Ausgabe 
31.12.1872
 
Einzelbild herunterladen

185 1812 n der 8

Stnachtndel en

de

Spitze de de

8 1. der Seri dun 4 seits aufn

ut wirt uu d. dbniager; 1

1 1

der Ostseeküste heimgesucht. Die so hart Betroffenen, die Landsleute eines Arndt, haben im letzten Kampfe für das Gesammtvaterland sich überall rübmlich hervorgethan, und die wettergestählten Männer, denen damals der Schatz der Ostseeküste anvertraut war, würden, wenn's zum Kampf mit der feindlichen Flotte gekommen wäre, es sich auch zum Wahlspruch gemacht haben:Nicht durch- lassen! Hoffentlich werden sie nun in ihrer Noth den Trost empfinden dürfen, daß das Gesammt vaterland helfen kann und helfen will, wenn unverschuldet Elend über ein Glied desselben hereinbricht.

Wir leben in einer großen Zeit. Auf staat⸗ lichen wie auf den Gebieten des socialen Lebens eine Menge verworrener Verhältnisse, ungelöster Fragen, Bewegung, Kampf. Wie aber auch die Zukunft sich gestalten möge:An's Vaterland, an's theure, schließz dich an! Das halte fest mit Deinem ganzen Herzen! Hier sind die starken Wurzeln Deiner Kraft!

Nur ein in Weisheit geeintes Volk, bei welchem die einzelnen Stämme Ellenbogenraum genug haben, um unbeschadet des Gesammtwohles ihre Selbstän digkeit zu bethätigen, hat eine Zukunft; ein in eng herzige Sonderinteressen zersplittertes ktänkelt seinem Untergange entgegen. Einheit im Reich und der Heeresleitung für Glück und Bedrängniß, Einheit in der Gesetzgebung und den Verkehrsverhältnissen; Einheit aber auch in der Liebe zu der altererbten frommen deutschen Denkungsweise und in der Hoch- achtung der Geistesschätze unserer Nation: das sind die Güter, denen des wackeren Deutschen beste Wünsche gelten beim Beginne des neuen Jahres und immerdar.

Deutsches Reich.

Darmstadt. DemFr. J wird von hier geschrieben: Wie wir aus guter Quelle vernehmen, wird das Bezirksstrafgericht Ortenberg in den nächsten Tagen seine Thätigkeit einstellen. Auch soll an maßgebender Stelle die Aufhebung des Bezirksstrafgerichts Michelsladt beschlossene Sache sein, so daß bezüglich der Bezirksstrafgerichte die Provinz Oberhessen zwei Bezirke, Gießen und Alsfeld, die Provinz Starkenburg nur einen Be zirk, Darmstadt, bilden wird.

DieDarmst. Ztg. bezeichnet die Nach richt, daß das Ministerium mit einer Revision, bezw. Umarbeitung der Verfassung beschästigt sei, als völlig grundlos.

Die auf den 27. d. anberaumte Nachwahl für Bessungen kam nicht zu Stande, da von 31 Wahlmännern nur 17 im Wahllokal erschienen, die, da Kraft entschieden abgelehnt, nunmehr für Kolbe zu stimmen entschlossen waren, während die sich sern haltende Minderheit den Geometer Dieter in Reinheim gewählt wissen wollte. Nach den Bestimmungen des Wahlgesetzes muß unter ditsen Umständen der Wahlact vertagt und ein neuer Termin anberaumt werden.

Berlin. DerReichs- Anzeiger enthält einen kaiserlichen Erlaß an den Fürsten Bismarck vom 21. d. M., welcher folgendermaßen lautet: Auf Ihren Antrag in dem Berichte vom 20. d. will ich Sie von dem Präsidium des Staats- ministeriums hierdurch entbinden. Sie behalten den Vortrag bei mir in den Angelegenheiten des Reiches und der auswärtigen Politik und sind im Falle Ihrer Behinderung an persönlicher Theil nahme an einer Sitzung des Staats ministeriums befugt, Ihr Vetum in den die Jateressen des

Reiches berührenden Angelegenheiten unter Ihrer Verantwortlichkeit durch den Präsidenten des Reichs- kanzleramts Delbrück abgeben zu lassen. Der Vor- siz des Staatsministeriums geht an den ältesten Staatsminister über. Die Gesetzessammlung publicirt die Kreisordnung.

In den Verhandlungen mit Mecklenburg über die die Sonderstellung der Contingente dieser Bundesstaaten aufhebende Militär-Convention wird von derSpen. Ztg. ein glücklicher Abschluß gemeldet.

