bevorstehenden Berathung der Kreisordnung im Herrenbause: Jetzt stebt das Herrenbaus vor der⸗ selben Frage. Jeder Versuch, der Vorlage eine andere Gestalt zu geben, würde einer Ablehnung völlig gleichkommen. Um so mehr wird die Re ⸗ gierung des Königs, um das Zustandekommen wichtiger Reformen zu sichern, in dem Maße, wie es nach der Stellung des Herrenhauses erforder⸗ lich erscheint, von dem Rechte Gebrauch machen müssen, welches der Krone für solche außergewöhn⸗ liche Momente gegeben ist. Demselben Blatte zu- folge würde der Kaiser nach der erfolgenden Rückkehr die endgültigen Bestimmungen über die zur Sicherung des Zustandekommens der Kreis- ordnung erforderlichen Maßregeln treffen.
— Nach Mittheilungen der„Magd. Ztg.“ würde der in Vorbereitung begriffene Falk'sche Gesetzentwurf über die Bildung der Geistlichen die Anstellung derselben von einem Staatsexamen abhängig machen. Der Staat soll sich außerdem in jedem einzelnen Falle eine Art Bestätigungs · techt vorbehalten.
— Der Justizausschuß des Bundesraths be⸗ antragt die Ernennung eines neuen Raths bei dem Reichsoberhandelsgericht in Leipzig und bringt hierfür den Obergerichtsrath Mohrmann im Ober⸗ gericht der Provinz Rheinhessen in Vorschlag.
— Von authentischer Seite wird versichert, daß das Handelsministerium in einem Erlasse sich dahin ausgesprochen hat, daß die Möglichkeit keineswegs ausgeschlossen sei, daß der preußische Staat die Bahnlinie Hersfeld Alsfeld auf eigene Kosten baue. Soviel bis jetzt feststeht, wird die Concession zum Bau dieser Linie, falls der Staat dengoch auf die Erbauung verzichten sollte, nur der„Oberhessischen Eisenbahn⸗Gesellschaft“ ertheilt werden.
Gumbinnen. Zuverlässigen Nachrichten zu⸗ folge ist die Cholera im Kreise Lyck als erloschen zu betrachten.
Köln. Dem Vernehmen nach soll in Betreff der Anlage der neuen Festungswerke um Köln so viel feststehen, daß dieselben in die Peripherie eines Kreises zu liegen kommen, dessen Mittelpunkt der Dom bildet, und dessen Radius eine Meile beträgt. Auf dieser Peripherie sollen sieben Forts angelegt werden; außerdem soll ein Fort zu Insel und eine Rheinsperre zu Sürth errichtet werden. Die Forts 7 und 8 würden in Artilleriekasernen umgewandelt und die Forts 2 und 10 U geschleift werden.
— In Betreff der Nachricht, daß die Dom⸗ herren Reinarz und Frenken und der Domprobst Dr. München, wie auch der Religionslehrer des Jefuiten⸗Gymnasiums, Dr. Brühl, das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit noch nicht an⸗ erkannt hätten, ist mitzutheilen, daß nur der Erst⸗ genannte die Nachricht in Betreff seiner öffentlich dementirt hat.
Kassel. Die Bevölkerung Kassels hat sich binnen 40 Jahren von 27,302 Seelen in 1643 Hausern(1832) auf 41,458 Seelen in 1906 Häusern in 1867 und auf 46,375 Seelen in 2074 Häusern in 1871 gehoben.
Melsungen. Die nliederhessische Pastoral⸗ konferenz setzte mehrere Thesen fest, welche die Befugniß und Nothwendigkeit der geistlichen Schul⸗ aufsicht aussprechen.
Colmar. Die Broschüre des hiesigen Pfarrers Schäffer:„Non sint“, eine geharnischte Streit- schrift gegen die Jesuiten, ist in Frankreich ver— boten worden.
Regensburg. Der Jesuit Meschemoser wurde, weil er auf der Durchreise, obwobl er
„anno Ausland. I Hesterreich, Die amtliche„Wiener Zeitung“ veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben an den Minister des Innern, durch welches der Reichs rath auf den 12. Dezember einberufen wird.
Schweiz. Die Regierungen der zur bischöf⸗ lichen Diöcese Basel gehörenden Cantone Solo- thurn, Bern, Baselland, Aargau und Thurgau haben die Beschlüsse der in Solothurn abge— haltenen Diöcesanconferenz, betreffend das Dogma der Unfehlbarkeit und den Bischof Lachat von Basel, nunmehr definitiv genehmigt. Die Regie- rungen der Cantone Zug und Luzern, welche die Dibcesanconferenz nicht beschickt batten, haben sich den genannten Cantonregierungen nicht angeschlossen. — Die Gemeinde-Versammlung von Solothurn hat ebenfalls das Unfehlbarkeitsdogma verworfen.
