Ausgabe 
18.7.1874
 
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thum Braunschweig mit dem 1. Januar 1875

eingeführt.

München, 15. Juli. Die Abgeordneten kammer slimmte bezüglich des außerordentlichen Militär- Credits in den meisten Differenzpunkten den Beschlüssen der Reichsrathskammer zu, ge nehmigte demgemäß die verlangten Summen für Truppen- und Train⸗ Fahrzeuge, Granatkartätschen mit Zeitzünder, für Anschaffung eiserner Pontons statt der hölzernen 1c., lehnte dagegen das Postulat für eine bombenfeste Kriegsbäckerei in Ingolstadt ab. Die gesammte Bewilligung beträgt nun 10,129,710 fl.(nach den früheren Beschlüssen der Abgeordnetenkammer waren bekanntlich nur 9,457,660 fl. genehmigt, während die Regierung 10,826,900 fl. gefordert hatte. In der Höhe von 10,129,710 fl. wurde also das Militär⸗Etablisse⸗ ment bei namentlicher Abstimmung mit 80 gegen 46 Stimmen definitiv angenommen.

16. Juli. Von einer Anzahl der geach⸗ tetsten biesigen Bürger, darunter die Vorstände beider Gemeinde⸗Collegien, wird heute eine Adresse aufgelegt, worin der tiessten Entrüstung über das an dem Fürsten Bismarck verübte ruchlose Attentat und zugleich der Freude Ausdruck gegeben wird, daß die Vorsehung den schmachtvollen Plan nicht hat gelingen lassen. Die Bürger werden aufge fordert, die Adresse, welche bis zum 21. d. Mts. aufliegt, zu unterschreiben.

Kissingen, 14. Juli. Gestern wurde der in Schweinfurt verhaftete, der Mitschuld an dem Attentat verdächtige Geistliche auf die hiesige Frohn⸗ feste eingebracht.

14. Juli. DemFrankf. J. wird ge⸗ schrieben: Soeben erfahre ich Folgendes: Bismarck kam selbst in's Bezirksamt und besah sich den Mörder. Er fragte ihn:Warum wollten Sie mich todtschießen? Kullmann antwortete:Wegen der Kirchengesetze. Bismarck:Die Kirchenge setze berühren doch Sie nicht; es kann doch Jeder mann glauben, was er will. Thaten Sie es aus eigenem Antriebe? Kullmann:Nein, ich wurde dazu veranlaßt. Bismarck:Von wem? Kull⸗ mann:Das sage ich nicht. Bismarck:Traurig ist es, daß Sie als Landsmann mich todtschießen wollten! Kullmann:Ich that es eben wegen der Kirchengesetze. Bismarck:Müssen denn unter solchen Verhältnissen die Kirchengesetze nicht noch schärser gemacht werden? Kullmann gibt darauf keine Antwort... Aus diesem Zwiegespräche, dessen Worllaut ich aus zuverlässiger Quelle schöpfe, ergibt ich, daß dieser junge, 21jährige Mensch von Geistlichen, wenn auch nicht gedungen so doch fanatisirt war. Der in Schweinfurt verhaftete und der intellectuellen Urheberschaft des Mordatten tats bezichtigte Priester Hauthaler aus Walchsee wurde in Kisßingen von sechs Zeugen als derjenige recognoscirt, der kurz bevor der Schuß fiel vor dem Wagen des Fürsten grüßend vorübergegangen und dadurch Veranlassung geworden war, daß der Wagen ein Weilchen halten mußte.

15. Juli. Anläßlich des glücklichen Aus- ganges des Attentats auf den Fürsten Bie marck wurde heute Morgen 9 Uhr in der katholischen Pfarrkirche ein Hochamt abgehalten. Der General Adjutant des Königs, Generallieutenant v. d. Tann, ist gestern hier eingetroffen.

