Ausgabe 
31.8.1872
 
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Einer Wiener Depesche desB. B.⸗C. zufolge wäre ein Besuch des deutschen Kronprinzen in Wien, in Vertretung seines Vaters, noch in diesem Jahre nicht unwahrscheinlich. Dieser Be⸗ such werde nicht allein als ein Act der Höflichkeit aufzufassen sein, sondern größere Bedeutung haben, weil der Kronprinz seit dem Kriege immer ent⸗ schiedener als Träger der Zukunft des deutschen Reichs und als Garant für die Dauer desselben auftritt. Nach einer Bestimmung des Reichs- kanzleramts sol mit der Ausführung der Eisen⸗ bahn von Colmar nach Breisach bis zur Rheinmitte bald begonnen werden; wegen der von den beider seitigen Bahnverwaltungen auf gemeinschaftliche Kosten herzustellenden Rheinbrücke und deren Ver- bindung mit der Freiburg-Altbreisacher Bahn stehen Verhandlungen bevor.

DieKreuz- Ztg. erfährt, daß das Fuß- leiden des Kaisers ohne alle Bedeutung und das Allgemeinbefinden desselben ein völlig zufrieden stellendes ist.

Eine von den hiesigen fünf Baracken⸗ Vorstädten, die aus 21 Hütten bestehende vor dem Landsberger Thor, wurde durch zahlreiche Polizei- und Feuerwehr Mannschaften beseitigt, nachdem die Insassen einige Tage vorher aufgefordert worden waren, dies selbst zu thun. Nur ein Einziger hatte dieser Aufforderung Folge geleistet. Ein telegraphisches Gesuch an den Kaiser um Aufschub der Maßregel war erfolglos geblieben. Die zum zweiten Male obdachlos Gewordenen wanderten nach dem städtischen Arbeitshaus.

Bezüglich der Frage, mit deren Vorbe rathung sich gegenwärtig das Reichskanzleramt be⸗ schäftigt: welche Orden oder ordensähnliche Con- gregationen als dem Jesuitenorden verwandt unter das Gesetz vom 4. Juli fallen, scheint soviel fest⸗ zustehen, daß der Orden der Redemptoristen sowohl, als die Marianische Congregation, an deren Spitzen bis jetzt die Jesuiten gestanden haben, als diesen ordens verwandt angesehen werden.

Die neue Dislocirung aͤnserer Occupations- armee in Frankreich, wie sie sich nach der Räu⸗ mung der Departements Marne und Haute⸗Marne gestalten soll wird, nach derAllg. Mil. Ztg., folgende sein: 2. bayerische Division: Departement Ardennen, Arrondissement Montmedy vom Maas- Departement und Arrondissement Briey vom Departe- ment Meurthe⸗Moselle; 6. Division: Departement Maas, ausschl. Arrondissement Montmedy, ferner Cantons Neufchateau und Coussey im Departement Vogesen; 19. Division: Departement Meurthe⸗ Moselle, ausschl. Arrondissement Briey; 4. Divi⸗ sion: Departement Vogesen, ausschl. Cantons Neuschateau und Coussey, Arrondissement Belfort. Das Ober Commando bleibt in Nancy, ebenso das Commando der 19. Division, das der 6. Divi⸗ sion kommt nach Bar ⸗le⸗Duc, die 4. Division bleibt in Epinal, die baperische in Charleville. Vor Anfang Oktober tritt die Dislocirung keinen⸗ falls ein(also nicht, wie französische Blätter wissen wollten, schon im September), da der Baracken⸗ bau nicht früher vollendet sein kann.

Metz. DerNiederrh. Cour. berichtet: Am 19. d. früh fand in der Rue Saint⸗Vincent eine Zusammenrotiung statt. Ein deutscher Soldat, welcher aus einem Fenster des Erdgeschosses der in den Localen der ehemaligen Tabaksmanufactur eingerichteten Ambulanz heraussah, wurde von einem Vorübergehenden ohne irgend welche Ver⸗ anlassung schwer beleidigt. Der Soldat befahl ihm, sich zu entfernen. Anstatt dies zu thun, warf der Angreifer dem Soldaten ein Stück Holz an den Kopf und brachte ihm damit eine schlimme Wunde bei. Hierauf sprang der Soldat aus dem Fenster und verfolgte das fragliche Individuum. Frauen wollten ihn aufhalten; er stieß sie zurück, faßte seinen Gegner und hieb mit dem Säbel auf ihn ein. Glücklicherweise kam die Polizei hinzu und machte dem Kampfe ein Ende.

