Ausgabe 
24.9.1874
 
Einzelbild herunterladen

Heidelberg, 18. Sept. Die von den Ultramontanen in Folge Ueberweisung an die Alt- katholiken aus der Heilig⸗Geistkirche entwendete Orgel ist gegenwärtig in Dilsberg und bereits mit Beschlag belegt. Die bei Seite geschaffte werthrolle Marienstatue, ein altes Besitzthum der Heilig-Geistkirche, wird in der Stadt gesucht.

20. Sept. Der Kirchenraub hat den Alt⸗ katholiken heute etwa 50 neue Beitrittserklärungen eingebracht. Sogar der Verleger des Pfälzer Boten batte energisch gegen Jacob Lindau gesprochen, daß man die Orgel ꝛc. nicht wegnehmen könne. Das großb. Ministerium des Innern hatte um- gehend Weisungen gegeben, der obrigkeitlichen An- ordnung Nachachtung zu verschaffen. Die Orgel wurde heute Nacht vom großh. Amtmann Clauß bierher zurückgebracht.

Thiengen, 19. Sept. In Folge Ueber- weisung der hiesigen Stadtkirche an die Altkatho⸗ liken wurde die dreitägige Frist statt zur Verein- barung über die gemeinsame Mitbenützung, zur Ausplünderung der Kirchengeräthschaften durch die Römlinge benützt.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Prag. Die Re⸗ gierung ist einverstanden, daß die Berathungen des böhmischen Landtags wegen massenhaften Ma⸗ terials bis Ende October erstreckt werden. In diesem Falle soll der Reichsrath Ende October eröffnet werden.

Pest, 20. Sept. Der Kaiser empfing Mit⸗ tags den spanischen Gesandten Del Mazo, nahm dessen Creditive entgegen und zog denselben zur Hoftafel.

Schweiz. Bern. Der Postcongreß fixirte die allgemeinen Unionstaxen folgendermaßen: ein Brief im Gewicht bis zu 15 Graum 25 Cen- times, Waarenmuster, Zeitungen und Drucksachen bis zu 50 Gramm 7 Centimes vorbehaltlich einer nach dem Maßstabe des Transites erhebbaren limi tirten Zuschlags⸗Taxe.

Olten. Die Delegirtenversammlung der liberal gesinnten Katholikenvereine genehmigte den vom Centralcomite ausgearbeiteten Verfassungsentwurf der christlich katholischen Kirche in der Schweiz mit unwesentlichen Aenderungen. Nach dem Ent⸗ wurf ist der Bischof verantwortlich und absetzbar.

Frankreich. Paris. Wie der officiöse Frangais anzeigt, sind die Freiheitsbäume, welche sich in vielen Städten, namentlich des Südens, seit 1870 und theilweise sogar seit 1848 erhalten haben und am 4. Sept. regelmäßig das Stelldichein regelmäßiger Kundgebungen gewesen sind, auf Befehl der Regierung allenthalben gefällt worden, ohne daß dieß irgendwo auf eine Schwierigkeit gestoßen wäre.

Figaro meldet: Daß Graf von Bardi, Vetter des Grafen Chambord, hier eingetroffen ist um in einer Mission Chambords an Don Carlos nach Spanien zu gehen.

Großbritannien. Bolton. Der elftägige Strike der hiesigen Baumwollspinner ist durch gegen. seitiges Uebereinkommen beendigt. Beide Theile unterwerfen sich der Entscheidung eines Schieds- gerichts. Die Wiederaufnahme der Arbeiten er- folgt sogleich.

Spanien. Madrid.Epoca meldet, Don Alfonso sei in Liria eingerückt. Der republicanische General Garxceira-Reina ist abgesetzt worden, weil er über den mit Villalain gehabten Kampf, in dem er geschlagen war, einen wahrheits widrigen Bericht erstattet hatte.

Die amtlicheGaceta veröffentlicht ein Decret, durch welches neue Bestimmungen über die Organisation der Armee festgesetzt werden, darunter eine solche, durch welche der Sold für die im Felde stehenden Militärpersonen erhöht wird.

Die Carlisten fahren fort, Eisenbahnen und Telegraphenleitungen zu zerstören. Moriones steht den Carlisten bei Candascal gegenüber und verhindert sie, den Ebro zu überschreiten.

