Nottingham. Die hiesigen Arbeitgeber schlugen den Wirkern eine Lohnberabsetzung von 25 pCt. vor; die Arbeiter erklärten, darauf nicht einzugehen, so daß ein Strike wahrscheinlich ist.
Spanien. Madrid, 13. Aug. Die Car- listen haben einen vergeblichen Versuch gemacht, den Ebro zu überschreiten. Die carlistische Ab- theilung unter Saballs soll in Folge zahlreicher Desertionen gelichtet sein.
— Don Carlos hat ein Manifest erlassen, in dem er in Bezug auf den erschossenen Hauptmann Schmidt erklärt: Jeder Fremde, der am Bürger- krieg theilnähme, verliere diejenigen Rechte, welche das Völkerrecht gewähre, und setze sich Repressalien aus. Das Manifest spricht die Hoffnung aus, daß die europäischen Mächte in Spanien nicht interveniren werden.
— Die Vertreter Amerika's, Belgien's, Hol— land's, Italien's, England's und Deutschland's haben den Minister des Aeußern, Ulloa, wegen der Anerkennung der spanischen Regierung und der Einnahme Oteiza's beglückwünscht.— Ulloa hat dem deutschen Kaiser ein Dankschreiden wegen der von ihm ergriffenen Initiative zu der Aner- kennung der spanischen Regierung gesandt.
— Der„Indép. Belge“ wird von hier ge— schrieben:„Man redet viel von der Verhaftung zweier Jesuiten, Directoren des Collegiums von Ocanna in der Provinz Toledo. Die Regierung soll die Beweise dafür in den Händen baben, daß dieselben aus Woblthätigkeits-Anstalten dieser Pro— vinz 100,000 Piaster entfremdet und dem Schatze mehrerer Kirchen zugehörige Kunst- und Werth— Gegenstände für bedeutende Summen verkauft haben, um diese Beträge der carlistischen Armee zuzuwenden. Einige ihrer Freunde haben bei Sagasta Schritte zu Gunsten derselben versucht, aber dieser hielt die Verhaftung der Schuldigen entschieden aufrecht.“
— Der Vertreter Spaniens in London hat hierher telegraphirt, England erkenne die Regier— ung des Marschalls Serrano an. Später traf auch eine lelegraphische Meldung aus Paris ein, welche die Anerkennung der Regierung Seitens Frankreichs anzeigte.
— Die Verluste der Carlisten in dem Gefechte von Oteiza sind amtlicher Ermittelung zufolge sehr beträchtlich. General Zabala hat Vittoria von Neuem mit Lebensmitteln versehen und ist darauf nach Miranda zurückgekehrt.
Italien. Rom. Die„Opinione“ meldet: Der Minister des Aeußern erklärte in Folge des Rundschreibens der deutschen Regierung, Italien sei bereit, die Regierung in Madrid offitiell an— zuerkennen.
— Der Deputirte Massari wurde auf der Straße angefallen und leicht verwundet. Der Thäter wurde verhaftet. Sein Motiv ist Privatrache.
Florenz, 9. August. Heute Nacht wurden hier 13 Internationale verhaftet. Einige andere, die sich fluchtig gemacht, werden eifrigst verfolgt.
Aus Stadt und Land.
Friedbero. Vor einigen Tagen kehrten die hiesigen Sänger, des„Liederkranz“ und„Frohsinn“, zwölf an der Zahl, von dem Münchener zweiten deutschen Sängerfeste in großer Begeisterung über das dort Erlebte retour. Gewiß werden Alle, die an dem Feste Theil genommen, die schönen Tage in der herrlichen Isarstadt mit ihren reichen Kunst⸗ schätzen und Sammlungen, sowie ihrer prachtvollen Um⸗ gebung nie vergessen. Die Naturschönheiten des Starn— berger See's mit dem Blick von der Ilkahöhe auf die ganz nabe gelegenen Jochalpen werden ihnen ewig im Ge— dächtniß bleiben. Möchten aber auch alle Sänger sich nach ihrer Heimkehr befleißigen, den schönen deutschen Männer— gesang als Mittel zur Hebung und Kräftigung des natio— nalen Gefühls zu fördern und zu pflegen; denn ganz richtig sagte eine Inschrist an der Sängerbühne im festlich⸗ geschmückten Glaspalaste:
Im Lied streuten wir die heil'ge Saat; Zur Reife brachte sie die deutsche That! Schwalheim. Am letzten Donnerstage stach sich ein
hiesiger Einwohner, der als Arbeiter auf dem Nauheimer Bahnhofe heschäfligt war, mit einem Messer in die Brust. Anderen Tages starb er in Folge dieser Wunde. Die Ursache sei ein Disput mit seinem Bruder gewesen, im Verlaufe dessen er das Messer ergriffen habe. Eine sonstige
besondere Ursache habe nicht vorgele en. Darmstad!.
