Ausgabe 
18.12.1873
 
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Der Finanz⸗Ausschuß beantragt einstimmig, die zweite Kammer möge ihre Zustimmung dazu ertheilen, daß der Stadt Malnz zu Zwecken der Stadt- Erweiterung ein weiteres Darlehen von 1,500,000 fl., verzinslich zu 4 pCt. und gegen balbjäbrige Kündigung, nach Bedarf aus der

Hauptstaatskasse ausbezahlt werde. Der Ausschuß gebt dabei davon aus, daß die Anlage bei der Stadt Mainz eine sichere sei, ein höberer Zinsfuß bei Anlegung der Ueberschüsse der Hauptstaatskasse kaum vorkomme, auch bei dem Vorbehalt halb- jähriger Kündigung die in Aussichk genommene Operation der Abtragung der Eisenbahn⸗Schulden nicht gehindert oder erschwert werde.

H.-V. Friedberg. Der Vorstand des hiesigen Handelsvereins begann seine Thätigkeit damit, daß er sich im Februar d. J. an die Direction der Main⸗Weser⸗Bahn in Cassel mit der Bitte wandte, der Skation Frikdherg hinsichtlich des Ftachtver⸗ kehrs dieselben Vortheile wie Gießen zu gewähren. Die Zahl der Stationen tesp. Eisenbahnen, mit welchen anser Platz in directem Güterver⸗ band ist, ist bis dato eine verhältnißmäßig ge ringe. Hierunter leidet besonders der für Fried⸗ berg bedeutende Handel in Landes Producten (Mehl, Getreide ꝛc.), da, wie bekannt, directe Frachttarife billiger find, den Bezug einer Waare weniger vertheuern, auch einen schnelleren Em pfang der Waare ermöglichen, als indirect.

3 Kreuzer, 6 Kreuzer pr, Ctr. mehr oder weniger

spielen aber bei Artikeln wie Getreide, Mehl, Kartoffeln ꝛc., die meistens in Ladungen von 100 bis 200 Ctr. bezogen werden, eine wichtige Rolle. Die Antwort der Direction der Main ⸗Weser: Bahn, welche wir nachstehend zur Kenntniß der Juteressenten bringen, ist diefer Tage hier ein⸗ getroffen; es verdient mit Dank anerkannt zu werden, daß die Ditection die Bitte des Vor⸗ standes des Handelsvereins ernstlich erwogen hat, daß binsichtlich des Getreide-Bezugs von einzelnen wichtigen Städten bereits billigere Tarifsätze ein⸗ geführt sind und daß für alle Tarifklassen der Eintritt Friedbergs in den Sächstsch⸗Rheinischen und Rheinisch⸗Mitteldeutschen directen Güter⸗ verband demnächst mit Sicherheit zu erwarten ist. Dit Entscheidung der Frage, ob durch diese Anordnung der Direction der Main⸗Weser⸗Bahn alle gerechten Wünsche der Handel⸗ und Ge werbetreibenden Friedbergs und seiner Umgebung erfüllt sind, wird von dem Resultate abhängen, welches die Aufforderung von dem Vorstande des Handelsvereins(siehe unter den Inseraten) haben wird. Das i Cassel, am 2, December 1873. Eingaben vom 21. Februar c. und vom 22. v. Mts. erwidern wir ergebenst Folgendes: Ihre Angabe vom 21. Februar c., daß die dortige Station nur mit der Köln⸗Mindener⸗, Bergisch⸗Märkischen⸗, Nassauischen⸗, Bayerischen Ost⸗, Taunus und Hessischen Ludwigs bahn theil · weise, mit allen übrigen Bahnen dagegen in keinem directen Verkehre stehe, kann als zutreffend nicht angesehen werden, da Friedberg außerdem noch directe Tarifsätze mit folgenden Stationen hat: a) nach und von Stationen der Main⸗Neckar⸗ Bahn, der Badischen Station Mannheim, der Pfälzischen Bahn(Ludwigshafen und Frankenthal), sowie mit Stationen der Westphälischen Bahn für alle Tarifklassen; d) von den Stationen der Saarbrücker⸗Rhein⸗ Nahe⸗ und Pfälzischen Bahn für den Aus⸗ nahmetarif II.(Steinkohlen, Noheisen 16.) 3 () von eiwa 70 Stationen der Bayerischen Staats-, Böhmischen West⸗, Kaiserin⸗Elisa⸗ beth⸗ und Oesterreichischen Südbahn für Holztransporte; 2 d) mit Beigischen und Luxemburgischen Sta⸗ tionen für Eisensteine, Erze und Roheisen; e) mit den Hauptistationen der Reichs eisenbahnen in Elsaß- Lothringen für Erze, Steine, Gyps

und sonstige Rohproducte; ) im Rheinisch⸗Mitteldeutschen und Sächsisch⸗ Rheinischen Verbande für Salztransporte. Ferner sind seit dem 1. August c. diretie Tarifsäße für Cetreidesendungen in Quantitäten von mindestens 100 Centnerg im Verkehr mit

