Deutsches Reich.
Darmstadt. Seine Königliche Hoheit der.
Großberzog haben die Gnade gehabt, für die
Brandbeschädigten zu Bensheim den Betrag von“ 1000 fl. aus der Großherzoglichen Cabinetskasse
dem Großherzoglichen Kreisrath Dr. Usinger zur Disposition zu stellen, 1 N
— Zu Gunsten der durch den Brand vom 8. d. Mts. beschädigten Einwobner der Stadt Bensheim hat das Gr. Minxisterium des Innern eine Unterflützung von 500. fl. aus öffentlichen Mitteln angewiesen und dieselbe dem Gr. Kreis- rath Dr. Usinger zu Bensheim zur geeigneten Ver— wendung für die Beschädigten zur Disposition gestellt.
— Bei der in Folge Ablebens des Freiherrn Wilhelm Löw von und zu Steinfurth erforderlich gewordenen neuen Wahl des im Großherzogthum genügend mit Grundeigenthum angesessenen Adels wurde Herr Berthold Freiherr v. Bibra, Ober- jägermeister zu Darmstadt, zum Mitgliede der ersten Kammer der Stände gewählt.
Berlin. Nach der„Prov⸗Corr.“ sollen die Pro vinzial-Landtage sämmtlicher Provinzen, aus- genommen Posen, die Rheinprovinz, sowie den Communal- Landtag des Regierungsbezirks Wies baden auf den 5. October einberufen werden.
— Wie der„K. Z.“ ans angeblich durchaus zuverlässiger Seite berichtet wird, ist von der deutschen Admiralität für das nächste Jahr die Ausrüstung eines aus drei Panzerfregatten und einem Aviso bestehenden Uebungsgeschwaders ver- fügt worden. Die Indienststellung desselben soll auf vier Monate erfolgen. Da die deutsche Kriegsmarine zur Zeit und auch noch für 1874 nur drei Panzerfregatten besitzt, würde demnach zu dem gedachten Zwecke eine Vereinigung dieser sämmtlichen Schiffe beabsichtigt werden, was bis⸗ her nur einmal, kurz vor dem Ausbruche des Krieges von 1870, statigefunden hat.
— Die Nachricht französischer Zeitungen, daß der augenblicklich in Berlin anwesende französische Capitän Brunet von der französischen Regierung den Auftrag erhalten habe, einen Theil des er— oberten Kriegsmaterials von der deutschen Regie⸗ rung zurückzukaufen, ist, wie die„Deutschen Nachr.“ versichern, eine durchaus irrthümliche. Der Sach— verhalt ist vielmehr folgender: Ein hiesiger Ge⸗ schäftsmann hat einen Theil des in Rede stehenden Materials von der Regierung angekauft und steht im Begriff, dasselbe öffentlich zu versteigern. Der Militärbevollmächtigte bei der hiesigen französischen Botschaft, Prinz v. Poligngc, forderte aus diesem Anlaß den Capitän Brunet auf, sich bei Gelegen; beit seiner Anwesenheit in Berlin dieses Material anzusehen und diese Aufforderung ist Seitens der französischen Blätter in dem erwähnten Sinne mißverstanden worden.
Posen. Die„Posener Zeitung“ meldet, daß die königliche Oberpräsidiol⸗Verfügung vom Jahre 1867, wonach katholische Schulkinder zun Zweck der Religionsprüfung zu den erzbischöflichen Kirchen⸗ visitationen erscheinen sollen, durch die k. Regierung auf Grund des Schulaufsichts⸗Gesetzes aufgehoben worden ist.
Nürnberg. Bei dem am Montag gelegentlich eines Feuerwerks bei Fürth durch Einsturz einer von Zuschauern besetzten Brücke geschehenen Un⸗ glück sind 4 Personen getödtet und 69 verwundet worden. Von den Verwundeten sind 18 schwer und 51 leichter verwundet. Unter den leichteren Verwundungen sind Arm- und Beinbrüche inbegriffen.
Gent. Am 10. d. erfolgte die Eröffnung der internationalen juristischen Conferenz zur Prü⸗ fung der wissenschaftlichen Einwirkung auf die Ausbildung des internationalen Rechts. Das Mitglied des italienischen Parlaments, Mancini, wurde zum Präsidenten gewählt. Der Bürger- meister von Gent hielt die Eröffnungsrede.