Für die neuen Festungsbauten in Metz ist die Anwendung des Eisenpanzers oder der Eisen⸗ bauten für mehrere Punkte in Aussicht genommen. Als solche werden namentlich angeführt zwei selbst ständige, stark gepanzerte Flankenbatterien zu beiden Seiten des neuen Forts St. Privat, welche zur

passanten Beherrschung des Thales der Seille und Mosel bestimmt sind, und zwei Panzer- oder Eisenbauthürme, welche die Aufgabe haben, die rückwärtige Verbindung des neuen zweiten Forts St. Quentin zu sichern. Die Hineinziehung der Höhen von Woippy in den Kreis der Befesti- gungen wird derD. P. ebenfalls als fest be⸗ schlossen bezeichnet.

Ausland.

Oesterreich Gastein. Kaiser Wilhelm ist unter dem lebhaften Hochrufen eines zahreichen Publikums von hier abgereist. Derselbe versprach, das nächste Jahr wieder hierherzukommen.

Frankreich. Paris. Es ist gemeldet worden, daß der Kriegsminister in Uebereinstimmung mit dem Gutachten des Artillerie-Comites die Ab schaffung der Mitrailleusen beschlossen habe. Diese Nachricht ist nach derPatrie richtig.Die Mitrailleusen sagt dieses Blatt in ihrer jetzigen Beschaffenheit haben nicht die Resultate ergeben, die man von ihnen erwartete, und die Frage, ob man sie beibehalten soll, ist von den Fachmännern oft erörtert worden: sie hat sogar auch zu einem Meinungsaustausch in der Budget⸗ Commission Anlaß gegeben. Es ist beschlossen worden, sie einer neuen Prüfung zu unterziehen, und zu diesem Behufe haben die Experimente in Trouville stattgefunden. Diese Versuche ergaben noch kein definitives Resultat und werden in Vin cennes fortgesetzt werden.

Belgien. Brüssel. DieIndependanre spricht von einer Cellectiv-Note Preußens, Ruß lands und Oesterreichs behufs Erklärung des Charakters der Drei-Kaiser-Zusammenkunft.

Portugal. Lissabon. In Folge einer kürzlich entdeckten Verschwörung finden noch täg⸗ lich Verhaftungen, namentlich von Militärpersonen, statt. Das zu deren Aburtheilung bestimmte Kriegs- gericht tritt im Oktober d. J. zusammen.

Büdingen. Nächsten Sonntag den 1. September wird das dem Andenken der im Deutsch-Französischen Kriege gefallenen Soldaten aus hiesiger Stadt von der Gemeindeverwaltung errichtete Denkmal feierlich einge weiht werden.

Frankfurt. Am 29. d. wurde im Saalbau der zehnte deulsche Juristentag eröffnet. General⸗Staatsanwalt Schwarze eröffnete im Auftrag der ständischen Deputation die Versammlung und schlug den altbewährten Führer Prof. Dr. Gneist aus Berlin zum Vorsitzenden vor, was einstimmig acceptikt wurde. Zu Vicepräsidenten wurden ernannt: Appellationsgerichtsrath Dr. Nestle aus Frank⸗ furt a. M., Oberappell ꝛtionsrath Pr. Behr aus Berlin, Oberhandelsgerichts-Präsident Dr. Drescher aus Leipzig und Oberbürgermeister Dr. Mumm aus Frankfurt a. M.

Darmstadt. Die Mitglieder der hiesigen freisinnigen israelilischen Gemeinde haben für den Neubau einer Synagoge Z ichnungen in einer Gesammtsumme von etwa 100,000 fl. in kaum einem Tage aufgebracht, welcher Betrag sich sicherlich noch um ein Bedeutendes erhöhen dürfte.

Darmstadt. Die erste statitische Aufnahme der Be⸗ völkerung in Hessen hatte im Jahr 1585 statt. Damals zählte die Stadt Darmstadt ohne Hosstaat und Militär 1380 Einwohner.

