Fürst Bismarck seinen Abschied wirklich gefordert dat. Der Kaiser hatte in Folge dessen gestern Nachmittag eine langere Conferenz mit dem Fürsten Bismarck. Heute Nachmittag fand im kaiserlichen Palais ein Ministerconseil statt, welchem der Kaiser präsidirte und bei welchem auch der Kron- prinz anwesend war. Die„National-Zeitung“ sagt, daß nach dem Resultat der Berathungen des Staatsministeriums und des beim Kaiser stattge- habten Conseils die Krisis beseitigt sei und Fürst Bismarck an der Spitze der Geschäfte bleibt. Das Blatt fügt hinzu, der Rücktritt des Justizministers werde ebenfalls nicht stattfinden.
— Es gehen eigenthümliche Gerüchte über das Ertlassungsgesuch Bis marck's. Es wird mit großer Hartnäckigkeit bebauptet, daß die von Arnim „bei Seite geschafften“ Papiere sich im Besitze einer sehr hochgestellten Person bei Hofe befinden, die seit langer Hand als die Seele aller gegen Bismarck ge⸗ richteten Intriguen gilt. Die offenkundige Feindselig⸗ keit des Grafen Eulenburg gegen Bismarck spielte auch in ditse Minirungsversuche hinein, insofern als gerade dieser Minister den Mittelpunkt jener Coterie ausmacht, und des unbegrenzten Vertrauens jener hochgestellten Dame sich erfreut. Alle diese Mo- mente und die ungeheure Erregung, in welche Bismarck der Arnim Prozeß versetzt hat, die in der letzten Zeit geradezu ausschließlich persönlich gewordenen Angriffe der Centrums Partei und ihrer Organe, haben zusammenwirken müssen, um den Reichskanzler zu dem Entschlusse zu treiben. Nur so begreift es sich, daß der Reichskanzler die Annahme des Antrags Hoverbeck als eine gegen ihn gerichtete Spitze ansehen konnte.
— 19. Dec. Prozeß Arnim. Die Verhand- lung wird 5½ Uhr eröffnet, nachdem der Ange⸗ klagte auf Erfordern persönlich erschienen ist. Der Gerichtshof publicirt das Urtheil, welches auf drei Monate Gefängniß unter Anrechnung eines Monats Untersuchungshaft lautet.
Paderborn. Der Bischof Martin von Paderborn ist auf den 5. Januar nach Berlin vor den Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten geladen.
Rendsburg. Ein Ausschuß⸗-Bericht des Pro— vinzial-Landtages erklärt die offecirten 400,000 Thlr. für die Ausgleichung der schleswig⸗ holstein'schen Kriegskosten zur Beseitigung aller alten Ansprüche ungenügend und beantragt im Sinne des Be— schlusses des Abgeordnetenhauses vom 10. Mai eine Ausgleichs-Summe, welche dem Betrage der Communal- Anleihen von 1849 und 1850(drei Millionen Thaler) nahe komme.
Kassel, 18. Dec Heute Mittag aus Prag eingetroffenen Depeschen zufolge ist das Befinden des Ex- Kurfürsten wesentlich besser, der Appetit sei wieder hergestellt, die Schwäche gering.
— Während der letzten Tage ist das Gerücht wieder aufgetaucht, daß der Kurfürst den Wunsch zu erkennen gegeben habe, zur katholischen Kirche überzutreten. Es wird nun osfsictös geschrieben: „Se. Hoheit dächten durchaus an keinen Glaubens- Wechsel; es habe vielmehr der Kurfürst seinem protestantischen Seelsorger gegenüber noch in den letzten Tagen erklärt, daß das Bekenntniß der kurhessischen Renitenten, als das allein richtige, auch das seinige sei“.
Fulda. Nachrichten zufolge, die aus Rom dahier eingetroffen sind, würde der Papst dem— nächst den Verweser des Bisthums Fulda, Dom- kapitular Hahne, zum Bischof von Ascalon i. p. i. ernennen. Bestätigung bleibt abzuwarten.
