von Metz an die Oeffentlichkeit gedrungen, wird Marschall Bazaine wegen seines Verhaltens im Kriege 1870 scharf getadelt. Man wirft ihm vor, daß er, obwohl von dem Marsch des Marschalls Mac-Mahon nach Sedan unterrichtet, keine ernst⸗ lichen Anstrengungen zur Durchbrechung der preu ßischen Linien gemacht, daß er vor der Kapitu⸗ lation nicht das Kriegsmaterial zerstört, in dem betreffenden Vertrag keine Clausel bezüglich der Verwundeten aufgenommen, die Fahnen nicht ge rettet und endlich durch die Clausel, betreffend Freilassung der Offiziere auf Ehrenwort, die Inte- ressen des Landes geschädigt babe. Es wird ihm ferner die Verantwortlichkeit für die Niederlage der Rheinarmee am 18. August zugeschoben. Sehr günstig berichtet dagegen die Untersuchungs⸗Com⸗ mission über den Oberstlieutenant Taillant, den
Vertbeidiger von Pfalzburg, welcher die Feste erst
übergab, nachdem ihm weder Munition noch Lebene⸗ mittel übrig geblieben. Man will übrigens wissen, die Protokolle über diese Capitulationsderhand⸗ lungen würden demnächst offiziell veröffentlicht werden..
— der Carlisten⸗Aufstand in Spanien scheint an Bedeutung zu gewinnen. Die Monarchisten in Versailles sind der Bewegung hold, während die Regierung das Ihre thut, um deren Aus- dehnung zu verhindern.
— Die„Union“ hat in Privatdepeschen Ein- blick genommen, denen zufolge Don Carlos glück- lich die spanische Grenze passirt hätte und auf mindestens 10,000 bewaffnete Parteigänger zählen konnte.— Diaz de Rada, ein ehemaliger General der spanischen Armee unter Isabella, von Don Carlos zum Oberbefehlshaber der baskischen Pro- vinzen und Nabartas ernannt, hat an die Be. völkerung der Halbinsel einen Aufruf erlassen.
Versailles, 25. April. Nationalversamm-⸗ lung. Raoul Duval befragt die Regierung über ihre Ansicht in Betreff der Theilnahme der Maires von Angers und Harre an Banketten, bei welchen die Nationalversammlung angegriffen und deren Auflösung verlangt sei. Der Minister des Innern, Lefranc, beantwortete die Interpellation; derselbe tadelte die Theilnahme von Maires an politischen Banketten, sagte, daß die Maires sich von jeder Parteikundgebung fernzuhalten bätten und erklärte, daß die Regierung keinerlei Agitation gegen die Versammlung dulden werde. Raoul Duval, von dieser Erwiderung Akt nehmend, zieht bieraus seine Interpellation zurück.
— Man glaubt, daß Graf Arnim erst nach der Abstimmung über die Postconvention nach Paris kommen wird.— In Lyon wurden mehrere Mitglieder der Internationale von der Polizei verhaftet.
— In den Baracken der deutschen Truppen zu Raon⸗l'Etape bei Saint⸗Dié in den Vogesen ist Feuer ausgebrochen. Die Ursache ist noch nicht bekannt. g
Belgien. Brüssel. In Folge von Mit- theilungen des Commissionsmitgliedes Salentiny über Eröffnungen des Fürsten Bismarck, welche für den Fall eines Kriegs zwischen Frankreich und Deutschland die Gefabr für Luxemburg hervor hoben, von dem jeweiligen Sieger annectirt zu werden, nahm die luxemburgische Regierung eine auf 40 Jahre abgeschlossene Eisenbahn⸗Convention und den Zoll-, Post⸗ und Telegraphen Verband mit Deutschland auf dieselbe Zeitdauer an. Für die betreffenden Eisenbahnlinien gelten jedoch die luxemburgischen Eisenbahngesetze.
Italien. Rom. Frankreich interpellirte die italienische Regierung vertraulich, ob sie dem Vatican die Abrüstung der päpstlichen Corvette„Imma- colata Concezione“ in Toulon gestatten wolle. Italien erklärte sich einverstanden. a
— Die Kammer berieth über die Aufhebung der theologischen Facultät an den Universitäten. Lanza u theilt mit, daß der Ausbruch des Vesuvs zugenommen und die Gefahr sich vergrößert habe. Gegen 200 Personen wurden verschüttet. Die Bevölkerung von Torre del Greco hat sich geflüchtet.