Mainz. Der dahier vom 17. bis 22. k. M. statt⸗ findenden landwirthschafilichen Ausstellung wird die Theil⸗ nahme der Tyierzüchter und Producenten in reichem Maaße zugewendet und sie jedenfalls in solchem Umfange beschickt werden, daß sie ein fast vollkommenes Bild der landwirth⸗ schaftl. Producte des Landes und insbes. der Provinz Rhein⸗ hessen zu bieten vermag. Der Großherzog hat 5 Ehrenpreise, 3 für aus gezeichnete Leistungen in der landw. Bodencultur (Feld und Weinbau), eine für vorzügliche Producte des Garten⸗ und Obstbaues und einen für bervorragende Leistungen in der Thierzucht bewilligt. Auch Prinz Alexan⸗ der stiftete einen Ehrenpreis, und der Stadtvorstand von Mainz und der Verwaltungsrath der Hessischen Ludwigs bahn haben dem Unternehmen je 150 fl. zu dem gleichen Zwecke zugewendet. Außer den Ehrenpreisen werden in großer Anzahl silberne und broncene Medaillen, sowie Ehren⸗Diplome, ferner Geldprämien von 10 50 fl. ge⸗ geben werden und sind allein für vorzügliche Leistungen in der Thierzucht Prämien im Gesammtbetrage von 1040 fl. ausgesetzt.

Bad Schwalbach. Der Bürgerausschuß beschloß die Aufnahme einer Anleihe im Betrage von 110.000 Thaler zum Kurhausbau, sowie von 12000 Thlr. zum Ankauf des Grundeigenthums zur Erweiterung der Kur anla zen. ö

Iserlohn. DieElberf. Ztg. erzählt: Auf welch verstecktem Wege schwere Unglücksfälle herbeigeführt werden können, dazu liefert folgender Vorfall einen schlagenden Beleg. In der hiesigen Nadelfabrik der Firma St. W. u. Co. war vor einigen Tagen der Heizer eben im Begriff, eine Schaufel Kohlen in die Dampfkessel-Feuerung zu werfen, als ihm der zufällig dazu getretene Aufseher ein Halt zu⸗

meine Frau glücklieh geheilt ist. 5 f gelühlten Dank werde ich nicht verfehlen, diese köstlichen

ries. Er hatte mit einem glücklichen Blick einen verdl⸗ i

ligen fremden Gegenstand unter den auf der Schippe

liegenden Kohlen bemerkt, und was war es? Ein mt ö

mehr als einem Pfunde Sprengpukvper gefüllter lederner Beutel! Derselbe konnte nur aus dem betreffenden Berg⸗ werke(ZecheFrancisca Tiefbau) stammen. Daß Vor⸗

kommnisse dieser Art nicht allein stehen, geht aus einem Falle

vom vorigen Winter hervor, wo der Gastwirth H. hier in den von einer Hörder Zeche geholten Kohlen einen ähnlichen Beutel fand, der ein Bierglas voll Sprengpulver enthielt! Nichts erscheint Angesichts vieler unerklärlicher Dampfkessel⸗ Explosionen gerechtfertigter, als der Verdacht, daß dieselben einem solchen Ursprunge ihr Entstehen verdanken. Möchten daher Alle, die es angeht, der Sache die gebührende Be⸗ achtung schenken! a

Zürich. Im Verlag von J. Schabelitz dahier erscheint vom 15. August l. J. an ein neues MonatsblattDer Auswanderer, welches über alles Mögliche, was den Auswanderer, sei er Kaufmann, Handwerker oder Bauer, von dem im Auge habenden überseeischen Lande interessirt, in sachkundigen, populär gehaltenen Artikeln unpartesischen Aufschluß ertbeilt. Der sehr niedrige Preis ist per Jahr⸗ gang von 12 Nummern(vom 15. August 1872 bis 15. Juli 1873) 42 kr. für Deutschland und Oesterreich. Man abonnirt darauf bei dem Verleger, 7 Stüßihoffstatt in Zürich, gegen directe Einsendung von dem Betrag entsprechenden Briefmarken(schweizerische, deutsche und österreichische).