Leipzig. Die Diöcesan-Versammlung der Ephorie Meißen hat über die Frage verhandelt: „Wie stellt sich die evangelisch-lutherische Landes- kirche Sachsens zu der in Aussicht gestellten Ein- führung der obligatorischen, bürgerlichen Ehe; schließung?“ Es fanden folgende Sätze fast einstimmige Annahme:„1) Die Versammlung ver— mag weder die Nothwendigkeit noch die Rälhlich⸗ keit der Einführung der bbligatorischen Civilehe sür Sachsen anzuerkennen; 2) die Versammlung beschließt, dem hohen Kirchen-Regiment gegenüber
für die Neupriester zurückzuziehen, hat dies jedoch abgelehnt. Es soll nun ein Strafverfahren gegen Herrn Kübel eingeleitet sein.
Ausland.
Oesterreich⸗Ungarn. Wien, 18. Dec. Im Abgeordnetenhaus beantwortet der Unterrichts- Minister eine Interpellation wegen der Ausführ⸗ ungs⸗Bestimmungen zu den confessionellen Gesetzen dahin, daß die Vorarbeiten zur Regelung des Patronatswesens wegen des massenhaften Materials nur langsam vorwärtsschritten. Dasselbe gelte von der Reform der katholischen theologischen Facultäten. Schweiz. Bern. Die zu einer Sitzung der Bundesversammlung vereinigten eidgenössischen Räthe wählten für 1875 zum Bundesprästdenten den Bundesrath Scherer, zum Vice ⸗Präsidenten den Bundesrath Borel. Frankreich. Paris. Durch die ganze Presse gehen Artikel über die herzlichen Bezieh— ungen zwischen Frankreich und Rußland und die Aufrichtigkeit der Sympathien, welche Fürst Orloff für Frankreich hegt. Holland. Utrecht, 17. December. Das altkatholische Kapitel wählte in seiner gestrigen Versammlung Heykamp zum Erzbischof. Spanien Madrid, 18. Dee. General Despujols besetzte Canterega, zerstörte die car— listischen Befestigungen und befreite 140 Frauen und 240 Männer, Angehörige lieberaler arra gonischer Familien, die von dem Carlistenführer Gamundi als Geißeln gefangen gehalten wurden. Griechenland. Athen, 16. Dec. Die Opposition in der Kammer verlangte in der heutigen Sitzung die Annullirung des Sitzungs— Protokolls vom 12. December, worin das Budget pro 1874 erledigt wurde, da die Kammer in der damal gen Sitzung beschlußunfähig gewesen sei. Bei der Abstimmung hierüber siegte die Regitrungs- partei mit 80 gegen 61 Stimmen, worauf sich die Opposition in corpore entfernte. Die Regier ung hofft beynoch die Beschlußfähigkeit der Kammer zu Stande zu bringen.
Allerlei.
Epinal. Von bier wird der„Corresp. Havas“ geschrieben: Es ist unglaublich, wie sich die Wölfe in den Vogesen und Ober Lothringen vermehren. Man wagt sich nicht mehr ins Freie. Die Wanderer befinden sich in Todesäugsten. Diese Bestien kommen bis in die Dörfer und haben es haupisächlich auf Kinder abgesehen. Ju der zähe des Dorfes Pallegney sind zwei Menschen diesen Raubihiren zum Opfer gefallen. Man klagt allgemein, aß die französischen Fornbeamien sich nicht zu einem allgemeinen Treib-Jagen mit ihren elsäfsischen Collegen verständigen können.
Handel und Verkehr.
Grünberg, 19. Dezember. Die Preise auf unserey zeuligen Fruchtmarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 12 fl. 1 kr.; Korn(90 Kilo) 8 fl. 39 kr.; Gerste(80 Kilo) 7 fl. 40 kr.; Hafer(60 Kilo) 6 fl. 8 kr.; Molten (90 Kilo) 8 fl. 10 kr. Erbsen(110 Kilo) 12 fl. 13 kr.; Ainsen(100 Kalo) 18 fl. 20 kr.; Samen(90 Kilo)— fl. — kr.; Kartoffeln(100 Kilo)— fl.— kr.
