— Für die demnächst fällige halbe Milliarde
der französischen Kriegsentschädigung werden Seitens
hiesiger und auswärtiger Häuser schion jetzt be⸗ deutende Posten von Wechseln auf preu ßische Bank- plätze im Auftrage französischer Bankflrmen ange- kauft, welche die französische Regierung Deutschland in Zahlung geben wird. Die Wechsel sind größten ⸗ theils bereits im August fällig und es wird wahr- scheinlich Seitens des deutschen Reiches eine Zins⸗ vergütung an Frankreich slattsinden, da die nächste Rate der Kriegsgelder erst später fällig wird.
Karlsruhe. Zum Zweck der Bildung einer alt- katholischen Gemeinde in Karlsruhe hat das hiesige prov. Comite eine Ansprache an die der Sache zu⸗ gewendeten katholischen Glaubensgenossen gerichtet.
Dresden. Der Wasserßsand der Elbe ist in Folge der Wolkenbrüche in Böhmen seit dem 26. d. mehr als 6 Ellen gestiegen und steht jetzt 57½ Ellen über Null noch im Wachsen. Die Ueberschwemmung hat in den Elbniederungen große Verheerungen an⸗ gerichtet. Die Dampsschifffahrt ist eingestellt, da sämmliche Landungsbrücken weggenommen sind.
Stuttgart. Am 26. Mai ist der Neckar fast in seinem ganzen Laufe aus den Ufern ge⸗ treten! Die Rottenburger Brücke wurde dabei zerstört. In Cannstatt beträgt der Wasserstand 13 Fuß über der Normalhöhe. Seit dem 27. d. sind die Gewässer in der Abnahme begriffen. Auch in Oberschwaben haben Ueberschwemmungen stattgefunden. Bei Friedrichshafen konnten die Bahnzüge nicht passiren.
Straßburg. Die schon früher angekündigten Geschenke des deutschen Kaisers und des Königs von Bayern für die kaiserliche Universitäts⸗Biblio⸗ thek sind, wie die„Straßb. Ztg.“ meldet, hier eingetroffen. Das kaiserliche Geschenk umfaßt gegen 4000 Bände und ist besonders reich an kostbaren Kunst⸗, Reise⸗ und Geschichtswerken; das des Königs von Bapern gibt in ca. 700 Bänden eine sehr wesentliche Bereicherung insbesondere an aus- ländischen Geschichtswerken.
Ausland.
Oesterreich. Prag. In Folge von Wolken⸗ brüchen hat eine furchtbare Ueberschwemmung mehrerer Landgebiete stattgefunden. Viele Menschenleben sind zu beklagen. Die Feldfrüchte sind meilenweit ver⸗ wüstet. Viele Dörfer sind ganz weggeschwemmt.
Wien. Die Erzherzogin Sophie ist nach langer Agonie am 28. Mai früh drei Uhr ver⸗ schieden.— Zur augenblicklichen Linderung der Noth in den von der Ueberschwemmung heimge— suchten Gegenden Böhmens spendete der Kaiser aus Privatmitteln zehntausend Gulden.
Lemberg. Im Zolkiever und Grodeker Be⸗ zirk sind agrarische Unruhen ausgebrochen.
Frankreich. Paris. In Deputirtenkreisen wurde als sicher bezeichnet, daß Deutschland ge⸗ neigt sei, Frankreich die Contesston zu machen, je nach den erfolgten früheren Theilzahlungen der Kriegs⸗Contribution auch eine entsprechende frühere Räumung des occupirten Gebietes, welche speciell festzustellen wären, eintreten zu lassen. Belfort und Toul würden jedenfalls bis zur Zahlung des letzten Restes der Kriegsschuld besetzt bleiben.
Italien, Rom. Als am 21. Mai Abends der Kronprinz Humbert auf dem Bahnhof im Kreise seiner Officiere stand und auf den Zug wartete, um nach Mailand und von da nach Deutschland zu fahren, ging der französische Ge⸗ sandte, den Hut auf dem Kopf und eine Cigarce im Munde, in so ostensibler Weise auf und ab, daß es Jedermann auffiel. Als der Kronprinz abgefahren war, gingen zwei seiner Adjutanten auf ihn zu und stellten ihm das Ungeziemende seines Benehmens in ernsten Worten vor. Was dieser Zwischenfall für weitere Folgen hat, ist abzuwarten.
Großbritannien. London. Ein von 3000 Arbeitern des Arsenals zu Wrolwich be⸗ suchtes Meeting beschloß, der Regierung eine Denk— schrift zu Gunsten neunstündiger Arbeitszeit zu überreichen, nachdem die aufgetretenen Redner aus- drücklich sich gegen einen Strike ausgesprochen hatten.
