Ausgabe 
30.1.1872
 
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Die Regierung babe keine Veranlassung, hier ein zugreifen.

In der neuesten Nummer desArmee Berordnungs Blattes forscht das würtembergische Kriegsministerium nach dem Verbleib von 70 ver⸗ mißten Soldaten verschiedener würtembergischer Truppentheile; ebenso ersuchen acht verschiedene preußische Regimenter um Auskunft über den Ver⸗ bleib von zusammen 1 Vicefeldwebel, 7 Unterofsi- zieren und 119 Mannschaften.

Zum 15. Februar d. J. steht auf den preußischen Kriegsschulen die Eröffnung von Offi zierscursen bevor, welche die Dauer von Mo- naten haben werden. Auf einigen derselben wird demnächst ein zweiter derartiger Cursus folgen, während die übrigen alsdann wieder ihren ge wöhnlichen Lehrgang aufnehmen sollen. Die Offi zierscurse der Kriegeschulen haben den Zweck, diejenigen Offiziere, welche durch ihre Leistungen im letzten Kriege zu dieser Stellung gelangt sind, ohne ihre militärwissenschaftliche Befähigung nach weisen zu braucher, nachträglich in den Lehrfächern, wie sie das Offizierexamen umfaßt, auszubilden, und zwar mit Ausnahme der Artillerie- und Irgenieuroffiziere, welche zu gleichem Zwecke in Berlin mit Benutzung der Localitäten der Ar tillerieschule zusammenderufen werden. Die Zahl der auf jene Weise zum Ossiziergrade gelangten Individuen ist eine sehr beträchtliche und soll sich auf ungefähr 1500 belaufen. In Bezug auf das Unterrichtswesen nehmen seit vorigem Jahre sämmt liche Theile des deutschen Heeres, exclusive Bayern, an den preußischen Bildungsanstalten Theil.

Die Zahl der Petitionen, welche gegen das Schulaufsichts-Gesetz bei dem Landtage ein treffen, ist so bedeutend, daß dieselben sich jetzt wohl auf 2300 Stück und darüber belaufen dürften.

München. Der Antrag der Ultramontanen auf Verfassungsverletzung in Sachen des Bischofs von Augsburg ist in der Abgeordnetenkammer mit 76 gegen 76 Stimmen abgelehnt t worden.

Der König bat für die Kette des schwarzen Adlerordens mit einem Schreiben an den Kaiser gedankt, worin gesagt ist, er(der König) erkenne in dieser Verleihung eine neue Bürgschaft der freundschaftlichen Gesinnungen des Kaisers. König Ludwig gedenkt des gecinten Deutschlands mit den besten Wünschen für dasselbe und versichert, daß ermit stolzer Freude in ein Ordenscapitel trete, dae mit vollstem Recht zu den gefeiertsten der Erde zähle.

27. Jan. Abgeordnetenkammer. Debatte über die Beschwerde des Bischofs von Augsburg. Cultusminister von Lutz vertheidigt in mehr als zweistündiger Rede die Verfassungsmäßigkeit des Regierungsstandpunktes, iasbesondere die niemals unterbrechene oder aufgehobene Gültigkeit des Pla ccts. Nachdem beide Referenten Namens der Aus schußminorität und Majorität gesprochen, er⸗ greift der Ministerpräsident, Graf Hegnenberg, das Wort. Bei der sodann erfolgenden Ab stimmung wird der Beschwerde- Antrag mit 76 gegen 76 Stimmen verworfen. Die überfüllten Galerien gaben ihre Freude über das Resultat der Abstimmung durch laute wiederholte Bravos zu erkennen. Von der Rechten stimmten Bezirks- amtmann Maier und Bürgermeister Prestele gegen den Majoritätsantrag. Der zur liberalen Partei gehörige kranke Abgeordnete Julius Müller ließ sich in den Sitzungssaal tragen, um mit derselben zu stimmen.

Stuttgart. Die würtembergischen Truppen sind auf den Kaiser beeidigt worden. In der Kammer der Standesherren hielt der neuernanntt Präsident derselben, Fürst Waldburg Zeil, eine Antrittsrece, in welcher er sagte: Er sei ein Gegner der reichsgefährdenden Sonderbestrebungen, trete aber für die berechtigte Sonderstellung der Krone und die verfassungsmäßigen Rechte des Hausts ein. Die Bedeutung der Einzellandtage sei nicht zu unterschätzen, für die Einzelstaaten ein scheinbarer Verlust nach Außen durch einen inneren Kraftzuwachs als Theil des großen Ganzen ersetzt.

Straßburg. Mit der Anlegung der projec⸗ tirten detachirten Forts um Straßburg wird, wie

es nach einer Notiz desNiederrh. Kur. den! gemacht worden.

Anschein hat, nunmehr Ernst gemacht. Das Blatt berichtet nämlich:Am 12. Februar werden fünf größere Forts(Nr. 2 6) bei Straßburg an die mindestfordernden Baugesellschasten vergeben; sie sollen in 2 3 Jahren vollendet sein.

