Ausgabe 
1.8.1874
 
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Gberhessischer Anzeiger. 2

90.

8 1 Ausland.

dun Oesterreich Ungarn. Wien. Die Aust: iener Adendpost erklärt gegenüber den in um grad verbreiteten alarmirenden Gerüchten über wmatärische Vorkehrungen an der turko-bosnischen Aursaal Henze, daß diese Gerüchte nach hier eingelangten

Ane 14

de äßlichen Nachrichten aus Bosnien vollständig un egründet sind.

eL 28. Juli. Baron Anselm v. Rothschild slgestern Abend gestorben,

ann E gdie bier versammelte internationale Sani- Denne 8 akommission hat sich für die Errichtung einer N g ianenten internationalen Sanitätskommission

* gesprochen, der wesentlich die Aufgabe zufallen sol, weitere Studien über die Cholera und andere E demien vorzunehmen. e Schweiz. Bern 28. Juli. Der Große Ah hat heute den Regierungsstatthalter und den de Grichtspräsidenten für den Jura nach den Vor sdüägen der Regierung und des Obergerichtes im Egensatze zu den ultramontanen Bezirks- Vor- schagen gewählt.

Frankreich. Paris. Die Journale pichen sich über einen Hirtenbrief des Pariser E bischofs, welcher die italienische Regierung an- grift, tadelnd aus.

In dem Prozeß gegen den Oberst Stoffel enlgte der Beschluß auf Einstellung des gericht licen Verfahrens.

Man versichert, daß die Bank von Frank. ri die Reduction der ihr vom Staatsschatze

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r lich zu zahlenden Amortisation von 50 Mill. en i acceptiren wolle, aber bereit sei, mit dem

Erateschatze wegen Eröffnung eines neuen Cre. dit für die Bestreitung der noch ungedeckten

g e en Shatsbedürfnisse in Unterhandlung zu treten. Versailles, 29. Juli. Nationalversamm-

iz. Debatte über die beiden Auflösungs-An⸗ Aulde. me. Laurent(rechtes Centrum) bekämpft die icht, die Auflösung sei mit Rücksicht auf die

amn en eu buth die Unsicherheit der politischen Verhältnisse e Geitts. 4 77517 allgemeine Geschästs- und Industrie. e tuckung geboten, und führt aus, daß die Uebel⸗

n 21 ide vielmehr durch die industriellen Krisen ohne e Boindung mit der Politik bervorgerufen seien. * Dt Berichterstatter Max-Richard spricht gegen

N lait Ill. n Anschauung und rechtfertigt den bezüglichen

des Berichts. Lorgerik spricht gegen, 2 Loose aul Duval für die Auflösung. Chabaud- nie- eur(Minister des Innern) erinnert daran,

wadben af die Nationalversammlung die Verpflichtun

118 t.

9 et,, nicht austinander zu gehen, bevor die kon⸗ iusionellen Gesstze beschlossen seien. Bei der ob der Antrag Meville in Erwägung zu ziehen sei, wird die⸗ mit 375 gegen 332 Stimmen verneint, 1

ummung über die Frage,

* Arn.* uf Duval seinen Antrag zurückzieht. ene Belgien. Brüssel, 27. Juli. Die Er- nan nung des kriegsrechtlichen Congresses erfolgte

d Mittag um 1 Uhr. Minister Graf Aspre⸗ - Lynden stellte die Delegirten einander vor zog sich dann zurück. Es ist kein Steno 40 zugelassen. Die Delegirten Englands und

ung 4 u kreichs sind gegenwärtig.

e 27. Juli. Die internationale Conserenz

4 V bi heute ihre erste Sitzung ab, die eine Stunde 2 baihrte. Zum Vorsitzenden wurde, nachdem Bel

In abgelehnt, der russische Bevollmächtigte Baron ini, zum Secretär der Cabinets-Chef des ihchen Ministeriums des Aeußern Bosch Grave

. zahlt. Auf den Antrag eines Congreßmitgliedes

6 ue beschlossen, daß die Verhandlungen völlig bee hem bleiben sollen. ö

e e, 29. Jult. Der internationale Congreß 4% t feirte die Vollmachten der Delegirten und

ö

ute eine Commission zur Vorberathung und cpterstattung über die Vorlage der russischen rung. Die Commission wird morgen zu ntentreten.

