Ausgabe 
16.7.1874
 
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Ausland.

Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Der öster⸗ reichische Gesandte in Brüssel, Graf Chotek, ist zum diplomatischen Vertreter Oesterreichs neben dem General Schönfeld für den kriegsrechtlichen Congreß ernannt.

Graz. Wegen erwiesener Theilnahme an dem social-demokratischen Landes⸗Comite hat die Statt⸗ halterei acht Arbeitervereine aufgelöst.

Karlswitz, 13. Juli. Der serbische Kirchen- congreß ist gestern feierlich eröffnet worden. Der königl. Commissär hielt in ungarischer und serbischer Sprache eine Eröffnungsrede, worin er als erste Arbeit des Congresses die Wabl eines Patriarchen und die Entwerfung eines Organisirungsstatuts bezeichnete und zur Mäßigung und Ruhe auffor⸗ derte. Derselbe schloß mit einem Hoch auf den König. Der Patriarchats ⸗Verweser drückte dem Commissär das Vertrauen der Versammlung aus und übernahm den Vorsitz, worauf zur Wahl eines Verificationsausschusses von 15 Mitgliedern geschritten wurde.

Schweiz. Bern, 13. Juli. Die gestern im Canton Solothurn stattgehabste Volksabstim⸗ mung ergab die Annahme sämmtlicher liberalen Gesetzvorlagen betreffs des Staatshaushalts, der Hypothekarkasse und der Erhöhung der Beamten- Besoldungen.

Holland. Haag. Die Holländer nahmen nach amtlichen Depeschen aus Buitenzorg nach leb- hastem Kampfe 2 Verschanzungen der Atschinesen, wodurch den holländischen Stellungen die Ver bindung mit dem Atschinflusse gesichert ist. Die Holländer verloren 4, die Atschinesen 19 Todte.

Frankreich. Paris. Der Marschall Mac Mahon sagt diePresse wird in den nächsten Tagen ein Decret über die Mobilmachung der See- Armee erlassen. Dieses Decret zerlegt das französische Küstenland in fünf Regionen mit den Haupt Orten Cherbourg, Brest, Rochefort, Lorient und Toulon; in diesen Häfen hätten sich im Falle der Mobilmachung die dienstpflichtigen Mannschasten zu gestellen.

Belgien. Brüssel, 12. Juli. Gestern Abend brach im Militärgefangniß zu Vilvorde ein Aufstand aus, welcher aber von den dort be- febligenden Offizieren und Unteroffizieren so energisch bekämpft wurde es wurde zuletzt scharf unter die Meuterer gefeuert daß, als die herbeitele⸗ graphirten Truppen aus Mechein und Brüssel marschfertig standen, Gegenbefehl eintraf. Der Aufstands⸗ oder vielmehr Befreiungs versuch war vereitelt und die Rädelsführer bereits im strengsten Gewahrsam. aus Vilvorde von heute zufolge stehen die Cara biniers, welche zur Unterdrückung der Meuterei dorthin gesandt wurden, noch immer in der Nähe des Militärgefängnisses. Die Meuterei ist indessen beendet. Es sind nur wenige Verwundungen vor gekommen.

Dänemark. Kopenhagen. lautet, hat der Minister des Innern, Fonneebech, den ihm vom Könige ertheilten Auftrag, ein neues Cabinet zu bilden, angenommen.

14. Juli. Die heutigen Morgenblätter melden übereinstimmend, daß das Cabinet, wie folgt, neu gebildet ist: Der bisherige Minister des Innern Fonnesbeck Conseilspräsidium und Finanzen, Generaldirector Tobiesen Inneres, Archäolog und Etaterath Vorhaar Cultus und Aeußeres. Die Minister des Krieges, der Marine und Justiz ver- bleiben auf ihren Posten. Der Marineminister wird zugleich interimistisch das Kriegsministerium über- nehmen, falls Tyomsen seine Demisston geben sollte.

Großbritannien. Dudley, 14. Juli. Ein gestern stattgehabtes Monstre-Meeting der Kohlengruben⸗Arbeiter lehnte die von den Gruben- Besitzern in der Versammlung zu Birmingham ge machten Vergleichs ⸗Vorschläge ab. Spanien. Madrid, 12. Juli. Der Minister des Auswärtigen, Carvajal, hat die Vertreter Spaniens im Auslande angewiesen, die Behauptung Dorregaray's, Zabala habe ein rück sichtloses Vorgehen gegen die Carlisten aubefohlen, zu dementiren. Moriones ist in Tafalla. Zaballa in Lograno.

