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Provinzen Starkenburg und Oberbessen nebst
Motiven gelangen lassen. a 8 Jugenheim, 14. Juni. Die Kaiserin von Rußland ist heute Nachmittag 1 Uhr bier einge- troffen. Morgen Nachmittag wird der Besuch der Kaiserin Augusta aus Baden-Baden erwartet.
Berlin. Der Handelsminister hat am s. M. den Eisenbahnverwaltungen zur Kenntniß ge⸗— bracht, daß die Erhöhung der Tarife um 20 pCt. definitiv am 1. August d. J. eintritt.
— Der Justiz- Ausschuß des Bundesrathes dat die Wahl einer Commission von 11 Mit gliedern zur Ausarbeitung eines deutschen Civil⸗ gesetzbuches beantragt. Die im Reichstage angeregte Reviston der Gesetzgebung über das Actienwesen soll bis zur allgemeinen Revision des Handels. gesetzbuches verschoben und mit diesem verbunden werden.— Der von dem bayerischen Bevollmäch⸗ tigten beim Bundesrath gestellte Antrag, die Ent— würfe zu den Reichsgesetzen nach vorhergegangener Vernehmung der verbündeten Regierungen im Reichskanzleramt oder auf dessen Veranlassung zu fertigen, in wichtigen Fällen aber die Möglichkeit offen zu halten, schon in den Stadien der Vorbe- reitung solcher Gesetze an deren Abfassung mitzu wirken, wird, den Blättern zufolge, lebhaft erörtert und dürfte zur Errichtung des Reichsjustiz⸗ Amtes führen.
— 15. Juni. Wie man hört, wird der Oberpräsident in Posen mit der Verwaltung der Erzdiöcese Posen betraut werden. Zum definitiven Verwalter des Vermögens der Erzbisthümer Gnesen und Posen ist der Regierungs Vicepräsident in Posen ernannt. Demselben ist ein Steuerrath als landwirtbschaftlicher Verwalter beigegeben.
— Nach den vorläufigen Ergebnissen der bei den Haussuchungen bei biesigen social-democtatischen Agitatoren gefundenen Acten, Bücher und Papiere, die gegenwärtig der Staals-Anwaltschaft vorliegen, wird nicht allein gegen den„Allgemeinen deutschen Arbeiter⸗Verein“, sondern auch gegen die Führer der Eisenacher Social⸗Democraten Anklage wegen Verletzung des Vereins ⸗Gesetzes vom 11. März 1850 erhoben werden. Die Eisenacher social— democratische Partei hat zwar wiederholt erklärt, daß sie weder Vereine bilde, noch Statuten besäße. Nach den dei der jüngsten Haussuchung vorge— fundenen Schriftstücken glaubt jedoch die Staats- Auwaltschaft auch gegen diese Partei wegen Ver letzung des Vereins Gesetzes vorgehen zu können.
Posen. Das mit Beschlag belegte Vermögen des Erzbisthums beträgt eine halbe Million, davon 123,000 Thaler baar und in Werrhpapieren, 100,000 Thlr. Hypotheken, der Rest in unbeweg— lichem Vermögen.
Paderborn. Wie gemeldet, ist das hiesige Kreisgericht durch Verfügung des hiesigen Appel— lationsgerichts angewiesen worden, das Verfahren gegen den Bischof Martin zu sistiren, also von der Verhaftung Abstand zu nehmen. Wie das „Westf. Volsbl.“ erfährt, ist aus der Diöcese ein Gnadengesuch eingereicht, das dem hiesigen Appel— lationsgericht von Berlin aus zur Berichterstattung überwiesen sst. So lange ist das Zwangsver— fahren gegen den Bischof eingestellt. Nach der „Germania“ ist das Gnadengesuch von adligen Damen ausgegangen.