Holland. Haag, 28. Juli. Dem Ver- en nach ist das Ministerium folgendermaßen!

zusammengesetzt: Heemskerk Inneres, Does de Willebois Auswärtiges, Lynden Justiz, Vanden heim Finanzen, Vangolstein Colonien, Weitzel Krieg, Pelsryken Marine.

Großbritannien. London, 25. Juli. DiePall Mall Gazette meldet: Die Krankheit des Prinzen Leopold hat einen beunruhigenden Charakter angenommen. March, Seeretär im auswärtigen Amte, wurde zum diplomatischen, Major Hall zum militärischen Secretär des engl. Vertreters auf dem Brüsseler Congreß ernannt.

Das Geschwader des stillen Meeres ist angewiesen worden, der Zablung der Entschä digungs⸗-Summe von 20,000 Pfd. Sterl. für den gemißhandelten englischen Vice-Consul Magee bei der Regierung von Guatemala Nachdruck zu geben.

Die Patrone der schottischen Eisenhütten haben beschlossen, ihre Hochöfen wieder in Betrieb zu setzen.

Spanien. Madrid. Eine hiesige Nach- richt bestätigt, daß die in Catalonien von den Carlisten erschossenen 235 Gefangenen der Division Nouvillas angehörten.

Gerüchtweise verlautet, die Carlisten hätten bei Olot 73 Douaniers und 105 Soldaten er- schossen.

27. Juli. Die Colonnen unter den Be fehlen von Merelo, Cagna und Cerlet schlugen die vereinten carlistischen Streitkräste der Pro vinzen Barcelona und Gerona bei Castellsallit unter großen Verlusten der Carlisten in die Flucht. Der Carlisten-Anführer Chuchillo und zwei car⸗ listische Compagnien wurden wegen der Weigerung, sich zu ergeben, von den Jägern von Manilla niedergemacht; mehrere Ortschaften, die sich für die Carlisten erhoben, sind in Brand gesteckt worden.

Barcelona. Eine Anzahl von des Car- lismus verdächtigen Personen, darunter Geistliche und Adelige, wurden als Repressalie für die Er schießung von Anhängern der Regierung verhaftet und in das Fort Altarazemas abgeführt.

Portugal. Lissabon. Die Regierung hat für die Grenzbezirke Maßregeln zur Ueber wachung der Carlisten angeordnet.

Serbien. Karlowitz, 29. Juli. In der Sitzung des Kirchen-Congresses wurde ein kaiserl. Reseript verlesen, welches die Wahl des Bischofs Stojkovits zum Patriarchen zurückweist und den Congreß zur Vornahme einer Neuwahl auffrdert.

Amerika. New⸗Nork. In Pensplvanien sind durch einen Sturm und eine Ueberschwem mung große Verheerungen angerichtet worden. Straßen, Eisenbahnen, Depots sind überschwemmt, Brücken fortgerissen, Felsen bis in die Ortschaften umhergeschleudert worden. Alleghany City steht tbeilweise unter Wasser. Der Verlust an Men schenleben ist ein sehr großer. 55 Leichen sind bereits gefunden worden, eine große Anzahl von Personen wird noch vermißt. Besonders gelitten haben die Districte Woodsrun und Sawonitbrun. 50 Personen sind hier ums Leben gekommen. Präsident Grant hat die den Häusern Rothschild und Seligman gemachte Ueberweisung der neuen 5pCt Anleihe sanctionirt.

