ein zu gründen, der es sich zur Aufgabe machte, dem ver⸗ derblichen Uebel der Bettelei in unserer Mitte gründlich zu steuern Dieser Gedanke, einer der wenigen glücklichen aus jener sturmbewegten Zeit, jand alsbald einen empfaͤng⸗ lichen Boden im Herzen der Bürgerschaft. Schon am 28. März desselben Jahres konnte eine Generalversamm⸗ lung berufen werden, in welcher die Statuten sestgestellt und ein Vorstand gewählt wurde. Drei von jenen ersten Vorstands mitgliedern, die Herren Beigeordneter Stein— bäußer, Kaufmann Hirsch und Director Schäfer, widmen als solche heute noch dem Verein ihre Thätigkeit; die meisten der übrigen sind längst schon dahin entrückt, wo es keine Bettler mehr gibt. Hervorragendes Verdienst um Gründung und Kräftigung des jungen Vereins hat sich der damalige hiesige Regierungs- Secretär Krach erworben. Möge der Name dieses braven Mannes auch bier mit Ebren genannt sein! i
Das so ins Leben gerusene Werk beschränkte seine wohlthätigen Folgen nicht auf unsere Stadt, es fand viel⸗ mebr alsbald an vielen anderen Orten Nachahmung. Nirgends existirte in deutschen Landen noch ein äbnlicher Verein, und die Statuten des Friedberger Armenvereins wurden von nah und fern zur Einsichtsnahme erbeten.
Was derselde während seines Bestebens in aller Be⸗ scheidenheit geleistet, ist am besten aus Zahlen zu erkennen. Der Rechenschaftsbericht gibt darüber genauen Ausschluß.
Darnach belrägt die Gesammteinnahme desselben in den 25 Jahren 21.524 fl., von welcher Summe 8373 fl. an Arme der umliegenden Ortschaften zur Vertheilung kamen, während 12,234 fl. an durchreisende Handwerks durschen verabreicht wurden. Jede einzelne Gabe zu 6 kr. angenommen, ergibt die Zahl von 122.340 von ducch den Verein unterstützten Hancwerksburschen!
Das sind Resuliate, die dem Wohlthätigkeitssinn der Bewohner Friedbergs zut Chre gereichen. Viel Gutes ist damit bewirkt worden. Auf diesem Wege war es möglich, den ordentlichen Handwerksburschen auf eine ihn nicht demüthigende, sein Ehrgefühl abstumpfende Weise zu unter
Volksbanken zur Zeit wieder einen Umfang erreicht hat, der die Nachfrage nach Kapital bei weitem über⸗ steigt und trotz der sehr ungünstigen Erfahrungen, welche manche mit der Kapitalanlage in Werth— papieren gemacht baben, doch immer wieder zu dem Auekunftsmittel greifen läßt, sich des Ueberflusses durch den Ankauf von Effecken zu entledigen.