Constanz. Am 10. d. traf Bischof Rein; kens zu dem Altkatholiken-Congreß hier ein und murde am Bahnhöfe vom Comite und seinen Freunden empfangen. Von sonstigen hervorragen⸗ den zum Congresse schon angekommenen Katholiken und Gästen nennen wir den Geh.⸗Rath Schulte, die Professoren Knoodt, Reusch, Langen, Michelis, Huber, den Sanitätsrath Hasenelever, Appellations⸗
Gerichtsrath Rottels aus Köln, Michaud aus
Paris, Meyer aus Cambridge, Waͤssiliew und den Obersten Kirejew burg, scwie den protestant. Professor Holtzmann. Straßburg. In den Räumen des hiesigen Bahnhofs spielte sich am 6, d. der letzte Act der finanziellen Auseinandersetzur gen mit Frankreich ab. In verschiedenen Abtheilungen sind Geld- sendungen von Paris, Brüssel, Keln, Mülhausen, im Ganzen 29 Waggons, hier eingetroffen, die
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r esch aus Pe ers:
sämmtlich Fünffcankenstücke in Silber, enthielten.
Jeder Waggon faßte durchschnittlicz hundert Säcke mit je 10,000 Franken, d. h. einem Gewichte von über 100 Ct, per Waggon.(Der Sack a 10,000 Frk. soll 1 Ctr. 600 Grammes wiegen) Die betr. Begmten, unter Leitung des faiserlichen Regierungsrashs Herrn Pietsch, haben mit der Cen- trole, Revisson und Ausladung dleser 29 Waggons, wie man sich denken kann, ein lüchtiges Stück Arbeit zu erledigen. Die Säcke werden zu 60 bis 70 Stück auf bereitstehende Brückenwagen geladen und der Reihe nach, je von einem Schutzmanne begleitet, in die Stadt geschafft.
Aus Stadt und Land.
Bensheim. Bei dem großen. Brande ist auch die Wohnung des hier stationirten Bezirks-Feldwebels nieder⸗ gebrannt. Der Mann war vor ellen Dingen darauf be⸗ dacht, die Militärpapiere, Stammrollen ꝛc. zu retten und als er diese in Sicherheit gebracht, konnte er von dem eigenen Mobiliar nur noch wenig bergen, Hoffentlich wird der Militärfiscus dem pflichttreuen Manne seinen Schaden wohl ersetzen. i f
Mainz. Wir glauben eine Pflicht der Presse zu er⸗ füllen, wenn wir auf folgenden Schwindel ausmerksam machen, den das„Mainzer Journal“ enthüllt. In den Inseraten des„M. A.“ empfahl sich ein Londoner Haus, das sich Frederic Siege schreibt und 4 Burnez: Street, Greewich, London S. E. wohnen will, mit Darlehen zu billigen Zinsen. Ein angehendrr Handlungscommis wandte sich an die Adresse und bat unter der Angabe, er sei Bau⸗ unternehmer, habe großartige Etablissements auf dem Münsterplatz und beschästige 2—300 Arbeiter, um eine längere Zeit unkünddares Darlehen von 8000 fl. Trotz⸗ dem Alles dies fingirt war, erhielt er von Herrn Fr. Siege dahin Bescheid, daß man sich in aller Discretion um seine Verhältnisse und sein Renomms erkundigt habe und daß die Auskunft der Art ausgefallen sei, daß ihm 8000 fl. zu 4 pCt. auf 10 bis 14 Jahren zur Verfügung ständen. Sobald er in einem recommandirten Briefe 65 fl. eingeschickt habe, werde Anweisung zur Auszahlung des Geldes ertheilt. Mit diesem Antwortschreiben war selbstwerständlich der Schwindel enthüllt.
Mainz. Peier Schott, det-Chef des in der ganzen Welt bekannten Musikalien⸗Verlaggeschäftes„B. Schott Söhne“ in Mainz, Brüssel, London und Paris, ist in der Blülhe der Jahre nach vierzehntägigen schweren Leiden an den Folgen eines giftigen Insektendisses gestorben.
