so unbefangener an die Behandlung der Vorlage herantreten können, als der erhöhte Satz erst von
Beginn der letzten Legislaturperiode eintreten soll.
— Die Eisenbahnanleihe-Commisston des Ab⸗ geordnetenhauses genehmigte: 2,900,000 Thaler für die Bahn Hanau⸗Friedberg, 5,900,000 Thlr. für die Bahn Godenheim⸗Northeim, 3,300,000 Thlr. für die Bahn Welwer⸗Dortmund, 11,120,000 Thlr. für die Bahn Harburg- Hannover(dieser Beschluß wurde mit 11 gegen 8 Stimmen gefaßt).
— Der Abgeordnete von Wierzbinski, unter · ftützt durch die Mitglieder der polnischen Fraction und des Centrums, hat eine Interpellation an die Regierung gerichtet, warum 1) in den Gym; nasien der Provinz Posen der Religionsunterricht nur in deutscher Sprache gelehrt wird, warum 2) nur in den Gymnasien zu Posen und Ostrowo, nicht aber auch in den übrigen Gymnasien der Provinz Posen die polnische Sprache als obliga- sorischer Lehrgegenstand verzeichnet ist.
— Löwe⸗Calbe ersuchte die„Voss. Ztg.“, die Zeitungsnachricht, daß er auf den Wunsch von Fractionsgenossen aus der Fortschrittspartei aus⸗ getreten sei, zu dementiren.
Wiesbaden. Der Kronprinz und die Frau Kronprinzessin werden, soweit bis jetzt bestimmt, in den ersten Tagen des nächsten Monats von hier nach Berlin zurückkebren.
Straßburg. Die Nachricht vom Diebstabl von 1¼ Millionen Frts. in Banknoten erweist sich als falsch.
— die„Gegenwart“ bringt einen bemerkens⸗ werthen Aufsatz über die Statistik des Kloster⸗ wesens in Eisaß Lothringen. Es befinden sich demnach von geistlichen Genossenschaften 24 (19 weibliche und 5 männliche) mit 1498 Mit⸗ gliedern(1206 Frauen und 292 Männer) in 222 Häusern im Ober⸗Elsaß, 18(13 weibliche und 5 männliche) mit 1648 Mitgliedern(1396 Frauen und 252 Männer) in 300 Häusern im Unter-Elsaß und 30(26 weibliche und 4 männ⸗ liche) mit 1839 Mitgliedern(1657 weibliche und 182 männliche) in Lothringen. Im Ganzen sind es also etwa 5000 Mitglieder, 1 auf etwa 300 Einwohner, wobei 4259 Frauen und 726 Männer, in etwa 828 Häusern und An⸗ stalten, von denen 108 von Männern und 720 von Frauen besetzt sind. Die größten Congre⸗ gaticnen in Lothringen sind die von St. Chré⸗ tienne in Metz mit 147, die Soeurs de la Providence de Peltre, jetzt zu Jouy-aux⸗Arches untergebracht, mit 530 und von St. Johann zu Basel mit 500 Mitgliedern. Noch sei erwähnt, daß im Ober⸗Elsaß von 127 Schulbrüdern nur 90, von 606 Schulschwestern aber nur 3 das Brevet de Capacité besitzen.
Metz. Zu den bisherigen Forts unseres Festungsgürtels wird nun noch ein neues treten, und zwar bei Woippy, zwischen den Vesten St. Julien und Plappeville, ungefähr 3,5 Kilometer von beiden entfernt.
Ausland.
Schweiz. Das Domcapitel des Bisthums Basel hat unter Berufung auf das canonische Recht die Ernennung eines Bisthumsverwesers verweigert, weil, da der Bischofssitz weder durch Todesfall vacant noch Lachat excommunicirt sei oder seine Entlassung genommen habe, seine Stelle nicht als erledigt betrachtet werden könne.
Frankreich. Der„Frangais“ schreibt: „Mehrere Fachmänner, welche den Schieß versuchen in Calais beigewohnt haben, sollen von denselben nicht ganz befriedigt sein und deshalb lange Unter⸗ redungen mit Herrn Thiers gehabt haben. Der Präsident hätte nichtsdestoweniger im Creuzot eine bedeutende Anzahl der neuen Kanonen, die man in Calais probirt hatte, bestellt.
Großbritannien. Auf der Insel Samos hat, wie die„Daily News“ telegraphirt, ein starkes Erdbeben stattgefunden, welches den Tod vieler Menschen und bedeutenden Schaden an Eigenthum zur Folge hatte.