lautet: Auf die

Lübeck, Göttingen, Berlin, Magdeburg, Braun⸗ schweig, Wolfenbüttel und Salfgitter eingeführt. Wir haber endlich in Aussicht genommen, die Station Friedberg weiter noch in den Sächsisch⸗ Rheinischen⸗ und Rheinisch⸗Mitteldeutschen ⸗Ver⸗ bandsverkehrs und zwar für alle Tarifklassen auf⸗ zunehmen, und werden die bezüglichen Tarissätze, nachdem die dieserhalb mit den betheiligten Ver- waltungen geführt werdenden Verhandlungen zum Abschluß gelangt sind, was in der nächsten Zeit zu erwarten steht, zur Einführung kommen. Hiermit dürfte nach unserer Anschauung den gegenwärtigen Verkehrs ⸗Bedürfnissen Friedbergs mehr als vollständig Rechnung getragen sein, wir werden uns jedoch einer etwaigen Aeußerung Ihrerseits über die dort bestehenden Verkehrs⸗ beziehungen, welche die Etablirung neuer dirfcter Tarife wünschenswerth machten und welche wir

ein Ihrem ersten Antrage vollständig vermißten,

uns licht verschließen. Königliche Direction der Main⸗Weser⸗ Bahn. Domeier.

Berlin. Das Staatsministertum hat es ab⸗ gelehnt, dem Abgeordnetenhause auf bie gestellten Fragen über die Höhe der Revenüen aus dem seguestrirten Vermögen des Königs Georg und des Kurfürsten Friedrich Wilhelm, sowie über den Betrag der aus diesen Revenülenzur Abwehr feindlicher Unternehmungen verwendeten Summen irgend eine Auskunft zu ertheilen.

die Königin-Wittwe Elisabeth von Preußen

ist am 14. d. Nachts 12 Uhr in Dresden ver⸗ schieden. Der Kronprinz des deutschen Reichs und von Preußen traf Nachts in Dresden ein.

Ein k. Erlaß an das Staats ministerium ordnet wegen des Ablebens der Königin⸗Wittwe eine allgemeine Landestrauer auf 6 Wochen vom 15. d. ab an und untersagt die öffentlichen Auf⸗ führungen von Musik, Theater, Lustbarkeiten und Schauspiel⸗Vorstellungen für die ersten 8 Tage.

Der Bundesrath hat den Gesetzentwurf Lasker, betreffend die Ausdehnung der Reichs- Competenz auf das Civilrecht, mit großer Ma⸗ jorität, und ebenso die Vorschläge des Reichs kanzleramts bezüglich der freien Eisenbahn⸗Fahrt der Mitglieder des Reichstags angenommen.

DieZeitung des Vereins deutscher Eisen⸗ bahn Verwaltungen bringt die Meldung, daß eine Erhöhung der Bahntarife am 1. April 1874 nicht allein nicht eintreten wird, sondern daß auch der Reichskanzler sich in einem vor einigen Tagen an das Finenzministerium gerichteten Schreiben gegen die von dem Finanz⸗ und Handelsminister

Erhöhung der Gütertarife ausgesprochen hat. Eine Erhöhung der Personentarife war von der preußischen Regierung überhaupt nicht in's Auge gefaßt.

Bonn. Vom Bischof Reinkens ist ein gegen die Encyclica des Papstes vom 21. November ge⸗ richteter Hirtenbrief erschienen.

Breslau. Das Stadtgericht hat den Fürst⸗ bischof Förster wegen 29 ungesetzlicher Anstellungen von Geistlichen in contumaciam zu 11,600 Thlr. Geldbuße, eventuell zweijährigem Gefängniß ver⸗ urtheilt.

Kassel. Wie vorauszusehen war, haben die von dem evangelischen Gesammt⸗Consistorium hier in Folge ihrer beharrlichen Renitenz abgesetzten neun Pastoren Niederhessens, an ihrer Spitze der streitbare Vilmar in Melsungen, in bündigster Form erklärt, daß sie dit über sie verhängte Maßregel, als von einer widerrechtlich eingesetzten Behörde ausgehend, nicht anerkennen und sich daher, da sie ja allein nur von Christus abgesetzt werden können, auch fernerhin als die rechtmäßigen Seelsorger der betreffenden Kirchspiele betrachten.

Rudolstadt. Der Landtag ist plötzlich be⸗ schlußunfähig geworden durch Mandat⸗Nieder⸗ legung der Hälfte aller Abgeordneten. Die Ver⸗ anlassung gaben persönliche Differenzen.