Gernsheim Am letzten Samstag wurde von dem hiesigen Schuhmacher N. D. folgende Appelüprobe ab⸗ gelegt. Derselbe verzehrte nämlich im Wirihshause 12 Bratwürste im Gewicht von 3 Pfund. einen Kumpen voll Kartoffel und einige Gütken und zwar Alles innerhalb 32 Minuten. wozu er noch 3 Glas Bier und 2 Schoppen Wein irank. Wer der Fütterung beiwohnen wollle, mußte 3 Kreuzer Entree bezahlen. Demnächst soll die 2. Auflage des Essens, wenn dieser Ausdruck hier überhaupt am Platze ist, veranstaliet werden und wäre es für Liebhaber von
Derartigem gewiß erwünscht, wenn Tag und Stunde zu⸗
vor durch Inserat bekannt gemacht würde. 0
Castel. Der„M. A.“ berichtet folgendes Geschichlchen: Eine dahier wohnende Familie suchte ein Dienfimädchen. Wer die Schwierigkeiten kennt, welche sich dem Engagement passender Dienstboten entgegenstellen, wird die Freude er⸗ messen können, die sich jener Casteler Familie bemächtigle, als sich eines schönen Nachmittags, während man beim Kaffeetisch traulich beisammen saß, ein Mädchen meldeie, das in jeder Beziehung zusagte und, nach geschlossenem Engagement, sofortigen Eintritt versprach. Man beglück⸗ wünschte sich, als das Mädchen das Haus verlassen hatte, um die Ueberbringung seiner Effecten zu vermitteln, gegenseitig auf das Herzlichste. Wer beschreibt aber die schmerzliche Ueberraschung, als stan des erwarteten Mädchens der Vater desselben erschien und in würdevollem Tone die Ecklärung abgab, daß er nicht zugeben könne, daß seine Tochter in einem Hause servire, in welchem man nicht einmal so viel Takt besessen, dieselbe zu dem Kaffee einzuladen, den die Familie während der Engagemenls⸗ verhandlungen getrunken. Und dabei blieb es, trotzdem die tiefgebeugte Familie ihr Versehen zerknirscht zugestand, wonach sich zu achten.
Allerlei.
Frankfurt. In dem heiligen Geistspital befinden sich ein riesiger französischer, am ganzen Körper zer ⸗ schlagener Arbeiter, der den Vorgang, welcher seiner Auf⸗ nahme vorausging, folgendermaßen erzählt: Er sei am
Sonntag Abend auf der Offenbacher Landstraße gegangen und daselbst von einigen jungen Leuten nach der Zeit ge⸗ fragt worden; in dem Augenblicke, wo er seine Uhr ge⸗
e Dieser wurde in der allgemeinen Verwirrung erst später
zogen, habe er einen Schlag in das Genick ben in worauf die Andern gleichfalls über ihn hergefallen
iyn zu 9 J hätten. Bei de ta f ihm alsdann Uhr mit Kette abhanden gekommen.
Frankfurt. Dieser Tage traf ein Schi eigen hümlichen Segel hier ein, dasselbe be
ufer
er
aus zusammengenähten 1 u versehenen in welchen e der Rriegokoniribulson von Franf an Deusshle d bezahlt worden war. Frankfurt. Wie wir von betheiligter Seite höken hat das in voriger Woche eröffnele Rohstoffgeschäft 9 vereinigten Schuhmacher dahier an den letzten beiden Miß lagen Montag und Dienstag eine äußerst glänzenden Pi lauf gehabt. e Oberräder Schuhmacher baben ebe salls einen Robstoffverein gebildet, seit längerer Zeit ell Capiial angelegt und gemeinschaftlich in Leder größe Eintäust gemgcht. Ter Schnhmacher⸗Vercin in Offen ha bebe e en Schritte zur Bildung einer Genoffe schaft gethan, um ein Geeschäft für Rohstoffartikel einzus richten. Ein Gleiches ist in Darmstadt beabsichtigt. Dis Hanauer bleiben auch nicht zurück und wollen diese Frage in den nächsten Wochen in einer Versammlung mit Vereinen des Kinzigthals berechen. ist zum Theil das Resultar des letzten Schuhmachie Tages dabier. f f f