15. Juli. Ueber das Befinden des Reichs- kanzlers verlautet von competenter Seite: Es stellte sich heraus, daß bei Behandlung der ver letzten Stelle mit Eis keinerlei Nachtheile für den Patienten zu befürchten sind, daher wird dieselbe fortgesetzt. Die Entzündung verminderte sich unter derselben rascher als zu erwarten war. Das all- gemeine Befinden des Fürsten ist befriedigend.

Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Ischl, 14. Juli- Die Kaiser Wilhelm und Franz Joseph trafen Nachmittags 2⅝ Uhr hier ein. Kronprinz Ru- dolf in preußischer Uniform, die Oberhofmeister Fürst Hohenlohe und Nopcsa sammt Gefolge er warteten die Majestäten im HotelElisabeth, welches mit Blumen und Fahnen geschmückt war. Kaiser Wilhelm wurde vom Kaiser von Oester reich, dem Kronprinzen Rudolf und dem Gefolge

in seine Appartements geleitet. Eine ungemein große Volksmenge harrte der Ankunst der Mo- narchen selt Stunden in der Umgebung des Hotels und den angrenzenden Straßen.

14. Juli. Die Kaiser von Deutschland und Oesterreich machten nach dem Diner einen Ausflug über Steg nach der Gosanmühle. Beide Kaiser fuhren im ersten Wagen allein, im zweiten die Kaiserin mit der Gräfin Schaafgotsch. Die Peinzessin Gisela wird heute Abend 8 Uhr erwartet.

15. Juli. Nach dem gestrigen Diner gab die Kaiserin Elisabeth dem deutschen Kaiser das Versprechen, auf der Rückreise von der Insel Wight die deutsche Kaiserin in Baden-Baden oder Coblenz zu besuchen, was von dem deutschen Kaiser sofort telegraphisch der Kaiserin Augusta bekannt gegeben wurde.

16. Juli. Fürst Milan von Serbien ist gestern Abend hier angekommen.

Frankreich. Paris, 16. Juli. Das Journal officiel meldet: Nach der gestrigen Sitzung der Nationalversammlung hat der Finanz- minister Magne seine Demisston gegeben; derselbe wird indeß auf den Wunsch des Marschallpräsi denten die laufenden Geschäfte bis zu seiner Er setzung fortführen.

Belgien. Brüssel, 13. Juli. Die gestern abermals von Vilvorde requirirten 250 Carabiniers sind diesen Abend wieder hierher zurückgekehrt. In der Strafanstalt herrscht wieder Ruhe und Gehorsam; 80 Meuterer befinden sich hinter Schloß und Riegel. Der Haupt- Rädelsführer, ein ge. wisser Märtens, benahm sich am allerseigsten. Sobald er Freitags, als die Rebellion ausbrach, sah, daß scharf gefeuert wurde, gab er das Signal zur Ergebung und denuncirte dann frisch darauf los. Die Untersuchung ist seit vorgestern im vollen Gange. Schon heute stellte sich heraus, daß die Militär ⸗Sträflinge mit den Canal- Arbeitern im Einverständniß handelten, und daß sie auf Suc⸗ curs von außen zählten.

DemEcho du Parlemenk zufolge über- nimmt der russische Delegirte, Baron Jomini, den Vorsitz des Congresses. Belgien wird durch Oberst Mockel vertreten.

Dänemark. Kopenhagen. Das neue Ministerium ist folgendermaßen zusammengesetzt: Fonnesbech, Ministerpräsident und Finanzen; Baron Rosenoern-Lehn, Auswärtiges; General- Director Tobiesen, Inneres; Klein, Justiz; Commandeur Raon, Marine und interimistisch Krieg; Etatsrath Worsaac, Unterricht.

Großbritannien. London, 15. Juli. Der Prinz von Wales hat gestern in Chiswick ein glänzendes Gartenfest zu Ehren des deutschen Kronprinzenpaares gegeben.

Spanien. Santander, 15. Juli. Sa- balls, welcher eine Zeit lang bei Aja, drei Kilo meter von Puigcerda, gelegen hatte, hat eine Be- wegung gegen Ribals ausgeführt, um andere Carlistenführer gegen republikanische Hülfstruppen zu unterstützen.