— Der englische Consul zu Cadix beantragte die Beschlagn ahme des Dampfers„Murillo“, sowie den Capitän und jenen Theil der Mannschaft des⸗
Wache hatte, als Gefangene an Bord eines Kriegs⸗ schiffes zu bringen, die übrige Mannschaft aber an Bord des„Murillo“ zu bewachen und ihr nicht zu gestatten, ans Land zu gehen. Italien. Wie es scheint, möchten die Hotel besitzer von Neapel die Fremden mit der Nachricht von einem neuen Ausbruche des Vesud herbei ⸗ ziehen. Professor Palmieri aber, der den alten Polterer genau kennt, stellt alle Nachrichten nach dieser Richtung entschieden in Abrede und ver⸗ wahrt sich zugleich gegen die Angabe, als habe er selber einen Ausbruch angekündigt. Womit man doch heutzutage nicht speeulirt.
a- Friedberg. Am vorigen Dienstag las Herr Seminarlehrer Dr. Heid über das Thierleben im Wa sser.
Fast drei Viertheile der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt, und in seinem weiten Schooße birgt das Meer ein reicheres Thierleben, als solches die trockene Erde aufzu⸗ weisen hat, die aber ihrerseits mit einem Pflanzenreich⸗ thume ausgestattet ist, dem Neptuns Reich nur ver⸗ schwindend wenig entgegen setzen kann. Auch was die Mannigfaltigkeit der Gestaltung und der Größenverhält⸗ nisse anlangt, so läßt das Meer das Festland weit hinter sich zurück, seinen Riesen gegenüber schrumpft der Elephant zum Zwergen zusammen. Die Schwierigkeiten, welche sich der Durchforschung des Meeres entgegenstellen, waren früher vielfach Veranlassung, daß man der Phantasie weiten Spielraum ließ und die Schrecken des Meeres durch wundersam gestaltete Seeungeheuer vermehrte. Die wissen⸗ schaftliche Untersuchung fand neue Schwierigkeiten bei der Bestimmung der Grenze, einerseits zwischen Thier und Pflanze und andererseits zwischen Wasser⸗ und Landthier; sie führte dort zur genaueren Bestimmung des Begriffes Thier und hier wies sie die Bezeichnung Amphibium als eine im strengen Sinne unwissenschaftliche nach. Manches früher als sagenhaft Verworfene fand übrigens in der neuen Entdeckung gewaltig großer und überaus kräftiger Thiere z. B. des Riesentintenfisches(Sage von dem Kraken) seine Bestätigung.— Die Größe und Massen⸗ haftigkeit vieler Wasserthiere beruht auf der Leichtigkeit ihrer Bewegung, der Fülle und Leichtverdaulichkeit ihrer Nahrung und der kräftigenden Wirkung ihres Elementes. Daher denn auch die unglaublich rasche Vermehrung z. B. des Härings und Kabeljaus, die trotz der gewalligen Jagd, die, Menschen und Wasserriesen auf sie machen, immer wieder in der alten Unzählbarkeit auftauchen(ogl. auch die Auster).— Von einzelnen Wasserthieren wurden besonders die verschiedenen Arten der Korallenthiere näher betrachtet, deren Formenreichthum und Farbenpracht den Schiffer besonders auf dem Mittelmeere entzückt, deren Reiz aber sofort verschwindet, sobald sie den krystallenen Räumen entrückt werden(Edelkoralle, Lederkoralle, See⸗ anemone). Die merkwürdigen Züge der wohlschmecken⸗ den Lachse aus den nördlichen Meeren rheinaufwärts bis in die Schweiz sind vielleicht Nachklänge von Verände⸗ rungen auf der Erdoberfläche, die das früher die Alpen⸗ bespülende Meer hinabgleiten ließen bis zu seiner jetzigen Küste. Ebenso erinnern die merkwürdigen Korallenbaulen der Südsee, die allmählich aus Ufer⸗ in Dammkorallen und aus diesen in Ringkorallen übergehen, nach Darwins scharssinniger Untersuchung an einen früher östlich von Neuholland gelegenen jetzt versunkenen Erdtheil.— Nächster Vortrag: Herr Reallehrer Klein über Copernicus.