Die Anwaltschaft hält es für ibre Pflicht, vor diesem Auskunstsmittel auf das Ernsteste zu warnen und räth den Vereinen, welche unter dem Kapital- andrang zu leiden haben, vielmehr unverzüglich mit der Herabsetzung des Zinssußes für Anlehen und Spareinlagen vorzugehen, um durch Verringerung des Kapitalangebots den Ueberfluß zu beseitigen. Es kann für eine solche Operation kaum einen günstigeren Zeitpunkt geben als den gegenwärtigen. Dem schwindelhaften Steigen vieler, namentlich der Industriebranche angehörenden Werthpapiere ist der unvermeidliche, oft genug von uns angekündigte Rückschlag ge— folgt: Millionen Thaler sind durch ein noch schnelleres Sinken der Course verloren gegangen und haben ein allgemeines, zum Theil nicht ge— rechtfertigtes Mißtrauen gegen Industriepapiere überhaupt zurückgelassen. Tragen jene Verluste dazu bei, daß viele ibre Consumtion einschränken, die Dienste der Gewerbe und Industrie daber weniger in Anspruch nehmen als früher, wo die zum Theil geträumten Gewinne ihnen eine größere Ausdehnung ibres Verbrauchs zu gestatten schienen
stützen, den Stromer aber auf Grund des Befunds seiner Papiere zurückzuweisen; nicht minder gelang es dadurch, die Bettlerschaaren von manchen Orten der Umgegend aus unseren Straßen zu verbannen, dabel u aber wiiklich bülss⸗ vdedürftige, namentlich alte Leute der benachbarten Ort⸗ schaften weit wirksamer als sonst zu unterstützen. ö
Angesichis dieser Tbatsachen muß es auffallen, daß das Inieresse an unserem Verein in den letzten Jabren merk, lich erkaliet ist. Es zeigt sich dies deutlich in dem alle mählichen Zurückgehen der Jabreseinnahmen, deren höchste von 1855—56 mit 1842 fl. verzeichnet ist, während die Einnahmen der letzten Jahre sich zwischen 4 und 500 fl. bewegen. Manche unserer Muübürger stehen dem Verein gleichgültig gegenüber, andere baben sich ganz zurückgezogen. Wohl haben sich die Verbältnisse nicht unwesentlich ge⸗ ändert. Bei den jetzigen Verdiensten sind allerdings weit weniger reisende Handwerksangebörige in der Lage, auf ein Geschenk reflecliten zu müssen; allein Hülfsvedürftige wird es immer unter ibnen geben, und überdies kann sich die Sachlage sehr bald wieder anders gestalten. b
Nichts bürgt uns dafür, daß über kurz oder lang unsete Behausungen nicht wieder von zudringlichen Fecht brüdern unsicher gemacht werden, wenn wir nicht sest an unserem Armenverein halten. Nicht viel stichhaltiger sind die Einwendungen, die bie und da gegen denselben laut werden, als mache er die einzelnen Gemeinden lässig in der Erfüllung ihrer Unterstützungspflicht gegen ihre Orts- armen. Der Vecein bewilligt grundsätzlich keine Unter⸗ stützung, wo nicht nachgewiesen wird, daß die Gemeinde vorher das Ihrige gethan. Wie aber dadurch nicht jede Noth gelindert werden kann und wie vielsach bedauert werden muß, bei den knappen Mitteln unseres Vereins nicht mehr ibun zu können, das ist denen bekannt, die seinem Wirken näher stehen. Freilich, unsere Stadt ist nicht reich, und wir sind weit entfernt davon, die Blicke der Nothleidenden auf sie hinzulenken, als von wo man Hülfe zu erwarten berechtigt sein dürfte; das aber läßt sich doch wohl nicht bestreuien, daß es für jedes menschenfreundliche Gemüth eine Beruhigung ist, eine drave alte Person, die in ihrer Noth hülsesuchend hierherkommt mit gutem Gewissen mit ihrer Bitte an den städtischen Armenverein verweisen zu können.