Neapel. Eine Anzahl Personen, welche den Vesuv besichtigten, wurden von plötzlich aus der
Erde hervorbrechendem Feuer überrascht. Es geht! ihm ihre Aulorität; der Bauernbursche aber, ein entlassener
das Gerücht, daß 60 Personen getödtet und ver⸗ wundet wurden. a
Spanien Madrid. Zum Präsidenten des Congresses wurde Rios Rosas mit 168 Stimmen
gewählt; 84 Wablzettel waren unbeschrieben. Die Wahl von vier Vicepräsidenten siel durchweg auf
Abgeordnete, welche der Regierungspartei ange- hören, und erfolgte mit großer Stimmenmehrheit. — Der Herzog de la Torre begibt, sich, damit die Einheitlichkeit des Befehls die Schnelligkeit und das Zusammengreifen der Operationen er- leichtere, nach Vitkoria, um das Commando in den Militärbezirken von Aragona, Burgos, den baskischen Provinzen und in Navarra zu über⸗ nehmen, obschon dem carlistischen Aufstande schon keine Bedeutung mehr beizulegen ist, die carlistischen Banden vielmehr in allen übrigen Provinzen fast vollständig verschwunden sind und sich nur in Navarra und in den baskischen Provinzen noch zeigen.
Frankfurt. Der„Augsb. Allg. Zig.“ wird von hier geschrieben: Die seit Jahren erörterte Frage eines Neubaues der Gebäude des Städel'schen Kunstinstitutes, Galerie und Schule umfassend, ist jetzt endlich an ihrer Lösung angelangt. Die Stadt verkauft dem Instiiun 10 Morgen Gelände, zwischen der Main-Neckar⸗Etsenbahn⸗ brücke und der im Bau begriffenen Mainbrücke auf dem linken Mainufer gelegen, zu diesem Zwecke. Da das vor 17 Jahren zum Zweck eines Neubaues um 135,000 fl. vom Institut angekaufte Terrain des zoologischen Gartens jetzt den Werth von nahe einer halben Million Gulden erlangt hat und die jetzigen Gebäude ebenfalls gegen eine halbe Million Gulden werth sind, so wiro der Bau möglich sein, ohne das Kapital der Anstalt anzugreifen.
Frankfurt. Die biesige landwirthschaftliche Creditbank sieht, dem Vernebmen nach, mit mehreren Landgemeinden in Unterhandlung wegen Uebernahme von Anlehen zum Zweck des Erwerbs größerer Gütercomplexe,
dergleichen Anlehen wurden bereits zum Abschlusse ge— bracht, und zwar auf Grund hypothekarischer Sicherstellung. Die Vortheile, welche den Landgemeinden hierdurch erwachsen, sind ganz ungewöhnliche; so konnte z. B. kürzlich eine Gemeinde ein mit Hitfe der landwiribschaftlichen Credit— bank erworbenes Gut mit beträchtlichem Nutzen, in Par⸗ zellen zerlegt, wieder an ihre verschiedenen Ortsnachbaren abtreten, welche dadurch ihr Besitzthum zu imnier noch villigen Kaufpreisen ansehnlich erhöhten. Die landwirth⸗ schaftliche Creditbank beabsichtigt, diese Anlehen in Form von Partial⸗Hypotheken und Communal-Obligasionen zu begeben, deren Zinsen mit 5pCt. bei ihr ausbezahlt wer⸗ den, woselbst auch die Rückzahlung der ausgeloosten Obli⸗ gationen erfolgt. Die Obligasionen und Partial-Hypotheken werden in beliebigen Beträgen von 500 fl. an ausgestellt. Darmstadt. Das hiesige Schwurgericht hatte sich am 26. und 27. d. mit einer Anklagesache wegen Mords zu beschäftigen. Die Anklage ging dahin, daß die 25jäh⸗ rige Barbara Stürmer, geb. Stock aus Rodheim, zuletzt in Ktein⸗Steinheim wohnhaft, ihren Ehemann mit Ueverlegung und in der Absicht ihn zu tödten am 25. Feb. d. J. in der Nähe von Klein⸗ Steinheim in ein etwa 10 Fuß tieses Wasserloch eines Steinbruches gestoßen und dadurch dessen Tod verursacht habe. Die Beschuldigte, welche mil großer Dreistigkeit auftritt, betrieb das Geschäft einer Lumpensammlerin, während sich ihr Mann redlich und brav als Steinbrecher ernährte. Das Leben der beiden Ehegatten war ein höchst unglückliches, da die in schlechtem Rufe stchende Frau der Völlerei und Unzucht im hohen Gtade ergeben war und in ihr daher, nach verschiedenen Drohungen zu schließen, der Gedanke reif wurde, ihren Mann aus der Welt zu schaffen. Die Angeklagte gibt bei der Verhandlung nur zu, mit ihrem Manne in Streit