Ausgabe 
10.9.1874
 
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Hendaye, 4. Sept. Die Carlisten haben in der Nähe von San Sebastian einen Matrosen don der preußischen CorvetteAlbatros aufge- griffen. Sie überlieferten denselben den hiesigen französischen Behörden, welche ihn dem deutschen Consul in Bayonne zuschickten.

Holland. Haag. Nach einer hier einge troffenen Depesche aus Atchin vom 3. d. hätten sich die Ortschaften Patti und Kloewang(Nord- westküste) den Holländern bereits unterworfen; auch an der Nordostküste werde wegen der Unter- werfung unterhandelt.

Belgien. Brüssel, 6. Sept. Der König hat heute Nachmittag den spanischen Gesandten Tetuan zur Entgegennahme seiner Creditive empfangen.

7. Sept. Die Gemeinde-Behörden von Verviers verweigerten die Erlaubniß zur Feier einer öffentlichen Messe bei Gelegenheit der für morgen von der Geistlichkeit ins Werk gesetzten großen Wallfahrt. Da die Internationalen gleichzeitig eine Gegendemonstration durch Arbeitergesellschaften mit Musik und Fahnen angekündigt haben, so ere wägt die Stadtbehörde, ob nicht beides, die Wall. fahrt und der Aufzug der Internationalisten, zu verbieten sei.

Wilhelm in diesem Sinne persönlich an den König,

bedauernd, daß ihn Gesundheitsrücksichten an dem Besuche verhindern.

Amerika. New Nork. Die republi⸗ kanische Convention der südlichen Staaten der Union ist zur Berathung der Lage der Südstaaten zusammenberufen worden. In der Gegend des oberen Missisippi erscheinen zahlreiche Haufen In dianer, deren Auftreten feindlich ist.

China. Shangai. Gerüchtweise verlautet, die Schwierigkeiten zwischen China und Japan wegen der Insel Formosa seien beigelegt.

Aus Stadt und Land.

Rodheim v. d. H., 8. Sept. Bei der heute dahier stattgefundenen Wahl eines Bürgermeisters wurden von 328 Stimmberechtigten 270 Stimmen abgegeben und fielen diese sämmtlich auf den seitherigen Bürgermeister Jacobi. Es verdient bies bei den dermaligen Ortsvor standswahlen gewiß seltene Resultat auch auswärts bekann: zu werden, wie es auch den Bürgern Rodheim's das Zeugniß geben dürfte, daß sie die Männer zu schätzen wissen, die das wahre Wohl der Gemeinde nach allen Beziehungen zu vertreten bestrebt sind.

Gießen. Der außerordentliche Professor für Mathe matik, Dr. Paul Gordan, hat eine Berufung, nach Er⸗

langen angenommen.

Gießen, 7. Sept. Gestern Nachmittag 3 Uhr sprang ein Lumpensammler aus der Gegend von Battenberg von

französische Consul beförderte die Abenteurer nach London.

London, 7. Sept. DerGreat Eastern, welcher das fünfte Telegraphenkabel zwischen England und Amerika legt, ist bei den Skelliks-Inseln angekommen und tele⸗

vorhanden, heute die letzte Splissung vorzunehmen.

Landwirthschaftliches.

Ernte⸗Ergebnisse. Wenn auch eine definitive Bestimmung der Ernteresultate erst möglich ist, wenn die Druschergebnisse bekannt sind, so erlauben doch schon die vorliegenden Berichte über den Stand des Getreides bei der Ernte einen ziemlich sichern Schluß auf die künftigen Getteidemärkte. Sehr auffallend ist es, daß in den ein⸗ zelnen Ländern, mehr aber noch in den einzelnen Provinzen, die Crnte-Ergebnisse so außerordentlich verschieden sind, was seinen Grund vorzugsweise in den starken, oft mehr nur strichweise aufgetretenen Frühlingsfrösten und der in manchen Gegenden sehr nachtheiligen großen Trocken heit hatte. Faßt man die aus den verschiedenen Ländern eingelaufenen Berichte zusammen, so kann man die Ernke im Allgemeinen nicht anders als eine sehr gute bezeichnen.

die Erträge an Waizen beinahe überall gut; in Süsd⸗ rußland und den Donaufürstenthümern über Mittel; in Oesterreich-Ungarn ergab die Hälfte ber mit Waizen bebaulen Fläche einen Durschnittsertrag, ½ überstieg diesen Durchschnut bedeutend und nur circa ¼ blieb etwas hinter demselben zurück; im Ganzen hatte Ungarn eine bessere Ernte als Cisleithanien; Böhmen hofft dieses Jahr noch Waizen ausführen zu können. Norddeutschland, Sachsen und