Wie wir böten, ist es dem Büchsen— macher des 2. Bataillons des Großh. Leibgarde-Regiments gelungen, an dem Chassepotgewehr eine Aenderung anzu— bringen, wodurch ein derartig verändertes Gewehr das ap—
tirte Zündnadelgewebr noch übertreffen soll und es möglich wird. mit demselben 28—30 Schuß per Minute abzugeben. Darmstadt. Am Mittwoch entlud sich über der Gemarkung Viernheim ein furchtbares Hagelwetter, welches einen großen Theil der Tavaks⸗ und Obsternte zerstörte. Viele mit Tabak bepflanzte Grunbstücke müssen umgepflügt werden. Der Schaden ist um so empfindlicher, als vielfach das Versichern gegen Hagelschaden unterlassen war. Mainz. Der Knabe, dessen Entweichen aus der Wohnung seiner Pflege-Eltern wir vor einigen Tagen mel⸗ deten, ist in Hamburg angehalten worden und wird nächstens wieder zurückkommen.
Mainz, 13. August. Heute Vormittag stürzte der Dachdeckermeister Rach in Castel von einem Dache und war sofort todt. Derselbe binterläßt eine Frau und mehrere Kinder, darunter ein saubstummes Mädchen, die er bis dahin mit seiner Hände Arbeit treulich ernährte.
Allerlei.
Frankfurt. Vor 8 Jahren kam die Stadt in den Besitz eines Findelkindes, zu dessen Vormund ein Herr Dr. Lotey bestellt wurde. Da die Multer aus Köln gewesen sein soll, so wurden von der hiesigen Gemeinde— Behörde mit der Kölner Verhandlung wegen Uebernahme des Kindes, jedoch erfolglos, gepflogen. Das Mädchen kam auf Kosten des hiesigen Aexrars in Kost, und als seine Pflege-Eltern starben, blieb es in demselben Haus bei andern achtbaren Leuten. Das Kostgeld wurde durch die städtische Polizeiꝙ-Seclion bezahll. Dieser Tage nun erschien während der Abwesenheit des Pflegevaters in dem Hause desselben ein katholischer Geistlicher mit einer Assistenz und taufte dae Kind. Des andern Tags langte ein Brief des Secretärs der Polizeisection ein, worin migetbeilt wird, die Kleine werde den bisherigen Pflegern vom Waisenhause abgenommen und in Bensheim untergebracht werden. Das Anerbieten, das Kind, welches der katholi— schen Kirche zugeführt werden sollte, unentgeltlich zu be— halten, blieb unberücksichtigt. Ohne Wissen des Vormun⸗ des, vielmehr in dessen Abwesenheit, wurde die Kleine abgeholt und sorigeführt. Wie wir hören, werden von [Seiten des Vormundes der Sachlage enisprechende Schritte bei der Obervormundschafts-Behörde ꝛc. erfolgen. Bayreuth. Ein schreckliches Verbrechen, über welches noch tiejes Dunkel ruht, ist hier verübt worden. Die „Oberfsränkische Zig.“ schreibt über den Vorfall: Ein Ver⸗ brechen, wie es scheußlicher nicht gedacht werden kann, wurde heule(11. Aug.) mit dem Morgengrauen entdeckt. Man fand auf dem Platze vor dem Friedrichsthor, welcher zur Lagerung der Pflastersteine benutzt wird, den verstüm⸗ melien Leichnam eines 16— 20jährigen Mädchens. Dem Leichnam fehlte der Kopf, die beiden Arme und Füße. Ganz hart kam Rumpfe ist der Kopf abgehackt, die beiden Arme ungefähr je in der Mitte des Oberarmes und die Beine ebenfalls ungesähr in Mitte des Oberschenkels. Die Arme und Beine, ebenso auch der Kopf, scheinen vorher erst mit dem Messer in den Fleischtheilen durchschnitten und dann erst mit dem Beile abgehauen worden zu sein. Der Rumpf war mit einem Hemde bekleidet. Wo das Verbrechen verübt wurde und aus welcher Ursache, kann noch nicht gesagt werden, da zur Stunde jeder Anhaltspunkt fehlt. Der Platz, an welchem der Leichnam gefunden wurde, zeigte keine Spur von Blut, ebensowenig das Hemd. Der untere Theil des letzteren ist aus gröberer Leinwand ge— fertigt, wie es bei Leuten der unteren Volksklasse gebräuch— lich ist. Wahrscheinlich ist der Leichnam von auswärts bieher verbracht worden. Au einzelnen Theilen des Rumpfes befanden sich Kiefernadeln. Die Beschaffenheit des Leich⸗ nams läßt darauf schließen, daß der Tod vor einem oder zwei Tagen eingetreten ist.
