Ausgabe 
26.4.1873
 
Einzelbild herunterladen

sich aber, die Waffen zurücklassend, auf die ener⸗ gische Aufforderung der herbeigeeilten republika⸗ nischen Freiwilligen und anderer bewaffneker Streitkräfte.

Perpignan. Meldungen aus Barcelona vom 22. d. zufolge hat Commandant Tejero, welcher die Jäger von Alcolea befehligt, bei Tulleda die Carlistenbanden unter Cucula, Cargallo und Gar⸗ niter, die zusammen 700 Mann stark waren, an⸗ gegriffen, sie durch einen Bajonnetangriff delogirt und in die Flucht geschlagen.

Italien. Rom. Der König ist am 22. d. hier eingetroffen. Der Papst hat den Gesandten Portugals, Graf v. Thomar, in besonderer Audienz empfangen. Die Deputirtenkammer hat wegen Beschlußunsähigkeit ihre Sitzungen bis zum Frei⸗ tage ausgesetzt. 1

Einer Meldung derOpinione zufolge ist über die Reise des Königs nach Wien bisher nichts beschlossen. Falls der König nach Wien reiste, würde er auch nach Berlin reisen. 5

Türkei. Konstantinopel. Der serbische Agent Christich ist nach Belgrad abgereist und glaubt man, daß derselbe in das serbische Cabinet eintreten wird.

Rußland. Petersburg. Aus Taschkend sind folgende Nachrichten vom 13. März einge⸗ gangen; Die Dhisak⸗Colonne besteht aus 12 In⸗ santerie-Compagnien, 550 Kosaken, 14 Geschützen und einer Raketendivision; die KasalinskColonne aus 9 Infanterie ⸗Compagnien, 150 Kosaken, Berg Artillerie und einer Naketendivision. Die Colonnen vereinigten sich am 3. 15. April. Die Turkestan⸗Abtbeilung wird unterstützt durch zwei Dampfer und zwei Barkassen von der Aral⸗See⸗ flottille, welche bei Eröffnung der Schifffahrt nach Kasalinsk und der Mündung des Amu⸗Darja ab⸗ gehen. Die Turkestan Abtheilung ist mit einem Proviantvorrath für 30 Tage am 28. Februar alten Styls von Taschkend ausgerückt.

Am 24. d. M. fand hier die feierliche Einweihung einer neuen katbolischen Metropolitan⸗ kirche statt. Seit einigen Tagen ist anhaltender Schneefall.

Amerika. Newyork. Die Modoc⸗Indianer haben sich südlich ihrer früheren Stellung in Höhlen verschanzt. Die Unionstruppen bereiten den An⸗ griff vor. In Laobed fanden die Truppen elf Todte Indianer, 1 Indianer wurde gefangen ge⸗ nommen. Ob von den Indianern Gefangene gemacht worden sind, ist unbekannt. Die Ansiedler verlassen die Gegend.

Ostindien. Bombay. Sir Bartle-Frere hat Verträge über Aufhebung der Sclaverei auf Masscat und in Macula abgeschlossen.

Friedberg, 23. April. Der Gemeinderath hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, dem von hier abgehen⸗ den Direcior Steinberger, in Betracht der großen Ver bienßte, welche derselbe durch eifrige und umsichtige Leitung und Verwaltung verschiebener öffentlichen Wohl⸗ thätigkeits ⸗Anstalten sich erworben hat, als ein Zeichen der Anttkennung das Ehrenbürgerrecht der Kreisstadt Frledberg zu verleihen.

J. Friedberg. Heute, am 26. April feiert Herr Landgerichtsdiener Cronenberg sein 50 jähriges Dienstjubilaum. Wer den pflichttreuen, bescheibenen und trotz einer so langen Dienstzeit noch so rüßigen Maun kennt, kann nur wünschen, daß ex noch lange seinem Amie und seiner Familie erhalten bleiben moge.