Frankfurt, 19 Dec. Ler heulige Heu- und Stro⸗ maki war gut befahren. Heu kostete per Cir. 2 fl. 30 ke.
is 3 fl. 10 kr. Stroh per Ceniner 1 fl. 30—40 kr. Butter 1. Qual. 48 tr., 2. Qual. 46 kr. Eiei das Hundert 4 fl.— kr. Frische Eier das Stück 3 kr.
Kartoffeln 200 Zollpfund 2 fl. 48 kr. bis 3 fl.— ki. Auch der Gänsemarkt, der mit der nächsten Woche auf seinen Höhepunkt gelangt, war gut befahren. Eiwa 170 Händler, Bauern und Bäuerinnen brachten etwas über 6000 Gänse zu Mark..
Frankfuct, 18. Dec. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 23½ fl., Nr. 2 21½ fl., Nr. 3 19 fl., Nr. 4 16½ fl., Nr. 5 14 fl., Roggenmehl% U(Berliner Marke) 16½ fl., do. II.(Berliner Marke) 13 fl. Wayen effecliv hiesiger 12% fl., Korn 10½—11 fl., Gerste 10— 11 ½ fl., Haset 10/— 11 fl., Kohhamen 18½—17 fl., Erbsen 12½ bis 14 fl., Wicken 10½ fl., Linsen 13—20 fl., Rüvöl 37 fl. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.
Marburg, 19. Dec. Der heutige Wochenmarkt war gut be sucht. Butter kostete 1 Pfd. 13— 10 Sgr., Eier 1 Stück 8— 10 Hlr., Käse 1 St. 10—12 Hl. Gänse per Stück 25—50 Sgr., Hasen pr. Stück 25 bis 30 Sgr.
Literarisches. In den uns vorliegenden Nr. 7 und 8 des„Datterich“
diesec Ansicht Ausdruck zu geben.“ Carlsruhe. Erzbisthumsverweser Kübel
spiegelt sich ein getreues Bild darmflädter Lebens. Wie
wurde von der Regierung aufgefordert, die Missio
köflicher Suada, der Letztere ein schlichter Bürger mit
der„Hampelmann“ den„frankfurter“, so repräsentirt der „Datterich“ den darmstädter Bürger; der Erstere ein ge—
riebener„baumwollener und wollener“ Waarenhäubler mil“
derbem, frischen Humor, bier⸗ und weinseelig; beide Denl⸗ 101 und Gefühlsweise ihrer Stadt zum gelungensten Ausdruck 0 O, bringend. Besonders erheiternd dürften, unter Anderem, 9. 1 „e kreizsidela Glesagesell“,„die gebrobde Gans“,„wie 2 Jobe oiel Deokdieb hot Dammstadt?“,„Die Bummeranze“, felt! wirken, und als ganz vorzüglich gelungen, ist unter den 90% Illustrationen das Vielen noch in der Exinnerung gebliebene nenie „Bildaherzche“ hervorzuheben. Jede Nr. ist 8 6 Kreuzer und vom Verleger, C. W. Leske in Darmstadt, zu beziehen. ertht Bad Verloosung. 1 of 4 f LE Das Germanische Nationalmuseum zu Nürn⸗ berg beabsicht seiue Räume durch den Ankauf 0 des abgetragenen schönen Augustinerklosters zu zit de vergrößern und hofft die erforderlichen Mittel kale wenigstens theilweise durch eine Verloosung von—41¹ 300 Kunstgegenständen, welche die namhaftesten ig eh Künstler Deutschlands gewidmet haben, und unter welchen sich auch 7 Kunstwerke von der Hand Ihrer k. und k. Hoheit der Frau Kronprinzessin des Deutschen Reiches befinden, zu gewinnen.