Ems, 15. Juni. Kaiser Wilhelm ist heute Vormittag hier eingetroffen und auf dem Bahn- hofe von dem Kaiser von Rußland in herzlicher Weise empfangen worden. Die Begrüßung Seitens der Einwohner und der zahlreich veesammelten Kur— gäste war eine enthustastische. Beide Kaiser begaben sich von dem Bahnhofe nach den„Vier Thürmen“.
Ems, 16. Juni. Zum Besuche der beiden hier weilenden Kaiser ist die Kaiserin Augusta hier eingetroffen. Der Herzog und die Herzogin von Edinburg begeben sich am 23. von England über Köln nach Jugenheim, woselbst sie am 25. ankommen.
Ulm Gegenwärtig befindet sich hier eine Commission behufs Regelung der hiesigen Festungs⸗ Verbältnisse, bestehend aus preußischen, bayerischen und württembergischen Offizieren und Militär⸗ Beamten.
Freiburg i. B., 12. Juni. Gestern Mittag
thums verwesers Dr. Kübel versteigert. Die An⸗ wesenden, auch die Israeliten, enthielten sich eines Mitgebotes, und so wurden die Gegenstände der Reihe nach um 589 fl. dem Rechtsanwalt Merbe zugeschlagen. Sodann wurden dieselben in die Wohnung des Bischofs zurückgebracht, woselbst sich bereits ein Notar eingefunden halte, um über die „leihweise Ueberlassung“ derselben an den Bis- thumsverweser einen öffentlichen Act aufzunehmen.
Karlsruhe, 15. Juni. Die zweite Kammer genehmigte heute die Staatsverträge betreffs der Eisenbahn-Vecbindungen mit Elsaß Lothringen, Württemberg und Hessen.
Aus Stadt und Land.
* Bad-Nauheim. Am vergangenen Sonntag, As am 2. Sonntag nach Trinitatis, wurde hier ein schönes kirchliches Fest gefeiert; der Wetterauer Zweigverein des Gustav-Adolphvereins feierte nämlich in hiesiger Kirche sein Jahressesd. Prof. Köhler von Friedberg hielt über Matth. 10, 34 die Festrede, worin er in treffenden Worten die Bedeutung und Aufgabe des Vereins klar slellte. Ausgehend von dem Wiederaufbau des Tempels und der Stadimauern zu Jerusalem durch die aus der Hefangenschaft zurückgekehrten Juden und von dem Kampfe, den dieselben mit ihren benachbarten Feinden zu bestehen halten, also, daß sie in der einen Hand das Schwert und in der andern die Kelle führen mußten, zeigte er, daß auch der Gustav-Adolphverein ein Bauverein sei, der seit seinem Bestehen bemüht gewesen, die theilweise zerfallenen Mauern unserer evang. Kirche in brüderlicher Liebe und Eintracht wieder aufzusauen; aber auch ein Kriegerverein, der den ihm von inneren und äußeren Feinden, namentlich don den Ultramontanen aufgedrungenen Kampf nicht scheue, sondern ihn muthig mit dem Schwert des Glau⸗ bens aufnehme. Nicht unseren katholischen Brüdern gelle der Kampf, wohl aber den Ultramontanen; mit ihnen sei kein Friede zu halten, denn das wäre ein fauler, falscher Friede; hier passe das Wort des Herrn: ich bin nicht gekommen Frieden zu senden, sondern das Schwert. Nach der Predigt hielt der Secretär des