8. Sept. Der Congreß der separatistischen der Mauer der Lahnbrücke herunter in die Lahn. Glück. Thüringen hatten eine gute, Süddeutschland, besonders

Internationalen ist gestern zusammengetreten. Die Betheiligung ist eine sehr geringe. Kaum 50 Theil nehmer sind anwesend. Die zweite Versammlung findet heute Abend statt. N

Großbritannien. London, 5. Sept. Seit langer Zeit hat kein Uebertritt zum Katholi cismus in England so viel Aufsehen gemacht wie der des Marquis of Ripon, der heute bestimmt bekannt wird, nachdem er in den letzten Tagen

schon gerüchtweise verlautete als Grund des plötz⸗

lichen Rücktrittes Lord Ripon's vom Großmeister posten der englischen Freimaurer. Der Marquis of Ripon war einer der jüngsten Männer im

Cabinet, welches Gladstone im Jahre 1868 bil⸗

dete, und hatte damals schon eine bedeutende Stellung in der liberalen Partei. Daß ein solcher Mann, einer der bedeutendsten liberalen Peers, ein Ritter des Hosenbandordens und Besitzer von 50,000 Lst. Jahreseinkommen, so ganz unerwartet zum Katholicismus übertritt, ist ein Ereigniß und wird auch als solches behandelt. DieTimes widmet dem Convertiten ihren ersten Leitartikel. Spanien. Madrid, 6. Sept. DieGa zeta meldet, daß drei Angriffe der Carlisten auf Castro de Urdiales zurückgewitsen worden sind. Die Gesandten Deutschlands und Oester reichs, Graf Hatzfeld und Graf Ludolf, wurden auf der Reise hierher vielfach sympathisch begrüßt. In Valladolid und Avila wurden sie von den Präfecten und Corpsrationen empfangen und von den Behörden Bankette zu ihren Ehren gegeben. In Avila toastete Graf Hatzfeld auf das Gedeihen Spaniens, der Präfect auf Deutschland und Oester reich. Eine von Serrano befehligte Armee von 60,000 Mann wird im Centrum aufgestellt, um die dorthin vorgedrungenen carlistischen Banden zurückzuwerfen. Die davon getrennte Nord-Armee operirt ganz selbständig. schwader erhält eine Verstärkung von zwei Schiffen.

Der spanische Gesandte in Wien erhielt fol-

gende Depesche: Die zum Entsatz von Puygeerda abgeschickte Truppen haben die Carlisten geschlagen. Letztere haben die Belagerung aufgehoben. Puyg

cerda erhielt den Ehren-Titelsempre invicta.

7. Sept. Graf Hatzfeld ist hier einge troffen. Es heißt, Serrano werde den Ober befehl über die Nord-Armee übernehmen.

Santander, 7. Sept. Das Kanonen- BootAlbatros, unter Führung des Capitän Zemtsch, wurde auf der Reise von San Sebastian nach Santander von den carlistischen, auf Guetaria feuernden Battrien mit Kanonenschüssen angegriffen. Dasselbe erwiderte den Angriff aus seinen Ge schützen und erzielte einige Treffer, worauf es die Reise nach Santander fortsetzte

Italien. Florenz. Die projectirte italienische Reise des deutschen Kaisers ist, wie mehrseitig be stätigt wird, auf ärztlichen Rath definitiv aufgegeben. DerGazzetta d'Italia zufolge schrieb Kaiser

Das Nordküsten-Ge⸗

licherweise wae das Wasser an dieser Stelle nicht tief

genug, um daselbst ertrinken zu können. Ein Schreiner geselle holte den 62jährigen angetrunkenen Mann mit großer Mütze mittelst eines Nachens aus dem Wasser heraus. Zerwürfniß mit seiner Frau soll dem Alten den Enischluß gegeben haben, seinem Leben ein Ende zu machen. Darmstadt, 7. Sept. Eine Trauerkunde durchfliegt unsere Stadt. Heute frühe 8 Uhr ist in Folge eines Schlagflusses der Großberzogliche Hofgerichts-Präsident Dr. Kraft plötzlich gestorben. Der Verblichene war seit kurzer Zeit leidend geworden und stand im Begriff, zu einer Badekur nach Kissingen abzureisen.