— Die„Basler Nachrichten“ melden aus Solothurn: Der Cantonsrath hat mit 79 gegen 22 Stimmen die Beschlußnahme des Regierungs- raths in der Kirchenfrage genehmigt. Der vom Bischof excommunicirte Pfarrer Gschwind zu Starr⸗ kirch ist somit als rechtmäßiger Pfarrer anerkannt. Der Cantonsrath richtete zugleich an die Regie⸗ rung die Aufforderung, in ähnlichen Fällen die Rechte des Staates in gleicher Weise zu wahren.
Frankreich. In der Nationalversammlung vom 26. d. wurde der Bericht Batbie's über den Antrag Kerdrel verlesen. Derselbe hebt die Ver dienste des Präsidenten hervor und leugnet, dem- selben feindlich gesinnt zu sein. Er erklärt, die Conservativen könnten aber die Gründung einer conservativen Republik nicht unterstützen, so lange die Regierung mit den Radicalen, den geschworenen Feinden der öffentlichen Ordnung, den Erben der Commune, paktire. Verantwortlichkeit der Minister sei die Hauptsache. Die Nationalversammlung habe Thiers gegenüber, der die Frage der Minister⸗ verantwortlichkeit in eine Frage über den Fortbe⸗ stand der jetzigen Regierung verwandele, nicht die genügende Freiheit der Entschließung. Die Grün- dung einer zweiten Kammer sei gleichbedeutend mit dem politischen Testamente der Versammlung. Die Majorität der Commission wollte die Frage, ob Republik oder Monarchie, jetzt nicht zum Austrage bringen, aber sie protestire gegen die steigende Fluth demagogischer Barbarei. Die Commission beantragt die Ernennung einer Commission von 15 Mitgliedern zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über die Ministerverantwortlichkeit. Die Discussion über diesen Antrag wird von der Versammlung auf den 28. November festgesetzt.
— Wie die„Agence Havas“ meldet, so ist die Hoffnung auf eine Versöhn eng noch immer nicht aufgegeben. Es heißt, die Regierung habe die Absicht, der Versammlung die Ernennung einer Commission vorzuschlagen, welche die Aufgabe habe, Gesetzentwürfe über die ministerielle Ver⸗ antwortlichkeit und über die andern in der Bot- schaft angedeuteten gesetzgeberischen Reformen vor zubereiten.
— In den Versailler politischen Kreisen wird jetzt eine Verständigung auf der Grundlage für möglich gehalten, daß zuerst die Ministerverant⸗ wortlichkeit angenommen und hierauf zur Be— rathung der Verfassungsfragen geschritten werde.
Großbritannien. London. Wüthende Stürme herrschten Freitag uad Sonnabend der ganzen Süd und Westküste Englands entlang und
zehn Männer umkamen, und in Penzance, wo ein seit Jahren nicht in solcher Wuth dagewesener
haben bedeutenden Schaden unter den Schiffen angerichtet. Leider ist auch der Verlust mehrerer Menschenleben zu beklagen, so in Plymouth, wo
ausgewictsen ist, hier übernachtete, vom Stadt- Orkan ein dem Namen und der Herkunft nach
gericht zu 3 Tagen Arrest verurtheilt.
unbekanntes Schiff zerschmetterte. Alle auf dem
Schiffe kamen um und bis jetzt sind acht Leichname ans llfer gespült. Ein anderes(Sunderländer) Schiff wurde ebenfalls ein Opfer des entfesselten Windes, und der Capitän nebst sieben e in einem Boote ihre Zuflucht gesucht hatten, 1 ihren Tod in den Wellen. Aehnliche, wenn al minder traurige Berichte, langten aus nördlichen, Häfen, wie North ⸗ Shields, Sunderland und
Schif und neun Menschen verloren ihr Leben. —
sondern auch Vielen in der Ferne eine bekannte, eine be⸗
Schwab. Saline verpflichtet, diente er derselben, bis er nach Er⸗ anstalt als Badewärter angenommen wurde. Wie ist ursprünglichen Badebause bereitet hat, gewachsen, wie viele Badegäste hat er seit jener Zeit bedient und wie Manche dieser Badegäste sind vor ihm hingestorben! Bei seiner Bedienung brachte er keinen Unterschied des Standes zur Geliung, er war Jedem, dem Hohen wie dem Niedrigen, dem Armen wie dem Reichen, gleich willfährlich und so waren wir oft Zeuge, wie Fremde, welche vor Jahren Naukeim besucht hatten, bei ihrer Wiederanherkunft sich vor allem nach Schwab erkundigten und die Freude des Wledersehens zu erkennen gaben. Dabei hatte er das größte Interesse an der Badeanstalt selbst und wahrte dies überall, wo es zu wahren galt. Seine Gesundheit schien eine unverwüstliche zu sein und vernahm man wiederholt das Erstaunen Fremder über sein gutes Aus⸗ sehen. Im Frübjähr v. J. trat jedoch eine Aenderung ein. Einer großen Anzahl der in den hiesigen Reserve⸗ lazarethen befindlich gewesenen Soldaten wurden unsere Bäder verordnet und Schwab ließ es sich trotz seines hoben Alters und trotz der kalten Jahreszeit nicht nehmen, jenen die Bäder zu bereiten, ein Samariterdienst, für welchen ihm leider eine andere Belohnung als die eigene Befriedigung nicht geworden ist. Offenbar hatte seine Ge⸗ sundbeit darunter gelitten, denn von jener Zeit an kränkelie er fortwährend, war im vorigen Sommer dienstunfähig und wenn er auch im allzugroßen Dienst⸗ eifer in vergangener Badesaison wieder thätig war, so sah man doch seine Kräfte immer mehr dahin schwinden und abnehmen, bis er am 25. d. Morgens 6 Uhr in dem hohen Alter von 75 Jahren zu einem andern Leben sanft enischlief.