Madrid, 16. Juli. Die Carlisten wurden bei einem abermaligen Angriff auf Puigcerda wiederholt zurückgeschlagen. Unter den Truppen des Don Alphons ist eine Meuterei ausgebrochen. Die Bandenchess haben sich untereinander entzweit.

16. Juli. Dem Vernehmen nach steht eine Cabinetskrisis bevor und heißt es, der Minister⸗ Präsident Zabala und der Finanzminister Camacho würden zurücktreten. Die Carlisten concentriren ihre Streitkräfte um Bilbao.

Italien. Rom, 14. Juli. Der Minister⸗ präsident sandte heute Namens der Regierung ein Telegramm an den Fürsten Bismarck, in welchem er das Attentat beklagt und den Fürsten zu seiner Rettung beglückwünscht. Als Vertreter Italiens bei dem Brüsseler Congresse werden der Gesandte Blanc und Lanza fungiren.

Wie weit die Dinge in Sicilien gekommen, lehrt ein Ausschreiben des Präfecten von Palermo, wonach nicht weniger als 139,000 Fr. Prämien auf das Einbringen von acht Räubern gesetzt sind,

und zwar auf das von fünf derselben je 35,000 Fr.

DemFanfulla und derLiberta zu⸗ folge übersandte der König von Italien dem

Fürsten Bismarck telegraphisch seine Glückwünsche, welche Fürst Bismarck unter dem Ausdruck der Dank⸗ barkeit für die Gefühle des Königs beantwortete.

Portugal. Lissabon. Sehr beunruhigende Nachrichten sind von der Westküste Afrika's ange- langt, denen zufolge die wilden Bewohner der Gegend in Bissao nicht weniger als 18 Dörser gänzlich verbrannt und über 300 Personen in die Gefangenschaft geschleppt hätten. Auch die dortigen portugiesischen Besitzungen seien hart mitgenommen worden.

Aus Stadt und Land.

Groß⸗Karben.(Verspätet.) Vom herrlichsten Wetter begünstigt, feierte der hiesige Veteranen- und Soldaten verein am Sonntag den 5. Juli das Enthüllungsfest des Gedenksteines zur Erinnerung der siegreichen Jahre 70 und 71. Im prächligsten Fahnen⸗ und Blumenschmuck prangten die Häuser und Straßen mit großen Fichten besetzt, trugen einWillkommen an den Ehrenpforten, welche an ihren Enden errichtet waren. Schon am Morgen strömten Gäste aus der Nähe und Ferne herbei und am Nach⸗ miitag brachten bekränzte Wagen und die Eisenbahn die geladenen Vereine. Um zwei Uhr setzie sich der Zug, von Reitern eröffnet, denen ein Musikcorps, die Schulkinder, weißgekleidete Mädchen, welche aus Laub und Blumen gewundene Bogen trugen, unter denen die Krieger einher gingen, das Comite, die fremden Vereine u. s. w. folgten, in Bewegung. Am Denkmal angelangt, sprach der Orts⸗ geistliche kräftige Worte. Auf ein Zeichen fiel die Hülle, die Kirchenglocken fingen an zu läuten und im bellen Sonnenschein prangte dicht bei der Friedenslinde vor der Kirche das 20 Fuß bohe aus rothem Sandstein geschmack voll ausgeführte Denkmal. Auf der vorderen Seite liest man die Worte:Gott war mit uns, ihm gehört die Ehre. Auf der rechten die Namen der drei Gefallenen, auf der linken die der drei Verwundeten und auf der Rückseite die Worte: Gegründet durch den Veteranen- und Soldatenverein unter Beihülse der Einwohner von Groß arben. Der hiesige Bürgermeister legte alsdann einen Lorbeerkranz und eine Krone, von den biesigen Mädchen auf einem Kissen überreicht, auf das Denkmal und sprach der Gemeinde Worte des Dankes für die bereitwillig ge⸗ wäbrten Mliitel zur Errichtung des Gedenksteins. Das LiedNun danket alle Gott und eine dreifache Salve machten der Feier ein Ende. Der Zug bewegte sich dann zum Festplatz, woselbst in drei Zelten den Gästen Enfrisch⸗ ungen gespendet wurden. Am Abend wurde ein brillantes Feuerwerk abgebrannt. Eine mehrstündige freie Carroussel⸗ fahrt der Schulkinder und Absingen eines Chorals bildete am Dienstag Abend den Schluß des Festes. 5