Michelstadt, 5. Sept. Die altehrwürdige Kirche zu

ö

S leinbach, die ehemalige Basilika Einharts, welche zufolge

der neuen kunstarchäologischen Untersuchungen eine solche Vedeuiung erlangt haf, ist jetzt durch die anerkennenswerthe Fürsorge des Grafen von Erbach im Innern, worin früher Magazine und Werkstätten mehrerer Miether waren, aus⸗ geräumt und so den Untersuchungen der Historiker und

Archäologen zugänglicher gemacht worden.

Allerlei.

Frankfurt. Nach einer vom Herrn Dr. Spieß auf: gestellten Siatistik ergibt sich, daß seit 1. Junt, wo man hier vom Typhus sprach, zusammen 615 Menschen an dieser Krankgen erkrankten und etwa 80 starben. Derselbe erklärt die Epidemie für beendigt.

Meiningen, 6. Sept. Zwei Fünftel unserer Stadt sind ein Raub der Flammen geworden, 220 Häuser und 100 Seiten- und Neben-Gebäude, darunter das Land schafts- und Rathhaus, Gymnasium und Druckerei des Tageblattes; aus ersterem sind Casse und Acten gerettet. Ganz abgebrannt sind: die Schlundgasse, die nördliche Seite des Marktes, die drei Metzengassen, die Schuh-, kleine Benshäuser-, Büchsen-, Oel Salzmannsgasse und der Zwinger, dann die östliche Hälfte der unteren Lang gasse, die größere Hälfte der Markistraße und die halbe Kaplaneigasse; wohl 500 Familien mit wenigstens 4000 Personen sind obdachlos und haben den größten Theil ihrer Habe verloren. Das Dach der Stadtkirche fing um 8 Uhr zu brennen an, die Hildburghäuser Feuerwehr löschie und deckte auch sofort wieder, so daß die obere Stadt gerettet wurde. Das Elend ist groß; der Herzog hat die öffentlichen Gebäude zu Wohnungen für Abge brannte bestimmt.

Köln. Zum Fortbau des Domes sind in diesem Jahre schon 150,000 Thaler verwendet worden. Nachdem das neue Bau-Gerüst aufgeschlagen und die Arbeiten an

dem Octogon begonnen, ist der südliche Thurm schon über 15 Fuß höher geworden. Nunmehr haben die Arbeiten an dem Octogon des nördlichen Thurmes ihren Anfang genommen.

London, 5. Sept. Herr Durnof, der mit seiner Frau vor einigen Tagen in einem Ballon aufgestiegen und mehrere Tage vermißt, vielleicht schon aufgegeben worden war, ist glücklich von einer Schmacke nach Grimsby gebracht worden. Er beschreibt heute ausführlich seine unangenehme Tour, wie er von 7 Uhr 55 Minuten Nach⸗ mittags bis 4 Uhr Morgens, d. h. die ganze Nacht hin⸗ durch sich in der Luft gehalten, nicht gewußt, wie weit er vom Lande entfernt war und versucht habe, auf ein Schiff sich niederzulassen. Das war nicht so leicht, zumal er außerordentlich durstig war und obendrein seine Frau, die beinahe ganz vor Kälte erstarrt war, zu balten hatte. Ohne die Bereiwilligkeit der Matrosen, die ihr Boot aus⸗ setzten, trotz der hochgehenden See, wäte die versuchte Landung schwerlich geglückt. Nach vielen Anstrengungen und nachdem das Gewicht des Ballons einmal das Boot beinahe in die Tiefe gesenkt hätte, kam oder vielmehr fiel das verwegene Luftschifferpaar in das Boot, wo ihnen die sorgsamste Pflege zu Theil wurde. In Grimsby wurde den Abronauten von der Schifferbevölkerung und andern

