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d Grodcl 7— 5 1870. II kr, 18„ 36„
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Beilage.
Hberhessischer Anzeiger.
* 93.
Ueber Vulcane und Erdbeben. Von Dr. J. L. Wechselwirkung zwischen Vulcanen und Erderschütterungen.
— Aberglauben.— Verdreitung der Bulcane.— Ein Riesenkrater.— Der Vesuv und die Civilisation.) Der öftere Ausbruch des Vesuv hat schon aft die Augen auf jene geheimnißvoll-fürchter— che Gewalt hingelenkt, welche im Innern nseres Erdballs regiert, welche zeitweis ihr Zersteck verläßt und plötzlich hervorbrechend Heithin Zerstörung und Verwüstung trägt. Das fließen der Feuermassen, das Wälzen der Lauchballen, der meilenweit verbreitete Aschen— egen, der unaufhaltsame Vorschub fluͤssigen, srömenden Geroͤlls, dessen geschmolzene Masse As schwarze Decke undurchdringlich alles Leben edeckt und verhüllt und erstickt,— all' der Inblick und der Eindruck des in der Tiefe ollenden Donners, der bebenden Erde, des osenden, schäumenden Meeres machten das Schauspiel einer vulcanischen Eruption zu einem rausig schönen und uͤberwältigend-großartigen, ind Laie wie Gelehrter nehmen das hervor— ageudste Interesse an der raäthselhaften Er— cheinung.
Nicht blos die Erscheinung selbst hat so nel des Wunderbaren, noch viel Merkwür— ügeres findet man, wenn man von der hohen Varte des wissenschaftlichen Standpunktes das Hanze überblickt und alles Zugehörige vergleicht. Da ergibt sich zunächst, daß die Zahl der Vul— ne unberechenbar groß ist, daß es in allen Erdregionen und Zonen Vulcane gibt, daß man urgend sicher ast, nicht plötzlich eine harmlose
Höhe in einen speienden Krater verwandelt zu
then, daß umgekehrt Krater, welche seit histo— schen Gedenken immer in Thätigkeit waren, Hotzlich erlöschen, daß aber solche„ausge— kannte“ Krater mit einem Male wiederum zum alten Leben erwachen. Und gleichzeitig tit alledem fängt hier die Erde zu„beben“ em, öffnet sich dort der Meeresschlund, um eine blühende Insel zu verschlucken, hebt sich kort ein Landstrich neu aus den Gewässern. de wunderbarer diese Vorgänge sind, um so ehr wurden sie der Gegenstand fanatischer zusbeutung.
Schon vom Sinai— einem jetzt vollkom— nen ruhigen Gebirgszug— wird uns berichtet, c habe gedonnert, Feuer gespieen, Asche aus— estreut und sei in Rauchwolken verhüllt ge— resen. Die Römer, welche bis zum Jahre 9 n. Chr. keine Ahnung davon hatten, daß der Vesuv ihnen je gefährlich werden könnte, und welche sich sorglos an seinen Abhängen angesiedelt hatten, wurden durch jenen gewal— igen Ausbruch, der drei Städten(Pompesi, berculanum und Stabiä) plötzlichen Unter— gang bereitete, aufs Tiefste erschüttert, und je zugelloser sie vorher der Unsittlichlichkeit und dem „wachten Unglauben gefröhnt hatten, um so ängstlicher waren sie betroffen und erschrocken.
Die Vulcane sind eben so wenig, als die zu men in Beziehung stehenden Erdbeben, an be— Ummten Zonen der Erde gebunden, sie kommen welmehr in allen Breiten und Gegenden vor: aim kalten Norden sowohl, wie unter der glü— handen Hitze des Aequators, im Eise von land und Kamtschatka, wie im tropischen ima Javas, auf der unwirthlichen Kette der znden in Amerika, wie in den gesegneten uren Südeuropas, im Atlautischen Ocean, nie am Südpol. Wenigstens fand Roß bei ner Entdeckung des Südpol-Continentes noch 77 Grad südl. Breite einen thätigen Vulcan ben 12,400 Fuß Höhe,— eine Thatsache zen wichtiger Bedeutsamkeit für die physische keschaffenheit unseres Planeten und für die Crologie.