Einer Depesche desEtoile belge

Wie ver⸗

Santander, 12. Juli. Die in den Pariser Abendblättern veröffentlichte Erklärung des car listischen Generals Dorregaray zählt alle von den spanischen Regierungstruppen angeblich verübten Grausamkeiten auf und sagt, Dorregaray werde den Krieg ohne Erbarmen und Pardon führen. Er habe kürzlich die Gefangenen deeimirt und werde fortan alle Gefangenen erschießen, bis die Regierungstruppen den Gebräuchen der civilisirten Nationen entsprechender verfahren würden.

12. Juli. Ein 3000 Mann starkes car- listisches Corvs hat heute früh mit 7 Geschützen das Feuer auf Puyeerda eröffnet. Ein britisches Schiff hat angeblich 25 Krupp'sche Kanonen an der Küste von Biscaya gelandet.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 14. Juli 1874, 10 Uhr Morgens. Soeben ging ein Telegramm an den Fürsten Bismarck nach Kissingen ab folgenden Inhaltes:Der Schuß galt dem deuischen Reiche. Gott schütze es, wie er Ew. Durch⸗ laucht 2 mal gnädig vor Mörderbänden bewahrte. Die Friedberger Bürgerschaft. Der Kürze der Zeit wegen konnte eine Liste zur Unterschrift nicht eirculiren. Die Absender waren jedoch der vollen Zustimmung der Bürger sich bewußt und handelten darnach.

Bad⸗Nauheim. Wie in vorderen Jahren wird auch jetzt wieder Dienstag den 21. d. M. der Kur- und Ver⸗ schönerungs-Verein ein Concert zum Besten seiner Kasse veranstalten, und sind die dazu gewonnenen Kräfte so aus⸗ gezeichnete, daß wir nicht unterlassen wollen, heute schon das kunstliebende Publikum darauf aufmerksam zu machen. Die Königliche Hofopernsängerin Fräulein Louise Hucke aus München, welche sich bereits im Concert am 7. d. M. mit duichschlagendem Erfolge hören ließ, hat ihre Miwirkung auf das Liebenswürdigste zugesagt; sie singt eine Arie aus den sieben Raben von Reinberger und mehrere Lieder von Schumann und Taubert. Unsec Landsmann, Herr Con- cerimeister Rosenbecker, gebürtig aus Steinfurth und künst⸗ lerisch thätig als Concertmeister in der Tyomas'schen Kapelle zu New⸗Pork, unterbricht seine gegenwärtige Muse und spielt mehrere Violin-Soli. Eine junge Dame aus Dambutg, jetzt Kurgast dahiec, wird das H moll Capriccio von Mendelssohn mu Orchesterbeglettung und noch zwei Claviersoli zum Vortrag bringen. Edenso werden zwei musikalische Damen aus Friedberg durch ein Violinsolo mit Klavierbegleitung die gute Sache unterstützen, und sollen noch das Suändchen von Schubert als Solo für Vennl⸗Trompete, sowie ein Trio aus der klassischen Musik im Programm vorgesehen sein. Königl. Musikdirector Herr Rosenktanz hat in zuvorkommendfter Weise die musikalische Leitung des Ganzen übernommen, und be ginnt mu der Ouverture zudie lustigen Weiber. Der Verein, welcher seine sämmtlichen Mittel zu öffentlichen, gemeinnützigen Zwecken Nauheims als Kurstadt ver wendet, und um so mehr wirken kann, je größer seine Mittel sind, sucht sonach Allen, welche ihm durch Besuch des Conceris eine Beisteuer zufließen lassen, dafür einen großen musikalischen Genuß zu bereiten, und kann man jeder guten Sache immer nur einen guten Erfolg, hier also ein ausverkauftes Haus wünschen.