Unser Landtag ist, wie bereits mitgetheilt, plötzlich beschlußunfähig geworden. Der Sach

verhalt ist kurz folgender: Zur Landtagssitzung hatten sich nur sieben Abgeordnete eingefunden,

die gleiche Zahl war fern geblieben und hatte durch eine Zuschrift an den Präsidenten angezeigt, daß sie ihre Mandate niedergelegt, weil sie in

einer Ausschußsitzung durch einen Abgeordneten beleidigt worden, ohne daß der Vorsitzende die verletzenden Aeußerungen gerügt habe Der be treffende Abgeordnete, sowie der Vorsttzende wollen zwar in den Aeußerungen nichts Beleidigendes gefunden haben; doch damit läßt die Beschluf⸗ fähigkeit des Landtags sich nicht herstellen. Es müssen für die Ausgeschiedenen erst wieder Neu⸗ wahlen stattfinden, ehe der Landtag seine Thäͤtig keit fortsetzen kann.

Rostock. Der Vorstand des mecklenburgischen Prokestanten⸗Vereins zu Rostock hat die Aufforder⸗ ung an die hiesigen Geistlichen gerichtet, daß sie die Erklärung, in welcher die Mitglieder des Pro⸗ testanten⸗Vereins alsvon dem Boden der lutkhe⸗ rischen Kirche Abgetretene undvon ihrer Gemeinschaft Geschiedene bezeichnet werden, auf der Kanzel widerrufen.

München. In der Gefangenen⸗Anstalt Laufen ist die Cholera mit kaum noch dagewesener Heftig keit aufgetreten Bis jetzt sind mehr als 120 Strä⸗ linge erkrankt. Am 8. d, allein sind 16 gestorben

Ausland. 17 Oesterreich Ungarn. Pest In der Sitzung des Abgeordnesenhauses am 15. d. M. wurde eine Interpellation betreffs der Cabinets, Krists vom Ministerium dahin beantwortet, daß der König die Demission des Finanzministers und. des Communicationsministets angenommen habt, dieselben würden auf den Wunsch des Königs bit zur Ernennung ihrer Nachfolger verbleiben. Eine weitere Cabinets- Aenderung sei nicht bevorstehend,

Schweiz. Bern. Die Luzerner Regierung entsprach der Beschwerde der Berner Regierung wegen Lachats insoweit, als dessen Schreiben al die schweizerischen Bischöse vom 30. Nop., durch welches die neuen jurassischen Pfarrer excommunicii werden, als ein Ack äußerer Jurisdietion be zeichnet wird, wie er Lachat in den ohn nicht an, erkennenden Cantonen nicht zustehe. 1

Die vereinigte Bundesversammlung haf Ann Schenk mit 80 von 132 Stimmen zum Bundes schlof prästdenten gewählt. Die Wahl des Vitepräsß filben denten erforderte zwei Wahlgänge und wurd aum Welti mit 77 von 144 Stimmen gewählt. Zun Otde Präsidenten des Bundesgerichts wurde Dr. Blume Das zum Vicepräsidenten des Bundesgerichts im dritte Wahlgang Morel gewählt. Jubi

Frankreich. Paris. Nach den bisha on! bekannt gewordenen, obwohl noch unvollständigel inge Resultaten der stattgehabten Ersatzwahlen ist a wa. als gewiß anzunehmen, daß die Republikaner iu Stift allen vier Wahlen mit beträchtlichen Majoritätehsüden gesiegt haben.. siese

Nationalversammlung vom 15. Dez. Daf kdigu bonapartistische Deputirte Haentjens wünscht dil urch Regierung über die offenbare Gefahr, die in del able Einzelwahlen liege, zu interpelliren, und ob di war Regierung fortfahren wolle, sich gegen die wurd Wahlen gleichgültig zu verhalten. Die Discusstol a o. der Interpellation wird bis nach vollständige ie Votirung der Finanzgesetze vertagt. ö

schii Der Herzog v. Aumale hat vor seina t 8 Abteise. nach Besangon dem Präsidenten Mas terer Mahon erklärt, er wolle sein Mandat als Depul Jann tirter niederlegen. Er ist aber davon abgestandenn in Folge dringlichen Abrathens des Präsidenten ung der Republik. ed

Versailles. Die Regierungskreise sind übel Enge den Ausfall der Wahlen außer sich. Von Baragnol Jig erzählt man sich das Wort: Wir müssen daß hen Stimmrecht knebeln! Bazaine wurde a desu 16. d. nach seinem Haft Ort abgeführt. ach

Belgien. Brüssel. DerJudépend. schreibl Fre man aus Paris, die Regierung habe dem Staate Fesu rath als Antwort auf das Ergebniß der jüngse! Wahlen einen Gesetzentwurf übergeben, der eint dach großen Anzahl Wähler das Wahlrecht entzieht, amn

Spanien. Madrid. Endlich verlauf ind einmal von einer Schlacht, welche die repubsß uz kanischen Truppen unter General Moriones def gur Carlisten mit einem gewissen Erfolg delle Offen Nach Berichten aus Madrid hatte Moriones nal ing, einem kühnen Zuge über Pamplona durch daß Gebirge von Naxarra sich mit der in Guipußcol N

stehenden Abtheilung des Generals Loma vereirich io 5