DieSpener'sche Ztg. schreibt unter der Ueberschrift:Ein neuer Benedetti Folgendes: Die jüngste Allocution des Papstes liegt in dem authentischen lateinischen Wortlaute vor. Was von der Rede bisher bekannt war, entspricht der italienischen Uebersetzung, welche dem Jesuitenblatte Voce della Veritä entnommen war. Die wahr haft unerhörte im Vatican geführte Sprache ist offenbar tendenziös abgeschwächt worden. Wir geben den lateinischen Text der auf Deutschland bezüglichen Worte wieder. Wenn wir eine getreue deutsche Uebersetzung veröffentlichten, stünde das Einschreiten des Staatsanwalts in bestimmter Aussicht. Die Reihe schwerer Beleidigungen, welche das Kirchenoberhaupt von seiner hohen Stelle in der Ansprache an die Cardinäle und mit der Be stimmung, Klerus und Laien der ganzen Christen welt bekannt zu werden, dem deutschen Reiche und dessen erhabenem Oberhaupte ins Antlitz zu schleudern wagte, sucht ihres Gleichen in der modernen Geschichte. Die Unverschämtheit Bene detti's dem Könige gegenüber ist hier weit über boten. Das deutsche Nationalgefühl wird sich aber Rom gegenüber so wenig verläugnen, wie damals gegenüber Frankreich. Was dem Kaiser heute geboten wird, ist eine größere Unbill als das Emser Attentat.

Wie derReichs- Anzeiger meldet, hat der Kaiser den Obergerichtsralh F. W. H. Mohr- mann zu Mainz zum Rath dei dem Reichs Oberhandelsgericht in Leipzig ernannt.

Wiesbaden. Der deutsche Kronprinz ist vorigen Montag einer großen Gefahr glücklich entgangen. Er fuhr nämlich an diesem Tage mit seiner Familie auf der Fahrstraße nach der griechischen Kapelle und dem Neroberg. Um nicht den nämlichen Weg zurückzumachen, wurde bei der Abfahrt vom Neroberge der am Anfang wie ein Fahrweg aussehende, später aber steil nach der Beausite zu abfallende Fußweg eingeschlagen. Der große Vierspänner gerjeth in gewaltigen Schuß, so daß die hohe Familie nur mit Mühe den Wagen verlassen und dadurch drohendes Unheil glücklich abgewendet werden konnte. Die Pferde mußten ausgespannt und der Vierspänner mit Hülse non hiesigen Bürgern an den Fuß des Neroberges getragen werden.

Ausland.

Frankreich. DasBien public zeigt offi⸗ ciös an, daß der diplomatische Neujahrsempfang nicht in Paris, sondern in Versailles,dem offi ciellen Sitze der Regierung, stattfinden wird.

Herr Thiers wird, demSiecle zufolge, gegen Ende Januar eine Reise nach dem Süden Frankreichs unternehmen; dieselbe wird hauptsächlich dem Besuche der in Tarbes befindlichen bedeuten den Artilleriewerkstätten, sowie der in militärischer Beziehung wichtigen Stadt Bourges gelten.

Dasselbe Blatt constatirt, daß die Zahlung der vierten Milliarde an Deutschland in Raten

von 200 Millionen monatlich demnächst beginnen wird und bis zum Monat Juni nächsten Jahres beendet sein soll. Erst dann wird mit den Unter⸗ handlungen bezüglich der für die fünfte Milliarde eventuell zu leistenden Garantien der Anfang ge macht werden.

Wie man versichert, wäre die Paßange legenheit mit Deutschland dahin geordnet, daß der Paßzwang mit dem 1. Januar aufhören soll.

Das Weihnachtsfest wurde in Paris in üblicher Weise begangen, doch waren die Mitter nachtsmessen in den Kirchen der äußeren Viertel viel schwächer besucht als in früheren Jahren. Die Kirchen der feineren Stadttheile waren dagegen überfüllt; es wurden in denselben zahl reiche Taschendiebe und allerlei Unfug verübende Personen verhaftet.

Italien. DieAgenzia Stefani versichert, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen dem päpstlichen Stuhle und der Schweiz abgebrochen worden sind. Der Geschäftsträger des Papstes in Luzern werde mit dem Gesandtschaftspersonal in Rom erwartet.

Rußland. Der Großfürst⸗Thronfolger ist am Unterleibs-Typhus erkrankt, die Krankheit jedoch ohne gefahrbringende Symptome. DerRe- bierungsanzeiger veröffentlicht ein Bulletin über das Befinden des Großfürsten, wonach derselbe schon seit dem 19. Nov. erkrankt ist, die Krankheit sich aber erst seit dem 19. Dez. bestimmter als Unterleibstyphus declarirt hat. Der Zustand des Großfürsten ist nicht unbedenklich, jedoch find augenblicklich keine gefährlichen Symptome vor handen.