Nürnberg, 10. Aug. Der beute Morgen fällige Wiener Curierzug traf erst Mittags bier ein. Die Ursache der Verspätung war eine bei Deining(erste Station der Ostbahn, jeuseits Neumarkt gegen Regensburg zu) vorge— kommener Zusammenstoß des Curierzuges mit einem Ma- terialzuge. Die Passagiere des Curierzuges kamen mit unbedeutenden Contusionen davon, dagegen wurden von den auf dem Malerialzuge befindlichen Arbeitern sechs ge— tödtet und drei verwundet.
Nürnberg. Als am 7. d. der Courier ⸗Zug von Passau hier ankam, fanden sich, wie der„Fränk Kur.“ berichtet, in einem Postwagen desselben 39 Dynamit— Patronen der größten Sorte in unverpacktem Zustande vor. Wie und von wem dieselben dorthin gebracht wurden, konnte bis jetzt nicht ermittelt werden. Diese Patronen wurden am 8. d. unter Aussicht einer Commission im Walde unter Anwendung aller Vorsichtsmaßregeln vergraben.
Dresden. Von Staatswegen ist man eben in Sachsen damit beschäftigt, eine chemische Analyse der sämmtlichen Biere vorzunehmen, die dort im Verkehr sind. Außerdem hat man sich eine Zusammenstellung der an die einzelnen Brauereien versendeten Massen von Ingredienzien dei der Bier bereitung geben lassen.
Nuhla, 6. Aug. Unser Ort war beute Mittag gegen 11 und 12 Uhr der Schauplatz eines gräßlichen Unglücks. Der Kanonier L. bei der Erfurter Festungs Artillerie, der einzige Sohn des Bierbrauereibesitzers L. hier, war gestern auf Urlaub hier angekommen, nachdem er von den Schieß⸗ übungen von Jüterbogk zurückgekehrt. Derselbe hatte einige Granaten mitgebracht, welche bei den Uebungen nicht erepirt waren. Heute Mittag nun hatte er eine solche in der Hand und erklärte den Warnungen seiner Eltern gegenüber, die— elbe set entladen, wollte die Beschaffenbeit des Geschosses einigen im Gastzimmer anwesenden Gästen demonstriren und stößt dabei gegen die Zündschraube, wobei die Granate mit furchtbarer Detonation explodirte, dem Unglücklichen
ihn selbst aber mit zerrissenem Unterleib und Brust ing anstoßende Zimmer zurückwarf. Der Tod des hoffnungs⸗ vollen jungen Mannes, der Seitens seiner Vorgesetzten
Einem dem Gäste zerschlug ein Granalsplitter die Knochen, röbre über dem Fuß, der andere trug eine weniger erheb⸗ liche Verletzung am Arm davon.