Darmstadt, 14. Juli. Gestern Nachmittag wäre in dem Baffin des Brunnens auf dem Mathildenplatz ein Kind beinahe ertrunken. Dasselbe war auf den steinernen Rand geklettert und lief darauf hin und her bis es schließlich ins Wasser fiel. Auf das Hülfegeschrei zu schauender Kinder eilte ein Mann herbei der das dem Tode nahe Kind noch rechtzeitig herauszog. Bessungen, 13. Juli. Heule Morgen nach 3 Uhr brach in der Hofrauhe von Bäckermeiner Creier in der oberen Ludwigsstraße Feuer aus, das in kurzer Zeit einen bewohnten Hinterbau zerstöcte. Das dacin befindlich ge⸗ wesene Mobiliar ist leidet mit verbrannt. Dem raschen Eingreifen der Turner-Feuerwehr ist es zu danken, daß das Feuer auf seinem Herd beschränkt blieb, das für die angrenzende Nachbarschaft leich! dadurch gefährlich werden konnte, da der betreffende Hinterbau aus einer großen Holz Baracke bestand.

Bensheim. Am vefflossenen Sonntag fand dahier eine Versammlung von Freunden der Naturwissenschaften aus Frankfurt, Heidelberg, Darmstadt, Mainz, Zweibrücken, Neusiadt a. H. Dürkheim und Wiesbaden statt. Als Resultat derselben ist zu verzeichnen, daß man beschloß, alljährlich behufs geistigen Austausches eine Zusammenkunft abzuhalten, und zwar wurde als Vorort für das nächste Jahr Wiesbaden gewählt.

Castel, 13. Juli. Bei dem gestern Nachmittag statt⸗ gehabten Gewitter wollte der Inspeclor der Taunusbahn dabier den Zug telegraphisch signalisiren, als in demselben Augenblick der Blitz in den Draht fuhr und den einen Arm des Inspectors total lähmte.

Nieder-Moos, 12. Juli. Heute wurde dahier eine junge kräftige Dienstmagd begraben, welche am vorigen Freitag den 10. noch srisch und gesund gewesen war. Sie war des Mittags mit an die Heuerndte gegangen, wo ihr die große Hitze sehr beschwerlich gewesen war und sie, um sich zu erfrischen, die Unvorsichtigkeit beging, ihre Füße in dem nahen Bach alzukühlen. Drei Stunden darauf war sie eine Leiche.

Gundheim, 10. Juli. Gestern Nachmistag zwischen 3 und 4 Uhr zog ein schweres Gewilter, von Nordwest kommend, über den hiesigen Ort. Nach nur wenigen, aber heftigen Donnerschlägen erfolgte abermals ein Blitz

und zugleich ein furchtbarer Donnerschlag, der aber nut von der Dauer eines Augenblickes gewesen sein mag. Der Blitz fuhr in die Wohnung des hiesigen Schreinermeisters Phil. Schreiber IV., warf dessen Frau und seinen gerabt anwesenden Vater besinnungslos zu Boden und richtete in den inneren Räumen des Hauses mancherlei Zerstör⸗ ungen an. Die Niedergeworfenen haben fich später wieder erholt; die Frau trug jedoch einige Brandwunden davon. Auch auf Beiten und anderen Gegenständen entdeckte man Brandspuren.

Worms, 11. Juli. Gestern Vormittag fiel oberbalb der Brücke ein Kind in den Gießen; eine Frau, die sofort nachsprang, konnte das Kind nicht retten und war gleich: falls dem Ertrinken nahe. Ein wackerer Arbeiter Namens Prag, die Gefahr der Beiden bemerkend, eilte rasch zu Hülfe und brachte Beide glücklich an das Land.

Alzey, 10. Juli. Als Warnung gegen zu rasches Trinken bei großer Hitze möge folgender Fall dienen. Der 21jährige Ackersbursche R. von Lohnsheim kam gestern vom Felde nach Hause, als er auch sogleich in den Keller ging und sich Bier holte. Nachdem er solches getrunken, stürzte er zusammen und war sofort eine Leiche. 4

Alzey, 11. Juli. Heute Morgen erschoß sich der 16jäbrige Realschüler O. Klein im Garten seiner Mutter. Die Motive zur That sind noch unbekannt.

Allerlei.