— Loose zu 3 Mark,. die sich auch zu Weihnachtsgeschenken vorzüglich gol Ni. eignen, sind zu haben in den beiden hiesigen 405 Buchhandlungen und bei nder den dem Pfleger des Germanischen Museums Fried Dr. Matthias. Danksagung.—. Für die Hinterbliebenen des verunglückten Kuhhirten 3 Johannes Marbach IV. zu Leidhecken gingen weiter folgende Is Die Gaben bei uns ein, deren Empfaug mit herzlichem Danke lin hie zegen die lieben Geber und Sammler hiermit bescheinigt buage, so! wird: Von Gemeindegliedern aus Dauernheim durch has Jahr Hrn. B. E. 5 fl. 7 kr.; von der Expedition des Niddaer Krord geg Anzeigeblattes 8 fl. 25 kr.; von Frau Oberförster v. Grol⸗ Fried mann 1 fl. 45 kr.; in Nieder⸗Weiset von Hrn. Pfarrer Slammler gesammelt 9 fl. 43 ke; von der Expedition des Oberheisischen Anzeigers 4 fl. 33 kr.; von der Exped.“ des deutschen Volksfreundes 1 fl 45 kr.; in Reichelsheim 9 dei der Beigeordneten- Wahl gesammelt 8 fl. 57% l,; 81 m. von Hrn. Kaufmann Schwarz in Reichelsheim, Ueberschuß 1— vom Sedanfeste 5 fl. 36 kr.; ven Büsingen Ungenannt Und N., 1 fl. 45 kr.; von den Ortsvorständen in Echzell gesammelt Da 55 31 fl.— kr; früherer Betrag 293 fl. 37 ke.; zusammen Radu 572 fl. 135% fr. 9 7 Dr. Römheld, Selzam, 2 en Pfarrer. Bürgermeister. 5 30 5 J) eint Für die von mir zur Unterstützung empfohlene Famllie 5) Bet ist bei mir eingegangen: Von C. F. Walz 17½ kr., Lob Nied oldbeck 30 kr., Salomon Garde 12 kr., Mina Garde 18 k., Jacob Diener in Ockstadt 1 fl., M. S. Nußbaun 35 kr. N. H. 1 fl., Schäfer Glanz 24 kr., Directot 1 Dr. Malthias 35 kr., Eduard Grödel 1 fl., Ludwig Fa wrödel 2 fl., Martin Mendialer I. 30 kr.“ Lehrer Biish 8782 6 1 fl., G. S. 1 fl., Baruch Hecht in Frankfurt a. M. 1 ff. alter Im Auftrag der Frau sell ich sowoyl den vorstehenden Helge Gebern wie auch Denen, die ihr Unterstützung direct zu 29. R. Theil werden ließen, berzlichen Dank biermit aussprechen, weishie. Friedberg am 21. December 1874. Reit Cronenberg. 4 Geld- Cours.— Frankfurt am 19. Dezember 1874. Pistolen e 8 fl. 9 48—50 8 Holländische fl. 10⸗ Stücke„ 1 Ducaten. 5„ 5 3537 2885 Ducaten al mare„ 5 37—39 5 20-Frankenstücke„ 9 30-31 8 Englische Sovereigns„ 11 56—58 28 Russische Imperiales.„ eie 5 Dollars in Golnsnn„ Ä 12 — 8 * 94* 1 Accht kölnisches Wassel e — Tac vo von Johann Maria Farina. Anden Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober; Tit. hessischen Anzeigers in Friedberg empfehle c Fine Lig zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und walgeihnun 45 kr. per Glas gehorsamst. 5* der de Johann Maria Farina in Cüln.— 58 9 „ 2 Visitenkarten e 4 e d in Buchdruck: 28 verschiedene Sorten, per 100 rd in Lithographie: 21„ 05 g 170 N* Del in Lithographie mit Verzierungen oder Faeftmlle: Ei ver 100= fl. 1. 12 kr. 0 U Carl Bindernagel. n de


