Ausgabe 
9.10.1873
 
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darüber schlüssig machen, ob die bestehende Trennung

wischen Gymnasien und Realschulen in Zukunft estehen bleiben oder aufhören soll. Ein beachtens⸗ werther Vorschlag geht dahin, die Realschulen in der Weise zu reorganisiren, daß der Abschluß einer gewissen Bildungsstufe, welcher bisher durch die Tertia bezeichnet wurde, fortan in die Sekunda verlegt werden möge, und daß den Realschulen für die oberen Classen größere Freiheit in Bezug auf die Wahl der Unterrichtsgegenstände gelassen werde, als bisher.

Fürst Bismarck hat die Annahme der Wahl zum Kreistagsabgeordneten des Großgrundbesitzes im II. Jerichower Kreise in einem Schreiben an den Landrath Grafen v. Wartensleben ausgesprochen.

Der altkatholische Bischof Reinkens hat am 7. d. Vormittags in Gegenwart der von ihm ädhilirten bekannten Zeugen den Eid in die Hand des Cultusministers abgeleistet.

Aachen. Dahier wird im November zum

ersten Mal ein christlich⸗socialer Arbeiter-Congreß stattsinden, zu welchem die christlichen Arbeiter der verschiedenen Vereine und Gewerkschaften aus ganz Rheinland und Westfalen zu schicken eingeladen werden. Kafsel. Die k. Regierung, Abtheilung für Schulsachen, hat vor einiger Zeit das Schulauf⸗ sichtsgesetz dahin interpretirt, daß auch der Religions- Unterricht im Namen und Auftrage des Staates zu ertheilen sei. Mehreren oberhessischen Lehrern, welche hiergegen protestirten, soll jetzt die Dienst⸗ Entlassung angedroht sein, falls sie bei ihrer An⸗ schauung verharren.

Baden-Baden. Der Großherzog und die Großherzogin von Baden werden gleichzeitig mit dem deutschen Kaiser nach Wien reisen und dort einer Einladung des Kaisers Franz Joseph folgend, in der Hofburg Wohnung nehmen.

Fürst Leopold hat durch selbstherrscherlichen Acl die Erhöhung der Staatsdienergehalte deeretirt.

Zur Deckung der durch die Cabinetsordre erwachsenden Mehr⸗Ausgaben sollen in erster Reihe die Zinsen des auf den Staat Lippe fallenden Antheils der französischen Kriegs Entschädigung, sodann sonstige durch Ersparnisse erwachsende Mehr⸗Einnahmen verwendet werden,soweit dies ohne Vergrößerung des bei dem letzten Staats- haushalts⸗ Etat vorgesehenen Defieits zulässig erscheine.

Aus Bayern. Nach derA. Ztg. steht die Einberufung des bayerischen Landtags nun für den 15. d. in sicherer Aussicht. Es wird eine für die bayerische Gesetzgebung böchst wichtige Session werden, denn außer einer ganzen Reihe neuer Gesetzentwürfe soll, wie verlautet, auch die Vorlegung eines Wahlgesetzentwurfs beabsichtigt sein. Derselbe soll nach dem Vorbild des Reichs tags ⸗Wahlgesetzes die directen Wahlen einführen wollen.

Speyer. Die Cholera tritt hierselbst wieder heftiger auf. Vom Sonntag zum Montag sind 34 Erkrankungen und 14 Todesfälle vorgekommen. Irn Ganzen werden seit dem 25. Aug. 192 Er⸗ krankungen und 89 Todesfälle gezäblt.

Heidelberg. Der Stadt Heidelberg ist das erbetene Anlehen von 900,000 Mark aus dem Reichs⸗Invalldenfonds zum Cours von 99¾ pCt. und mit pCt. verzinslich gewährt worden.

Da die Cholera in der Umgegend sich ver⸗ einzelt zeigt, findet die Herbstmesse nicht statt.