Constanz. Der„Hamb. Reform“ schreibt man von
unlängst gemachten Hochzeitoreise Gelegenheit gehabt, dit persönliche Liebenswürdigkeir des deuischen Kaisers kennen
sees weilend, ließen sich eines schönen Tages nach der wegen ihrer reizenden Lage wellberühmten Insel Mainau übersetzen, woselbst im Schloß des Großberzogs von Baden
Paar den Rückweg antrat, hatte sich das Wetter geändert, Ein scharser Wind bedeckte die Oberfläche des Sees mit hohen Wellen, die gefahrdrohender wurden, und bald er⸗ klärte der Fährmann, wieder umkehren zu müssen, was denn auch geschah. Die Hamburger Vergnügungsreisenden
ehr bald abgeholfen wurde. Kaiser Wilhelm und sein großherzoglicher Schwiegersohn hatten die schlimme Lage, in die der kleine Kahn gerathen war, vom Ufer aus be— obachtet. Als die jungen Eheleute nun gelandet waren und auf der Insel umherirrten, begegnete ihnen der Kaiser, fragte, ob sie die Insassen des Bootes gewesen wären, er⸗ kundigie sich nach ihren Namen, Verhältnissen, ihrer Hei⸗ malh ꝛc. und ließ dann seinen eigenen kleinen Dampfer serlig machen, um die Hamburger überzusetzen, dem jungen Paare glückliche Weiterreise wünschend. In ihrer Aengst⸗ lichkeit, noch unter dem Eindruck des überstandenen Schreckens, fragte die junge Frau, od man auch auf dem Dampfer ganz sicher wäte.„Seien Sie nur ganz ruhig“, antwor⸗ tete der Kaiser:„Dem Dampfboot können Sie sich ohne Bedenken anvertrauen. Es führt meinen eigenen Namen: „Kaiser Wilhelm“; da sind Sie ganz sicher.“
Berlin. Elend und verkommen langten am Mitt woch wiederum ca. 50 Rückwanderer aus Brasilien hier an. Zwei Möbelwagen, gefüllt mit den Trümmern ihrer Habe, und begleitet von einem Schutzmann, führten die Bethörten in das hiesige Arbeitshaus, von wo aus sie nach ihren heimathlichen Ortschaften weiter befördert werden, Sie stammen aus den Danziger Niederungen.
Handel und Verkehr.
H.- v. Friedberg. Durch Schreiben Königlicher Direction der Main-Weser-Bahn an den Vorstand des hie⸗ sigen Handels⸗Verein, sind auf dessen Wunsch weiter die. Stationen: Hannover, Braunschweig, Bruchsal, Durlach, Pforzheim, Karloruhe, Baden, Offenburg, Freiburg, Heil⸗ bronn, Ludwigsburg, Stuttgart, Reuilingen und Ulm in den directen Güterverkehr mit der Station Friedberg aufgenommen worden. Man kann der Königlichen Direction für diese Einrichtung nur Anerkennung zollen.
Strohmarkt war gut befahren. Heu kosteie per Cir. 1 fl. 45 kr. bis 2 fl. 35 kr., Stroh per Centner 1 fl. 12 kr.
44 kr., Eier das Hundert 3 fl. 20 kr.
Grünberg, 15. August. Die Preise auf unserem heutigen Fruchtmarkte betragen: Waizen(100 Kilo) 14 fl.
8 fl. 20 kr.; Hafer(60 Kilo) 7 fl. 4 kr.; Molter (90 Kilo)— fl.— kr.; Erbsen(110 Kilo)— fl.— kr.; Linsen(100 Kilo)— fl.— kr.; Samen(90 Kilo) 13 fl. 20 kr.; Kartoffeln(100 Kilo)— fl.— kr.
Die Weimarsche Bank hat ihre 10⸗Thaler-⸗Banknoten zur Einlösung ausgeschrieben. Als letzte Frist ist der 5. August 1875 angegeben.
Geld ⸗Cours. Frankfurt am 15. August 1874. Pistele n fl. 9 40—42 Holländische fl. 10⸗Stücke„ 9 48—50 Dukaten„ 5 34—36 Ducaten al maro„ 5 37-39 20⸗Frankenstücke„ 9 288—29½½ Englische Sovereigns.„ 11 55-57 Russische Imperiales.„ 9 47-49 Dollars in Geld[% 2 20
Aechl Kolnisches Waffe
von Johann Maria Farina.
Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober hessischen Anzeigers in Friedberg empfehle ich zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und 45 kr. per Glas gehorsamst.
Kalender pro 1875.
die Hände völlig von den Armen abriß und eine derselben durch die zertrümmerten Fenster auf die Straße schleuderte,
Friedberg und Bad⸗Nauheim. Carl Bindernagel,
das beste Lob genoß, trat nach einigen Augenblicken ein.
hier: Ein junges Hamburger Ehepaar har während seiner
zu lernen. Die Neuvermählten, an den Ufern des Boden ⸗
gerade Kaiser Wilhelm zum Besuch weilte. Als das junge
waren natürlich in nicht geringer Verlegenheit, der aber 6
Frankfurt, 15. August. Der heutige Heu⸗ und
vis 1 fl. 20 kr., Butter 1. Qual. 46 kr., 2. Qual.
10 kr.; Korn(90 Kilo) 9 fl. 48 kr.; Gerste(80 Kilo)
Johann Maria Farina in Cöl
Daheimkalender 54 kr. Familienkalender 18„ Nieritz Volkskalender 36„
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