Lissabon. Der spanische DampferPerseveranza ist bei Oporto wegen starken Nebels, welcher die Unker⸗ scheidung des richtigen Fahrwassers unmöglich machte, untergegangen. 30 Personen sind umgekommen.

Landwirthschaftliches.

Im Bullelin der italienischen entomologischen Gesell⸗ schaft werden beachtenswerihe Erfahrungen veröffentlicht über die Folgen des Liegenlassens wurmstichiger Früchte auf der Erde. Indem man den Larven von Insecten, welche in diesen Früchten leben, Zeit und Gelegenheit zur völligen Entwickelung gibt, sichert man sich nalüllich für die nächsten Jahre denselben Schaden, den man durch An⸗ bohren der Früchte, speciell des Obstes, schon in diesem gehabt hat. So wie man die Engerlinge zerstört, sollte man auch dieWürmer der Eicheln, des Obstes, der Nüsse unschädlich machen. Man hat in der Gegend von Turin die Beobachtung gemacht, daß speciell die früh gefallenen Eicheln ausnahmslos Larven beherbergen, welche theils einem Rüsselkäfer, theils einem Kleinschmetter⸗ ling angehörten; die Bauern ließen alle diese Eicheln ruhig verfaulen, weil sie dieselben wegen desWurmes nicht verfültern können. Die Thalsache sei unseren Obstzüchsern dringend zur Beachtung empfohlen. In Massen liegen heuer die angestochenen Aepfel und Zweischen umher, und es ist sehr wahrscheinlich, daß sich in denselben das schönste Ungeziefer für das nächste Jahr entwickelt.

Den gleichen Gegenstand betreffend machte die Frank⸗ furter Gartenbaugesellschaft in ihrer letzten Versammlung die Obstgärtner und Gartenbesitzer wiederholt und dringend auf den schon früher öfter ausgesprochenen, aber leider zu wenig beachteten Rath aufmerklam, das herabgefallene Obst zu sammeln und zu vernichten, wodurch Tausende und Tausende der Aepfel⸗ und Zwetschenmotte und andere der Obstcultur schädliche Insecten vertilgt werden. Des⸗ gleichen ist der Kohlweißling(weiße Schmetterling) in Unmassen vorhanden, so daß es ebenso nöthig erscheint auf dessen Vertilgung, insbesondere der gelben Eier, eisrigs Bedacht zu nehmen. Die Hauptsache ist aber, zur Win⸗ terszeit die Larve und Puppe zu tödten. Die möglichste Beachtung und Verbreitung dieses Hinweises kann im Juteresse der Gärtnerei nur erwünscht sein.

Beweisen macht wahr!

2374. Die mir zugesandten Klostermittel sind verbraucht und hat sich die Krankheit(Epilepsie) bei beiden Kindern nicht mehr eingestellt. NB. Erfreut durch glückliches Resultat habe ich Ihre Adresse mehreren Leidenden bestens empfohlen, Nr. 1195. Lütgen-Dortmund, d. 4./. 1872. Ph. Oberschachtsiek.

Vier und fünf Monate später!

Ich habe heute von einem Manne aus Dortmund er- fahren, dass Sie durch die Paraischen Klostermittel 201 Kinder von ihm von der Fallsucht befreit bätten. Auch ich habe ein solches Kind und bitte da- her u. s. W. 8

Nr. 1594. Brakel bei Dortmund

Fr Neuhaus.

Im glücklichen Besitze Ihrer Adresse durch einen Herrn aus Lütgen- Dortmund nahm auch jeh für meine mit Epilepsse behaftete Frau meine Zufsucht 2u Ibren Klostermitteln. Nach Verbrauch zweier Sendungen kann ich Ihnen die erfreuliche Mittheilung machen, dass auch in meiuem tief-

Mittel zu empfehlen, wo ich nur immerhin Gelegenheit

hierzu flude. Nr. 1362 Dortmund. H. Becker. 1

Die Paraischen Klostermittel bei Epilepsie, Frauen Krankheiten, Flechten, Hämorrhoiden, Impotenz, Rheu- matismus, Verdaunngsschwäche, Syphylis und Wassersucht sicher und dauernd wirkend, sind zu beziehen dure den General- Corfespndenten Herrn Dr. Kietz in Duisburg a. Rhein.*

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