Ueber die durch den Orkan und die Ueberschwemmung angerichteten Verheerungen wird ferner gemeldet, daß das Land um Pittsburg in einem Umkreise von 25 Meilen ebenfalls über- schwemmt ist. Der Haupttheil der Stadt blieb verschont, während die Vorstädte gänzlich verwüstet wurden. Alleghany ist am schwersten heimgesucht. Die Wasserböhe betrug 20 Fuß. Ueber 200 Men- schen sind ertrunken. Der Orkan durchzog auch Ohio und Kentucky und richtete große Verwüstungen an.

Rußland. Petersburg. Der Anklage Prozeß gegen die wegen Verbreitung revolutionärer Proklamationen angeklagten 10 jungen Männer und 2 Frauen ist beendet. Sechs wurden zu 3 bis 10 jähriger Zwangs-Arbeit, die übrigen An- geschuldigten zu Gefaͤngnißstrafen von 3 Tagen bis zu 2 Monaten verurtheilt.

Aus Stadt und Land.

Friedberg, 29. Juli. Bei der heute stastgehablen Wahl der evangel. Gemeindevertretung haben 82 Wähler von ca. 650 Stimmberechtigten avgestimmt.

Friedberg. Seit dem Bestehen des Gustav-Abolph⸗ Vereins haben folgende hessische Kirchengemeinden die bei⸗ gesetzten Summen aus Vereinsmitteln erhalten: Bensheim 39,241 fl. 36 kr., Bieber 9077 fl. 2 kr., Bingen 56,514 fl. 30 kr., Bobstadt 1566 fl. 30 kr., Dieburg 11,625 fl. 54 kr., Fürtb 4881 fl. 25 kr., Gernsheim 12,230 fl. 29 kr., Heldentergen 5076 fl. 3 kr., Heppenbeim 4393 fl. 19½ L., Hirschhorn 10,632 fl. 51 kr., Kastel 16,515 fl. 24 kr., Seligenstadt 22,137 fl. 13½ kr. und Groß⸗ Steinheim 9714 fl. 53½ kr.

Friedberg, 30. Juli. Die Seminaristen find beute früh mit ibren Lehrern zu einem mehrtägigen Aus fluge in den Odenwald und die Bergstraße abgereist.

Bad⸗Nauheim. Die kleine zwölfjäbrige Pianistin Therese Hennes, welche vor drei Jahren in Frankfurt und Cöln zum ersten Male auftrat, und spätet in vielen theinischen Städten mit so vielem Beifall concertict hat, befindet sich jetzt mit ihrem Vater(dem Verfasser der rühmlichst dekannten Clavier ⸗Unterrichtebriefec) in Bad⸗ Nauheim und wird nächsten Dienstag im dortigen Kur⸗ saale ein Concert geben. Wir sind überzeugt, daß diese Milheilung auch bier für Viele von Interesse sein wird.

Gießen, 28. Juli. Das Turnfest nahm am Sonn⸗ tag und Montag den schönsten Verlauf. Gestern Abend, eine halbe Stunde vor der Prtisvertheilung, stellie sich ein heftiger und anhaltender Regenguß ein, so daß die nach Tausenden zählende Volksmenge sich nach allen Seiten bin flüchtete, da sie in der großen Festhalle nicht den ge nügenden Schutz finden konnte. Es wurde recht tüchtig und wacker geturntz 101 Preis Turner bewarben sich um den Lorbeer, und es kamen im Ganzen 32 Preise zur Vertheilung, wovon 15 nach Frankfurt, 4 nach Mainz, 3 nach Wiesbaden, 2 nach Hanau ꝛc. fielen. Den 1. Preis erhielten Karl Schaffner vom Frankfurter Turn⸗Verein und Möller von Bockenheim gemeinschaftlich, den 2. Preis Karl Gevers von der Frankfurter Turn⸗Gesellschaft, den 3. Preio Philipp Schubmacher von Mainz, den 4. Preis Alfred Bohn von der Frankfurter Turn-Gemeinde, den 5. Preis Karl Demuth von Gießen, den 6. Preis Richard v. Bornhorst vom Frankfurter Turn⸗ und Fecht⸗Club.