Frankfurt. Bezüglich der Excesse vom 21. d. M. theilen wir noch folgende Notizen mit: Seil dem 22. April befindet sich Herr Regierungspräsident v. Wurmb aus Wiesbaden hier. Als am 22. Abends ein großer Zug mit Arbeitern aus Offeubach im Sachsenhäuser Bahnhof einlief, du sten dieselben die Waggons nicht verlassen, die Locomolive wurde eingespannt und dampfte nach Offen⸗ bach zurück. Eine ziemliche Anzahl weiterer Verhaftungen erfolgle. Darunter befinden sich mehrere blessirte Arbeiter, die seinher in Privalpflege waren, sich schließlich aber zur Herbeirusung ärzilicher Hülse entschließen mußten. Am 23. brachte ein Zug Dragoner 10 im benachbarten Isen burger Wald aufgetriebene Individuen hier gefänglich ein. Der Redner, welcher an der Leiche der erschossenen Frau auf dem Garküchenplatz eine die Umstehenden aufreizende Ansprache hielt, ist ermittelt und bereits hinter Schloß und Riegel. Derselbe ist erst 19 Jahre alt. Das Indivi⸗ dunm, welches bei dem Angriff auf die Bier⸗Localitäten das Signal mit einem Horn gegeben, ist gleichfalls ver⸗ haftet. An der Hanauerbayn wurden etwa 30 Bursche mit Stoß⸗ und Schußwaffen abgefaßt. Ferner sind nach allen größeren uns kleineten umliegenden Städten an die dortigen Polizeibehörden Weisungen ergangen, im Falle

besonderen Andrangs von Arbeitern auf die Eisenbahn, um nach Franksurt zu gelangen, alsbald Mitibeilung an das hiesige Polizei⸗Präsidium gelangen zu lassen. Die großartigen militärischen Vorbereitungen, welche getroffen waren, ließen es jedoch den Exceßlustigen nicht gerathen scheinen, ihre Drohungen gegen Bäcker und Metzger zur

Ausführung zu bringen. Die Nacht verlief daher rubig. Schon um 7 Uhr Abends hatte sich in den auf den Straßen befindlichen Gruppen die Aufregung bis zum normalen Pulsschlage herabgemindert, und sie zertheilten sich allmählig. An der Mainbrücke kam es jedoch Abends unter den Arbeitern selbst über die Verschiedenheit des BegriffesArbeiter zu Excessen, wobei ein junger Mensch durchgeprügelt wurde. Als Nachtrag zu den Scenen von Montag auf Dienstag wollen wir noch anführen, daß Arbeiter einen Mann am Mainquai mißhandelten, unter dem Rufe, er sei ein Verräther. Die Zahl der Verhafteten soll sich gegen 200 belaufen. Die Truppen wurden meist in der Nähe der für ihre Operationen wichtigsten Punkte einquartirt. Wie wir hören, sollen einige der Plünderer ermittelt sein.

Darmstadt. Dem Vernehmen nach ist der Ober⸗ lehrer am Pädagogium zum Kloster U. L. Fr. in Magke⸗ burg, Professor Dr. Weidner, zum Director des Gymna⸗ siums zu Gießen ernannt worden und wird in Kürze seine neue Stelle antreten.

Köln. Die beiden Domthürme haben bis jetzt eine Höhe von 220 Fuß erreicht und wird nunmehr mit dem Baue der Spitzen begonnen werden. Die Gesammthöhe soll 500 Fuß betragen, es ist also bis jetzt noch nicht die Hälfte erreicht. In sechs Jahren hofft man den Bau der Tbürme beendigt zu haben.

Rosenberg(Baiern). Ein interessantes Quiproquo ereignete sich auf der Festung Rosenberg. Ein gewisser Kaufmann Weinreich sollte 4 Monate Festungshaft ab; sitzen und hatte schon 3 Monate davon in Rosenberg verbracht, als man die Entdeckung machte, man habe nicht Weinreich in Haft, sondern den Hosschauspieler Kohl. Kohlspielte den Weinreich, angeblich, um einen Roman⸗ stoff zu gewinnen. Die Entdeckung wurde dadurch herbei⸗ geführt, daß der wirkliche Weinreich sich in Augsburg unvorsichtiger Weise vor Leuten, die ihm nicht grün waren, sehen ließ, was eine Denunciation und Entdeckung des Betrugs an der hl. Justitia herbeisührte.

