Ausgabe 
14.8.1873
 
Einzelbild herunterladen

getroffen, aber auch in Norddeutschland findet der Gedanke in der Presse, in Vereinen und in Cor porationen immer umfassendere Zustimmung.

Fulda. Bischof Kött hat, wie derNat. Ztg. mitgetheilt wird, officiell erklärt, daß er jedem Candidaten der Theologie, der auf einer Universstät studirt hat, sortan die Ordination ver⸗ weigern werde.

Bonn. Bei Gelegenheit der in ee vor sich gehenden Consecration des altkatholischen Bischofs Reinkens wird dieser einen längeren Hirtenbrief publiciren, worin u. A. kirchliche und politische Nothwendigkeit und Berechtigung des Altkatholicismus eine wiederholte Beweisführung erhalten werden. Wie mitgetheilt wird, soll das umfangreiche Actenstück auch als Broschüre in vielen lebenden Sprachen erscheinen.

In einem Hirtenbrief des altkatholischen Bischofs Reinkens gelegentlich seiner Consecration bespricht derselbe die Situation der Altkatholiken und die Aufgabe des Bischofs. Bezüglich des bischöflichen Amtes heißt es: dasselbe sei kein Privilegium einer kleinen Anzahl von Bevorzugten, sondern ein Dienst für die Gläubigen; zu dem bischöflichen Amte gehöre auch, Gehorsam gegen die weltliche Obrigkeit als religiöse Pflicht des Gewissens wegen zu lehren, ein Bischof, welcher das nicht thue, übe Verrath an seinem Amte.

Thorn. Nach einer Mittheilung derGaz. Torunska hat der Oberpräsident der Provinz Preußen den Bischof von Kulm aufgefordert, zwei Probsteien in seiner Diöcese definitiv zu besetzen, da auf Grund der Kirchengesetze jedes Pfarramt innerhalb eines Jahres vom Tage der Erledigung an dauernd zu besetzen sei. 8

Leipzig. Der Central⸗Vorstand des Gustav⸗ Adolph⸗Vereins hat folgende Bekanntmachung er- lassen:Die auf den 2. September a. c. und die folgenden Tage nach Kassel einberufene Hauptver- sammlung des evangelischen Vereins der Gustav⸗ Adolph⸗Stiftung wird zur Vermeidung des Zu⸗ sammentreffens mit der auf den 2. September fallenden deutschen Nationalfeier im Einverständnisse mit dem Hauptvereine Kassel hierdurch auf den 3., 4. und 5. September a. c. vertagt. Pro- gramm und Tagesordnung verbleiben unverändert.

München. In Uebereinstimmung mit dem Gesundheitsrath hat der k. Polizeidirector weitere Maßregeln gegen die Cholera angeordnet, und entsprechende Mahnung an das Publikum erlassen. Da durch größere Ansammlung von Menschen der Krankheit leicht Vorschub geleistet wird, so werden solche Versammlungen von den Behörden vorerst nicht weiter geduldet werden. In Folge dessen wird denn auch der deutsche Genossenschaftstag, die feierliche Fahnenweihe des Veteranen und Krieger vereins und die Generalversammlungen der katholischen Vereine Deutschtands, welche theils noch in diesem theils zu Anfang des nächsten Monats hier stattfinden sollten, wohl unterbleiben müssen. Bezüglich der letzerwähnten Generalver⸗ sammlung ist dies auch bereits beschlossen worden.

Nürnberg. Ein hier verbotener social⸗demo⸗ kratischer Congreß soll am ursprünglich anberaumten Tage in Thüringen abgehalten werden, doch ist der betreffende Ort noch nicht bestimmt.

Ausland.

Frankreich. Paris. Die Exkaiserin Eugenie ist am 8. Aug. Abends von Arenenberg in Chislehurst eingetroffen. Sie will bei dem Empfange der Anhänger, welcher am 15. August stattfinden wird, und für den die Bonapartisten diesmal aus naheliegenden Gründen besondere Anstrengungen machen, ihrem Sohne zur Seite stehen.

DieUnion schreibt:Wir glauben zu wissen, daß der am 5. August in Frohsdorf voll. zogene Act einen lebhaften und günstigen Ein- druck auf die europäischen Cabin t tte gemacht hat. Nur die Regierungen von Preußen und Italien haben diese wichtige Neuigkeit ziemlich kalt auf⸗ genommen; es ist ganz natürlich, daß sie nur ungern ein Ereigniß sehen, welches die Ruhe

und die Zukunft unseres La des sichern kann.

Die Nachricht desSoir, die Permanenz Commission wolle nach beendigter Gebietsräumung

die Nationalversammlung einberufen und die

Wiederherstellung der Monarchie beantragen, ist, derAgence Havas zufolge, vollständig unbe⸗ gründet. 8

Es war davon die Rede, daß in der Permanenz Commission von Seiten der Vertreter der Linken eine Jaterpellation wegen der Frohs⸗ dorfer Begegnung an die Regierung gerichtet werden sollte. Wie dasXIX. Siecle meldet, hat die Linke dieses Vorhaben wieder aufgegeben. Für den Proceß Bazaine ist nun definitiv das neue Schloßtheater von Compiègne als

Sitzungssaal ausersehen, und die zu dieser Um⸗

wandlung nöthigen Arbeiten sind bereits in An⸗ griff genommen worden.