Oft ist es gerade ein sehr lebendiger Wohlihätigkeits sinn, der von der Bethetligung am Verein zurückhält. Man gibt gern und viel, aber man will seine Gabe selbst austheilen, will den Bittenden nicht gern abweisen. Das ift wohl gemeint, gewiß aber verkehrt. Nichts ist gefähr— licher als das so kurzer Hand gereichte Betielbrod. Es erzeugt Müßiggänger, und Müßiggang ist jeden Lasters Anfang. Wie manche wohlgemeinte Gabe wird auf diese Weise zum Gift dem, der sie empfängt, und zum Nach⸗
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und leiden darunter mebr oder weniger alle Ge— werbtreibenden, so beschränkt das gegen die großen industriellen Actiengesellschaften wachgerufene Miß trauen natürlich auch deren Credit, das ihnen früher angebotene Kapital entzieht sich ihnen zum Theil und sucht anderweitige Anlage, die betreffen— den Unternehmungen aber werden dadurch ge— nötbigt, ihre Productionen noch weiter einzu- schänken, als sie sonst für nothwendig halten würden, was auf die Production vieler kleinen Gewerbtreibenden einen entsprechenden Einfluß ausübt. Aus alledem ergibt sich Geschäftsmattig— keit in vielen Gewerben und ein Ueberfluß an baarem Gelde, wie er selten vorgekommen ist. Der Discont der Preußischen Bank steht niedriger, als wir bisher erlebt haben und ihm folgt natur— gemäß der Discont Haller Großbanken und der Zinsfuß, den diese für Depositen zu bewilligen pflegen. Die Gelder, welche bei den Großbanken zur Zeit nur(inen Zins von 3% oder noch weniger abwerfen würden, drängen aun zum Theil u den Volksbanken und erhöhen dort noch den Kapitalübersluß, der selbst in Zeiten der Krisis nur vorübergebend aufgehört batte und durch die auch die Mitglieder der Volksbanken in Mitleiden- schaft ziehende allgemeine Geschaͤftslosigkeit und die daraus folgende Abnahme in der Nachfrage nach Kapital ohnebin schon gesteigert wird. Ziehen wir außerdem in Betracht, daß eine baldige Aenderung dieser Zustäude kaum zu erwarten ist, so haben die Vereine gewiß dringenden Anlaß, dagegen die geeigneten Vorkebrungen zu treffen und sich des weiteren Kapitalzuflusses zu erwehren. Mögen sie daher keine Zeit verlieren, sondern insoweit sich der Überfluß an Geld in geringerem oder größerem Umfang bei ihnen geltend macht, zunächst 1. für neu angebotene Gelder den Zinsfuß herabsetzen und wenn nöthig, auch die Kündigungsfristen verlängern, dann nach
theil für die Gesellschaft, der faule Glieder dadurch erzogen werden.
Unser Armenverein hat den Bettel in hiesiger
.
S
tadt,
wenn nicht vernichtet, so doch auf ein verschwindendes
Minimum reducirt. Dulden wir nicht, daß er wieder unter uns auflebe. Lasse Jeder sein Scherflein dem Armen— verein zufließen und weise dann consequent jeden Bettler
an denselben. Er begeht damit keine Härte, er steuert damit dem verderblichen Bettel.
Befinden
„Hauch für die schon längere Zeit bei ihnen angelegten Gelder schrittweise mit Ermäßig— ung des Zinsfußes und Ausdehnung der Kündigungsfristen vorgehen.
Welcher Zinsfuß und welche Kündigungsfristen
Der Kapitalandrang zu den Vorschuß⸗ Vereinen“).
Aus vielen Vereinen liegen der unterzeichneten
Anwaltschaft Mittheilungen vor, welche bekunden,
daß das Angebot fremden Kapitals bei unsern
*) Au„Blätter für Genossenschaftswesen“. 1874. Nr. 12.
den Vereinen zu empfehlen sind, läßt sich natürlich nicht allgemein sagen, da in dieser Hinsicht ja. nach der verschiedenen wirthschaftlichen Entwickel— ung der einzelnen Landestheile und nach dem ver— schiedenen Credit, den die Vereine in ihrer Um— gebung genießen, die Bedingungen für sie sehr verschieden sind und verschieden sein müssen, aber ein Beispiel wird die Sache leicht klar machen.
(Vereine, welche bisher bei 6monatlicher Kündig—
ung 4½%, bei Zmonatlicher 4% und bes
monatlicher 3 ½% Zins für fremde Geldex
gezahlt haben, werden für die ihnen fernerhin angebotenen Gelder neue Conten anlegen, inden sie bei monatlicher Kündigung 2½%, Zmonatlicher 3%, bei 6monatlicher 4% gewähren.
Vermag diese Maßregel den Kapitalzufluß nicht
genug zu hemmen, so kündige man zunächst die älteren Imonatlichen Einlagen und ermäßige den Zinsfuß für dieselben allgemein auf 2½%, dann verfahre man ebenso mit den älteren Depositen auf Zmonatliche Kündigung, indem man sie in 3% ige convertirt und zuletzt gehe man an die entsprechende Zinsreduction der längst befristeten Gelder. reduction resp. Ausdehnung der Kündigungsfrist bei den kürzest befristeten Geldern anzufangen, weil sie bier am schnellsten durchführbar ist bezw. die Wirkung hervorruft, die beabsichtigt wird, nämlich den Kapitalzufluß durch Rückzahlung dieser Gelder zu beseitigen oder wenigstens zu schwächen.