Vereins, Diakonus Meyer aus Friedberg eine Ansprache, worin er in be⸗ tedten Worten ebenfalls auf die Bedeutung und Wichtig keit des Vereins hinwies, und am Schlusse eine Ueber⸗ sicht der Ein- und Aus gabe des Vereins im letzten Jahre vrelas. Am Schlusse des Goltesdienstes wurde eine Collecte erhoben, welche sich mit der später auf dem Teich⸗ haus erhobenen auf etwa 35 fl. belief; sie wurde für die arme aber opferfreudige evang. Gemeinde Herspitz in Mähren bestimmt. Nach beendigtem Goltesdienst fand im Saal des Teichhauses eine nochmalige Versammlung statt, worin verschiedene Ansprachen gehalten wurden, unter andern von dem Präsidenten des Vereins, Oirckter Schwabe, von dem Secrelär des Hauptvereins, Mil prediger Ritsert aus Darmstadt, und vom Advocalen Curtman, in denen besonders die freudige Opferwilligkeit und Weilherzigkeit des Vereins betont wurde, wolch' letziere namentlich es mö lich gemacht habe, daß der Verein aus einem kleinen unscheinbaren Anfange vor eiwa 42 Jahren jetzt zu einem solch großen Umfang herangewachsen, zu einer protestantischen Macht geworden sei, und welche auch zu der Hoffnung berechtige, daß durch den Gustav-Adolph⸗ verein früher oder späler eine deutsch evang. National- kirche angebahnt werde. Das Fest nahm von Anfang bis Ende einen schönen erfreulichen Verlauf. Möge es auf alle Anwesende und Theilnehmer recht anregend gewirkt und auch Solche für die Sache des Vereins gewonnen haben, die ihm feither“ gleichgültig oder gar feindlich gegenüber gestanden; möge es namentlich unter den Be⸗ wohnern unserer Stadt ein recht lebhaftes Inleresse für den Verein erwecken, denn„wer ihm dient“, sagie ganz treffend einer der Redner,„dient seiner evang. Kirche, und wer feiner evang. Kirche dient, dient ihrem Herin“!.
Cleeberg bei Butzbach, 15. Juni. Heute Nach⸗ mitiag brach dahier Feue« aus, das rasch 2 Häuser und 3 Scheuern einäscherte. Die meisten Leute waren auf dem Felde, als das Unglück geschah. Die Spritze wurde durch den Pfarrer, den Schullehrer und den Förster auf den Branbplatz gezogen. Da sie in schlechliem Zustande war, so konnte sie zur Hülje gar nicht gebraucht werden. Namentlich die Lanogemeinden sollten da doch ein wenig mehr Augenmerk darauf haben, daß die Löschgeräthschaften immer in gusem Stande gehallen werden, une nicht erst der Stall zugemacht wird, wenn die Kuy fort ist.
Neustad i i. O., 14. Juni. Heule Mittag gegen 4 Uor schlug der Blitz in die Kuppel des bohen Thurmes auf dem Breuberg und entzündete die Balken. Durch die sofortige Hülfe der Neustädter Feuerwehr wurde das Feuer alsbald gelöscht. Schaden unbedeutend.
Nachstehender Artikel kommt uns von sehr schätzenswerther Seite zu; wir geben denselben unverkürzt wieder und hoffen, daß er den er⸗ wünschten Erfolg haben möge. Die Redaction.
Ein Brief Virchow's.