Amllicher Meldung zufolge wird am 25. dieses Monats dieGaronne mit 500 Strafgefangenen und 28 Weibern aus verschie⸗ denen Strafanstalten des Landes von Toulon nach Neu-Caledonien abgeben. Diese Weiber sollen sich dort mit Sträflingen verheirathen; sechs von ihnen haben Kinder, welche sie mit sich nehmen. Für alle diese gemeinen Verbrecher ist die Insel Nou als specieller Deportationsort be stimmt. mit 540 Deportirten von der Commune von Brest abgegangen war, ist unter guten Umständen in Numea eingetroffen, während der Ueberfahrt waren nur zwei Todesfälle zu constatiren, und ein Individuum war entkommen. n

Holland. Rotterdam. Am 11. Aug. hat dahier die feierliche Consecration des jan senistischen Bischofs Rinkel von Haarlem und des deutschen altkatholischen Bischofs Reinkens durch den jansenistischen Bischof Heykamp von Dewenter staͤttgefunden. 14 holländische und 7 auswärtige Pfarrer, 40 Gemeindeglieder und Missionäre, sowie einige Seminaristen des jansenistischen Seminars zu Amersfort waren bei der Feierlichkeit anwesend.

Spanien. Madrid. Nach einem Tele- gramm derAgence Havas sind die spanischen Regierungsoffiziere, welche fich nach Alicante be geben hatten, um Besitz von derAlmansa und derVictoria zu nehmen, von dort unverrichteter Dinge nach Madrid zurückgekehrt. Als Grund gibt das Telegramm Folgendes an:Die Preußen weigerten sich, ihnen die Fregatten zurückzugeben, obgleich sie die Behörden von Alicante eingeladen hatten, zu kommen und von denselben Besitz zu nehmen. Wie es scheint, haben sie neue In- structionen von Berlin erhalten.

Aus Stadt und Land.

Offenbach. Es verdient öffentlich anerkannt zu werden, daß unsere Polizei am 5. d. das zum Verkauf auf den Markt georachte Obst einer Visitation unterwarf une die unreifen Früchte verschiedener Höckerinnen(5 Mahnen voll) dem Großherzoglichen Kreisarzt zur ärzt ichen Prüf ung rorlegen ließ. Dleselben wurden für ungenießbar erklärt, worauf die Confiscation eintrat, welcher noch die gesetzliche Strafe nachfolgen wird. Wenn man bedenkt, daß das Obst meistens von Kindern gegessen wird, die durch den Genuß solch unreifen Zeuges leicht krank werden so kann man wohl sich einen Beguff machen, welches Unheil durch diese Maßregel verhütet worden ist

Darmstadt. Wie dieD. Zt. meldet, sind in den jüngsten Tagen wieder verschiedene Fälle von Tollwulb vorgekommen und hat ein Hund, an welchem der Ausbruch der Wuth constatirt, ein Kind gebissen.

Darmstadt. Die Vorlesungen für das Winlersemester bei dem hiesigen Posytechnikum werden am 8 October e. beginnen. Die Anmeldungen haben bis zum 4. Oct. zu schehen und finden die Aufnahmeprüfungen am 6. und 7. October statt. Programme sind durch das Seerelariai gratis zu beziehen.

Allerlei.

Frankfurt. Ein aus Frankreich zurückkebrender Offieser besuchte am Samstlag auch den zoologischen Garten. Daselbst amüsicte er sih mit den Thieren, namentlich spielte er mil Vorliebe mit den Bären. Dabei kam er mit seiner Mütze dem Richen derKatharine zu nahe, diese schnappie dunach und riß plötzlich die Kopfbedeckung zu sich in den Zwinger. Geschmack an. Genuß derselben scheint sie indeß licht gefunden zu haben, denn sie verzehrte nur das feitige Fuiter die Mütze selbst zer sie.

Franktfu t. Der husige Bienenzuchtverein veran⸗ staliel am 17. und 18. August in der Rosenau eine Aus tellung von Bienenvösker, Gerälbschaften, Honig, Wachs u. s. w. An die Ausstellung schließt sich eine Verloosung an.

