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15.8.1874
 
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55 K J.

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Hberhessischer Anzeiger.

M 96.

5 Beilage.

Dieutsches Reich. Mainz, 12. Aug. Der Großherzog traf ute Mittag von Friedberg hier ein. Derselbe wird nächsten Freitag 11 Uhr die Industrie-Aus⸗ lung feierlichst eröffnen. Die Ausstellung ist gänzend beschickt.

Berlin, 11. Aug. Der Kaiser ist im besten Vohlsein von Gastein auf Schloß Babelsberg engetroffen und wird hier bis zu seiner Abreise tuch Hannover, wo er den Manövern beiwohnen ball, residiren; nach den bisherigen Dispositionen rard der Kaiser fast während des ganzen Monats Leptember mit Truppenbesichtigungen und anderen kilitärischen Angelegenheiten beschäftigt sein.

Im biesigen Hotel des Fürsten Bismarck erden zu dessen bevorstehender Ankunft Vorkehr- ingen getroffen. Der Reichskanzler wird sich nige Tage bier aufhalten und dann eine fernere geise unternehmen; wohin, darüber schwanken die ingaben. Mit dem Anfang des Monats October denkt der Fürst seinen dauernden Aufenthalt in berlin zu nehmen und sich seiner amtlichen Thätig t wieder zuzuwenden.

13. August. Fürst Bismarck ist Nachts 2 Uhr 25 Min. hier eingetroffen.

5 Posen. DemKurper zufolge haben Dekan Lichalak und Propst Echaust ihren Protest gegen de Anordnung der staatlichen Diöcesan-Verwalt⸗ ung zurückgezogen und kehren in Felge dessen in

ire betreffenden Sprengel zurück.

Braunschweig. Es wird derBg. Z. won sehr glaubwürdiger Seite die Mittheilung gmacht, daß die von verschiedenen Blättern an- gkündigte Verlobung des Herzogs Wilhelm mit dir Prinzessin Friederike, Tochter des Ex⸗Königs en Hannover, nichts als eine Erfindung sei. karschiedene Blätter weisen darauf hin, daß in kwaunschweig das salische Gesetz nicht gelte, mit- en eine Ehe des Herzogs seiner Gemahlin die Lucession als Regentin sichern würde. Schwerin, 9. Aug. Der Großberzog hriedrich Franz von Meklenburg ist heute Nach- 1 ttag mit seiner Mutter und seiner Tochter, der hrinzessin Marie, nach Petersburg abgereist, wo de Vermählung der Letzteren mit dem Großfürsten Liladimir, zweitem Sohne des Kaisers Alexander un Rußland, in der nächsten Zeit vollzogen der den soll.

Rüdesheim, 9. Aug. Vorgestern fand bei * Vorstands⸗Mitgliedern des hiesigen katholischen Vänner Vereins polizeiliche Haussuchung statt. ler Verein ist nicht(wie kürzlich dasMainzer urnal mittheilte) geschlossen.

Schweinfurt. Der Redacteur derIn- zulst. Ztg. wurde am 6. d. auf Requisition des ltersuchungsrichters in Schweinfurt als Zeuge lich vernommen über eine in derIngolst. gig. gebrachte Notiz, ein jüdischer Handelsmann be schon sechs Tage vor dem Attentat auf Esmarck erzählt:Auf Bismarck ist geschossen vorden.

Kissingen, 12. Aug. Fürst Bismarck ist ute Vormittag Uhr von hier abgereist. Über den Erfolg der Kur hat der Fürst sich vaderholt auf das Günstigste gusgesprochen. Der ede wurde vor dem Hause, in dem er gewohnt sctte, sowie auf dem Bahnhofe von dem Publikum ufs Wärmste begrüßt. Der behandelnde Arzt is Fürsten, Dr. Diruff, ist zum bayerischen Hof- lh ernannt worden.

Nürnberg. Das hiesige Bezirks- Amt ver- nt jetzt auch Maßregeln gegen die bisher unbe ustandet gebliebenen Mitgliedschaften der social mmokratischen Arbeiter-Partei in den benachbarten end- Gemeinden; die Mitgliedschaft in Glais- emmer wurde aufgelöst und in Schweinau wurde i dem Vertrauensmanne der Partei eine Haus- chung vorgenommen.