Mitglieder der hiesigen Handelskammer haben nach derStraßb. Zeitung die Bildung eines Vereins in die Hand genommen zu dem be sonderen Zwecke, die Verwirklichung der Anlage eines Canals für die große Schifffahrt zwischen Straßburg Ludwigehafen- Mannheim anzustreben und überhaupt die Anlage und Verbesserung aller Verkehrswege im Rbeinthal zu begünstigen. Eine erste Versammlung Solcher, welche fich für diese Zwecke interessiren, ist auf Samstag den 22. Febr. anberaumt.

Ausland.

Frankreich. Paris. Ein Manifest Nepo- leon's soll demnächst in London, Brüssel und Wien erscheinen. Pouyer⸗Quertier's Rücktritt nach der Votirung der Steuern wird in Aussicht gestellt.

Ueber die bereits gemeldete neuerdings stattgehabte Verwundung eines deutschen Soldaten in Epernay durch einen Franzosen wird mitge theilt, daß gelegentlich eines Wirthshausstreites ein preußischer Soldat einem Arbeiter einen Säbel bieb beigebracht, und Letzterer dann, am Ausgang des Lokals auf seinen Gegner lauernd, einem andern Preußen, den er irrthümlich für denjenigen hielt, welcher ihn verwundet, seinerseits eine, wenn auch nur leichte Verletzung beibrachte. Der Ar beiter ist verhaftet.

Die Organistrung der Vertheidigung von Paris und Umgebungen, schreibt dieUnion, ist der Gegenstand der eifrigsten Studien unserer Genie- und Generalstabs-Offiziere; namentlich be schäftigen sich die Generale Dubost, Dopoust, de Reviere und Blondeau vom Genie mit diesen Fragen. Man ist ziemlich übereinstimmend der Ansicht, daß das rings um die Hauptstadt anzu⸗ legende verschanzte Lager ein möglichst ausgedehntes sein müsse, um einer bedeutenden Armee gerär⸗ miges Unterkommen, große Freiheit der Bewegung und leichte Zufuhr der Proviante zu gewähren. Die Höben von Pierresitte, Argenteuil, St.-Cyr, Roquencourt, les Loges, Gehölz von Verrieres, Chutillon, Plateau von Avron und Wald von Bondy scheinen am besten geeignet, die neuen Be festigungswerke aufzunehmen.

Aus einem vor wenigen Tagen von dem Journai officiel ausgegebenen Bulletin über die Zahl der noch wegen Theilnahme am Commune aufstand in Haft gehaltenen Individuen ergibt sich, daß in der vorangegangenen Woche an die sechstausend solcher Inculpaten auf freien Fuß ge setzt worden waren. Man schätzt auf sechs. bis höchstens achttausend die Zahl der Individuen, gegen welche noch ein richterliches Erkenntniß ein zuholen sein wird, und berechnet, daß die zwanzig für diese Verbrechen und Vergehen eingesetzten Kriegsgerichte die ganze Arbeit bis Ende April werden bewältigt haben können.

DieAgence Havas meldet: Das Comite von Nancy, welches die Subseciption behufs Be freiung des französischen Gebietes von der Oc cupation in die Hand genommen hat, will eine Combination gefunden haben, durch welche in einem Tage 400,000 Francs zusammengebracht würden. Das Comite wird Vertrauensmänner bierher eutsenden, welche sich mit der Presse ver ständigen und dem Publikum die Combination, deren Ausführung dem Staate 500 Millionen zuführen würde, auseinandersetzen sollen. Mehrere parlamentarische Fractionen scheinen dem Vorschlage, einen Vicepräsidenten der Republik zu ernennen, abgeneigt zu sein.

Wie versichert wird, ist die Regierung mit der Prüfung der Frage der Ernennung eines Vicepräsidenten der Republik beschäftigt; boch ist

es in dieser Beziehung noch zu keinem definitiven

Beschluß gekommen. Der mehrere und zum Theil

Regierung sind ganz ernstliche Aner

bietungen wegen Zahlung der drei Milliarden

Man wird sich indeß nicht vor nächstem Mai mit dieser Frage beschäftigen.

Man erwartet das Erscheinen eines kaiser lichen Manifestes zugleich in London, Brässel und Bern, von wo es nach Frankreich eingeschmuggelt werden soll. Hier werden die Bonapartisten aufs Strengste überwacht, und auf ihre Broschüren und Flugschriften:Sedan, Conversation an der Wirths tafel,die bonapartistische Conspiration ꝛc. ꝛt. ge- fahndet und die Grenzbehörden erhielten Weisung, Nichts derartiges passiren zu lassen und den Ver kehr vorsichtigst zu überwachen.

Man meldet von hier: Preußen notificirte seine Bereitwilligkeit, die oceupirten Departements im Falle des Gelingens der Nationalsubscription vor dem bestimmten Termine zu räumen, wozu ee nicht verpflichtet sei.