Spanien. St. Sebastlan. Marschall Serrano hat an 25. d. zu Bilboa die Meldung von der Unterwerfung aller in der Provinz Bis- caya befindlichen Insurgenten, welche ihre Waffen
Amerika. Washington.
Es waren 21 Senatoren abwesend oder enthielten
sich der Abstimmung. Die Ratification dürfte nach
Eintreffen der Londoner Antwort erfolgen.
Friedberg. Die Berathungen des Comilés für Begehung des Sängerfestes vom Mainthal-Sängerbund, welches am 21, Juli d. J. dahier statifindet, nehmen guten Fortgang. Zum Concertplatz ist der Hof der Burg⸗ kaserne gewählt und Seine Königliche Hoheit der Groß— herzog hat die nachgesuchte Erlaubniß, denselben zu obigem Zweck benutzen zu dürfen, bereits gegeben. Zum Dirigen⸗ ten der musikalischen Vorträge wurde der Universitäts⸗ musikdirecter, Herr Mickler, erwählt und hat dieser Mann von bekannter Tüchtigkeit die Wahl angenommen. Wegen des gemeinschaftlichen Festessens und der Ver⸗ einigung zu einem Banquet am Abend find definitive Festsetzungen noch nicht gemacht, doch versprechen die bereits stattgehabten Erwägungen zu einem erwünschten Ziele zu führen. Die Debatten in den Sitzungen des Comités sind immer recht lebhaft, ein Beweis dafür, daß die Mitglieder recht großes Interesse an würdiger Be⸗ gehung des Sängerfestes nehmen. Kleine Disserenzen, wie sie ja dei menschlichen Vereinigungen so leicht ent⸗ stehen, wurden steis durch Erwägungen, wie solche Männern würdig sind, beseitigt und überwunden. Das Concert⸗ programm enthält vorzugsweise palriotische Lieder.— Friedberg wird es verstehen, auch diesmal ein Fest zu feiern, das der Stadt, unsern Gesangvereinen und dem Mainthalsängerbunde Ehre machen und edle Früchte für Förderung deulschen Männergesanges, deulscher Gemüthlich⸗ keit, Zusammengehörigkeit und Vaterlandsliebe tragen wird. Darmstadt. Künftigen Samstag, 1. Juni, komm! hier vor dem Bezirksstrafgericht ein merkwürdiger Hunde⸗ proceß zur Verhandlung. Eine dem Hofgerichtsadvocaten E. gehörige, auf den Namen„Box“ hörende prächlige Dogge verschwend spurtos im Herbste vorigen Jahres. Mit großen Kosten gelang es dem Eigenthümer, den Aufenthalt des Thieres zu ermitteln. Der neue Eigen⸗ ihümer behauptete jedoch, das Thier sei, ehe es E. gehört habe, sein Eigenthum gewesen und ihm entwendet und an E. verkauft worden. Er will dafür, daß er der ächte Eigenthümer sei, selbst die Beweise durch das Thier vor bringen lassen und es wird daher„Box“ in der erwähnten Gerichtssitzung als Zeuge resp. als unbeetdigte Auskunfts⸗ person veenommen werden.— Der öffentlichen Verhand⸗ lung des von dem Hofgerichts-Advokaten Vogel gegen die „Hessischen Volksbläuter“ eingeleiteten Processes sieht man mit dem größten Interesse entgegen, und die Enthüllungen, welche derselbe zu Tage fördern wird, dürften denjenigen nicht nachstehen, welche der Jacoby'sche Giftproceß, dessen Nachspiel er ist, zu Tage förderte. Darmstadt, 28. Mai. Von verschiedenen Seiten wird jetzt bestätigt, daß um 3 Uhr in der Nacht vom 24.— 25.(in welcher die heftigen Gewitterregen statl⸗ fanden) dahier ein starker Erdstoß stattgefunden hat. Darmstadt. Die Verheerungen, welche die Ele⸗ mente im Odenwald, der Bergstraße und dem Ried verursacht haben, übersteigen weitaus alle gewöhnlichen Vorstellungen. An verschiedenen Orten des Odenwaldes, z. B. Oberramstadt, schlug der Blitz ein. Bäche traten aus, Brücken wurden zerstört, Thiere ertranken und Gärten und Felder wurden in der Nacht vom 24. auf den 25. von dem Wasser verwüstet, Der erste Zug der Riedbahn, welcher Morgens von Worms nach Darmstadt abgelassen wird, mußte bei Gernsheim über eine Stunde im Wasser jahren. Die Verheerungen, welche das Wasser hier in dem unter dem Namen des„Nibelungenviertel“ bekannten, von der süddeutschen Bodencreditanstalt gegründeten neuen Stadtviertel verursacht hat, sind unbeschreiblich. München. Die Münchener Bierfabrikatien war im Sudjahre 1872 wieder eine sehr stattliche, indem die