Auf Island hat im Januar d. J. ein großartiger Vulcan⸗ Ausbruch stattgesunden. In einem Brief an Dagbladel wird darüber Folgendes erzählt:Der Winter hier im südlichen Josland ist sehr milde gewesen, wogegen er sich im nördlichen Theile des Landes sehr sireng zeigte; Mitte Januars kamen die Vulcane, welche sich im großen Jökul⸗Gebirge in der südöstlichen Ecke des Landes(Vat⸗ najökul) befinden, zum Ausbruch. Als der Vulcan un⸗ gefäbr eine Woche lang mit einer ungewöhnlichen Heftigkeit gewüthel batte, hörte der Ausbruch plötzlich auf und man bat seitdem kein Feuer mehr bemerkt. Beim Things Oeljord, im Mula⸗ und Skaptafells⸗ Sysel ist sehr viel Asche gefallen, man hofft jedoch, daß bei der dicken Schnee⸗ lage die Weidenplätze nicht von deiselben vergiftet worden sind, wie es bei ähnlichen Ausbrüchen der Vulcane auf Island früher der Fall gewesen ist.

Landwirthschaftliches. Fingerzeige über ländl. Creditvereine. J. Einleitung.

Was ist es, das den reichen Gutsbesitzer mit seinem selbstgewählten Besitz nur theil⸗ weise zufrieden sein läßt? Das Geld! Er sieht, daß das Vergnügen an der Landwirthschaft sehr theuer bezahlt werden muß durch die geringe Rente, welche der Grundbesitz abwirft. Und was ist es, das dem Landwirth von Beruf Jenen im Lichte größeren Glückes erscheinen läßt? Wieder das leidige Geld! Sein Gut bat er zwar schuldenfrei vom Vater geerbt, aber er möchte gern dieses und jenes Neuere und Bessere unternehmen, doch dazu fehlen ihm die Mittel, und diese zu beschaffen, hat es seine besondere Schwierigkeit. Beide leiden am gleichen Uebel; der Eine ist verdrießlich, weil das Gut so wenig rentirt; der Andere ist in Sorge, weil er wegen der geringen Rente aus dem Wirthschaftsbetrieb nicht so viel zieht, daß er denselben nach Wunsch einrichten könnte, um es rentabel zu machen. Und doch sind Beide noch verhältnißmäßig gut daran, und nicht alle Landwirthe können sich mit ihnen auf gleiche Stufe stellen; die große Mehrzahl zat kein schuldenfreies Gut, sie muß trotz der niederen Rente noch Capitalzins zahlen aus ihrem Verdienste. Woher das Geld dazu nehmen, wenn es den beiden Andern schon so schwer fällt? Man gründe Creditvereine! Für den Rentner(Kapitalist) ist das Geld sein Kapital. Seine Sorge muß darin bestehen, möglichst wenig Vorräthe davon im Hause zu haben(denn in der Schublade trägt es keinen Zins), ferner, es unter solchen Umständen auszuleihen, daß die geringste Gefahr für den Verlust Lorhauden ist und daß möglichst bober

Zins gegeben wird. Für den Landwirth hat d

Geld eine ganz andere Bedeutung er bedarf des⸗⸗

selben nur als Vermittler, um sich mit dessen Hilfe einen Vorrath von Sachen zu erwerben, welcher Vorrath dazu bestimmt ist, bei Erzeugung weiterer Gegenstände benutzt zu werden. Er wird daher von seinem Gelde nur in so weit Nutzen ziehen, als er es wirklich verwendet; im Strumpf oder im Strohsack wird es ihm so wenig nützen, wie dem Kapitalisten in der Schublade. Als Landwirth hat er für das Geld mehrfache Ver⸗ wendungen. Dieselben lassen sich hauptsächlich in Verwendungen auf Liegenschaften(Grundkapital)

