Gerdte
1874. N 4.
Oberhessischer Anzeiger.
Die Petitzeile wird mit 4 Kreuzern berechnet.
Donnerstag den 8. Januar.
Erscheint jeden
Artisblatt für den Kreis Friedberg. Dienstag, Donnerstag und Samsag.
Mit dem 1. Januar beginnt ein ntues Abonnement auf den Oberbessischen Anzeiger, welcher auch ferner wöchentlich dreimal, Dienstag, Donnerstag und Samstag, erscheinen wird. Derselbe bringt die kreisamtlichen Erlasse, sod ann eine kurze Uebersicht der interessantesten und bemerkenswerthesten Tageebegebenheiten, besonders wichtige Neuigkeiten durch Extrablätter, allgemein belehrende und unterhaltende Aufsätze, landwirthschastliche und gewerbliche Mittheilungen, geschäftliche Nachrichten, Markt- und Cours Berichte, Verloosungen von Staatspapieren und lokale Notizen, außerdem wöchentlich einmal in dem beigegebenen Unterhaltungs⸗Blatt interessante Novellen und Erzählungen, Gedichte,
Anekdoten, Rätdsel, Bilderrätbsel ic.
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jährlich 17 kr. mit Bringerlohn.
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brechung eintritt. N Den verehrlichen Abonnenten in hiesiger Stadt werden wir das Blatt auch für das neue Jahr zusenden, wenn nicht ausdrücklich
Abbestellung ersolgt.
Die Expedition.
Amtlicher Theil.
Belreffend: Reichstagewablen.
Friedberg am 6. Januar 1874.
An die Großherzoglichen Bürgermeister als Wahlvorsteher. Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 9. v. Mis. empfeblen wir Ihnen wiederholt dafür zu sorgen, daß die Wahlakten längstens
am 13. d. Mis. in die Hände des Wahlcommissärs gelangen. Trapp. Bekanntmachung Wir bringen zur Kenniniß des Publikums, daß wir die Zahliage wiedet wie über— Dienstags und Donnerstags— in den Vetmittagsstunden von
5 bis 12 Uhr und den Nachmittagestunden ron 2 bis 4 Uhr abballen, daß jedoch die Mahnung unmiteldac nach dem 10. eines een Monats erfolgt. Die einschlägigen Großberzoglichen Bürgermeisteteien werden ersucht dies in ihren Gemeinden ortsüblich bekannt machen zu lassen.
Ftitdderg den 5. Januar 1874.
Großherzogliche Difrictecinnebmerei. ..
Haller.
Deutsches Reich. Friedberg, 4. Januar. Heute hielt die bei Aufnahme der directen Steuern in das Bud- liberale Partei bier eine sehr zahlreich besuchte get nach dem Antrag des Ausschusses eine wesent- Wablversammlung im Saale der drei Schwerter lich höhere Summe als die Regierung in Ansatz
ab. Der von ihr aufgestellte Wahl Candidat, gebracht dat, weil trfahrungsgtmäß die Steuer Dr. Schröder, entfaltete in 1½stündiger vortreff- Capitalien für die Grund-, Gewerb und Ein⸗
licher Rede den Standpunkt, den ler im nächsten kommen Steuer in außerordentlicher Zunahme Reichstag einzunehmen gedenke. Erstarkung und begriffen find, so hat der jetzt auf Grund des Kräftigung des deutschen Reichs nach innen und Finanz- Gesetzes erfolgte Steuer- Ausschlag in außen, angemessene Besteuerung, Gewissens-Freiheit, seinem Gesammt⸗Resultat gleichwohl noch einen gutes Schulwesen, Civil Ehe, Preßfreihtit, mög- Ueberschuß von etwa 42,000 fl. über den Vor- lichste Beibebaltung der Schwurgerichte, einheitliche anschlag der zweiten Kammer ergeben. Es ist Justiz und Rechtspflege, das seien die Aufgaben, diese Thatsache ein erfreulicher Beweis dafür, daß denen er zunächst stine Kräste zu widmen habe. der Wohlstand sich noch in ganz anderem Maßstab Sein Vortrag zeigte den politisch durchbildeten gehoben hat, als man es auf Grund statistischer Mann, der nicht allein die materiellen Güter des Notizen glaubte annebmen zu dürfen. Volkes zu verwirklichen sucht, sondern auch den Darmstadt. Der Gesetzgebungs-Ausschuß
idealen Berbältnissen Rechnung zu tragen weiß, und der zweiten Kammer wird vom 12. d. M. an