Amerika. In Williamsport brach während des Gottes dienstes der Fußboden einer Kirche ein; 14 Personen wurden getödtet, 40 zum Theil schwer verletzt. Bei dem am 24. d. stattge⸗ habten Eisenbahn-Unfalle in Pennsylvanien sind 30 Personen umgekommen, meistens durch das Feuer brennender Wagen. Von der Küste wurden in den letzten Tagen zahlreiche Schiffs- unglücksfälle gemeldet.

Bad- Nauheim. Am 27. d. Abends gaben die Mitglieder unserer hiesigen Kur⸗Kapelle ihr zweites Concert in dieser Wintersaison. Die Ausführung des Programmes, welches manches Interessante enthielt, war sehr zufriedenstellend und lernten wir namentlich in einem Mitwukenden, welcher sich als Violinspieler in einer Concerip ce von David producirte, ein sehr beachtens werthes Talent kennen. Wünschenswerth wäre es übrigens, wenn künftig stalt Pidcen, wie dieIphigenia-Ouverture von Gluck, welche ein großes Orchester erfordern, Stücke leichteren Genres, welche mehr den Kräften einer kleinen Kapelle ang em ssen sind, gewählt würden. Noch möchte darauf aufmerksam zu machen sein, daß durch eine bessere Beleuchtung des Locals das Ganze sehr gewinnen könnte.

Gießen. In Bezug auf die neulich gebrachte Mit⸗ theilung von dem Spfrunge eines Eisenbahnbediensteten in die Wieseck wird noch Folgendes berichtet: Ein Hülfs⸗ bremser der Main-Weser und nicht der Oberh. Bahn, sprang in einem Zustand der Schlaftrunkenyeit jedenfalls, von einem Rangirzug, welcher auf dem Viadukt der Wieseck hielt, über die Mauer des Viadukts in die hoch geschwollene Wieseck hinein. Die Höhe des Viadukts be trägt 56½ Fuß und kam dee betr. Bremser, wie man bört, mit dem Schrecken davon, da der dicke Pelzmantel ihn so lange über Wasser hielt, bis die Hülfe seiner Kameraden eintraf. Ein solcher Riesensprung dürfte am Ende doch nicht so oft vorkommen.

Bingen. Wie berichtet wird, wurde auf dem Bahn⸗ körper an der sogenannten Kreuzbach bei Vingerbrück ein menschliches Bein aufgefunden. Man glaudt, daß das, selbe zu einem Rumpfe gehöit, der dieser Tage bei Coblen gefunden worden sein soll. Die betreffende Persönlichkeit scheint somit auf der Bahn verunglückt und einzeln Körpertheile vom Bahnzuge eine Strecke weit mitgeschleift worden zu sein.

Caubstummen-Anstalt.

3555 Wer noch elne unangemeldete Forderung an

unsere Anstalt oder einen ihrer 38 Uinge aus dem Jahle

1872 zu mochen hat und unsere Mitwirkung bei Ein⸗

ziehung des detr ffenden Betrage wünscht, wolle unver⸗ züglich seine Rechnung dei uns einreichen. zriedberg am 27. Dezember 1872.

Großherzogliche Direknon des Taub stummen Instituts. Dr. Matthias.

Eine Partie Signal-Hörner,

Be rust he ge r ung. 3565 Montag den 13. Januar 1873, Morgens 11 Ubr, soll auf biesigem Rathbaus die Hofraitbe nebst Grab garten des Wilhelm Kleeberger II. dahtler meist⸗ bietend verstetgert werden. Melbach am 28. Dezember 1872. In Auftrag: Großberzoglichen Landgerichts Friedberg. Großberzogliches Ortsgericht Melbach. Wei fer dlenstältester Gerichte mann.

Gartenerde,

circa 50 Wagen, können weggefahren werden.

3564

3430 welche sich für Feuerwehren eignen, bat billig zu verkaufen M. D. Loeb.

Chem. Fabrik. Ludwig Seibert.

Faselochs⸗Versteigerung. 3566 Dienfsag den 7. Januar 1873, Vormittags 10 Ubr, soll ein gemeinbeitlicher, zur Nachzucht noch tauglicher und gut gehaltener Faselochs im hbiesigen Rathbause meistbietend versteigert werden.

Relchels beim den 29. Dezember 1872.

Großherzogliche Bürgermeisterei Reichelsheim. Schmid

Zu vermiethen.

3543 Eine angenedme Wohnung mit allem Zubehör auf der breiten Straße kann sofort bezogen werden. Näberes bet der Erved. d. Bl.

Ulace-Haudschune, F., dr.