Wenn aber erst die Zinsermäßigung für die auf 6monatliche Kündigung angenommenen Kapi— talien den Ersolg hat, daß letztere zum Theil aus unsern Vereinen berausgezogen werden und dadurch zwischen Angebot von Kapital und Nach- frage nach Kapital das rechte Hleichgewicht ber— gestellt wird, so mögen sich die Volksbanken dieses
Ergebnisses freuen nicht nur im Jnteresse ihrer
eigenen normalen Entwickelung, sondern auch im Interesse des Realeredits, den fördern
Es empfiehlt sich natürlich, die Zins-
zu
können, ohne sich selbst zu schädigen oder auf be.
denkliche Operationen einzulassen, ihnen ja nur erwünscht sein kann. Denn es kann nicht feblen, daß diese lang befristeten, bisher bei den Volke banken angelegten Kapitalien sich dann wenigstens theilweise dem Grundbesitz zuwenden, eine Anlage in Hypotheken suchen und so dazu beitragen, den Zinsfuß für den Reaicredit herabzudrücken. Hat ja doch schon jetzt der allgemeine Geldüberfluß in Berlin die Wirkung gehabt, den Zinsfuß für zweite Hypotheken sehr bedeutend zu ermäßigen.
Es versteht sich von selbst, daß wenn anderer seits die erste allgemeine Zinsherabsetzung bei den Vereinen noch nicht die erwartete Wirkung äußert, dieselbe Maßregel ähnlich, wie es vorher darge— stellt ist, zu wiederholen wäre.
Durch Operationen anderer Art jetzt dem Kapitalandrang entgegenzuarbeiten muß die An- waltschaft entschieden widerrathen. Ueber den Ankauf von Effecten verlieren wir nach dem, was wir Eingangs dieses andeuteten und was ost genug in diesen Blättern ausgeführt worden ist, kein Wort. Aber auch ein anderes, sonst sehr zweckmäßiges Mittel dem überschüssigen Kapital durch Erhöhung des Bedarfs einen natürlichen Abfluß zu verschaffen, indem man die Zinsen für die Vorschüsse und Credite herabsetzt, erscheint zur Zeit mißlich. Denn es birgt der gegenwärtige Geldüberfluß namentlich für Bankinstitute mehr Gefahren in sich, als eine Geldknappe. Letztere nöthigt alle Banken, auch unsere Vereine zur Vorsicht und Zurückhaltung, ersterer dagegen er— muntert sie den Gewerbtreibenden zu um so bil- ligeren Bedingungen und um so bereitwilliger Credite einzuräumen und sie dadurch zur Aus- dehnung ihres Geschäftsbetriebs anzuspornen, während die allgemeinen wirthschaftlichen Zustände noch immer so gespannt sind, daß ein vorzeitiger, künstlich hervorgerufener industrieller und gewerb⸗ licher Aufschwung großen Schaden mit sich bringen kann. Für die Volksbanken aber kann dieser Schaden um so größer werden, wenn die Herab— setzung des Zirsfußes für Credite die Folge hat, ihre Kundschaft in die ihnen noch unbekannten Kreise der wohlhabenden Gewerbtreibenden hierin auszudehnen.
Mögen dessen die Vorschußvereine eingedenk sein und dem Geldandrang jetzt dadurch entgegen- treten, daß sie die Mittel anwenden, welche das Angebot von Geld beschränken, nicht diejenigen, welche geeignet sind, die Nachfrage nach Geld zu steigern.
1017 Der Anwalt Dr. Schulze-Delißzsch.
bis.
und Oypold Anmeldunge en Betzeich den Jusamt
getjenigen u der am gung nach narben
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