Frankfurt. Eine der hervorragendsten Zierden des hiesigen zoologischen Gartens ist das Raubthierhaus, bessen zweckmäßige Einrichtung und geschmackvolle Bauart allge⸗ meinen Beifall findet. Es schien bisher nur etwas allzu geräumig für die darin untergebrachten Thiere. Nachdem aber in den letzten Tagen ein Silberlöwe und vier afrikg, nische Leoparden eingetroffen sind, haben sich sämmllich: Abiheilungen gefüllt. Die Sammlung besteht jetzt aus einem Paar Löwen, einem Silberlöwen, einem Paar Königstiger, einem javanischen Panther, vier Lopaeden und einer gestreiften Hyäne. Aber auch in anderer Richi⸗ ung wird der Thierbestand fortwährend vergrößert und fast täglich langen Zusendungen aus allen Weltgegenden bier an. Besonders reich ist jetzt das Affenhaus besetzt. Außerdem sind ein Paar brasilianische Rüsselbären ange kommen, ferner zwei Seehunde, verschiedene Arten von Raubovögeln, Papageien und anderes, so daß der Garzen jetzt ein ungemein belebtes Bild darstellt und ein Gan, durch denselben im höchsten Grade unterhaltend und bed lehrend ist.*

Frankfurt, 13. Juli. Gestern Nachmittag gelang es einem der neu angekommenen jungen Leoparden des Zoologischen Gartens, zwischen den oberen Gitterstäben, welche die Bedachung des Käfigs bilden, sich hindurch zu zwängen und in einen, über dem Raubthier-Hause sich hinziehenden Hohlraum zu kriechen. Es wurden sofort die umfassendsten Vorkehrungen getroffen, um dem Thier das Verlassen seines Zufluchts⸗Orts unmöglich zu machen, und mittelst einer entsprechenden Falle gelang es am Avend, dasselbe wieder einzufangen. Die zum Schutze des Publikums getroffenen Sicherheits-Maßregeln waren derart, daß die Besucher, deren Zahl sich am Nachmittag auf einige Tausende belaufen mochte, sich mit völliger Ruhe im ganzen Garten bewegen konnten. Ein Com- mando Soldaten war aufgeboten und umstellte mit ge labdenen Gewehren den bedrohten Punkt und die Fenster des Raubthier-Hauses wurden stark verbarrikadirt.

Hanau, 12. Juli. Der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde zu Kassel hält am 23. Juli d. J. seine Jahresversammlung zu Wilhelmsbad bei Hanau ab. Die denachbarten Vereine, wie der Frankfurter Geschich is verein, Seitens dessen eine zahlreiche Betheiligung bereits gesichert ist, und der historische Verein für das Großherzogthum Hessen sind zur Theilnahme eingeladen. Die Verhand⸗ lungen werden Morgens 11 Uhr beginnen(um 10 Uhr 41 Min. bält der von Frankfurt kommende Zug in Wil⸗ helmsbad), das Festessen im Kursaale um Uhr. Unter den angekündigten Vorträgen heben wir den des Herrn Museumsdireckor Dr. Pinder zu Kasselüber neuere Funde in germanischen Begräbnißstätten Nieder⸗ hessens hervor.

Kassel, 12. Juli. Der neunte deutsche Feuerwehr⸗Tag, zu dem sich 800 Theilnehmer aus fast allen Gegenden des deulschen Reichs, sowie Deuisch Oesterreichs eingefunden haben, ist beute dabier eröffnet worden.

Eisenach, 12. Juli. Heute Nachmittag ist Fritz Reuler seinen längeren Leiden erlegen. Die Nachricht von seinem Tode kam dennoch unerwartet.

Handel und Verkehr.

Friedberg, 15. Juli. Waizen 17 fl. 10 kr.; Korn 13 fl. kr.; Gerste 12 fl. 30 kr.; Hafer 10 fl. 40 kr. Alle Preise verstehen sich per 100 Kilo.

Frankfurt, 13. Juli. Der heutige Viehmarkt war zwar gut befahren, aber die Händler waren bei ihren Forderungen zäh wie Lappleder, und müssen wir statt dem gehofften Preisrückgang einen Aufschlag notiren. Angetrieben waren: 336 Ochsen, 200 Kühe, 190 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 4042 fl., 2. Qual. 3840 fl., Kühe 1. Qual

37 fl., 2. Qual. 35 fl., Kälber 37 fl., Hämmel 37 fl.

per Cir.

Frankfurt, 13. Juli. Fruchtbericht. Mehl Nr. 1 27 fl., Nr. 2 25½ fl., Nr. 3 22½ fl., Nr. 4 18½ bis 19 fl., Nr. 5 16/½ 17 fl., Roggenmebl%(Berlinel Marke) 18½ fl., do II.(Berliner Marke) 12/ fl. Waizen effecliv hies. 17½¼/ fl., Korn 11½188/ fl., Gerste 13 ½ bis 14½ fl., Hafer 12½12½ fl., Kohlsamen 17½ fl.,

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