erntete reichen Beifall. Hofgerchts-Abvoket Jockel eint Reihe von Sitzungen holten, um eine Anzahl beltuchtete alsdann die Bestrebungen der Eltramon- von Gegenständen sär das Plenum vorzuberesten tanen und forderte zur Festhaltung der Gewissens⸗ In erster Linie dreht es sich natürlich um die Freiheit und des Rechts-Bewußtsein des Volkes wiederholten Rückaußtrungen der zweiten Kammer auf. Die zahlreiche Versammlung erklaͤrte hierauf betreffs der Verwaltunge-Gesetze und des Schul- den Ur. Schröder als ihren Wohl- Canditaten. geletzes, sodann um die Gesetzes Vorlagen über
Darmstadt. Nach dem„Reichsanzeiger“ die Ehe- Schließung und die Standes-Buchsührung wurde Frhr. v. Esebeck, Har. Porty-Fähnt. vem in den Gemeinden Dortelwei und Nicder-Erlen 1. Großh. Infanterie-Regt. 115, zum Portp.- bach, die Bildung der Wahlbezirke für die Land Fähnr. bef.; Frhr. v. Thüngen, Portp.-Fabur. tage wablen und die Theilnahme der Beamten an von dems. Regt. in das Juf.⸗Regt. Ne. 81 ver- Elwerbs- Gesellschaften, endlich um den Antrag setzt; Schraub, char. Portp.-Fahnr. vom 4. Gr. des Abg. Möllinger wegen Abänderung des Art. Inf, Regt. Nr. 118, Friedrich, Uateroff. von 55 des deutschen Strofgesetzbuchs, noch welchem des s. Regt. zum Vor tp. Fähnr. besbedert; von Kinder, die das 12. Jabr noch nicht vollendet Windtbeim, char. Porip.-Fähnr. vom 1. Grech baben, strafrechtlich nicht verfelgt werden können Drag.-⸗Regt. Nr. 23, zum Portp.-Fäbar. bef.; in Rücksicht auf seldpolszelliche Vergehen. Da die Hiltebrand, Hauptmann und Batttrie- Chef vom betr. Berichte vor dem Zusammentett der Plenums Feld-Art.-Regt. Nr. 1, in das Gr. Arl-Corpa, gedruckt sein müssen, so wird sich die Berusung Hosmann, Hauptmann und Batt. Chef vom Gr. des letzteren immerhin noch eine Weile verzögern. Art.-Corpe, Belker, Hauptmann von dems., Ersterer Berlin. Der nächste Reichstag wird sich in dae Fele- Art.- Regt. Nr. 4, Letzterer in das vorausichtlich auch mit einem Gegenstandt zu be— Feld- Art.-Negt. Nr. 11 versetzt. schäftigen haben, der zwar etwas wunderlich, abe
Darmstadt. Obgleich die zweite Kammer
doch sehr interessant ist. Es ist dies der unter
fürstlichem Schutz stehende colossale Gebeimmittel⸗
Schwindel, der vom Fürstenthum Schwarzburg⸗ Nudolstadt aus betrieben wird. Jahr aus Jahr ein wandern aus den Thüringer Wäldern Hun⸗ derte von Arzneihändlern aus und verbreiten ihre mörderischen Fabrikate in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz. In diesem kleinen Erdwinkel wird mehr an Opium, Alos, Rhabarbar 1c. ver⸗ kaust, als alle Aerzte Deutschlands verschreiben,
alle deutschen Apotheken verbrauchen. Im Bezirk
Königsee leben auf 13,000 Einwohner etwa zwanzig Giftmischer(sogenannte Laboranten) und 350 Gisthändler, sogenannte Balsamträger. Die Mehrzahl der betreffenden Mittel sind in Pillen⸗ sorm. Der Erzeuger der sogenannten Kinder- Pillen verbraucht jährlich 10 dis 12 Pfd. Opium. Dieser Gisthandel macht den Händler schon bin- nen wenigen Jahren zu einem wohlbabenden und im Orte angesehenen Mann und erbt sich daher vom Vater zum Sohn und Enkel sort. Die fürstlich Schwarzburg'schen Regierungs-Behörden tun gegen diesen ganzen Gräuel gar nichts, sie sördern ihn vielmehr, weil dadurch eine Menge Geld ins Land kommt. Der Vorstand der deut- schen Aerzte- Vereine beabsichtigt dader, in einer Petition das Eirschreiten der Reichsregierung an- zurusen, um diesem Jahr aus Jahr ein massen⸗ daft betriebenen Morde ein Ende zu machen. Posen. Da das diesige Gefangniß überfüllt ist, wurden die Gesängnisse in Cottbus, Fraustadt und Franksurt a. O. für den Erzbischef v. Ledo⸗ chowski dem Justizminister vorgeschlagen; derselde entschied, das diesige Appellationsgeticht möge dez Ort des Gesängnisses bestimmen. Wabrescheinlich trift die Auswahl Frankfurt a. O., weil das dornge Appellationsgericht die Voruntersuchung für den geistlichen Gerichtshof weiter füdren kann. München, 5. Jan. Abgeordnetenkammer. Auf bie Interpellation des Abg. Lerzer bezuglich
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