Gießen. Dieser Tage hat die hiesige Polizei aber⸗ mals einen fremden vagabundtrenden Gauner abgefaßt. Er batte viele Schmucksachen bei sich, die er zum Theil veräußert hat. Eine goldene Damen-Uhr, eine goldene Keite, 2 goldene Medaillons und 2 Brochen in Etuis hatte er in Kassel gestohlen; wo er die übrigen Schmuck lachen annectirt bat, weiß man noch nicht. Der Gauner, der, wobl aus Vorsicht, keinerlei Schriften bei sich führt, nennt sich Fritz Becker aus Londonz er spricht aber auch deutsch im schlesischen Dialect. Sein wahrer Name und seine Heimath werden wohl noch festgest lt werden können.
Frankfurt. In hiesigen Blästern liest man: Ein hicsiger Bierbrauer z igte dieser Tage einem Bürger seinen Eis vorrato, wescher in noch acht vollen Eisgruben be⸗ stand. Es wurden ibm sofort für die eine Grube 10.000 fl. geboten. Selibstverständlich schlug er ein, und noch ehe die erste Fuer Eis gebolt war, lagen die 10,000 fl. auf dem Tisch.
Darmstadt. Das seit neuerer Zeit hier in gewissen Kreisen stark flortrende Hazardspiel um sehr erhebliche Summen bal verschiedene, jedoch nicht der Geschäftswelt angehörige starke Fallimente nach sich gezogen. So meldet man dem„Fr. J.
Worms. In Folge falscher Weichenstellung in der Stalion R sengarten fuhr am 25. d. früh der erste auf
ein stumpfes Geleise, wodurch die Maschiene, Packwagen und ein Personenwagen von den Schienen gexiethen. Glück⸗ licher Weise wurde kein Passagier verletzt, dagegen erlitt ein Conducteur nicht unbedeutende Verletzungen am Kopfe, ebenso ein Bremser und ein anderer Eisenbahnbediensteter.
Leipzig Wie das„Leipz. Tagbl.“ hört, hat der Besitzer der Paplerfabrik zu Penig, Herr Flinsch, bei Gelegenheit der Verkaufs der genannten Fabrik an eine Actiengesellschaft seinem Arbeiterpersonal die Summe von 20,000 Tbalern geschenkt.
Leipz g. In einem sächhsischen Provinzialblatte be⸗ finden sich folgendes Gesuch:„Ein erfahrenes Stubenmäd⸗ chen, als solches schon fungirt, im Plätten und Serviren bewandert, sucht ein in der Nähe gelegenes Rittergut. Auskunft ertheilt die Expediteon dieses Blattes.“— Wir schließen uns der geehrten Vorreoͤnerin an.
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W. Bad⸗Nauheim, 27. Nov. Am heutigen Tage begleiteten wie zur letzten Ruhestätte einen Mann, welcher nicht nur einem großen Theile der Leser dieses Blattes,
liebte Persönlichkeit gewesen, den langjährigen Badewär ter 1 Am 1. Juni 1820 als Sieder bei hiesiger
öffnung der im Jahre 1834 dahier gegründeten Bade⸗
der Riedbahn nach Darmstadt abgebende Personenzug in
Nächste Börse Donnerstag den 3. Deeember
di N biker f FKlstenm ui an I ganzen bilden,
bull zu unnd der müthige
Bad⸗Nauheim, seitdem Schwab das erste Soolbad in dem
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