Konstanz. Die Geschwornen haben den Verleger der ultramontanenFreien Stimme, der wegen Beschimpfung des altkatholischen Gottes- dienstes angeklagt war, schuldig gesprochen, worauf ihn der Gerichtshof zu einer Gefängnißstrafe von drei Monaten verurtheilte. Pfr. Neugart von 3* wurde wegen einer auf dem Hohentwiel in Gesellschaft Mehrerer gethanen Aeußerung der Beleidigung des deutschen Kaisers für schuldig er⸗ klärt und mit zwei Monaten Festung bestrast.

Straßburg. Am 2. d. traf von Zabern eln Transport Rindrieh nach einstündiger Fahrt eimz während derselben erstickten in einem Wagen, enthaltend 20 Stück Großvieh und 7 Kälber, nicht weniger als 18 Stück Großvieh und 4 Kälber, weil der Wagen überladen war und nicht die ge⸗

nügende Ventilation besaß⸗ Gesewmmt: Schaden 7800 Frs.. 1 n 44*

8 N 3 richt liegt eine Depesche aus Perpignan por, 10 Lothringen. Auch hier soll die Lehrer⸗ we Ger Tiisaub und Ceros, din Planten beit W n

bildung durch Errichtung einer Präpar⸗ nden 2 gefördert werden. In Bitsch sind Wen. daͤulichkeiten bereite vom Staate angekauft word en.

Ausland. 31 Oesterreich⸗Ungarn. Wien. Hier be⸗ reitet man sich gegenwärtig auf den Besuch des

Kaisers Wilbelm vor; in den verschiedenen Partei-( Wird. über den Dau von. Befestigungen, bezu.

lagern ist natürlich die Vorbereitung je nach dem politischen Standpunkte eine verschiedene. Frankreich. Paris. In einer stattge⸗ habten Sitzung von Mitgliedern der Linken und des linken Centrums hat man sich für die An⸗ strebung eines einmüthigen Zusammengehens Aller, die gegen die Monarchie stimmen und stimmen wollen, entschieden. Die Rechte und das rechte

Centrum einigten sich demMemorial diploma⸗ tique zufolge ebenfalls über das nach der Wieder

eröffnung der Nationalversammlung durchzuführende Programm. Dasselbe enthält 5 Punkte: Wieder- herstellung des Königsthums, Einsetzung einer constitutionellen parlamentarischen Regierung, Re⸗ vision des Wahlgesetzes, Annahme der Tricolore mit einem an den Lilienbanner der Könige er⸗ innernden Emblem und sofortige Ernennung eines Generalstatthalters. 1 192 45

Am 6. d. begann der Prozeß wider den Marschall Bazaine in Trianon, dec durch einige Monate Europa in Athem halten dürfte. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß, seit die Würde eines Marschals von Frankreich existirt, bereits fieben oder acht Träger derselben wegen verschie⸗ dener Verbrechen vor Gericht gekommen sind, so St. Andre, de Retz, d'Anare, Ney u. a. m. Sie wurden sämmtlich zum Tode verurtheilt und hin⸗ gerichtet. Losgesprochen ist kein einziger worden. Man kann, wenn man gerade will, das als üble Vorbedeutung ansehen.

Schon voc längerer Zeit hieß es, daß in dem Prozesse Bazaine's von dem angeschuldigten Marschall preußische Offiziere als Schutzzeugen berufen werden dürften. Dies wird jetzt bestätigt; der Marschall Bazaine hat den Prinzen Friedrich Karl und alle Generale, welche bei der Armee von Metz activ gewesen sind, als Schutzzeugen aufgerufen. Der Gerichtshof wird alsbald über die gewünschte Vernehmung preußischer Offiziere sich schlüssig zu machen haben. Selbstverständlich würde der Prinz Friedrich Karl sich nur schriftlich in der Sache äußern; was aber die übrigen Militärs angeht, auf deren Zeugniß Bazaine sich beruft, so wird, wie man hört, die deutsche Re⸗ gierung dem persönlichen Erscheinen derselben vor dem französischen Gerichtshof keine Schwierigkeiten machen. 6