und in solche auf den Wirthschaftsbetrieb(Be⸗ triebskapital) unterscheiden. Diejenigen Kapi⸗ talisten, welche auf die Sicherheit der Kapital- anlage vor allem Anderen hohen Werth legen, kaufen deshalb Liegenschaften an. Die Nachfrage nach solchen ist in den dichtbevölkerten und des halb hocheultivirten Ländern eine so bedeutende, daß die Reute des Grundkapitals sehr tief steht und heutigen Tags kaum 2 bis 3 Procent beträgt. Hier sehen wir die Ursache, weshalb der Land⸗ wirth zum Vergnügen und der Landwirth aus Beruf gleich sehr über die schlechte Guterente klagen.

Das Betriebekapital theilt man in stehendes

und in umlaufendes. Zum ersten rechnet man;

Milch-, Zug-, Zucht⸗ und Maslvieh, Maschinen, Geräthe und andere landwirthschaftliche Werkzeuge; in die Klasse des zweiten lassen sich reihen: Vor⸗

räthe an Geld und Haushaltungsbedürfnissen, an Dünger in der Dungstätte und auf dem Felde, Vorräthe in Scheuer, Keller, Speicher, Kosten für bebaute und bestellte Felder, für Verbesserungen c.

Der Landwirth legt viel zu wenig Werth darauf, zu wissen, wie hoch sich sein umlaufendes Betriebskapital beläuft. Und doch ist es gerade dieses Kapital, welches, vernünftig angewendet, eine weit aus höhere Rente gewährt, als das Grund- und das stehende Kapital. Zum um: laufenden Betriebskapital rechnet man auch noch Kapital für Verbesserungen(Meliorationen), als: Trockenlegung durch Drainage(sprich: Dränahsch),

Bewässerungsanlagen, Tiefeultur, Bodenmischung,

Umwandlung von Viehweide in Ackerfeld, von Ackerfeld in Wiese ꝛe. Es ist viefach constatirt, daß das Meliorationskapital, richtig angewendet, einen weit höheren Zine gewährt, als alle andere landwirthschaftliche Kapitalien.

Man wird nicht fehl gehen, wenn man in unseren Verhältnissen das Zinserträgniß anschlägt vom Grundkapital auf 2 40%.

umlaufenden Betriebskapital auf 6 8 50 Meliorationskapital auf 8 200%. Was folgern wir daraus?

Will der Landwirth seinen Credit

heben, so muß er vor Allem seine Credit⸗

würdigkeit dadurch darthun, daß er den

Credit in einer Weise in Anspruch nimmt,

welche ein richtiges Verständniß für das

Verhältniß der von ihm benutzten ver

schiedenen Kapitalien zu einander und ihre Rentabilität bekundet. Ein Landwirth, der verbesserungsfähiges Land hat, und selne Er · sparnisse zur Vermehrung des Grundkapitals

benutzt, kennt seine eigenen Interessen nicht. Ein

Landwirth, der Mangel an umlaufendem Betriebs kapital hat, und dabei Grundstücke auf Ziele kauft, und 4 5% Zinsen zahlt, während er

nur 2 30% Grundrente erzielt, ist wirthschaftlich

unmündig; es wäre ihm besser, es würde ihm gar kein Credit gegeben, damit er vor solcher Verschwendung bewahrt werde. Die meisten

Klagen über mangelnden Credit der

Landwirthe entspringen aus solch un⸗

richtigem Gebrauch des Credits.

Was ist weiter daraus zu folgern?

Ein Landmann thut klug daran, auf ein kleineres Gut bedacht zu sein und keine Ver⸗ mehrung seiner Aecker anzustreben. Denn das hat sich bewährt und ist auch leicht einzusehen:

Ein kleines Gut, tüchtig bebaut und gedüngt,

erfordert weniger Arbeit und erzielt höhere Ernäge 1 als ein großes, das man nicht gehörig und durch greifend düngen kann. Es ist

dem Landmann

unerläßlich, zu berechnen. Thut er dies, so