hiesigen 17 Brauereien 219,927 Scheffel Malz ver⸗ solten haben; der Lokalmalzaufschlag hieraus betrug 560,877 fl. Die größte Quanuität weist der„Spatenbräu“ nach mit 31,832 Scheffel und 60.762 Hectolitern, die ge⸗ ingste die Schwafger in Haidhausen mit 506 Scheffel und 658 Hecl. Das Franzikanerkloster hat 285 Scheffel und 338 Hect. 3 dieses Bier gehört eigentlich zum Haus⸗ gebrauch der flommen Väter, einschlüssig der„Gulthäler des Klosters“, welche im Resectorium läglich zu Gast sind. Berlin. Das Deutsche Reich besitz! in runder Summe 60,000 Volksschulen, in denen 6 Millionen Schüler unterrichtet werden. Auf je 1000 Einwohner ent⸗ jälll ungefähr eine Schülerzahl von 150. Dieses ducch⸗ schnitiliche Verhärtuiß wird in Braunschweig, Oldenburg, Sachsen und Thüringen beträchiltch überschritten, insofern hier auf je 1000 Einwohner 175 Schüler kommen; da⸗ gegen in Meckleuverg(auf je 1000 Einwohner 120 Schüler), und Bayern(auf je 1000 Einwohner 126 Schüler) nicht erreicht. Gymnasien gibt es in Deulschland 330, Pro— ymnasien 214, Realgymnasien 14, Real- und höhere Buürgerschulen 483. Die Gesammszahl der Schüler auf
diesen höheren Unterrichtsanstalten beläuft sich auf 177,400. Universitäten zählt das Deutsche Reich 20 mit 1624
ablieferten, empfangen. Die von Caxasa befehligte Bande, welche in Navarra allein übrig bleibt, ist von den Truppen des General Morionez eingeschlossen.
Der. Senat genehmigte mit 42 gegen 9 Stimmen die Ratisi⸗—— cation des Zusatzartikels zum Washingtoner Ver⸗ trage, betreffend die Zurückziehung der indizetten Schadenersatz Ansprüche unter der Bedingung, daß England und Amerika künftig nicht für indirecte Schäden verantwortlich gemacht werden können.
gibt es 10, wovon auf auf Preußen nur 2 kommen, außer der Bau⸗ und Gewerbe⸗Akademie in Berlin; die Zahl der Lehrenden an den letztern Lehrstätten keträgt 360, der Sludirenden 4300..
D. Frankfurt a. M., 28. Mai 1872. Trotz flüssigem Geldstand und leichter Ullimo⸗Liquidation(der Zinsfuß für Prolongationen stellte sich auf 3½%) war die Hal⸗ tung der Börse gestern Abend wie heute eine matte, und mußten die Preise der Creditactien wie der Staatsbahn weitere Einbußen erleiden. Namentlich letztere waren sehr gedrückt in Folge des nahenden Bezugstages für die neuen Actien und Käufer traten nur vereinzelt auf. Der Cours dieses Effects ging heute bis 369½ zurück. Creditactien verkehrten bei 348 ½ nur in sehr beschränktem Umfang, da alle Anregung zum Kaufen feblte und namentlich Wien sich apathisch verhielt. Am festesten hielten sich Lombarben und Nationalbank, die ihre gestrigen Course behaupteten ohne jedoch auch ihrerseits besondere Lebhaftigkeit aufzu⸗ weisen. Die Geschäftsunlust irug sich auch auf die andern Branchen über und drückte namentlich auf die Bahnwerthe, die nur in bescheidenen Umsatz kamen. Die Nachrichten über die Ueberschwemmungen in Böhmen und die Befürch⸗ tungen vor einer Mißernte in Ungarn hielten die Käufer zurück, während andererseits Verkäufer ebenfalls eine reser⸗ virte Haltung beobachteten. Resultat davon waren kleine Preisminderungen fast sämmtlicher Werthe dieser Kategorie. Deulsche Linien gleichfalls still, ebenso Prioritäten. Bei Banken war für einzelne wenige Kauflust vorhanden, jeboch nicht ausreichend um dem Geschäft einigermaßen Aufschwung zu leihen. Deutsche Vereinsbank stand wieder im Vorder⸗ grund und wurde bei 132 vielfach gekauft. Dieselbe macht mit dem Hahn'schen Actien⸗Geschäft jedenfalls einen schönen Zug, da für letzteres sehr gute Meinung herrscht und die Emission der betreffenden Aclien voraussichtlich einen glänzenden Empfang findet. Oesterreich-Deulsche und Bayr. Wechslerbank gefragt, erstere bel 121½, letztere bei 105½. Auch Rheinische Creditbank aus dem Markt ge⸗ nommen; Staatspapiere verkehrten nur wenig. Oestetr. Renten hielten sich ziemlich fest. Von Loosen waren österreich. 60r. und Ungarn begehrt. Amerikanische 82r. bet gutem Geschäft.