Vohl der mächtigste Vulcan ist der Maunaloa, is Berg auf dem südlichen Theil der Jusel
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Havaii.
Auf seiner östlichen Seite liegt sein Krater, der Kilauea, eine fast ganz runde Ver— tiefung. Die Tiefe des Kraters wechselt je nach seiner Anfüllung mit flüssiger Lava und beträgt zwischen 600 und 1200 englische Fuß; sein Umfang beträgt 7½(englische) Meilen. Um an diesem Riesenvulcan zugleich ein Bild eines Kraters und einer vulcanischen Eruption zu geben, theile ich in Folgendem die Auf— zeichnungen mit, welche ein englischer Beob— achter in den 60er Jahren an Ort und Stelle gemacht hat.
„Wir ritten,“ sagt er,„mehrere Meilen weit am Rande des Kraters entlang und konnten unsere Blicke in den theils schwarzen theils glühenden Abgrund versenken, während wir zugleich ein Aechzen, Pfeifen und dumpfes Donnern hörten, verbunden mit dem Knattern und Krachen zerreißender Lavaschichten und dem furchtbaren Knall zersprengender Felsen und entweichender Gase. Wir sahen zu gleicher Zeit Springbrunnen von Feuer, rauchende Kegel, Ströme glühender Stoffe, erleuchtete Höhlen, weißglühende Steine, kochende Teiche, ganze Seen geschmolzenen Metalls— und all' das tausend Fuß tief! Aus dem Mittel— punkte des Kraters und aus unzähligen Oeff—
jahrelang sammeln,
nungen, Rissen, Spalten, Klüften erhoben sich
stoßweise Dämpfe und Rauchwolken und ent— hüllten die Existenz eines ungeheuren unter— irdischen Feuerherdes.
Der erste beobachtete Ausbruch des Kilauea fand 1823 statt; der großartigste war der von 1840. In der Zwischenzeit hatte sich der Krater langsam gefüllt. In der Mitte bildeten sich kochende Seen, und eine Unmasse kleinerer
Kegel warf plötzlich Feuer und Schwefeldämpfe
mit solchem Lärm aus, daß 100 Lokomotiven, die zugleich ihren Dampf entweichen lassen, kein stärkeres Geräusch hätten erzeugen konnen.
Bis auf zehn engl. Meilen vom Meere floß die Lava unterirdisch, dann trat sie als Feuerstrom zu Tage, verbreitete sich gleich einer Ueberschwemmung über das ganze Land, verbrannte alle Wälder, führte große Fels— massen und Erdblöcke mit sich fort und warf sich endlich als ein Feuersturz von der Breite einer engl. Meile in's Meer hinab— dreißig Fuß hoch! Das Meer gerieth in's Kochen und blieb längst den Küsten in weiter Entfernung noch so heiß, daß alle Fische erstarben. Die mit Krachen zerspringenden Felsen, die knat— ternde Lava, die zischenden Gase, die finsteren Rauchsäulen, die Wuth der Elemente, die un— bestimmten Lichtreflexe, die mit tiefen Schatten wechselten,— dies Alles bildete ein schrecklich erhabenes Schauspiel... Die ganze östliche Küste der Jusel Havali war Nachts beleuchtet, und man konnte glauben, das Firmament stehe in Flammen. Man schätzt die Länge des Feuerstrommes von 1840 über und unter der Erde auf 39 engl. Meilen und den Cubik— inhalt der ausgeflossenen Lava auf 15 Milliarden Fuß..“
Aehnlich lauten die Berichte, die über andere Ausbrüche größerer Vulcane erstattet worden sind, und besonders die über den Vesuv veröffentlichten, jenen Vulcan, der unserer Civilisation am nächsten steht, dem sie am meisten Leid, aber auch am meisten Freud ver— dankt. Er hatte ursprünglich, als er noch ruhig war, eine ganz andere Gestalt wie jetzt, und Strabo beschreibt ihn vor dem ersten Ausbruch als einen Berg, der rings von trefflich bebauten Feldern umgeben, doch kahl auf dem Gipfel sei. Er erwähnt nichts von Dämpfen, während in unserer Zeit bekanntlich unaufhörlich, auch zu den Zeiten absoluter Ruhe, eine Dampfwolke uber dem Gipfelkrater lagert,
Da begann es plötzlich— im Jahre 79 n. Chr,— in seinem Innern zu wühlen, die!