Italien. Nom, 20. Sept. Heute Abend ist die Stadt zur Feier des Einzugs in Rom glänzend beleuchtet, besonders in Trastevere wird großer Lichteraufwand bemerkt. Ungeheure Men-

schenmassen durchwogen die Straßen und machen die Passage beschwerlich. Volksbankette und öffent⸗ liche Bälle lösen einander ab. Auf den Straßen spielen Musikbanden den Königsmarsch unter un⸗ geheurem Applaus. Heute Abend endete in mehreren Kirchen die Novem für dieschmerzbafte Gottes- mutter unter sehr spärlicher Betheiligung der Gläubigen. Keine Unordnung fand statt, keinerlei Provocationen gegen den Vatican erfolgten,

Turin, 20. Sept. Der König empfing heute den Fürsten von Serbien in privatem Empfange. Die Minister Minghetti und Visconti-Venosta sind hier eingetroffen.

Amerika. Newyork. Die Regierung hat den in Folge der englischen Reclamationen durch die anglo⸗amerikanische Commission festgesetzten Betrag in der Höhe von 2 Millionen gezahlt.

Die Regierung von Guatemala hat die für den mißhandelten britischen Consul Magee gefor- derte Entschädigung nunmehr erlegt und die brit sche Flagge feierlich salutiren lassen.

Aus Stadt und Land.

Nieder-Weisel, 24. Sepfember. Heute wird unsere Gemeinde ein gewiß seltenes Fest feiern, nämlich das Ju⸗ biläum des hiesigen Lehrers Georg Frees, der seit 50 Jahren in dieser Gemeinde thätig ist. Unsere herzlichen Glückwünsche dem Jubilar. Auf die Feier selbst werden wir noch zurückkommen.

Darmstadt, 21. Sept. Heute Nacht gegen 2 Uhr wurde in der Nähe des alten Kirchhoss ein von einer Lustbarkeit heimkehrendes Ehepaar von einer Bande von 310 Kerlen überfallen, zu Boden geworsen und Hand lungen versucht, welche auf die Absicht eines schweren Ver⸗ brechens schließen lassen. Auf das laute Hülfegeschrei der Ueberfallenen eilten einige beherzte Anwohner, freilich nur im Halb⸗Costüm herbei und verjagten die freche Rotte.

Darmstadt. Die Unions-Conferenz(welche die Wieder vereinigung der christlichen Kirchen erstrebt) die dieser Tage in Bonn unter dem Vorsitze Döllingers tagte, war auch von Hessen besucht nämlich von Professor Lutter⸗ beck aus Gießen(Altkatholik) und Pfarrer Kritzler von Fränkisch⸗Crumbach(Protestaut).

Bessungen, 21. Sept. Gestern Abend nach 9 Uhr brach in der früher Reil'schen Hofraithe in der Ludwigs straße im Mansardenlogis Feuer aus. Unserer wackeren Turnerfeuerwehr gelang es, bald den Brand zu löschen. Leider find den Bewohnern der Mansarde ihre Mobilien größtentheils verbrannt.

Mainz, 21. Sept. Vorgestern Abend kam die höchst betrübende Nachricht hierher, daß der 2. evang. Pfarrer, Herr Ludwig Bauer, zu Neustadt i. O., plötzlich, am Samstag Vormittag, 11½ Uhr verschieden sei. Herr Bauer hatte sich zur Herstellung seiner Gesundheit vor wenigen Tagen in den Odenwald begeben, wo er einige Wochen zu verweilen gedachte.

Castel, 21. Sept. Dahier ist in der verflossenen Nacht ein Sergeant vom 27. Art.-Regiment vom Fenster des 2. Stockes der Kaserne auf das Pflaster gestürzt und zerschmetterte sich den Hienschädel derart, daß an sein Aufkommen nicht mehr zu hoffen ist.

Allerlei.

Frankfurt. In dem an der Hanauer Landstraße belegenen Stall zweier Geflügelhändler wurden am Abend des 18. d. M. circa 60 Stück crepirtes Federvieh infolge polizeilicher Recherchen vorgefunden und dem Wasenmeister übergeben. Der größte Theil dieser Thiere, Hühner, Enten und Truthübner, war von Maden verzehrt. Etwa 100 Stück noch lebender Hühner, welche nur auf diese Maden als Fuiter angewiesen zu sein schienen, da weder Futter noch Wasser vorgefunden wurde, waren so verhungert, daß sie kaum aufrecht stehen konnten und ein klägliches Ge schrei ausstießen als man sich dem Stalle näherte. Dem Vernehmen nach ist eine Untersuchung eingelettei.