Straßburg. Die kaiserliche Tabaks⸗Manu⸗ sicur soll nun in der That endlich Privat⸗Händen ibergeben werden, und zwar, wie versichert wird,

ö

in der Weise, daß ein Consortium von Straß burger und deutschen Geldmännern den Betrieb der Manufactur pachtweise übernimmt. Die be⸗ züglichen Verhandlungen sind dem Abschlusse nahe.

Ausland.

Oesterreich⸗UUngarn. Wien, 11. Aug. In Folge gemeinsamer Vereinbarung der russischen, englischen und italienischen Regierung reifte der Beschluß sofortiger gleichzeitiger Anerkennung der Regierung Spaniens durch diese Mächte.

Die amtlicheWiener Zeitung veröffent- licht ein kaiserl. Patent, durch welches die Land tage von Istrien, Görz und Gradiska auf den 20. August, der von Triest auf den 29. August, die übrigen auf den 15. September einberufen werden.

Lemberg. Von hier schreibt man demN. W. Tgbl. vonzuverlässiger Seite unterm 6. August:Beim vorgestrigen Feld Manöver wurde in der Rähe des Erzherzogs Albrecht und des Stabes scharf geschossen. Der Landes-Com- mandirende Graf Neipperg verhängte deshalb über zwei Regimenter Kasernen-Arrest.

Frankreich. Paris. Bazaine ist auf einem Boot entflohen, das an das Fort heran- gefahren ist. Das Seil, an welchem er hinab⸗ geglitten ist, trägt Blutspuren. Das Boot ist von einem Dampfer aufgenommen worden, der zwischen Ventimiglia und Genua gelandet ist. Oberst Villette ist im Fort St. Nicolas von Marseille internirt. General Laval ist mit der Untersuchung beauftragt und nach der Insel St. Marguerite abgereist.

Ueber Bazaine's Flucht melden die neuesten Pariser Telegramme derIndépendance belge: Bazaine's Gattin, sowie ein Vetter von ihm, spielten bei seinem Entkommen die Hauptrolle. Sie gelangten zur Insel St. Marguerite auf einem gemietheten Boote; Madame Bazaine handhabte persönlich die Ruder. Ein Avisodampfer, dessen Flagge man nicht erkennen konnte, wurde an dem Tage der Flucht bis drei Viertel zehn Uhr Abends auf der Höhe der Insel kreuzend gesehen. Der Exmarschall promenirte an demselben Abend lange Zeit auf der Terrasse des Forts in Gesellschast des Obersten Villette und des Gefängnißdirectors.

Der Plan zur Flucht Bazaine's soll be⸗ reits seit sechs Wochen bestanden haben. Bazaine sei demselben Anfangs abgeneigt gewesen und hätte erst zugestimmt, als der letzte Versuch seiner Frau, die Umwandlung seiner Gefängniß rafe in Verbannung herbeizuführen, scheiterte. Das zur Flucht benutzte Schiff ist ein italienisches. Der Procurator in Grasse hat den Gefängnißdirector und die Wärter des Focts verhaftet. Die Truppen sind consignirt. Statt der Linientruppen hat Gendarmerie die Posten besetzt. Wo Bazaine gelandet, ist, ob in Italien oder in Spanien, weiß man nicht..

Wie dieAgence Havas meldet, ist die Regierung entschlossen, England nachzuahmen und die spanische Regierung anzuerkennen. In Folge dessen solle, wie versichert werde, der Marquis Veja de Armijo, Vertreter Spaniens in Paris, von der spanischen Regierung sofort seine Be glaubigungsschreiben erbeten haben. Man glaubt nicht, daß VBazaine sich des Seiles zur Ausführung seiner Entweichung bedient habe, nimmt vielmehr an, daß dasselbe angebracht worden sei, um von der wahren Spur abzulenken, um die wirklichen Mittel und Wege zur Flucht zu verdecken.

Belgien. Brüssel, 12. Aug. Die Ex⸗ Marschallin Bazaine ist gestern in Spaa ange kommen und erwartet ihren Mann morgen, Don nerstag. Die Zimmer waren seit 14 Tagen schon in demselben Hotel bestellt, wo die Kronprinzessin von Italien abgestiegen ist. Man signalisirt die

Anwesenheit mehrerer Bonapartisten in Spaa.

13. Aug. Frau Bazaine hat ihre Kinder in Spaa gelassen und ist unter Ankündigung bal⸗ diger Rückkehr abgereist.

Großbritannien. London. Die neueste Wendung der englischen Tories in Bezug auf die deutschen Vorschläge zur Anerkennung der spanischen Regierung soll dem persönlichen Einfluß des deut⸗ schen Kronprinzen zu verdanken sein. Die Eng⸗ länder sträubten sich etwas dagegen, weil die Fortdauer des carlistischen Kriegs ihrem Schmuggel- Handel besonders nützlich ist.