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Gase brachen sich Bahn und zerschmetterten den Berg.
Aus tausend Schlünden ergoß sich das fluͤssige Feuer, immer neue Oeffnungen sprangen auf, und endlich war die ausgeworfene Masse so mächtig, die Aushöhlung im Innern so stark, daß ein Einsturz erfolgte: der Berg er— hielt eine neue Gestalt. Nie wieder verlor er seine vulcanische Beschaffenheit, aber eine größere Eruption, jener ersten gleich, ließ bis zum Jahre 1794 auf sich warten. Sie war wiederum so mächtig, daß auch sie die äußere Gestalt des Berges neu beeinflußte. Seitdem läßt's ihm keine Ruhe, er ist wie in ewigem Kriegszustande, und heftige wie geringere Aus— brüche lösen häufig einander ab.
Deshalb kann man am Vesuv am besten die Details wissenschaftlicher Untersuchungen deshalb ist in neuester Zeit in unmittelbarer Nähe ein eigenes Obser— vatorium errichtet, das unter der Leitung des Professors Palmieri steht und das bei starken Eruptionen in nicht geringer Gefahr schwebt. Palmieri aber ist unerschrocken und dauert zum Besten der Wissenschaft trotz allen Au stürmens des grausen Elementes aus.
(Fortsetzung folgt.)
Die ntut Wasserltitung der Stadt Wien. Die am 24. October 1873 eröffnete neue
[Wasserleitung der Stadt Wien wird gespeist von
den Quellen des in den steyerischen Alpen, im sogenannten Höllenthale in der Nähe des Schnee— berges gelegenen Kaiserbrunnens und mit den Wassern der Stixensteiner Alpenquelle; die Alta⸗ quelle bei Brunn in Steinsfeld soll später noch dazu geleitet und damit vereinigt werden. Zur Sammlung der Einzelquellen in jedem der ge— nannten Alpenbrunnen ist ein sogenanntes Qasser— schloß(Brunnenstude) angelegt, von welchen Das⸗ jenige am Kaiserbrunnen 18,000, das zu Stixenstein 9000 Wiener Cubitf.(zusammen ca. 1000 Hecto- liter) faßt. Aus diesen Sammelbehältern wird das Wasser in Aquaduct-Canälen, welche auf boben Dämmen und Brücken über Thäler, durch Felsen und Bergrücken mittelst Stollen und tiefen Einschnitten führen, adgkleitet. Diese Aquaduct— Canäle treffen bei Trinitz(St. Johann) zusammen und werden die dorten vereinigten Wasser in gleicher Weise über Thäler, durch Höhenzüge und Felsen hindurch weiter geführt bis nach Speising, wo der Aquabuct-Canal, dessen gesammte Länge 50,367 Wiener Klafter(über 100 Kilometer, ca. 13 Meilen) beträgt, woven 4400 Klafter(ca. 8800 Meter) Länge auf die durch Felsen ge— triebenen Stellen kommen, in ein großes, auf dem sogenannten Rosenhügel gelegenes, unterirdisches, aus zwei gesonderten Hälften bestehendes Reservoir, welches 72,000 Cubikfuß(ca. 2700 Hectoliter) faßt, einmündet. Aus diesem Reservoir fließt das Wasser in zwei Röhrensträngen don 33 und 36 Zoll Weite in die beiden Hochreserroirs nahe vor Wien; Das größere, an der Schmelz, faßt 334,800, das andere, am Wienerberg, 154,400 Cubikfuß(zusammen über 18,000 Hectoliter). Aus diesen beiden Reservoirs entspringt das die Stadt Wien durchziehende Röhrennetz, welches täglich ca. 800,000 österreichische Eimer(ca. 332,000 hess. Ohm) Wasser liefert und dasselbe bis in die oberen Stockwerke der höchsten Häuser fördert. R.
Accht kölnisches Wasset
A 1 von Johann Maria Farina. Meine Niederlage davon im Comptoir des Ober— hessischen Anzeigers in Friedberg empfehle ich zu 8 fl. per Dutzend, 4 fl. per halbes Dutzend und 40 kr. per Glas gehorsamst.
Johann Maria Jatina in Coln.