Frankfurt, 22. September. Gestern Abend fand auf dem Wallgraben ein Act der Rohheit von angetrunkenen 17jährigen Buben gegen Ifraeliten statt. Drei Bursche postirten sich nach Schluß des jüdischen Abendgottesdienstes auf dem Wollgraben und verhöhnen hier die in ihre Familien heimkehrenden Israeliten; ja, sie schritten in ihrem Uebermuth dazu, einem Mädchen, welches sich die Insulten nicht gefallen lassen mochte, auf den Backen zu schlagen. Nun war die Geduld verschiedener dort wohnender Christen, namentlich eines Bierbrauer meisters, aus. Es wurde alsbald an den drei Burschen Volksjustiz geübt und für deren Ablieferung auf die Polizei gesorgt. Diefelben sind des groben Unfugs in Verbind⸗ ung mit Mißhandlung angeklagt.

Elberfeld, 15. Sept. Auf dem hiesigen Civilstanbs⸗ amte erschienen heute zwei Brautpaare, welche zusammen ein Alter von 262 Jahren repräsentiren. Ein 72jähriger Bräutigam heirathete er war heute zum dritten Male Bräuligam eine 58jährige Jungfrau und ein 59jähriger Bräutigam reichte seine Hand einer 73jährigen Frau, welche bereits zweimal verwittwet war:

Karlsruhe. In einem Dorfe bei Freiburg kam der psychologisch merkwürdige Fall vor, daß zwei Kinder eines Müllers im Aller von vier und sechs Jahren sich zweimal Brandstiftung zu Schulden kommen ließen. Das erste Mal, im Juli d. J., zündeten sie die Mühle ihres Vaters an,

und vor Kurzem das Haus des Bürgermeisters, ber die obdachlose Familie müleidig aufgenommen hatte. Beibe Anwesen brannten bis auf den Grund mit Vorräthen, nieder. Aber auch einer der jungen Verbrecher, ein vier⸗ jähriger Knabe, ist mitverbrannt. Die Mutter desselben, welche erst kurz zuvor einen Fuß gebrochen batte, konnte nur mit großer Mübe aus den Flammen gerettet werden.

München. Vor längerer Zeit batte, wie seinerzelt berichtet wurde, ein Postgehülfe in Rosenheim ein Käst⸗ chen mit Pretiosen auf der Bahn entwendet und wurde deßhalb zu mehreren Jahren Gefängniß verurtheilt. Die Steine und übrigen Schmuckgegenstände wurden zu Ge⸗ richtshanden genommen. Trotz aller Bemühungen der Behörde, den rechtmäßigen Eigenthümer aufzufinden, ist dies nicht gelungen, und so blieben die Gegenstände, die einen Werth von circa 34,000 fl. darstellen, dem Gerichte. Die Kreisregierung von Oberbayern wird sie nun iy nächster Woche der öffentlichen Versteigerung unterstellen, und es werden voraussichtlich, da sich darunter Rosetten und sonstige Edelsteine, insbesondere ein Smaragd von besonderer Schönheit befinden, viele Kauflustige sich hiezu einstellen.

Berlin. Dieser Tage passirte eine Dame die Fried richsstraße nahe den Linden, als, wie Berliner Blätter erzählen, plotzlich ein Arbeitsbursche die Frechheit hatte, sich an ihrer Sammtmantille ein Streichholz anzureiben. Ein anftändig gekleideter Herr fürzte anscheinend auf den fliehenden Burschen zu, nahm sich jedoch vorerst die Frei, heit, an die Dame heranzutreien und dieser wieder die Sammtmantille glatt zu streichen. Diese war von dem Angriffe und dem Beistand des Mannes, welches Alles nur wenige Secunden in Anspruch nahm, so erschrocken, daß sie selbst keines Wortes mächtig war. Der Mann, der sich nach seiner Galanterie eifrig an die Verfolgung des Burschen machte, entschwand jedoch ebenso wie dieser den Augen der Dame und denen der angesammelten Menge. Die Dame fand aber nach ihrer ersten Bestürzung, daß ihre goldene Uhr von der Kette geschniten war. Bursche und Herr haben da gemeinsam einen ganz neuen Coup

ausgeführt. London. Einen guten Fang hat das an der Norbd⸗ westküste Madagascars kreuzende englische Kriegsschiff