Versailles. Im Schloß Trianon wurde am 6. d. unter großem Andrang des Publikums das Kriegsgericht gegen den Marschall Bazaine um 12 ¼ Uhr eröffnet. Zunächst wurde der Be fehl verlesen, in welchem Bazaine vor das Kriegs- gericht verwiesen und zugleich die Zusammensetzung desselben angeordnet wird. Auf die Aufforderung des Präsidenten gab Bazaine seinen Namen und Vornamen an. Darauf wurde zum Aufruf der

Zeugen geschritten, und wurden als erste die Mar⸗

schälle Canrobert und Lebveuf, und die Generale Frossard, Bourbaki und Changarnier verrufen. Großbritannien. London. DasReu⸗ ter'sche Bureau meldet vom 4. d., daß nach einer! gestern über Melbourne eingegangenen Nachricht, auf den Fidschi⸗Inseln Unruhen ausgebrochen seien. Die weiße Bevölkerung habe sich bewaffnet und verweigere die Bezahlung der Steuern. Der eng- lische und deutsche Consul suchten zu vermitteln. Der Capitän eines dort liegenden englischen Krieg schiffes habe in einer Proclamation allen eng- lischen Unterthanen sich zu bewaffnen verboten. Gerüchtweise verlautet, der Generalpost⸗ meister G. Monsell habe seine Demisston eingereicht. Laut Nachrichten aus Murcia treffen vor Car- tagena fortwährend Verstärkungen der Regierungs truppen ein. Die Linien der Belagerer sind jetzt

* 185 Spanien. Madrid. Als n

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Carlistenführer, mit ihren 2000 Mann

Abtheilung e us geschle 4 worden sinz. ner bestätigt sich die eigen hnte Nachrithl, daß die Carlisten die ihnen von General Mori bei Estella angebotene Schlacht refüsirt ab Ort eiligst geräumt haben. 0 Italien. Rom. In italienischen Blättern

strategischen Eisenbahnen an der Grenze Italiens, berichtet, welcher von Seite der französischen R.. gierungmit fieberhafte Eile betrieben werde. Amerika. Philadelphia. Die Ver sammlungen der evangelischen Allianz haben an 3. d. M. unter dem Vorfitz T. D. Woolsey's in Newyork angefangen. Die gefangenen Modo sind im Fort Klamath in Oregon ene woe 0

DIA Aus Stadt und Land. Gießen. Auch von Gießen ist eine Adresse des Or meinderaihs zu Gunsten des Volksschulgesetzes an daß Präsidium der ersten Kammer in Darmstadi abgesendeg worden, unterzeichnet von dem ganzen Stadtvorstande. Darmstadt. Die Agitation für das Zustandekommen des Schulgesetzes nimmt immer größere Dimensionen au, Eine zu diesem Zwecke vor einigen Tagen dahier in Um lauf gesetzte Adresse an die erste Kammer ist bereits m mehr als tausend Unterschrifien bedeckt. Darmstadt. Zur Aufhellung eiwaiger Mißverstänb nisse bezüglich des Basset'schen Falls möge bier die Be richtigung Platz finden, daß bei der hiesigen Firma Ger nicht 12.000, sondern nur 1000 fl. im Mai l. J. vol Basset verkauft wurden. Diese hessische proc. Obligation zu 1000 fl. war vorschriftsmäßig wieder dem Verkehr über id N. geben. Welche Nachlässigkeit in der Dienstführung vorliegt der wird natürlich erst der Gang der Untersuchung ergeben. lahm Mainz. Ein Bürger dahier hing am Sedan ⸗Tage Atrlke