gerathen zu sein, in Folge dessen sie ihm einen Stoß ver⸗ setzt, der gegen ihren Willen den Tod des Unglücklichen durch Eritinken herbeigeführt, während sie in der Vor⸗ untersuchung nach anfänglichem Leugnen zugestanden hatte, daß sie aus Wuth darüber, daß ihr Mann sie geschimpft, denselben in das Wasserloch gestoßen, um ihn los zu werden, daß sie aver sosort versucht, ihn wieder durch eine Stange zu reiten. Letzteres scheint indeß in keiner Weise der Fall gewesen zu sein. Die umfangreiche Zeugenvernehmung bot ein scheußliches Bild der höchsten Rohheit und mora⸗ lischen Verkommenheit der Angeklagten, wie überhaupt die ganze Verhandlung überreich an scandalösen Momenten war. Trotz der mit großem Geschick geführten Vertheidigung des Hofgerichtsadvokaten Obly sprachen die Geschworenen nach einer Berathung von etwa 10 Minuten das Schuldig wegen Mordes aus, worauf der Gerichtshof gegen die Angeklagte die Todesstrafe erkannte. Mainz. Am 25. d., Nachmütags gegen 4 Uhr, hatten wir hier ein starkes Gewitter, des heftigen Regen mit Hagel vermischt brachte. In der Gewarkung von Klein⸗Winzernbeim wurde ein Mann, der in Gesellschaft eines Kindes auf dem Felde beschäfligt war, vom Blitze erschlagen; seine Kleiter waren angebranut und wurde et als Leiche aufgefunden.
Mainz. Am Fastnachtsdienstag, im Wartesaal der Ludwigsbahn, schwoll die Laune eines Pfälzer Burschen eiwas zu sehr an. Zwei anwesende Gendarmen zeigten
nicht ganz in ber Ordnung, er widersetzie sich und die Gendarmen ergriffen ihn. Auf seinen Hülferuf aber eilten einige hessische Soldaten, die ihn kannten, berbei, um ihn den Gendarmen zu entreißen. Letztere trugen einige kleine Verletzungen davon. Von den Soldalen konnte nur r ermittelt werden und das Kriegs gericht verurtheikte diesen Einen auf das wiederholte, schließlich eidliche Zeugniß der
Unschuldsbetheurung des Beklagten, dem indessen ein Be⸗ weismittel nicht zu Gebote stand, zu zwölfjähriger Festungs, haft. Djeser Tage nun ist der Verurtheilte, ein Mainzer, von Ehrenbreitstein wieder hier bei seiner Familie ange⸗ langt— er war unschuldig verurtheilt. Ein anderer (Soldat von Wörrstadt, dem der Wein am Ostertage die Zunge gelöst, har sich als der Gesuchte bekannt. Mannheim. Das Publikum wie auch die hiesige Presse sind in größler Aufregung über Mißhandlung von Soldaten. Ein Soldat vom 2. Grenadier-Regi⸗ mente„Kaiser Wilhelm“ wurde neulich eines kleinen Vergehens wegen von dem Sergeanten Flöhring auf den After getreten, daß er am 25. d. früb im Spital an seiner Verletzung starb. Ferner wurde dieser Tage einem Sol⸗ daten von der vierten Compagnie des gleichen Regiments ein Gewehrkolben von dem Feldwebel mit solcher Heftig⸗ keit auf die Brust gestoßen, daß der Soldat sofort in's Krankenhaus verbracht werden mußte. 5 Miünchen. Nach der dahier erscheinenden„Zeitung für Feuerlöschwesen“, vermachte die am 1. März in München verstorbene Appellasionsgerichts-Präsidenten⸗ Wittwe Sadine v. Schmitt, der Münchener Feuerwehr die bedrutende Summe von 18,000 fl., ein Legat, wie es kaum im deuischen Feuer wehrwesen bis jetzt oagewesen ist. Das Geld soll, wie das Testament sagt,„zur Unterstützung der in Ausübung ihres ed en Beruses verunglückten Feuer⸗ wehrmänner und deren Hinterlassenen verwendet werden.“ Straßburg. Die„Straßb. Zig.“ meldet: Ein Be⸗ sucher des Müunsterthurms bat eine kühne, wir möchten fast sagen„Frevelihat“ ausgeführt. In der Höhe bei den ausgesteckten Fahnen angekommen, gelüstete es ihn, ein Stück von dem Fabnenzeuge als Andenken in Besitz zu haben und im Nu war er an einer der schräg ausge⸗
steckten Fahnenstangen hinausgekleitert, sich die erwünschte
Reliquie zu holen. Die Sache klingt unglaublich; sie
Zusammenlegung von Grundstücken, Wege und Ent- ist aber wahr, mehr als ein Augenzeuge hat es schaudernd
wässerungs⸗Anlagen und sonstigen Meliorationen. Einige angesehen.