Gießen. Der Schwurgerichtshos der Provinz Ober- bessen vom III. Quartal l. J. verhandelte weiter folgende Anklagesachen: Den 20. Juli, gegen Jobann Heinrich Jungkurt von Hausen, Königlich Preußischen Amtsgerichte Oberaula, wegen Brandstiftung. Derselde wurde für schuldig defunden und in eine Zuchtbausstrafe von 1 Jahr, sowie zum Verlust der bürgerlichen Ebrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren verurtheilt. Den 21. Juli, gegen Johann Conrad Silz und Ludwig Waltder von Laubach, wegen Verbrechens wider die Sittlichkeit. Dieselden wurden von den Geschworenen fürNichischuldig erklärt und des⸗ balb von dem Gerichtshof freigesprochen. Den 22. Juli, gegen Elisabetha Kleinschmidt von Leisewald, Königlich Preußischen Amisgerichts Wächtersbach, wegen Kindes- tödtung. Dieselbe wurde dieses Verbrechens für schuldig befunden und deshalb in eine Gefängnißstrafe von 3 Jahren condemnirt. Den 23. Juli, gegen Elisabetha Formhals von Allendorf a. d. Lumda, wegen Diebstahls und Be⸗ trugs. Dieselbe wurde, nachdem sie dieser Verbrechen für schuldig befunden, in eine Gefängnißstrafe von 28 Tagen verurtheilt. Die auf den 20. d. M., Nachmittags, vorge sehene Verbandlung der Anklage gegen Wilbelm Scheerer von Alt⸗Buseck, wegen Urkundenfälschung, wurde wegen dessen Abwesendeit dis zur nächsten Quartalositzung vertagt.

Darmstadt, 30. Juli. Ibre Majestät die Kaiserin von Rußland hat bei ihrer Abreise von Jugenbeim wiederum, wie früher, 1000 Gulden für die Armen dem Großderzog⸗ lichen Kreisamt dahter abgeben lassen.

Pfungstadt, 30. Juli. Gestern wurde im Walde die Leiche eines alten von hier gebürtigen Mannes aufge funden. Derselbe batte sich an einem Baum erbängt und dürften Nahrungssorgen das Motiv der That gewesen sein.

Mainz, 29. Juli. Vor dem Assissengericht wurde beute die Anklage gegen Nudelfabrikant Kraus verhandelt, lautend auf Fälschung der Geschäftsbücher und Versuch des Belruges zum Nachtheil eines Dritten resp. einer Feuer⸗ versicherungs-Anstalt. Das Zeugenverbör ergab u. A., daß in Folge im Jahr 1873 unternommener Speculationen die Vermögensverhältnisse des Angeklagten sehr Noth ge luten. Der Wahlspruch der Geschwornen lautete auf Schuldig, worauf der Gerichtsbof den Angeklagten zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilte.

Alzey, 27. Juli. Bei dem Gewitter am Samstag suhr der Blitz in der Nähe unserer Stadt sen zwi vetschiedenen Punkten in Fruchthausen, welche verbrannten. In nächster Nähe des einen hatten Leute in einem andern Fruchtbausen vor dem in Strömen berabgießenden Regen Schutz gesucht.

Oppenheim, 2. Juli. Heute Nachmittag ereigncte fich ein bedauerlicher Fall. Der 12jäbrige Sohn eines biesigen Schreinermeislers desitzt ein kleines Gewehr, das derselde als Weihnachtsgeschenk erbalten. Mit diesem Ge wehr schoß derselbe nach einem Nachbarbuben, der, wie es beißt, mit Steinen Birnen von einem Baume seines Vaters wersen wollte, und traf ihn in den Rücken. Zum Glück war die Entsernung eine ziemlich weite, sonst würde un zweiselhaft der Schuß töoͤdtlich gewesen sein, denn der

Pfropfen drang lief in das Fleisch ein.