seine Sieuerzettel au einer langen Stange zum Fensser hinaus. Weil der Spaß ein billiger war, verurtheilte ihl das Polizeigericht zu nur 35 Kreuzer Geldbuße. en Mainz. Ein schrecklicher Unglücksfall setzte am 5. d, Abends die Familie des Herrn K., Melalldreher, hier in Trauer. Zwei Kinder derselben saßen mit den Eltern ain f Tische, als das eine von ihnen anfing die Tischdecke aft 1 e zu ziehen, jo daß die Petroleumlampe umfiel und es in folgenden Moment mit dieser Sudstanz, die in Flammen; gerieth, überschsüttet war. Alle Versuche, das Kind zu retten, wobei sich der Vater selbst die Hände verbrannte, waren vergeblich, es war in zwei Minuten eine Leiche Der ärziliche Befund erklärt, daß der Tod viel mehr durch Ersticken, als durch Verbrennen erfolgte. ug

Frankfurt. Die renommirte hiesige Weinhandlung vn Mannskopf⸗Sargsin läßt so eben ein Faß von ungarischen Eichenholz ausschlagen, welches 24 Stück, beiläufig 40,000 Flaschen, Wein enthalten wird. i

Bad Soden. Wenn auch nicht gerade hier, so hel s doch in der Umgegend sehr vieles Obst gegeben, das massenhaft mit der Eisenbahn befördert wird. Württem⸗ bergische Händler geben 78 fl. per Malter und expediren ganze Wagenladungen in ihr Heimathland. Hier sollen schon an 25,000 Centner n Cronberg, Mamold⸗ hain, Alteuhalrn ꝛc. verlaben worden sein. Es sind ein Ix zelne an und für sich nicht groß begüterte Bauern, welch 1500 2000 fl. für Aepfel gelöst haben, Die Gebirgs⸗ dorfer haben heuer ihr Weinjahr.

Schloß Johannisberg. Hier ist im fürstlich Metternich'schen Keller dieser Tage das schönste Strückfaß Wein, das die große 180 ler Schloß Johannisberger Aus blese enthält, füt einen Preis verkauft worden, wie er wohl noch nie im Rheingau bezahlt worden ist. Der Käufer Consul Bauer in Mogan zahlt nämlich laut Abmachung XI. für das Stück von 1400 Flaschen, die Flasche mit 20 fl. II perechntte 8 00. f. ane l

Heidelberg. Auf biesigem Obsimarkle ist eine Traube im Gewicht von 1400 Gramm ausgestellt. NN Weimar. Es sind salsche Weimarische Zehnthalei! A scheine im Umlauf, weshalb wir bei Einnahme von Gelb. N zur Vorsicht mahnen. n 1

Hannover.(Eine theuere Geige.) In der Auckiol. Ny der Hinterlassenschaft des kärzlich verstorbenen Oberbau. Ny raths, Hausmann dahier wurde eine kostbare Geige, eig EviII ächter Stradugrius, vom Capellmeister Bolt für den PyiI enormen Preis von 2065 Thasern erstanden. Dieß Ine strument, eines der schönsten Exemplare seiner Gattüng. von wunderbar weichem und vollem Tone, war mit 1000 Thalern eingesetzt, wurde aber durch fortwährendes Ueber⸗ bieten zu der colossalen Summe von 2065 Thalern hin aufgetrieben. Hert Capellmeister Bott hat auf dieser Geige bereits in vergangener Saison in einem Concerte gespiell 9 und erregte schon damals der Ton derselben bei allen Kennern Bewunderung. 0

Berlin. Wie man hört, hat der König Victor Emanuel bei seiner Anwesenheit in Berlin auch den Prä⸗ sidenten des deuischen Reichstags mit einer Decoration bedacht. Dem Präsidenten Simson ist nämlich der Stern zum Orden der Krone von Italien verliehen worden, ein

sentli

bis Herrca ausgedehnt.

Orden welchen der König Victor Emanuel unter deiß 12. Februar 1868 gestiftei hat. 9

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