D. Frankfurt a. M., 27. April 1872.(Börsen⸗ (woche vom 22— 27. April.) Angesichts des fortgesetzt guten Geldstandes und der mit Leichtigkeit überwundenen Ultimoliquidason muß man wohl glauben, daß die Speculalion vorsichtiger und mäßiger geworden ist, sonss würde sie, gewiß mieder Exlravaganzen getrieben haben. So aber gehr man ruhiger und überlegender an's Werk, wie der Verkehr dieser Woche zeigt, in welcher(abgesehen von den jüdischen Feiertagen) sich Käufer und Verkäufer im Allgemeinen gleich resexvirt gegenüberstanden. Im Interesse der Börse selbst, wie des commerziellen Verkehrs überhaupt, ist zu wünschen, daß dem noch noch längere Zeit so sein möge. Hinsichtlich der internationalen Speeu⸗ lationswerthe ist ein abermaliger allgemeiner Coursrück⸗ gang zu verzeichnen, namentlich bei Staatsbahn in Folge starker Verkäufe für Pariser und Berliner Rechnung und wegen der großen Mindereinahme, während bei den anderen Sorten die Contremine ihre Hand im Spiele hat. Dagegen sind für die anderen Kategorien des Courszettels, wenn auch kein bedeutendes Geschäft, so doch theilweise bessere Preise zu constatiren, wie z. B. bei Banken, von denen Fikf. Bankverein, deuische Vereinsoank, Darmstädter (8 fl.), Leipziger, Pfälzer und Meininger höher bezahlt wurden. Bahnwerthe verkehrten dem Umfang nach zwar schwach, doch hielten sie sich theilweise sehr gut, wie das bessere Coursniveau der Linz⸗Budweiser, Buschterader, Donau⸗Drau, Franz⸗Joseph und Voralberger zeigt. Böhmische Weft und Galizier hingegen waren billiger zu haben, Pfälzer⸗Nord eine Kleinigkeit höher, von Deutschen waren junge bayer. Ost ½% billiger zu haben. Staats- papicre verkehrten die Woche über bei recht guter Stim⸗ mung, namentlich österr. Silbertente. Bayern, Würtem⸗ berger und Badenser gewannen Bruchtheile. Russen und Türken ca. ½% höher. Prioritäten und Pfandbriefe ohne besonderes Animo, dafür aber an solide Käuser übergehend. Loose vernachlässiat und meistens billiger zu haben. Amerikaner sehr stul und lustlos. Staatsbonds zwar preishaltend, Prioritäten aber billiger.
Summarische Uebersicht
der in den Pfarreien des Großh. evangelischen
Dekanats Friedberg im Jahr 1871 einge⸗
gangenen kirchlichen Collecten.
1) Assenbeim 95 fl. 31 kr.— 2) Bad⸗Nauheim 68 fl. 15 kr.— 3) Bönstadt 35 fl. 16½ ke.— 4) Bruchen⸗ brücken 22 fl. 13 kr.— 5) Docheim mit Schwalheim 35 fl. 9 kr.— 6) Fauerbach b. Fr. 9 fl. 28½¼ ke.— 7) Florstadt 21 fl. 58½ kr.— 8) Friedberg 141 fl. 32 kr.— 9) Nieder⸗Rosbach 25 fl. 5/ kr.— 10) Nieder⸗ Wöllstadt 22 fl. 53½ kr.— 11) Ober- Rosbach 25 fl. 38 kr.— 12) Osseubeim mil Bauernheim 39 fl. 8% ke. — 13) Reichelsbeim 36 fl. 3 kr.— 14) Staben mit Stammheim 27 fl. 10 kr. Summa 605 fl. 22½ ke.
Ossenheim den 25. April 1872. b
Großh. evangelisches Dekanat Friedberg. Buch bold. ö
Reservist, fand diese Intervention der bewaffneten Macht
Gendarmen über die Indentität der Person bin, trotz der
10
flelung
free Materie dendunz Dit lan un“ dumig e ag d geh nenn
9170