DieOrne, welche am 15. Januar

Heddernheim. Das Preisturnen der Vereine d Maingau-⸗Verbandes fand Sonntag in unserer festlich g

schmückten Stadt unter zahlreicher Betheiligung sast alle dazu gehbechen Nera fe n bene free de zug belheiligten sich der Heddernheimer Kriegerverein Feuerwehr und mehrere Orts-Gesangvereine. Nach die dreizehn Banner auf dem Festplatze zusammengest und ein Prolog gesprochen worden, begannen die Uebungen, Von 99 Preisturnern errangen 23 davon 16 Preise. De ersten erhielt Roth vom Frankfurter Turn⸗ und Fecht Club den zweiten gemeinschaftlich Franz Hoffmann und A. Bohn 1 von der Frankfurter Turngemeinde, den dritten Rehhonn vom Hanauer Turn⸗ und Fecht⸗Club. Nächsten Sonntaß begeht der Turuvetein in Höchst sein Fest der Fahnenwei 0 Bonn. Die vom Papst veranlaßte Zusammenstellung der seit 1849 für die Casse des Peterspfennigs eingegangene Gaben ergab die bedeutende Summe von 170 Mill. Lire München. Am 9. August Nachmittags ist dal Pfarrdorf Eching bei Lohhof fast gänzlich abgebrannt. Dis hiesige Feuerwehr eilte mittelst Exiragzugs der Ostbah

mit Spritzen und Requisiten zur Stelle, konnte jedoh nicht viel mehr retten; bei der großen Dürre war al Löschen kaum zu denken. Der Schaden ist ein sehr bes trächtlicher, da die ganze diesjährige Ernte schon uni ie Dach gebracht war und nichts gerettet werden konnt bel Man vermuthet Brandstiftung. ö Strastburg i. E. Am 9. Aug. erschoß der Unter officier P. der 3. Comp. 47. Inf.⸗Reg. zuerst seine 0 (iebie, ein Mädchen von zweifelhaftem Rufe, und dann sich selbst in der Ersteren Wohnung, Hahnengasse biet Das Mädchen, auf der Flucht von der Kugel krtähl en brach mit den Wortener hat mich erschossen in des 1 Hausthüre zusammen. Effersucht soll das Motiv des ges That sein. zur Antwerpen. Hier kam kürzlich eine selssame Rach nei zur Ausführung. Eine Frau hielt eine Katze, die dutth einen Beamten getödtet wurde. Die Frau auf Rach sinnend, verschaffte sich mehrere Mäusefallen, fängt eim 50 Mäufe lebendig, sperrt sie in ein Kästchen ein un schickt da sselbe an den Beamten, der sich auch beeilt, dal sten Käsichen zu öffnen. Die Mäuse springen sofort herauu[ und verbreiten sich im Hause. Schließlich findet ˖0 der Beamte auf dem Boden des Kästchens einen Zettel mi dim den Worten:Sie haben mir meine Katze getödiel, i hach habe die Ehre, Ihnen meine Mäuse dafür zu enden! burch Aäute

adus

Kapitän Werner. 0 0 Pate

Die Persönlichkeit und Eigenartigkeit diesels enn in den letzten Tagen so viel genannten Be pl, fehlshabers des deutschen Geschwaders in del des spanischen Gewässern wird in dem Feuilleton bab desN. W. Tagebl. von einem persönlichen an Bekannten des Kapitäns, in lebhafter Weisis zun geschildert. Kapitän Werner ist nach der Darf las stellung des Verfassers ein nüchterner, äußers 80 umsichtiger und pflichttreuer Mann, Mitglichs J. sämmtlicher Mäßigkeitsvereine, der seit J Jahren keinen Tropfen alkoholischer Geträns über die Lippen gebracht, und auch in Bezuß auf untergeordnete Dinge, wie die Herstellung und den Druck seiner Manuscripte, von eines fabelhaften Peinlichkeit. Nachdem Verfasser an verschiedenen Beispielen gezeigt, daß Werngs an der gewissenhafteste Mensch sei, der niemal! aus Unbesonnenheit einen Conflict herauf schwören werde, fährt er fort:Jeder meine Zeitgenossen hat wohl einmal schon, sei es i natura, sei es auf einem Bilde, einen englische Schiffskapitän gesehen. So gerade ebe so sieht Kapitän Werner aus, ich mochte sogal behaupten, viel englischer als sämmtliche Off, ziereol her gracious Majesty's men of War. Und so lebt er auch, so denkt er, so drückt e sich aus! Sein Sprechen gleicht dem leisel 535 und Herschaukeln einer Brigantine, seil

zehen ist ein beständiges Suchen nach einen g. Schwerpunkte, und wenn er vom Stuhle auf steht, um z. B. nach der Thür zu gehen, i ag fast er zuerst die Thüre scharf ins Auge, gil seinem Körper zuvörderst ein paar gewaltige Rucke nach West und Ost und schießt dann it gerader Linie auf die Thuͤr zu. Er commaf dirt mit langsam gezogener Stimme, ruhig, bis zur tödtlichsten Langweile, flucht niemals, geht alle Sonntag in die Kirche, und wenn er ein Behauptung aufstellt, so fängt er jedesmal au! es scheint mir!, oder:ich dächte beinahe oder:es kommt mir vor, als wenn... Dieser Seewolf trinkt nicht einmal Wein, el flucht nicht und geht in die Kirche, und, was noch entsetzlicher ist... er raucht nicht! Et ist ferner ein Fanatiker der Disciplin; nie sind die Befehle der Admiralität mit einer peinlicheress man möchte vielleicht sagen lächerlicheres Pünktlichkeit befolgt worden, als am Bord del

den

.