Frankfurt Im zoologischen Garten ist gegen wärlig ein junger Oraug-Utang ausgestellt, der mit Rech] die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich lenkt, welche zun Theil aus großer Entfernung herbeikommen, um dlesel merkwürdige Thier zu ehen. Diese Affenart zeigt in vieln Hinsicht große Aehnlichkeit mit den Menschen, welche aut an diesem Ankömmling sehr auffällig hervortritt. So f. besonders die Form des Kopfes, der Ohren, der Häuß und Füße in großem Grade menschlich, weit mehr noch als dies bei dem Chimpanse der Fall war, den der Gartel“ am vorigen Jahre besaß. Auch hinsichtlich seiner sonstigel Eigenthümlichkeiten irist der Orang-Utang den Mensche! sehr nahe, besonders durch die Ruhe seiner Bewegungen, welche von der thierischen Hast anderer Affen sehr ven schieden ist, durch den sanften Ausdruck der Augen un durch die zuthunliche Gemüthsart. Leider halten die merkwürdigen Tiere die Gefangenschaft in europäischen Klima nur sehr kurze Zeit aus, so daß zu befürchten steh⸗ das Thier werde den Winter nicht überleben, weshall Jedermann die Gelegenheit wahrnehmen sollte, dasselll baldigst anzusehen. Der Orang⸗Utang ist ein Geschen des Herrn Consul E. Jacobsohn dahier. N
Pforzheim. Im Laufe der nächsten Woche werbel die Insignien des alikatholischen Bischofs Dr. Reinkeng, bestehend in Stab, Kreuz und Ring, welche von Herr Juwelier Bußler dahier angefertigt wurden, an ihren Be stimmungsort, Köln, woher die Beslellung kam, abgehen Die Arbeit soll, wie Augenzeugen sagen, eine sehr kunsl. volle sein. a
Kuppenheim bei Nastatt. In unserem Or! zerslörte in der Nacht vom 6. auf den 7. Sepibr. ein Feuersbrunst 37 Wohnhäufer und eine Menge Scheuern Holzschuppen, Stallungen u. s. w., im Ganzen 72 Gebäude Bielefeld. Man schreibt der„Wes. Z1g.“/: Eih schrecklicher Unglücksfall ist aus dem in der Nacht von 4. Sept. in der Nähe von Enger staltgehabten Bivoual zu melden. Eins der leichten Offizierszelte halte Feuer gefangen und die im liefen Schlafe liegenden Bewohner retteten sich mit großer Mühe, bis auf einen, den Prei Lieutenant von Ditfurth vom 55. Jufantteie⸗ Nigg
vermißt und als gräßlich verbrannte Leiche wiedergefunden, Leipzig. Verschiedenen Blättern wird gemeldet, daß
sich in Sachsen eine neue Glaubens gesellschaft gebildet habt, die sich die Apostolische Gemeinde nenne, und namentlich
in Marienberg und Umgegend Anhänger zähle. Ihn Gläubigen, so heißt es weiter, versichern, daß die„Onabe“ bei ihnen zum Durchbruch gekommen sei, und warten auf den„jüngsten Tag“ und das„tausendjährige Reich“. Diese Secte, die mit den Itvingianern verwandt ist, be⸗ steht hier schon seit langer Zein und hat eine eigene kleine Kirche, sowie einen eigenen Prediger. u ant München. Die am Chicuisee gelegene Herren Insel, 3 Stunden im Umfang, mit schönen Waldungen und Deconomie-Anlagen, ist vom König angekauft worden. Berlin. Die„Ger.⸗ Ztg.“ erzählt:„Ein Bries⸗ träger, der mit dem Austragen kleiner Packete in etwas hrößerer Briefform beauftragt war, bekam keinen geringen Schreck, als er plötzlich beim Griff in seine Brieslasche in den Finger gekniffen wurde. Er packte schnell seine Packete aus und sah aus einem derselben eine kleine Krebsscheere hervorragen, die augenscheinlich einem leben⸗ den Thiete angehörte. Das Packet war aus Hambung gekommen und der Inhalt als„Muster ohne Werth“ be zeichnet. Der Briefträger besorgte nun dieses Packel schleunigst an seine Adresse und veranlaßte dem Em⸗ pfäuger, es sofort zu öffnen. Man fand datin zwel sogenannte Seespinnen, beide noch ganz munter. Sie halten die Reise von Hamburg hiechet, in Papier em gewickel' und in das Briefcouvert gesleckt, so wohlbehalten durchgemacht, daß die eine kleine platte Spinne soger ihre Scheere durch die Umhüllung gebohrt, den Brles⸗ träger geschnitten, und dadurch den Inhalt des Beieses verrattzen batte. Uebrigens soll die Bezeichnung des Ju⸗ halts keine unrichtige gewesen sein. Weuigstens behauptet der Adressat, daß er die Schalen der Seespinnen für se Geschäft— er hat eine Jelsabrik— gebrauche, und si
Muster dazu aus Hamburg verschrieben babe.“
zwei renommicle hiesige Juweliere die Diamantensamme
lung des Herzogs von Braunschweig auf ungefähr 2 500/000 Fr. geschätzt haben.. e
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UU Dieses Vorgehen
Genf. Das„Journal de Gendbe“ theilt mit, daß
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