Gießen, 15. Juli. Heute Nachmittag wurde von Herrn Turnlehrer Rübsamen ein Bübchen von 4 Jahren an der Bärcn'schen Bleiche aus der Lahn gezogen, nachdem es schon mehrere Male untergetaucht war. Es dürfte dies eine Warnung für manche Eltern sein, ihre Kleinen nicht unbewacht am Wasser sich umhertummeln zu lassen.

Gießen. Auf dem Oswald'schen Garten am Steig⸗ haus campirt eben ein hiesiger Einwohner mit mehreren (leinen Kindern, das jüngste von einem Jahre, unter freiem Himmel. Obdachlosigkett ist die Ursache.

Darmstad i. In dem Eberstädter Walde unweit der nach Darmstadt führenden Staatsstraße wurde die Leiche eines Frauenzimmers, welches sich durch Erbängen den Tod gegeben, aufgefunden. Näheres über die Persönlichkeit, bei welcher man 2 fl. 15 kr. vorfand, ist zur Zeit noch nicht zu ermitteln gewesen. 5

Darmstadt, 16. Juli. Die gestern im Eberstädter Wald erhängt gefundene Frauensperson wurde als eine aus Brandau gebürtigte, in Nieder-Beerbach dienende Magd recognoscict. Es ist dieselbe, die vorgestern als Zeugin in einer Anklage wegen eines auf ihre Ehre ver⸗ suchien Attentats vor das Schwurgericht geladen war, aber nicht erschien, sondern es vorzog, sich den Tod zu geben.

Darmstadt. Daß es mit der Schulbildung im Großherzogthum Hessen nicht schlecht bestellt ist, har sich durch die im Ersatz⸗Jahre 1873/74 bei der Großh. Hess. 25. Division angestellien hessischen Unterthanen abermals gezeigt. Eingestellt wurden aus der Provinz Starkenburg 831 Mann, wovon 3 ohne Schulbildung; aus Ober hessen 1103 Maun, dabei 5 ohne Schulbildung; aus Rheinhessen 678 Mann, dabei 2 ohne Schulbildung. Während der letzten 6 Ersatzjahre wurden im Ganzen 17,907 Mann eingestellt, wovon nur 76, oder 0,43 Procent keine Schulbildung genossen hatten.

Darmstadt. Dem Gießener Anzeiger theilt man von hier einen komischen Streitfall mit, den wir unsern ge⸗ ehrten Lesern nicht vorenthalten wollen. Ein im östlichen Stadiviertel belegenes Fayence ⸗Osengeschäft hat sich zum Transport seiner Waaren ein Eselssuhrwerk angeschafft und führt das edle Zugthier den sonst ganz ehrbaren Namen Fritz. An einem der letzten Tage erklärt nun der mit dem Fuhrwerk zurückkehrende Häsnerbursche protestirend, daß er denFritz uicht mehr in die Stadt führe, denn ein gewisser Hr. M., den sein Beruf oft durch die dortige Straße söhrt, nehme immer vor ihnen ehrerbietig den Hut ab, mit dem Gruß:Guten Tag meine Herren. Die Sache wurde indeß glücklicher Welse verglichen, so daß ein Klagesall nicht daraus erwachsen ist.

Jugenheim i. d. B., 15. Juli. Vorgestern Nach⸗

mittag gegen 4 Uhr wurde in Jugenheim und Umgebung

ein Erdbeben verspürt das so siark war, daß durch die Erschütierung Ziegel von den Dächern fielen.

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