Für den 28. Januar, den Jahrestag der Capitulation von Paris, werden auf Befehl der Behörden alle Theater und alle Concert- und Ball-Locale geschlossen sein.

Belgien. Brüssel. Man meldet der Indépendance aus Versailles: Thiers weist die Zumuthung zurück, nicht in der Kammer zu sprechen. Er wolle keine stumme Rolle spielen. Er protestirt gegen den Plan einer Vicepräsidentschaft. Lieber wolle er sich zurückziehen.

Großbritannien. London. Aus Monte⸗ video vom 27. Dezember wind gemeldet, daß der italienische DampferAmerika auf der Fahrt von Bpenos Ayres nach Montevideo am 24. des- selben Monats verbrannte. Die Zabl der Passa giere und Mannschaften belief sich auf 214 Per- sonen, von welchen 87 umkamen.

Friedberg. Die am 10. d. M. auf dem Pbilippi⸗ schen Felsenkeller abgehaltene Versammlung des land wirthschaftlichen Casinos für Friedderg und Umgegend war sehr zahlreich vesucht und ebenso amüsant wie be lehrend. Herr Schultheis, Zögling der Ackerbauschule, leitete die Frage über Tiefkultur durch einen klaten und leicht verständlichen Vortrag ein. Nachdem er darauf hingewiesen hatte, wie durch Vertiefung der Ackerktume das Bodenvolumen für die Pflanzen vergrößert werde, wodurch nicht allein eine bessere Ennosckelung der Wurzeln, sondern der ganzen Pflanze möglich sei; wie ferner in sehr vielen Fällen durch Heraufholen des Untergrundes die Ackerkrume verbesser!; wie ganz besonders aber die Feuchlgkeil durch die Tiesculsur zum Vortheil der Pflanzen geregelt werde, warnte er nöchdrücklich vor einer sorcirten Vertiefung der Ackeikcume, wenn nicht eine ent⸗ sprechende Düngung damit verbunden und wenn der Untergrund, was sehr oft der Fall sei, zu viel Eisen⸗ oxydulsalze enthalte, durch deren Heraufbringen der Boden vollständig unfruchtbar gemacht werde. In letzterem Falle erwäonte der Herr Reserent sei die Anwendung des Unter grundpflugs zu empfehlen, durch welchen der Boden aufgelockert, ohne daß der Untergrund an die Oberfläche gebracht werde. Die zweite Frage, durch welche Mittel kann der Obstbau gehoben werden? wurde von Lehrer Rückert eingeleitet. Referent betonte die bohe Bedeu⸗ tung des Obstbaues in volkswirthschaftlicher Beziebung, widerlegte die Ansichten, als seien Lage, Klima und Boden dem Obstbau nicht günstig. Bei Anlagen sei die La ge und der Boden zu verücksichtigen und danach die anzu⸗ bauende Obstsorte auszuwählen. Geschehe dies nicht, dann könne es volkommen, daß der Obsibau nicht lohnend sei. Referent slützte seinen den gesammten Obstbau um⸗ lassenden Vortrag auf folgende 6 Punkle: 1) Bessere Obss⸗ baumpflege; 2) Verbreitung einträglicher und werthvoller Obstsorten; 3) bessere Benutzung des Obstee; 4) Vertil⸗ gung der dem Obstbau schäßlichen Thiere; 5) Schutz der Jusekten fressenden Vögel und 6) guter Feldschutz. Außer verschiedenen Wünschen wegen Abbaltung der Versammlung zu einer für die auswärtigen Theilnebmer gelegenen Zeit, welchen aber mit Rücksicht auf die Acker⸗ bauschule nicht entsprochen werden konnte, lag auch ein Antrag von dem zweilen Vocsitzenden, Herrn Oeconomen Hill, dor, der bezwackie, innervalb des Casions wieder einen Verein zu gründen, behufs Anschaffung der be⸗ deutenosten Fachzeilschriften. Herr Hill wollte dieselben in einem eigens bafür bestimmten Zimmer aufgelegt wissen; in den regelmäßigen Versammlungen sollie der Bibliothekar kurz über den Inhalt referiren und auf die wichtigsten Abhandlungen zum Lesen aufmerksam machen. Tlotzdem, daß diese Einnichtung gewiß sehr praklisch und von ersprießlichem Nutzen für das Casino wie für die Ackerbauschule werden könnte, fand der Antrag doch nicht die nöthige Unterstützung, um von dem Casino zum Be⸗ schluß erhoben zu werden. Damit wurde die Veirsamm⸗ lung geschkossen.

b Aus der Wetterau. Im Kreise Friedberg ist gegenwärtig in laudwirthschaftlicher Beziehung ein recht tühriges Streben bemerkoar; nicht nur, daß die General⸗ und Sectionsversammlungen des landwirthschaftlichen Bezirksvereins recht zahlreich besucht werden, sondern es bestehen auch bis jetzt 6 landwiribschaftliche Kränzchen oder Casinos im Kreise, welche alle sich einer zahlreichen Betheiligung zu erfreuen haben. Am 13. d. M. bildete

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