Literari sches.
Franz Lipperhaide, der durch die Herausgabe der„Lieder zu Schutz und Trutz“ sich die Anerkennung der ganzen deutschen Presse sowohl, wie der deutschen Fürsten und Feldherren erwarb, veröffentlicht soeben nach⸗ stehenden Aufruf: Gleich den in den Jahren 1870 und 1871 von mir herausgegebenen„Liedern zu Schutz und Trutz“ beabsichtige ich, nun auch„Die Lieder der Freiheitskriege“ in den Original- Handschriften der Dichter zu sammeln und facsimtlirt im Druck er⸗ scheinen zu lassen. Manches zwar von jenen Liedern wird kaum noch im Manuscript existiren; vieles Andere aber dürste sich noch zerstreut in Bibliotheken, Handschristen⸗ Sammlungen oder in Privatbesitz vorfinden, und Dieses zu sammeln, ehe es vielleicht für immer zu spät, möchte eine Aufgabe sein, der sich unsere Zeit nicht entziehen darf. Es sind heilige Bermächtnisse, welche die Sänger jener unsterblichen Lieder der deutschen Nalion hinterlassen, und wenn auch diese Lieder selbst, von Alt und Jung gekannt, ewig ein lebendiges Besitzihum unseres Volkes bleiben werden, so sehlt uns doch noch gänzlich eine Sammlung derselben in den Handschriften, die eins unserer schönsten National⸗Denkmale sein würde, gestiftet von unserer Frei⸗ heitssänger eigner Hand. Es gilt, dieses Denkmal fest zu fügen, dem deutschen Volke zur Freude und Erhebung. Und so richte ich denn an alle Diejenigen, welche von den Original⸗Handschristen der Lieder jener Zeit etwas in ihrem Besitze oder unter ihrer Obhut haben, die Bitte, mir dasselbe auf kurze Zeit für die beabsichtigte Samm⸗ lung einzusenden, indem ich zugleich mich bereit erkläre, für eine pünktliche Rücksendung in gänzlich unbeschädigtem Zustande jede wünschenswerthe Sicherheit zu bieten.—— Vorzugsweise sind es die Lieder eines Körner, Rückert, Arndt, Uhland, Schenkendorf, eines Clemens Brentano, Collin, Eichendorff, Fouqus, Kleist, König, Ludwig, Fr. Schlegel, Ernst Schulze, Stägemann, die zu gewinnen wir streben müssen; in⸗ dessen sind auch, obwohl die Sammlung eine gewisse Geenze nicht überschreiten darf, die bess ren übrigen Zeit⸗ gedichte— Kunst wie Volkspoesie— aus jenen Jahren, zu denen wir auch die dem Kriege vorhergehenden rechnen, für uns von hohem Werthe. Wo die Original ⸗Hand⸗ schriften selbst nicht mehr erreichbar, ist für die dann in schöner Druckschrift wiederzugebenden Lieder wenigstens die eigenhändige Namens-Unterschrift des Dichtes erwünscht. Auch sollen historische Notizen über die Eutstchung und Geschichte der einzelnen Liedet hinzugefügt werden, und auch hierfür sind Beiträge willkommen. Der Name aber eines Jeden, der auf die eine oder andere Weise zur Here ausgabe des Werkes mitwirkt, wird dankbar in demselben verzeichnet werden. Wie die„Lieder zu Schutz und Truß,“ welche bekanntlich einen namhaften Ertrag lieferten, zum Besten unserer im Felde verwundeten und erkrankten Krieger erschlenen, so soll der aus den„Liedern der Freiheitskliege zu eiwartende Gewinn der Kaiser Wilbelms-Slistung für deuische Invaliden zufliͤßen, das Werk also auch nach dieser Richtung bin ein durchaus nationales sein. Mit dem Wunsche, daß dieses neue Unternehmen denselben Anklang und dieselbe Unterstützung finden möge, wie mein srüheres, sage ich zugleich Allen, die mir ihre, Beihilfe werden zu Theil werden lassen, im Voraus meinen un haflesten Dank. Berlin, Potsdamersiraße 1162, 10. Apri 1872. Franz Lipperheide..
Lehrenden und 15600 Stubirenden. Polytechnische Schulen
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