fortsetzung der projectirten Linie Hanau Friede als eine zu sanguinische. Wie wir nunmehr aus guter Quel vernehmen, hat die Köln-Mindener Eisenbahngesellschah die Erlaubniß nachgesucht, Vorarbeiten zur Vermessun

einer Eisenbahn von Wetzlar nach Friedberg auf pes 100 Gebiete vornehmen zu dürsen, nachdem sie solche für dan 0

preuß. Gebiet bereits erhalten hat. Haben wir nur en die eine Linie Hanau Friebberg fertig, so bleiben d

anderen gewiß nicht aus und die Bahn Nidda Frith!

berg Homburg dürfte uns dann auch wohl eiwas nähg gerückt sein.

Bad⸗Nauhe im. Wie vor zwei Jahren, so wurh auch am 18. Februar d. J. das sonst seltene Fest eing goldenen Hochzeit dahier gefeiert, die des Bürgers un pensionirten Salinenarbeiters Georg Schnautz und seing Ehefrau Katharina Elisabethe geb. Lening. Nachmitlag um 2 Uhr begab sich Herr Metropolitan Pfarrer Münz in Begleitung des Herrn Bürgermeistecs Schutt in d Wohnung der Jubilare, wo sich bereits 4 Kinder und Enkel desselben eingefunden und das feiernde Paar u Glückwünschen und Geschenken erfreut hatten. Hier hül der Geistliche eine treffliche Ansprache und ertheilte det Paare nochmals den Segen. Seine Königliche Hohel unser allverehrter Großherzog, wie auch hiesige Stadt ließe dem Jubilare durch Herrn Bürgermeister Schutt nahm

Cegenaß deulenden alt en Ur

f 1 bemttke

Anand de

hafte Geldgeschenke zufließen. Auch von Großh. Salinen amt, den Mitgliedern der Salinen⸗Knappschaft und vielm Einwohnern unserer Stadt gingen Festgaben ein un Abends wurden dem Paare durch den Gesangverein Froh sinn und den Musikverein Ständchen gebracht. das würdige Paar noch längere Jahre eines gesund en

Lebens sich erfreuen und der Himmel es reichlich segnen

Das walte Gott.

Allerlei.

Frankfurt. DieFr. Ztg. bringt folgendes nei Jagostückchen. Eine Anzahl frankfurter Jäger, höchs, renommirt durch ihre Sicherheit im Schusse, begab siit vorige Woche auf die Saujagd nach dem Spessart. Nich weniger als 6 Stück kamen an, die Schüsse krachten, kein fiel und zwei Sauen waren darüber so erstaunt, daß si vor einem gewaltigen Jäger grunzend und glotzend stehe, blieben. Dieser war, obgleich noch beide Läufe gelabg, waren, darob so verdattert, daß er schrie: Helft! Schieß doch! Die Sauen hatten Mitleid und liefen daral grunzend weiter.

Mannheim, 19. Febr. Gestern Abend drang el biestget Maurermeister in die Wohnung des Baumeisteg Manchot in den Schwetzinger Gärten, wo er zwei Thüng mit einem Beil einschlug und dann mit demselben Manch selbst bedrohte. Dieser parirte den Streich, es entspam sich ein heftiges Ringen und inzwischen rief seine Fran Hülfe herbei, worauf der Thäter entsprang. In der Nacht wurde derselbe verhaftet; er soll geäußert haben, z wollte jemand um's Leben bringen, damit er in das Zuchl⸗ haus käme.

Pirmasens, 18. Februar. Gestern Nachts fürzhr plötzlich eine kleine Strecke des Fehrbacher Tunnels(aul der Fehrbacher Seite) ein, wodurch sieben Arbeiter, bi am äußerflen Ende arbeiteten, von der Außenwelt abge schninen wurden; doch gelang es nach mehrstündiger au gestrenglen Arbeit dieselben sämmtlich wohlbehalten wiel an's Tageslicht zu fördern. Zwei Rollwägen nnd mehren Strebebalken und Gerüste wurden zertrümmert.

Cöln. DieKöln. Zig. schreibt vom 19. Febr Eine hiesige Einwohnerin, deren Satte mit Beginn den Carnevals den häuslichen Penaten Lebewohl gesagt un am Morgen des Aschermittwochs noch nicht zurückgekehn war, hatte in Erfahrung gebracht, daß ihr liebenswürdige Eheherr während seiner Abwesenheit in verschiedenen fautationen als Muselmann gesehen worden, und zwa in Begleuung einer jungen, aber wenig gur beleumundele Schönen. Mit ihren Freundinnen, sechs Amazonen del Altenmacktes, legie sich deshalb die gekränkte Gattin an Morgen des Ascherminwochs zu früher Stunde auf Suchen und fand schließlich ihren ungetreuen Türken ul seiner Fasinachtoflamme in einem hiesigen Cafe. Si allein näherte sich dem nichts Böses ahnenden Paan Sobald aber der in seinen Paradiesesträumen Gefion seine bessere Hälfie erkannte, ftürzte er mit grimmige Geberde auf sie zu; allein da hatten ihn auch schon di zwölf Fäuste der Marktregentinnen erfaßt, und was solch zu leisten vermögen, das können sich unsere Leser wo selber vorstellen. In wenigen Minuten war von dein malerischen Costüm des Muselmann auch jede Spur bet schwunden, dagegen hatten die sechs Weiber dem vet gangenen Türken, als er aus ihren rächenden Händen be

freit wurde, eine neue Maske angelegt, die er wohl ein!

gute Zeit wird mit sich herumtragen müssen. Köln, 22. Febr.

Ende gemacht.

Für die arme Familie sind bei der Expedition d. An- weiter eingegangen: von Reallehrer Dr. Klein 1 fl., Stabs⸗ quartiermeister Ahl 1 fl., Trapp& Münch 1 fl. 45 kee Ungenannt 30 kr., Oberstlieutenant Ineger 1 fl., Ho gerichtsadvokat Seyd 1 fl., J. A. Nauheim 1 fl., Unge⸗ nannt 1 fl.

2 In einem Coupe des Berling Schnellzuges hat der K. Ztg. zufolge gestern Morgen!! eine junge Dame ihrem Neben, wie es heißt, zwische] Magdeburg und Berlin, durch einen Nevolverschuß en

kn. Ein bat und sert neuen Ven Banken eine belütb. Le und losler weise gesuc bahn, Rut kffcten wa Freiburger und Harze

f D Preußische Pistolen Holländisch Dutaten. Ducaten a 0 ⸗Franke Engllsche e 1 Kussische J Dollars in 12

Friedl u. Alle Prei

an Korn 121 lis 11 f Diden 10 berflehen f

1. Non n den Di 52 N 2

14 1 14