Vulture am 11. August gemacht. Es wurde nämlich auf ein Sclavenschiff Jagd gemacht, dasselbe geentert und dann das Erlösungswerk vollzogen. Nicht weniger als 41 Männer, 58 Frauenzimmer und 137 Kinder wurden befreit. Die Sclaven litten ungemein von Schwäche und Krampf, da sie sein langer Zeit ihre Stellung nicht hatten wechseln können. Drei und vier Tage dauerte es bei vielen Kindern, ehe sie nach ihrer Befreiung ihre Glied⸗ maßen frei wieder bewegen konnten. Der Capitän des britischen Schiffes, Herr A. T. Broocke, nahm die Besitzer der Sclavenladung, fünfunddreißig Araber nach Zanzibar, mit, um sie dort verurtheilen zu lassen. Während der Ueberfahrt sind siebzehn von den befreiten Sclaven in Folge von Schwäche und an Dyssenterie gestorden. Das ist der bedeutendste Fang, der seit langer Zeit gemacht worden ist. b

Randazzo, 16. Sept. Professor Silvestri berichtet, daß eine ungefähr Kilometer lange Querspalte sich auf der rechten Seite des Aeina gezeigt hat. Zwanzig neue Krater haben sich in einer langen Linie gebildet; der erste, welcher sich öffnete, dildet einen 25 Meter hohen Kegel. Silvestri äußert die Ansicht, daß die Kraft der Eruption gegenwärlg erschöpft sei, und daß böchstens noch einige Erdstöße gefühlt werden würden.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 23. Sept. Waizen 13 fl. kr.; Korn 10 fl. 50 kr.; Gerste 11 fl. 15 kr.; Hafer 9 fl. 30 kr. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.

Frankfurt, 22. Sept. Der heutige Viehmarkt war zwar gut befahren, das Geschäft ging aber flau. Ange⸗ trieben waren: 400 Ochsen, 210 Kühe, 220 Kälber und 180 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 42 fl., 2. Qual. 38 fl., Kühe 1. Qual. 35 fl., 2. Qual. 32-30 fl., Kälber 34 fl., Hämmel 35 fl. per Cir.

Marnz, 22. Sept. Productenmarkt. Waizen per Nov. 12 fl. 15 kr., per März 12 fl. 12 kr., per Mai 12 fl. 12 kr., Korn per Nov. 8 fl. 45 kr., per März 9 fl. 45 kr., per Mai 9 fl. 45 kr. Hafer per Nov. 10 fl. 24 kr., per März 10 fl. 30 kr. Rüböl per Oel. 17 fl. 12 kr., per Mai 18 fl. 40 kr. Raps per Sept. 16 fl. 24 kr.

Das der Deulschen Transatlantischen Dampfschifffahrts⸗ Gesellschaft(Adler⸗Linie) in Hamburg gehörende Pofl⸗ DampsschiffGoethe, Capiiäan Wilson, welches am 3. September von hier abgegangen, ist nach einer sehr schnellen Reise von total 11 Tagen 10 Stunden(von der Elbe ab gerechnet) am 15. September 5 Uhr Morgens wohlbehalten in New⸗PYork angekommen.

Das der Deutschen Transatlantischen Dampfschifffahris⸗ Gesellschaft(Adler⸗Linie) in Hamburg gehörende Post⸗ DampsschiffLessing, Capitän Toosbuy, trat am 17. Sepiember seine dritte diesjährige Reise mit 387 Passagieren worunter 87 Cajüls⸗Passagiere sowie mit Post und Ladung von Hamburg direkt ohne Zwischen⸗ häfen anzulaufen nach New⸗York an.

D. Frankfurt a. M., 22. Sepiember. Im heutigen Verkehr war Realisationslust entschieden vorherrschend. Die hiesige Speculation ist augenscheinlich bestrebt, sich zu ent⸗ laften und zog es deßhalb vor den besten einlaufenden auswärtigen Notirungen eine etwas reservirte Haltung entgegen zu setzen. Das Geschäft war der eben geschilder? ten Disposition der Börse enisprechend ruhig. Auf den

Jing nicht Aligationen sillgen Zinsc

1 den noch nicht

dettag auch 1875 ab bor penn bei de Gupons feble derselbe um ausmachen. Eichlotz

Jr Spur. 02 Die hi der Kütze sich helannten Glä det solche, Jahren eine pfangen ba inerhalb 8 W bea Plätter alla um in Ansprüche uchr berücksich Lich, 9. Fin Aep 1 Monta da l. J. sollen ze Hundert zustigert wer Die Verst di ersz Abt otgenammen snäcst der e 5 Der Ana i sog. vie Aunsag dar ie zwei dean eigert ur legen al zuf hiesiger ger due zu best ssenbahn) 0

riedbe