T. Friedberg. In der Versammlung des Handels⸗ vereins vom 1. Februar, welche von 29 Mitgliedern be⸗ sucht war, fand die Wahl des Vorstandes statt. Gewählt wurden die Herren C. Scriba, Nebhuth, H. Jockel, Ludw. Seibert, Carl Trapp, Ed. Hirsch, Gust. Dieffen bach, Emanuel Löb, E. Häberle. Der Vorstand ernannte Herrn C. Scriba zum Präsidenten, H. Jöckel, Hofger.⸗ Advocat zum Vice⸗Präfibenten, Carl Trapp zum Secrelär und Gust. Dieffenbach zum Kassirer des Vereins. Der⸗ selbe besteht zur Zeit aus 75 Mitgliedern.
Braunfels. Der Fürst von Solms Braunfels ist am 3. d. Morgens(wie dem„Rh. K.“ von hier ge⸗ meldet wird) um 5 Uhr in einem Alter von 76 Jahren gestorben. Da er keine Leibeserben hinterläßt und außer einem vor wenigen Jahren durch einen Sturz vom Pferde verunglückten Bruder, Prinz Berndard, welcher ebenfalls keine Erben hinterlassen hat, keine näheren Verwandten batte, so gehen seine großen, reichen und schönen Be⸗ sitzungen an einen entfernten Seitenverwandten der weit⸗ verzweigten Solms'schen Familie über. Letzterer wurde erst berechtigter Erbe, nachdem bereits drei näher Berech⸗ ligte, von denen der Letzte vor wenigen Jahren in einem Duelle gefallen sein soll, gestorben sind.
Darmstadt. Am 5. d. fand die feierliche Einweihung der neuen Centralwerkstätie der Hess. Ludwigsbahn statt. Ein festlich geschmückter Bahnzug führte ca. 500 Theil⸗ nehmer von Mainz hierher.
Worms. Als dieser Tage in der Caserne Soldaten, ihre Gewehre in der Hand, die Treppe hinausstiegen,
rannte ein herabgehender Soldat so unglücklich in ein Bajonnet, daß ihm solches durch das Nasenloch bis an die Stirne eindrang. Der Zustand des sofort ins Lazareth Gebtachten soll nicht gefahrlos sein.
Worms. Ein Unglücksfall ist durch die schon oft öffentlich gerügte Unvorsichtigkeit enistanden, Kinder allein in Zimmer einzuschließen, in welchen Feuer oder Licht brennen. So schloß am 2. d. früh eine hiesige Arteiters⸗
selben, welcher während des Zusammenstoßes die
frau in Abwesenheit ihres Mannes ihr einziges Zlähriges Kind in eine Stube, in welcher das Feuer im Ofen brannte,
um einen Einkauf zu machen. In der Abweseuheit 973 Mutter machte sich das Kind am Ofen zu schasfen, e Kleidchen fing Feuer und verbrannte vollständig am de des unglücklichen Kindes, welches von seiner Mutter diesem jammervollen Zustande angetroffen wurde.— De Kind erlag nach einigen qualvollen Stunden den erlitten; Brandwunden. 1
Kassel. Eine Mißhandlung der rohesten Art wur vor einigen Tagen aus Rachsucht an dem auf Posten Nr. der Main⸗Weserbahn stationirten Hülfswärter Müller übt. Der Genannte hatte im December v. J. einen Wirf aus dem naheliegenden Dorfe Kirchditmole, sowie desse Sohn und zwei Spießgesellen, wegen verübter Thätlichkeite und offener Widersetzlichkeit zur Anzeige gebracht, woralf dieselben vom Gerichte in eine dreiwöchenlliche Gefängnfß strafe verurtheilt wurden. Aus Wuth hierüber schlicht sich die Bestraften am vorigen Freitag Abend vor die Bu des Wärters, zerrien ihn auf das Geleise und schluge mit Beilen so lange auf ihn, bis er befinnungslos un aus vielen Wunden blutend nieberfiel. Hierauf warst die Attentäter den Unglücklichen auf die Schienen, um ih von einer gerade herankommenden Maschine überfahren z lassen, worauf sie in der Richtung ihres Dorfes davon eilten. Der Wärter hatte jedoch noch so viel Bewußtses daß er von der Maschine hinweg nach seiner Bude kriechg konnte, wo er späler von dem ablösenden Wärter gefunde wurde. Die Mißhandlung wird wahrscheinlich tödtlich Folge haben.