einige Gegenden am Rhein und Niederbayern sehr gute Waizenernten; das Gleiche war in letztern auch bezüglich des übrigen Getreides der Fall. Auch von England berichtet man über den guten Ausfall der Waizeuernte. Dagegen lauten die Berichte über die Ergebnisse der Roggenernte im Allgemeinen weit weniger günstig. Der Roggen ist bekanntlich in der Blüthe gegen naßkalte Witterung äußerst empfindlich und gerade dieses Jahr hat sich diese Eigenthümlichkeit in unangenehmer Weise fühl⸗ bar gemacht, denn von vielen Seiten wird über lücken⸗ haften Körneransatz geklagt. Trotzdem scheint die Ernte nicht unter Mittel zu sein. In Oesterreich⸗Ungarn ergeben 2 der mit Roggen bebauten Fläche einen Durchschnstis⸗ ertrag: ¼ etwas mehr und ¼ dagegen etwas weniger. In Deutschland ist die Ernte eine mittlere zu nennen. [Am unzünstigsten ist die Gerstenernte ausgefallen, mit Ausnahme von Oesterreich-Ungarn, welches auch hier eine Ernte über Mittel erzielt hat, und zwar ergeben ¼ der mit Gerste bebauten Fläche einen Durchschnittsertrag, / blieb unter demselben, die übrigen 2/ ergeben dafür aber wieder mehr. In Deulschland, besonders dem süd⸗ lichen Theile und in Frankreich wird ein Durchschnitts⸗ ertrag weder quantitativ, noch qualitativ erreicht und auch England bleibt bedeutend hinter demselben zurück. Auch der Hafer scheint vielerorts den gehegten Erwartungen nicht ganz zu entsprechen. Aehnliche Unterschiede bezüg⸗ lich des Sommer und Wintergetreides berichtet man auch aus Nordamerika. Wenn auch im Ganzen dort die Ernte⸗ resultate als gute bezeichnet werden, so weit es die Quan⸗ lität betrifft, so wird dagegen bezüglich der Qualität con stalirt, daß sie bei Winterfrucht 4% über, bei Sommer⸗ frucht 4% unter Mittel stehe. Je nach der Art dieser Ernleaussichten oder Ergebnisse macht sich auf dem Ge⸗ treidemarkte bei den einzelnen Fruchtsorten auch eine verschiedene Tendenz bemerkbar. Gerste und Hafer sind allgemein begehrt und stehen schon jetzt sehr hoch im Preise. Während von Ersterer der Verbrauch zu Bier sich alljährlich steigert, ein Ausfall in der Ernte sich also um so fühlbarer macht, ist es bei Letzterem besonders der dieses Jahr herrschende Futtermangel, der ihn in die Höhe treibt. Bei Wasizen und Roggen ist die Haltung auf allen eucopäischen Märkten bis jetzt eine flaue und wenn auch auf dem Pester internationalen Produktenmarkte die Preise von den Verkäufern ungewöhnlich hoch gehalten wurden, so geschah es nur deßvalb, weil sie eben die gewaltige Concurtenz Rußlands und der Union viel zu viel unterschätzten und noch heute der Meinung sind, daß Ungarn auch jetzt noch, wie früher, die einzige Korn⸗ kammer Westeuropas bilde. Die Folge davon war natütlich, daß von diesen Getraidearten beinahe keine abgesetzt wurden. Aus dem jetzigen Stand des Getraidemarktes aber zu schließen, daß dasselbe, wenn der Ausdrusch beendet und der Markt besser befahren sein wird, im Preise sinken werde, dürfte sich voraussichtlich als falsch erweisen; eher könnte noch das Gegentheil der Fall sein, da alte Vorräthe in nennenswerthem Umfange nirgends mehr vorhanden sind und in den letzten Jahren sich der Ankauf unmittelbar nach der Ernte am vortheilhaftesten bewährt hat, da von dieser Zeit an die Preise eine steigende Tendenz verfolglel Auch der beträchtliche Ausfall in der Futterernte macht ein Sinken der Preise höchst unwahrscheinlich. Wei weniger sicher läßt sich der Stand des Hopfens bestimmen⸗. Diese Culturpflanze ist einerseits so empfindlich, daß ver hältnißmäßig unbedeutende Einflüsse einen Strich durch die anscheinend sicherste Rechnung zu machen vermögen, anderseits besitzler aber auch wieder eine solche Vegetattons: kraft, daß sie die gesunkensten Hoffnungen wieder zu beleben vermag. Zu verwundern ist es deßhalb nicht, daß die Berichte über die Aussichten auf die Hopfenernte so sehe widersprechend sind. Allgemein wurde üver zu große Trockenheit geklagt. Jetzt i wohl Regen eingetroffen, aber etwas zu spät, um der Entwickelung der Blüthe und der ferneren Ausbildung den vollen Nutzen zu gewähren, den er früher gebracht hätte. Immerhin hat er aber do

Zuschauern ein donnerndes Hoch entgegengebracht, und ber

Was speciell die einzelnen Getreidearten anbetrifft, so sind

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