Spanien. Madrid, 12, Aug. General Moriones hat gestern mit dem ersten Corps den Carlisten die wichtigen Positionen nebst dem Dorfe von Oteiza weggenommen, wo sich Mendici mit 18 Bataillonen, außerdem Cavallerie und Artillerie verschanzt hatte.

Reisende melden, daß Don Alphonso in den von ihm beunruhigten Provinzen folgende Anordnungen erlassen hat: 1) eine Anordnung, be treffend die Confiscation der Güter von Anhängern der Regierung; 2) eine Anordnung, nach welcher für jeden Soldaten, den ein Ort zur Regierungs- Armee stellen würde, eine Geldbuße von 2500 Frs. zu zahlen ist; 3) eine Anordnung, nach welcher diejenigen gefangenen Regierungs- Soldaten, die binnen Monatsfrist nicht in die carlistische Armee eintreten, erschossen werden sollen. Die Divisionen Zabala und Laserna haben sich bei Miranda vereinigt.

DerImparcial versichert, daß Frank- reich, Deutschland und England die Regierung des Marschalls Serrano anerkannt haben.

Italien. Genua, 12. August. Nach einem vielfach verbreiteten Gerücht, wäre Bazaine bier heimlich geland:t und sofort weiter gereist. Das Ziel seiner Reise ist unbekannt.

Amerika. New Nork. Die Neger⸗ Emeuten in Arcansas mehren sich. Die Weißen in Austin sind von Negern umringt. Beide Par- teien bewaffnen sich.

12. August. Hier eingegangenen Nach- richten zufolge hatten sich die Neger der Stadt Austin bemächtigt, wurden indeß von 400 Weißen wieder daraus vertrieben. Man fürchtet, daß die Neger ihren Angriff erneuern werden. Die Bürger von Mempbis sind zu den Waffen ge⸗ rufen worden. General Cholmers, der auf den Schauplatz der Unruhen abzugeben im Begriffe war, hat Verstärkungen von Munition nachgesucht.

Washington, 13. August. Die Ruhe- störungen in Austin haben aufgehört. Die be- waffneten Banden sind freiwillig zur Ordnung zurückgekehrt.

Aus Stadt und Land.

Pfungstadt, 12. Aug. Heute Morgen wurde in der Nähe des Orts die Leiche eines alten Mannes an einem Baume hängend aufgefunden. Der Unglückliche hatte be⸗ reits früher einmal den Versuch gemacht, sich zu erbängen, war aber damals noch rechtzeitig abgeschnitten worden. Nahrungssorgen scheinen das Motiv der That gewesen zu sein. Es ist dies seit wenigen Tagen der zweite Selbst⸗ mord eines alten Mannes.

Darmstadt, 12. Aug. Gestern Abend erbängte sich in der Reiterkaserne ein aus Westphalen gebürtigter Dragoner, angeblich weil auf ihm der Verdacht eines Diebstahls ge⸗ lastet haben soll.

Darmstadt. Zwei hoffnungsvolle Bürschchen und eine 16jähr. Schöne, fämmtlich von bier gebürtig, hatten von einem elegant möblirten Gartenhäuschen imhohlen Weg ohne Einwilligung des Eigentümers Besitz ergriffen und sich daselbst längere Zeit sehr behaglich niedergelassen, bis endlich die rauhe Hand des Schicksals das ibyllische Zusammenleben durch Verbringung in das Arresthaus grausam zerstörte.

Mainz, 11. Aug. Heute Morgen ist in Castel ein kleines Mädchen von 3 Jahren verbrannt. Die Mutter halte das im Bette liegende Kind allein gelassen, um in den Keller zu gehen; es scheint in der Näbe des Bettes Steeichfeulerzeug gelegen zu haben, welches für das Kind erreichbar war. Dasselbe hat wohl danach gegriffen, viel⸗ leicht damit gespielt, kurz, plötzlich hatte das Bett Feuer gefangen. Das arme Kind wollte fort, das brennende Kissen fiel ihm nach und als die Mutter zurückkehrte, war das Enisetzliche geschehen. Das Kind lag, eine Leiche, auf

dem Boden, unter ihm das verkohlte Küssen.