London. Es hat sich jetzt als unzweifelhaft herau gestellt, daß der Dampfer, welcher das unglückliche Au wandererschiff„Northfleet“ bei Dungeneß in den Grun gebohrt und dann schmählicher Weise, ohne Hülfe zu leiste hat sinken lassen, wirklich der spanische Dampfer„Murillo war, auf welchen sich gleich Anfangs der Verdacht gelenk hatte. Der„Murillo“ lief nach dem Zusammenstoß zue in Havre an, wo er durch seinen neuen Anstrich und einig frisch reparirte Theile auffiel, dann machte er sich schleun wieder seewärts, ankerte ein paar Tage später in Lissabo
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und flüchtete, als man Miene machte, Untersuchung anz 9 stellen, von da in den Hafen von Cadix. Hiet nun de durch die gerichtlichen Zeugenaussagen einiger englischen po Passagiere festgestellt worden, daß dieselben deutlich de 8 4 Zusammenstoß mit der„Northfleet“ fühlten; sie seien auf 9
Deck geeilt, wo sie das Jammergeschrei der untersinkeno ß Menschen vernommen hätten. Der Capitän, von ihn zur Hülfeleistung aufgefordert, habe zu ihrem Entsetznn den„Murillo“ nicht halten lassen, obgleich die ung gehende„Northfleet“ sichtbar war. Der„Mutillo“ ohne sonderlichen Schaden davongekommen. er di Amerika. Die amerikanischen Zeitungen berichlen Per d daß es im Plan liegt, dem verstorbenen Horace Greeleh reise ein Monument ganz eigenthümlicher Art zu setzen. J he La einer jüngst abgehaltenen Versammlung haben nämlich 1— Schriftsetzer der„Newyork Tribune“, deren Leiter Greelg“ war, ihm ein Denkmal auf dem Creenwesd Friedhoff ar La errichten beschlossen, das aus Letternmetall bestehen e Detan Jede Druckerei der Union soll/ Kilogramm dieses Metal chte oder mehr beisteuern. Ferner soll am 3. Februar jebe gertret Schriftsetzer der Vereinigten Staaten sein Tausend 5 gratis setzen; der Erlös dieser freiwilligen Beisteuer wü und L alsdann dem Präsidenten des Typographenvereins Newyork übergeben, um die Herstellungs⸗ und Aufslellung koßen des Denkmals zu bestreiten.
r e e ei setzten Ziehung der nassauischen 25 fl. auf Nr. 96869 1000 fl., auf Nr.
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moch he hesenen eußise er bei (komm
Wiesbaden, 5. Febr. Bei der heutigen Schl ziehung der Nassauischen 25 fl. Loo se wur 1 folgende Treffer gezogen: Nr. 3712 und 96469 e 200 f Nr. 813862 60 fl., Nr. 9452 31510 40189 69587 un 89795 fe 50 fl.. 8 Lütticher Loose von 1868. Ziehung am 1. Fehn eit e, Haupttreffer: Nr. 16629 10.000 Frs..
2 2* 1 Alice- Frauenverein für Krankenpfleges n
Die Beiträge für 1873 mit 36 kr. sollen in nächst, Zeit erhoben werden, und wäre sehr zu wünschen, def em noch viele neue Mitglieder beitreten möchten. Die wo esch thälige Wirksamkeit des Vereins ist im abgelaufenen Jrhr.“ eine bedeutende gewesen. Die Vereinspflegeriunen arbeilel! Un in 269 Pflegetagen, davon 126 bei Vereins mitglieder 1 2 149 unentgeltlich dei Armen; dazu kamen 133 ¼½ Nach(tung wachen, wovon bei Mitgliedern 127 und 6 ¼ unentgeltsi rag. bei Armen. Die Einnahme an Pflegegeldern beteng* Hesas die Ausgabe an Honorar für die Pflegerinnen 112 1 Die Zahl der Mitglieder belief sich 1871 auf 1707 day D traten aus theilweise unbekannten Gründen 11 aus; 8 Mach 9 gegen ist es'ifreulich, daß 1872 der Verein 26 neue irg 5 glieder erhielt. Für 1873 sind bereits einige weitere 1 Ofen meldungen ersolgt. Da die Nolhwenbihkeit des Beuel dadurch beslätigt wird, daß die vorhandenen Pflegeken 0 nicht mehr ausreichen und weitere erworben werden mile Nich
so hofft man, daß sich derselde eine noch allgemeine ere Betheiligung als seither erfreuen werde. Zur Entgesff en nahme von Beittittserklärungen sind bereit die Miihile ich des Vorstandes: Frau Dr. Trapp(Prästdentin), Fe er a Regterungsrath Trapp, Frau Landiichter Melt, 0 fal
Dr.
Lorenz, lda Dieffenvach, Frl. ich sch, Frau Dr. Wagner age 6
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0 ö Jil. Hi [Klipstein, Frau Fert ber Rechner Herr J. Huber. 11
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