Im Hinblick auf den größten, öffent: lichen, gesundheits gefährlichen Miß; stand, welchen Friedberg besitzt, die See- graben⸗Cloake, deren jetziger Zustand ge— radezu seandalös genannt werden muß, theile
2 Uhr wurde das gepfändete Eigenthum des Bis- ich Ihnen in Nachslehenden einen Bries des be—
rühmten Berliner Professors Dr. Virchow, welch
derselbe an die„Vossische Zeitung“ gerichtet hah
mit. Von der lokalen Färbung abgesehen könn das Schreiben ebensogut an unsern Staͤdtvorstand adressirt sein. Dasselbe lautet:
„Berlin, 5. Juni 1874. Hochgeehrter Hen Redacteur! Die bösen Zustände unserer Stroh läufe sind gegenwärtig noch mehr, als in frühere Jahren geeignet, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Der niedrige Wasserstand, die Folg⸗ eines fast schneelosen Winters, läßt die unglaublich Verunreinigung der Spree und der Kanäle in eine, schon für den Geruch fast unerträglichen Weise her vortreten und erregt zugleich die größten Bedenke in Bezug auf die Folgen für die össentliche Gi sundheit. Was soll im Juli oder August werde, wenn schon im Mai die heutige Zersetzung ein solche Höhe erreichte? Von einer ausgiebigerg Spülung kann kaum die Rede sein. Soll wir nun warten, bis im Laufe von Jahr die Kanalisation der Stadt so weit vorgerückt seh wird, daß sie die Stromläufe wieder in(relate reine Wasserstraßen verwandelt? Meiner Mei ung nach ist nur dadurch zu helfen, daß die aus den Häusern den Stromläufeß zufließenden Abwässer wenigstens ein germaßen desinfizirt werden. Seiten der Behörden kann eine solche allgemeine Desis, fektion nicht ausgeführt werden. Aber wohl kan sie ausgeführt werden durch die einzelnen Haut besitzer und Miether, welche das unreine Wassa aus den Häusern liefern. Wenn jeder Haus besitzer und Miether, der Wasserklosett benutzt, oder sonstige Unreinigkeiten in größerer Menge erzeugt, zugleich eine mäßige Menge von Desinfektionsstoffes in die Abtritte und Ausgüsse einschütten will, so wird uns voraussichtlich schos sehr wesentlich geholfen sein. Am meisten eignen sich dazu die jetzt in so großer Menge zu⸗ gänglichen Präparate von Karbolsäure, wie sie bei den Apothekern und Kaufleuten fast überall vorhanden sind; nächsidem Auflösungen von Eisen⸗ vitciol. Sollte es nicht möglich sein, die Mehr- zahl der Bürger dahin zu bestimmen, sich an diesem Werke der Reinigung der Stadt zu bi; theiligen? Sollte nicht Jeder, der sic schuldig füblt, zu der allgemeines Kalamftät beizutragen, sich auch vet⸗ pflichtet fühlen, an seinem Theile mil zuwirken, daß das Uebel wenigstenz ermäßigt wirkt? Ich habe früher zu wiede holten Malen meine Anstrengungen darauf ge richtet, das k. Polizeipräsidium zum Erlaß eine Polizeiverordnung in diesem Sinne zu veranlassen es ist vergeblich gewesen, und ich kann nicht vei⸗ kennen, daß sich manche gegründete Bedenken di⸗ gegen erheben lassen. Aber was heißt dit Selbstverwaltung, wenn die ZBurgeg nicht auch ohne Zwang zu nützlichen Unternehmungen sich vereinigen wol⸗ len? Jeder stinkende Rinnstein zeug gegen diese Bürger. Ich bitte Sie, hoche geehrter Herr, diesen Zeilen eine geneigte Auf⸗ nahme in Ihr geschätztes Blatt gewähren un Ihren großen Einfluß für dessen Ziel einsetze zu wollen. Mit vorzüglicher Hochachtung
R. Virchow.“
Werden die Friedberger Haus besitzer wu Miether, aus deren Häusern der Seegraben uf unreinem Wasser„gespeist“ wird, die Nutza wendung von dem Gesagten machen? Werde uberhaupt die längs des Seegraben Wohnendei sich auch ferner die vom Seegraben ausgehen Luft⸗Verpestung ruhig gesallen lassen? N. bei uns die Gleichgültigkeit in öffentlichen Dingen, selbst da, wo die Gesundheit darunter Noth ladet kann, größer, als die Armuth unsers Stadtsäckelen dem es immerhin noch nicht an Mitteln gebricht schreiende Mißstände zu überkleistern anstalh wie es das öffentliche Wohl erheischt, dau gründlich aufzuräumen??
Diese und andere Fragen, welche die Eu wicklung unserer Stadt betreffen, fänden am Bestih eine Besprechuyg in einer öffentlichen Versammlung Hoffentlich geben diese Zeilen den Anlaß hier
Herbstübung geführten 0 nden wird. liegt, wenn sonstige Räu Auppenthe!
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